Vom Winde verweht – nicht verschwunden

Schwerpunkt der Pusteblume ist Frauen- und Kinderliteratur
Schwerpunkt der Pusteblume ist Frauen- und Kinderliteratur, Männer sind natürlich trotzdem herzlich willkommen
„Der Kampf für die Gleichberechtigung der Frau ist noch nicht ausgefochten.“ – Dieses Zitat stammt nicht aus der Frauenzeitschrift Emma, sondern von der Neustädterin Cornelia Maul.

In den siebziger Jahren braute sich ein heftiger Sturm zusammen: Nach amerikanischem Vorbild beschlossen nun auch in Deutschland immer mehr Frauen, ihre Rechte gegenüber der Politik einzufordern. Gedanken wurden zu Papier gebracht. Papiere wurden verbreitet. Frauen schrieben für Frauen – und damit für eine ganze Bewegung. Ein Vierteljahrhundert später verirrte sich schließlich ein Hauch feministischen Geistes in die Neustädter Bücherwelt. Cornelia erkannte die Gunst der Stunde und gründete 1995 eine Buchhandlung, in welcher sich alles um das „schönere Geschlecht“ drehen sollte. In der „Pusteblume“ füllte vor allem „Frauenpolitik“ die Regale – ein Konzept, was aufzugehen schien. Schnell erkannte die Inhaberin, dass viele der Neustädterinnen nicht nur Frau, sondern auch Mutti sind. So lag es im kinderreichsten Viertel Dresdens nahe, das Sortiment des Buchladens entsprechend der jungen Zielgruppe zu erweitern. Fast zwanzig Jahren sind seitdem vergangen: Heute ist die Pusteblume ein gemütlicher Anlaufpunkt für die ganze Familie. Hier kann man entdecken, staunen und lachen.
Kein Bücherwurm, sondern ein Bücherhund freut sich in der Pusteblume über Streicheleinheiten
Kein Bücherwurm, sondern ein Bücherhund freut sich in der Pusteblume über Streicheleinheiten
Dreimal schon versetzte der Wind die Pusteblume an einen anderen Ort: Eröffnet hatte Cornelia auf der Martin-Luther-Straße. Dort verweilte der Buchladen zwölf Jahre, bevor er sich 2007 auf der Pulsnitzer Straße niederließ. Anfang diesen Jahres wurde schließlich ein weiterer Umzug unumgänglich. Ein sanftes Lüftchen reichte nicht aus, um die feuchten Wände auf der Pulsnitzer zu trocknen, stattdessen trug es das Lädchen weiter bis auf die Bautzner Straße 67. Das Bio-Café in den alten Räumlichkeiten musste schon vor dem eigentlichen Umzug schließen, weil Schimmel bereits das Gemäuer befallen hatte. Cornelia versichert, dass die Eigentümer ihr angeboten haben, jederzeit zurückzukehren. „Noch einen Umzug möchte ich mir ersparen, außerdem wären die Mieten in dem renovierten Gebäude für uns nicht mehr tragbar“, merkt die Inhaberin der Pusteblume an. Zwar gibt es kein eigenes Café mehr auf der Bautzner, Kaffee gibt es für ihre Kunden aber immer noch – „auf Wunsch auch mit Sojamilch“, ergänzt die Buchhändlerin lächelnd.

preisgekrönte Buchhandlung

Sechsmal – zuletzt 2013 – erhielt der Neustädter Buchladen auf der Leipziger Buchmesse den Preis für den schönsten Kinderbuchhandel. Neben bunten Bilderbüchern und Jugendromanen können auch zahlreiche Lehrmaterialien und Spiele erworben werden. Auf das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ legt Cornelia bei der Auswahl ihrer Bücher besonders viel wert. „Im Gegensatz zu den großen Buchhandlungen, kann ich selbst darüber entscheiden, was ich in unser Sortiment aufnehmen möchte“, betont die Chefin. So kommen auch die weiblichen Interessen nicht zu kurz: Wellness, Kochen und Politik, seien noch immer Themen, die Frauen interessieren. Besonders vegetarische/vegane Kochbücher mit farbigen Abbildungen werden verstärkt nachgefragt, so Cornelia. Auf die Frage, ob sich das Kaufverhalten der Kunden in den letzten Jahren geändert hat, gibt die Neustädterin zu: „Klar hat sich einiges verändert. Gekauft werden vor allem teure und hochwertige Bücher mit aufwendig gestalteten Illustrationen oder Fotografien, die man eben nicht auf einem E-Reader im gleichen Maße genießen kann.“

Das Besondere an der Pusteblume ist, dass viele Bücher in den Regalen aus der Feder einer Frau stammen. Auch in Zukunft möchte Cornelia thematisch dem ursprünglichen Konzept die Treue halten: Ein Buchladen von Frauen für Frauen mit Büchern von Frauen für Frauen – und ein Buchladen für die Kinder der Neustädter Muttis. Auch einen Buchtip hat die Buchexpertin noch parat: San Miguel von T.C. Boyle – „ein männlicher Autor, der eigentlich ein feministisches Buch geschrieben hat“, sagt Cornelia. Die Geschichte spielt zwischen dem Ende des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts und erzählt aus der Perspektive dreier Frauen – ganz ohne romantischen Kitsch – vom harten Leben auf einer amerikanischen Insel fernab der Zivilisation.

Der Wind hat sich gelegt, die Pusteblume ist angekommen und hat nicht vor aus der Neustadt zu verschwinden. Auch Samstags kann man bis 19 Uhr mit der Familie im Laden stöbern oder noch schnell ein Geschenk besorgen. Freuen können sich die Besucher der Frauen- und Kinderbuchhandlung auf spannende Lesungen und andere Veranstaltungen, die in diesem Jahr noch folgen sollen.


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Informationen und Öffnungszeiten

  • Buchhandlung Pusteblume, Bautzner Straße 67
  • Montag bis Sonnabend 10 bis 19 Uhr
  • Telefon 0351 8045787, im Internet zu erreichen unter www.pusteblume-buchhandlung.de

10 Kommentare zu “Vom Winde verweht – nicht verschwunden

  1. hmmm, ich kann mich mit dem Wort „Frauenliteratur“ nicht anfreunden. Was soll das sein?? Funktioniert so Empanzipation?
    Ich glaube nicht..

  2. Meistens sehr gut sortiert, Verkäuferin hatte aber Probleme, als meine Tochter Kinderbücher in die Hand nahm und diese querlas oder darin herumblätterte. Das erachte ich für verbesserungsfähig. Ich allein hatte diese Probleme nie. Daher gehe ich für Kinderbücher jetzt lieber zu Richters.

  3. … aber Richters wollen die quergelesenen oder durchgeblätterten Bücher sicher auch verkaufen, oder? Eine Buchhandlung ist ja nu mal keine Bibliothek.

  4. natürlich ist eine Buchhandlung keine Bibliothek, sie ist aber auch kein Museum, wo man nichts anfassen darf. Es ging nicht darum, dass das Buch etwa geknickt oder beschädigt worden wäre. Offensichtlich sah die Verkäuferin nur die Gefahr, dass so etwas passieren könnte, weil ein 10jähriges Kind ein Buch in die Hand genommen hatte. So etwa hatte ich bis dahin noch nie in einer Kinderbuchhandlung erlebt.

  5. Ich bin immer sehr gerne da und mein 2jähriger will auch immer wieder in die „Pusteblume“ (wegen der Kiste mit Bauklötzen, Autos und Tieren und den Büchern zum angucken) Dass eine 10jährige Bücher dort nicht querlesen darf erstaunt mich alerdings, ich werde dort immer freundlich bedient. Und natürlich kann man dort auch jedes nicht-weibliche Buch bestellen. Weiter so!

  6. ich empfinde diese Buchhandlung als die beste Bereicherung der Neustadt, ganz egal, wo sie sich befindet und wie oft die Blume noch wandern/wegwehen sollte. Und finde die Besitzerin und auch die Verkäuferinnen sehr kinderfreundlich, sie wussten nach einiger Zeit sogar noch, was meine Tochter schon gelesen hatte und haben mir wertvolle Tipps gegeben, was sie noch so lesen könnte. Wo gibt es so was denn (und ich meine jetzt nicht Amazon: Käufer, die das gekauft haben, haben auch….) ?
    meine Kinder haben auch nie Ärger bekommen, egal, was sie gemacht haben.
    Von mir: ein ganz großes Lob und ich folge auch um die Ecke….

  7. Jeder Buchladen in der Neustadt ist eine Bereicherung, die Dichte der Läden ist ja nach wie vor ungewöhnlich. Für Kinder- und Jugendbücher ist übrigens inzwischen BüchersBest (Louisenstr.) mit eigenem großen Themenregal eine sehr gute Adresse. Kundenorientierter als dort geht es nicht.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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