Der Blick ins Klo oder steigende Spiegel

Vorsichtig taste ich nach der Türklinke. Es ist stockdunkel hier. Doch eben war noch Licht, ich weiß, da muss irgendwo die Klinke sein. Jetzt nur nicht irgendwo rein treten, hätte ich doch vorher genauer hingesehen.

Zu jeder ordentlichen Kneipentour gehört zwangsläufig auch der eine oder andere Toilettenbesuch. Und das kann in der Dresdner Neustadt manchmal ganz schön abenteuerlich werden. Die eben beschriebene Dunkelheitsattacke erlebte ich im Hebedas, wo das Klo für die Herren nur über den Hausflur erreichbar ist und der Lichtschalter bei den Damen hängt. Und manch stromsparende Person löscht das Licht eben mal, wenn sie das stille Örtchen verlässt.

Anderswo sind die Toiletten zwar super schön gestylt, aber auch gefährlich, so lauerte das Damenklo im „Copas y Tapas“ mal einer Begleiterin von mir auf. Hinein kam sie rasch, doch nicht hinaus. Erst nach heftigen Ziehen und Zerren und Androhung von roher Gewalt gab die Tür nach und öffnete sich. Noch fieser ist das Pinkelbecken in der Studiobar. Wer hübsch brav auf den Spülknopf drückt, bekommt eine Hosenspülung dazu. Das macht sicher Eindruck bei den Damen.

Manch Kneipe drückt sich um das Toilettenproblem. In „Neumanns Eisgrotte“ gibt es einfach keine. Das war schon immer so und wird sich nur eventuell ändern, wenn demnächst renoviert oder saniert wird. Ein Erlebnis im positiven Sinne bot eine zeitlang das Örtchen im „Blumenau“. Für alle, die gerne etwas länger sitzen, gab es Hörspiele auf die Ohren. Unterbrochen nur von Strull- und Spülgeräuschen.


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Keinem wünsche ich das Erlebnis einer verstopften Toilette, so etwas kommt aber immer wieder vor. Neulich erst in, nein das wäre fies, denn die Jungs haben sich sofort gekümmert und inzwischen ist alles wieder in Ordnung.

Zurück zum Hebedas. Nach einer Weile haben sich die Augen an die Umgebung gewöhnt. Konturen werden erkennbar, kleine Lichtstrahlen, die durch die Ritzen dringen. Da ist die Klinke. Auf – geschafft, ich bin in Sicherheit, habe das Klo hinter mir gelassen. Ein prüfender Blick, alles sauber, ich kann in die Kneipe zurück.


Anmerkung 2011: Das „Copas y Tapas“ und „Neumanns Eisgrotte“ gibt es nicht mehr, und im „Hebedas“ sind die Kloverhältnisse inzwischen beleuchtet. Witzige Geräusche gibt es derzeit im „Zille“, dort werden Schlager mit halber Geschwindigkeit abgespielt, nebenan im „Lebowski“ ist Helge Schneider in einer Dauerschleife zu hören.

1 Kommentar zu “Der Blick ins Klo oder steigende Spiegel

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