Beim farbwechselnden Kriechtier

Die Zotteln begannen schon in die Stirn hineinzuragen.

Die Zotteln begannen schon in die Stirn hineinzuragen.

Sie lacht. Sie schnippelt. Sie schmunzelt, freut sich über meinen fehlenden Dialekt und meine Witze über das Fehlen einer Frisur, bleibt aber dabei, dass es lohnt, Schere und Kamm anzusetzen. Ich habe mich in die Höhle des Chamäleons gewagt. Die Haare mussten mal wieder gestutzt werden und der Laden auf der Hoyerswerdaer Straße war schon lange fällig. Inhaber Jens Liebsch begrüßt mich lässig und weist mir meine Topstylistin zu. Die heißt Brit und hat überhaupt gar kein Problem damit, wenn ich Friseuse sage.

Zuerst darf ich Platz nehmen. Vor einem Spiegel, der verschwenderisch lang in die Höhe ragt und damit die Raumhöhe optisch nochmal verdoppelt. Brit beginnt mit einer Beratung, mir werden Kaffee und Wasser offeriert. Ich lehne ab und die Beratung gerät so kurz, wie ich mir meinen Haarschnitt wünsche. Nun werde ich nach hinten komplimentiert. Kräftige Finger massieren meinen Kopf, sämtlicher Alltag scheint zu entschwinden.

Dann zückt sie die Schere, findet noch ein paar Haare und schnippelt herum. Wir schwatzen und tratschen. Sie berichtet stolz, wie gut es ihr hier gefällt. Seit zwei Jahren arbeitet sie schon, besonders gefällt ihr, dass es hier weder Lockenwickler noch Dauerwellen gibt. Mein Schade lässt sie wieder lachen. Doch dann herrscht plötzlich Stille. Die Musik ist aus und der Kollege schaltet den Fön ab. Jetzt erinnert mich der Salon an eine Bahnhofshalle. Die Höhe, die kargen Wände. Brit ist empört und sorgt sofort wieder für neue Klänge.

Nach einer dicken halben Stunde sind dann die letzten Härchen gekürzt und der Nacken ausrasiert und fast zärtlich streicht sie mir die Haare glatt. Fertig! Ich schaue sie staunend an, keine Frage nach Haargel. „Hab ich Dir schon längst reingemacht“, sie lacht, „keiner will es und doch sieht’s gut aus, oder?“ Ein Blick in den Spiegel – sie hat recht. Auch wenn ich mich nun etwas überrumpelt fühle, das Ergebnis überzeugt. Ich werde zur Kasse gebeten, 29,- Euro, kein Pappenstiel, aber gut angelegt.

ein neuer Mensch, dank dynamischer Kurzhaarfrisur

ein neuer Mensch, dank dynamischer Kurzhaarfrisur

  • Fazit: Hohe Schnittkunst, erstklassiger Unterhaltungsfaktor, angenehme Massage, ausgefallene Räume. Nichts für den eiligen und knausrige Kunden. Preise: Haarschnitt ab 20,- Euro, mit Föhn teurer.
    Chamäleon, Hoyerswerdaer Straße 34, Telefon: 0351 8108207
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6 Kommentare zu “Beim farbwechselnden Kriechtier

  1. anni
    27. Februar 2014 at 13:19

    chic

  2. 27. Februar 2014 at 15:11

    29 Okken……bo eehhh…ich weis ja das die Mädels und Jungs jetzt mehr Geld verdienen,aber das Geld für ne Kurzhaarfrisur—-> mein lieber Scholli !!

    grussi……..

    (aberendlichwiedermalnenFriseurtest!!)

  3. manacerace
    27. Februar 2014 at 19:05

    teuer, aber hübsch.

  4. margarita
    27. Februar 2014 at 19:59

    vielleicht könnte man mal jemanden mit längeren haaren regelmäßig testen lassen?
    da wären die resultate dann tatsächlich auch für längerhaarige interessant :)

  5. 2. März 2014 at 19:50

    @margarita

    also ich—->
    demnächst…..der Vokuhila…..die Tage ja—s wird aber keine Fotos geben…….

    grussi…..

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