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Fit together mit Claudia Seidel

Hinterhaus im Dornröschen-Schlaf

Sauberer unser Alaunplatz
Sauberer unser Alaunplatz
Aufgrund eines Termins, der weit vor der für die Neustadt typischen Aufsteh-Zeit liegt, konnte ich an diesem Morgen mal ganz in Ruhe durch das erwachende Viertel spazieren. Der warme November-Föhn umweht meine Haare und gewagt lasse ich den Reißverschluss der Jacke ein Stückchen weiter offen.

Vor den Hauseingängen haben sich offenbar die Hausmeister verabredet. Der Blaumann scheint die Anzugsordnung des Morgens zu sein. Auf dem Alaunplatz harken zwei Damen im Auftrag der Stadt den Spielplatz sauber. Währenddessen stromern die Kids aus Tannen-Gorbitz, vormals bekannt als Volvo-Ghetto, über die Wiese – Zielrichtung 15. Grundschule auf der Görlitzer Straße. Mit zunehmender Helligkeit tummeln sich immer mehr Kraftfahrzeuge auf dem Bischofsweg und an der Schauburg-Kreuzung ist schon ordentlich Berufsverkehr.

Eine Perspektive – zwanzig Jahre dazwischen
Doch vorher lockt mich eine offene Tür. Der Eingang zum Bischofsweg 16, da wo einst ein Angler-Laden, später ein Malerfachgeschäft und derzeit ein russischer Spezialitätenladen residieren, da geh ich rein in den Hof. Und die Vergangenheit scheint mich einzuholen. Die Stufen zum Hintereingang sehen fast noch aus wie vor zwanzig Jahren. Ich hab die Bewohner wieder vor Augen, die sich einst hier tummelten. Ob der Seitenflügel damals schon unbewohnt war? Ich weiß es nicht mehr. Jetzt holt sich die Natur das Haus jedoch mit aller Gewalt zurück. Vor lauter Baum sieht man das Haus kaum noch. Ein paar Schritte weiter kündet eine schräge Satelliten-Antenne von einstigen Bewohnern.
Baum oder Haus, der Kampf scheint entschieden
Baum oder Haus, der Kampf scheint entschieden
Ich verlasse den heimlichen Ort, ziehe das Gittertor hinter mir zu und hoffe, dass dieser verwunschene Ort der Erinnerung vielleicht noch ein paar Jahre so bleiben könnte.

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40 Ergänzungen

  1. die schönen Mülltonnen……..zum Glück konnte ich noch eine–fast nagelneu–retten, und diese darf jetzt bis zu meinem Tod(oder Heimplatzaufenthalt)noch ein tolles Leben führen….genau wie der Kugelstandaschenbecher….ich Zohni oder Ewiggestriger !? :???:

    grussi……..

  2. Volvo-Ghetto fetzt viel mehr !!!

    ….zumal heute dort oben ein SUV dieser Marke mit dicker Nerd-Brillen-Mutti hinterm Steuer mir mit dem Rennrad die Vorfahrt geschnitten hat und ich aus den Clickern musste.

  3. Wie kommt man denn bitte bei diesem Ghetto auf Gorbitz?
    Es soll wohl herabwüdigend für die Bewohner der Tannenstrasse klingen. Es ist aber wohl eher eine Beleidigung aller Gorbitzer, wenn man sie stets und ständig derart stigmatisiert.
    Wie auch immer solche Vergleiche trefen immer zwei Gruppen und man sollte sich überlegen, ob man beide herunter machen will.

    Für Volvo ghetto gilt wohl das gleiche. Zumal ich wette, dass die Volvodichte in der übrigen Neustadt überdurchschnittlich hoch ist.

    Sprechen wir doch lieben von den „über den Tisch gezogenen Wohncontainerbesitzern“

  4. Die Bezeichnung Volvo-Ghetto habe ich zum ersten Mal aus dem Munde eines ikarus vernommen. Tannen-Gorbitz, sagte neulich ein Anwohner der Tannenstraße zu mir, würde aber inzwischen gebräuchlicher sein. Die vom Bauträger gewünschte und von einer Werbeagentur kreierte Bezeichnung „Obere Neustadt“ hat sich im Volksmund bislang jedenfalls nicht durchgesetzt.

  5. Gibt es so ein Eingangs/Durchgangsbild (mit Hinterhaus) auch vom Bischofsweg 28?
    Denn da da habe ich als Kind gewohnt und hätte da gerne mal ein Vergleichsbild zu früher mit dem alten Schuppen vorm Haus.
    Denn Erinnerungen verschwimmen doch so schnell.

  6. Ich hab auch noch einen selbst kreirten: Als Urneustädterin fühle ich mich hier inzwischen oft wie in Dresden Prenzlauer Berg… :-/

  7. „tannen-gorbitz“ findet ihr das lustig (du der autor anton launer und deine „leser-klientel“)?
    macht das spaß andere leute zu diskriminieren? findet ihr das amüsant, wenn kleinkinder auf´m spielplatz mit „volvo-ghetto-kind“ beschimpft werden?

  8. Nun – die KommentatorInnen sind sich ja einig – es findet eine Ghettorisierung statt! Ja, ein Ghetto kann auch entstehen, wenn in einem Areal Menschen gleicher (hoher) Einkommensschichten leben. Ich hoffe es wird nicht so schnell eine gated community geben, was für mich der Gipfel der Gentrifizierung ist, aber naja, wir werden sehen…
    P.S. an Anton: Eine Nutzug des Vorderhauses haste vergessen: Da war mal jahrelang das Schaufenster des artderkultur drin (www.artderkultur.de).

  9. Kann es sein das „Tannengorbitz“ bis zur Stauffenbergallee erweitert wird? Das Parkplatzgelände wird umzäunt und irgendwie erscheint die Geschichte mit dem Brand in der Imbissbude auf einmal bissl komisch, sofern das der Container neben der Kirche war.

  10. …lies mal als blogger hier nach —> §130stgb und lerne objektive „artikel“ zu verfassen.
    echt unterirdisch dieses niveau.

  11. @a

    lern mal funktionierende Verlinkungen einzustellen, die beim klicken auf Deinen kreativen Namen Ihren Dienst tun.

    Seite 2 Absatz 1, „Ich und das Internet“!

    Wollte mal schauen wer so nen Quatsch schreibt…

  12. „a“:
    Beim § 130 StGB geht es um Gruppen, welche durch nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft verumglimpft werden. (Unterirdisch ist also die Verdrehung der Tatsachen)

    Bei den Bewohnern des sogenannten „Tannen-Gorbitz“ bisher „Volvo-Ghetto“ handelt es sich um eine Gruppe von Menschen, die sich durch Ihren gut gefüllten Geldbeutel auszeichnen. Es tut Stadtteilen bekanntlich nicht gut, wenn eine Entmischung (auch genannt Gentrifizierung) stattfindet.

    Es ist irgendwie menschlich wenn man diesen Prozessen mit Humor begegnet!

  13. Hallo ihr Lieben,

    ich frag mich manchmal, warum die Menschen, die so sehr auf Toleranz und Menschenwürde achten alltäglich oftmals nicht über ihren Schatten springen können.
    Leben und leben lassen!
    Ich wohne seit geraumer Zeit über dem Alaunpark.
    Lebe schon seit dem Studium in der Neustadt, damals noch in unsanierten Häusern, in großen WGs. Ich liebe dieses Viertel. Ich habe hier in allen möglichen Bars gekellnert, nächtelang mit den Neustädtern Wein getrunken und mich zugehörig gefühlt. Darf ich das jetzt nicht mehr, weil ich ein „Ghettomitglied“ bin? (Den Vergleich zu Gorbitz finde ich wie ein Vorredner ebenfalls respektlos für die Menschen, die dort wohnen! Was ist nur mit dem Anstand der Leute los?)
    Ist das nicht kindisch?
    Ich habe das Studium beendet und eine Familie gegründet. Wir haben lange nachbezahlbarem Wohnraum für eine Großfamilie mit drei Klienkindern gesucht. Wir haben uns für die obere Neustadt entschieden, vielleicht ist es ein Kompromiss, aber es ist prakitkabel und wir fühlen uns wohl. Niemand wurde hier wegsaniert oder aus seinem Wohnraum verdrängt.
    Hab ich mich selbt gentrifiziert?
    Wen hab ich verdrängt? Das Sputnik? Dem geht es doch gut im Neustädter Bahnhof.
    Ich habe auch keinen Volvo, eher versuche ich nicht von den bösen Radrennfahrern auf dem Weg vorm Alaunparkspielplatz umgefahren zu werden. Achja Klischees sind so was feines.
    Ich liebe die Neustadt und ich liebe auch ihre Einwohner. Ich weiß, dass viel Mist passiert und viele Immobilienhaie schlimme Dinge anstellen. Ich möchte nur um etwas Respekt und nachhaltigere Informationen bitten. Der Bauher vom „Ghetto“ verfolgt nämlich ein etwas anderes Konzept, aber naja Klischeedenken hat auch was Beuquemes.
    Einen schönen friedlichen Sonntag!
    Marlene

  14. @name
    Richtig, die Kinder können nichts für ihre Eltern! Der Spruch dazu lautet: „Kindermund tut Wahrheit kund.“

  15. @Peter Macheli: Der „Marx“ hat dort mit seinem Hund bis Mitte der 2000 gewohnt, bevor er ins Hechtviertel zwangsumsiedeln musste. War schon ein kleines, gekonntes Kunststück, die Treppen bis da hoch zu steigen :-)

  16. @Peter Macheli: Stimmt. Aber da musste man von hinten rein gehen… jetzt wo, ich genauer nachdenke; da war ja noch ein Haus, das muss dieses Nebengebäude sein…

  17. Die getroffenen Hunde hier sind sicher nicht die Bewohner der Oberen Neustadt, eher die anderen neidischen Kommentatoren.

  18. Ach ja, die B16 (schnief) ;0) hab da selber nie gewohnt – war aber oft zu Gast dort.

    @Peter Macheli & sylvia: Genau, ich erinnere mich, daß unter andern der „Monarch“ der BRN – Gregor Kunz – dort residierte

  19. @Marlene

    mit dem Ausdruck Tannen-Gorbitz soll wohl eher eine gewisse Uniformität und Kleinteiligkeit/Beengtheit der Bebauung zum Ausdruck kommen, es ist ja keine Einschätzung der dort wohnenden Leute. Selbst wenn da gar keiner wohnen würde, ist es eben immer noch Tannen-Gorbitz. Es sieht für Außenstehende halt nach kleinen Wohnbuchten wie in einer Platte aus.

    Wenn man sich das Luftbild auf Google Maps anguckt, ist ja eine deutliche Vereinheitlichung der Häuser als Typ WBS70 nicht abzustreiten. Und in Gorbitz dominierte eben auch der architektonische Eindruck von 40 mal dasselbe Haus. Das ganze Areal könnte (architektonisch gesehen) auch in Weixdorf oder Weißig stehen und eine der dort vorhandenen Eigenheimsiedlungen ergänzen. Ob jetzt dahinter irgendein besonderes Nutzungskonzept steht, sieht man nicht von außen.

    Nochmal: Eine Wertung der Anwohner ist damit jedoch nicht getroffen.

    Und ein wenig Selbsthumor wäre bei manchen Kommentatoren wünschenswert (das bezieht sich jetzt nicht auf Marlene).

  20. @Peter Macheli: Ach je, Marianne – die wollte mal mit ner Axt auf mich los, weil ich in ihr Klo gepinkelt hab. :oD

  21. Zitat Blogger:

    „…Tannen-Gorbitz, vormals bekannt als Volvo-Ghetto…“

    Wir haben es ja nun verstanden.
    Es ist alles so furchtbar hässlich dort und die Ghettobewohner sind alle so doof, böse und reich.

    „Werbung? Am Besten im Neustadt-Geflüster“
    „Neustadt-Geflüster Jetzt Partner werden!“

    Wer will den hier inserieren? Die reichen Ghettobewohner?

    ui ui ui

  22. Ach, eine wundervolle Diskussion. Schön vor allem, dass die „getroffenen Hunde“ nicht so recht verstehen, welches Problem man mit diesem Quartier haben kann…

    Also: wie schon die Martinsgans bemerkte, ist vor allem die vergleichbare Baustruktur ausschlaggebend – keinesfalls soll es eine Wertung über die dort Wohnenden oder die Gorbitzer abgeben. Man kann kann die Parallelen geschichtlich noch weiter sehen:

    A) Wie Marlene schrieb, fand sie keinen passenden Wohnraum – dieser wurde dort oben in einem völlig brachliegenden Gebiet geschaffen: wie damals Gorbitz.

    B) Vor allem in den ersten sozialistischen Wohnanlagen wurden primär junge Familien untergebracht. Das führte zu einer uniformen Altersstruktur, die sich jetzt in einigen Wohngebieten dadurch bemerkbar macht, dass der noch immer dort wohnende „Erstbezug“ zur selben Zeit in das gebrechliche Alter kommmt. Ich schätze auch für die „Obere Neustadt“ mal einen Großteil der Bewohner auf 30 – 45 (+ Kinder) – man kann das also auch vergleichen. Schaun wir mal in 30 Jahren, wie sich das auswirkt.

    C) Man darf eines nicht vergessen: Gorbitz war zu DDR-Zeiten für Viele ein Sechser im Lotto! Purer Luxus – im Vergleich zu Außenklo und Kohlenheizung… Eine Platte bekam man zu DDR-Zeiten deshalb auch, wenn man Priviligiert war (wobei dies NICHT mit „reich“ gleichzusetzen ist). Wer jetzt da oben an der Tannenstraße wohnt, ist auch priviligiert – wenn auch anders definiert mit „was auf Tasche“. Wieviel zahlt man da? 300.000 und mehr?

    D) Auch die Wohngebiete in der DDR wuchsen nach und nach. Während die ersten Leute schon Jahre wohnten, kam immer neue Blöcke und Bewohner hinzu… Auch das kann man an der Tannenstraße beobachten.

    Also, liebe Bewohner: nehmt es locker. Wenn von „Gorbitz“ die Rede ist, dann ist nicht das heutige (bzw. das 1990er) Plattenbaugebiet gemeint. Sondern: die durchaus vergleichbaren Entwicklungen und Strukturen zur DDR-Neubautätigkeit… Muss man nicht gut finden – ist aber „wahr“ ;)

  23. Guten Abend,

    da ich leider am letzten Disput nicht mehr teilhaben konnte, weil Wochenende ( Mietsituation in der Neustadt) mache ich einfach mal hier mit.
    Als bekennender Fan der Neustadt finde ich solche Kommentarverläufe doch sehr amüsant. Ich empfand die Neustadt immer als das Sammelbecken von anders denkenden, aufgeschlossenen, toleranten Menschen, die sich einen Platz in Dresden gesucht haben, wo man dieses Lebensgefühl leben durfte. Wie ich jetzt lesen muss, scheinen sich einige doch sehr gestört in ihrer heilen Welt, die scheinbar in der Außendarstellung so gar nicht ist, wie Sie selber gefühlt wird. Wie kann das sein ?
    Wo ist das Problem wenn man in einem (Achtung) „Volvo Getto“ wohnt ? Oder in einem Tannen Gorbitz ? Ich kann da keine Diskriminierung feststellen.
    Ich kann da nur feststellen, das es umgekehrt dazu ist. Wer nicht im Tannen Gorbitz wohnen möchte, weil es die Obere Neustadt ist, dem unterstelle ich mal, das er nicht mit „Gorbitzern“ verglichen werden will.
    Aber Warum ? Ist man besser, anders, ärmer, reicher, Kinderlieber etc. ? Warum ist Gorbitz schlecht ? Weil uns halb Dresden klarmachen will, das man dort nicht wohnen kann. Kann man sehr wohl und ich hoffe auch das wir wieder dazu zurück kommen, das es in unserer schönen Stadt an jedem Ort wohnenswert ist.

    In diesem Sinne von einem der an der B 6 wohnt (auch mit Kindern).

  24. Zitat Anton Launer

    „…Die Bezeichnung Volvo-Ghetto habe ich zum ersten Mal aus dem Munde eines ikarus vernommen. Tannen-Gorbitz, sagte neulich ein Anwohner der Tannenstraße zu mir, würde aber inzwischen gebräuchlicher sein.“

    Denkst du auch nach, bevor du *** Gequatsche nachplabberst und veröffentlichst?
    Hör einfach auf mit dieser Diskriminierungssch***.

  25. @ – : Was denn für eine Diskriminierung? Liest Du auch andere Kommentare, bevor Du hier polterst? Der Volksmund hält sich leider nicht an Investoren-Träume…

  26. und ich dachte immer das Gebiet heißt „Volvograd“, wegen der gelungenen Verbindung aus westlichem Überfluss mit post-sowjetisch-industriellem Wohnungsbau.
    So kann man sich täuschen
    ;-)

  27. Lieber Anton & Ghetto-Lyriker,

    gerne mache ich mit euch eine Führung durch Gorbitz:
    „Gorbitz – Gestern, Heute und Morgen“. Wir können dann reden. Über Menschen, Natur, Architektur & Lebenskunst.

    Bis dann

    Jürgen Czytrich

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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