Nudeln ohne Lila Soße

Lila Soße in der Kunsthofpassage
Lila Soße in der Kunsthofpassage
Vor knapp drei Jahren hat sich der „Betrunkene Hund“ in die „Lila Soße“ verwandelt. (Neustadt-Geflüster vom 4. August 2010) Inzwischen hat sogar schon die New York Times über das neue deutsche Küchenwunder in Einmach-Gläsern berichtet. Das soll Insidern zufolge zu einer erheblichen Zunahme an amerikanischen Touristen im Kunsthof geführt haben.
Käsespätzle im Einmach-Glas
Käsespätzle im Einmach-Glas
Nun, an einem sommerlichen Mittag will auch ich endlich mal das Lokal testen. Beim Vorgänger bin ich ja oft recht ruppig behandelt worden. Doch nun, die Sonne lacht, die Bedienung auch und ich bekomme fix das gewünschte Wasser samt Espresse. Nach dem Studium der Speisekarte entscheide ich mich für „Hausgemachte Käsespätzle mit Röstzwiebeln“. Für 6,90 Euro wahrlich kein Schnäppchen in der heiß umkämpften Neustädter Mittagstisch-Kultur. Am Nachbartisch wird englisch gesprochen.

Ich höre die staunenden Ausrufe als dann tatsächlich ein Einmach-Glas mit Nudeln drin vor mir steht. Vorsichtig beginne ich die Teigwaren mitsamt Zwiebeln vom Glas in den Mund zu führen. Der Gaumen schlägt vor Freude einen Purzelbaum. Die Spätzle sind wunderbar weich und doch nicht zerkocht. Besser können die bei den Schwaben auch nicht sein, oder? Ratzeputz ist die Mahlzeit ausgelöffelt, trotz kleinem Glas bin ich gut gesättigt.

    Informationen und Öffnungszeiten

  • Lila Soße: Alaunstraße 70 (Kunsthofpassage)
  • Montag bis Sonntag: 12 bis 23 Uhr
  • Fazit: Das Essen ist nicht billig, aber seinen Preis auf jeden Fall wert.
  • Weitere Infos unter www.lilasosse.de
  • Die lila Soße wird leider nicht beim middagstisch.de geführt.


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#unteilbar

32 Kommentare zu “Nudeln ohne Lila Soße

32 Gedanken zu „Nudeln ohne Lila Soße

  1. Die Schwaben machen ja gerne ein, aber bestimmt keine Spätzle! Ich sollte das auch mal probieren…

  2. Tja….ich hatte dort nach dem Genuss von lila Kartoffeln für drei Stunden die Ko****ei.
    Never ever Lila Soße again.

  3. Also, ich bin ehrlich gesagt nicht so begeistert. Insgesamt ist der Laden einfach nur ziemlich teuer. Für die „Größe“ der Portionen in den Gläschen zahlt man einfach sehr viel – für eher durchschnittliche Gerichte. Vielleicht hatte ich auch einfach nur das Falsche bestellt, man schlage mich, aber ich war eher frustriert. Besonders teuer: Wein. Teilweise fast fünf Euro – aber nicht etwa für ein gängiges 0,2-Liter-Gläschen, nein, für 0,1 Liter… sorry, das muss nicht sein. Ich hab jedenfalls samt Freundin letztens das Lokal nach dem Blick auf die Speisekarte wieder verlassen. Ich hätte mich an meinen ersten Besuch vor eineinhalb Jahren erinnern sollen, als wir schon mal unzufrieden und mit ziemlich hängendem Magen wieder dort raus sind. Sorry an die Betreiber, ihr gebt euch bestimmt viel Mühe und habt euch einen Traum verwirklicht. Aber der Laden ist einfach nichts fürs kleine Geld, sondern reagiert klar auf den Trend hin zum höheren Lifestyle in der Neustadt.

  4. ist paul denn klar, dass man die ursache der übelkeit nicht 100%-ig auf EINE ursache zurückführen kann? oder hat er etwa proben der „lila kartoffeln“ genommen und ins labor geschickt?

  5. Kann dem so nicht zustimmen. Teuer ist der Laden aus meiner Sicht nicht. Qualität hat seinen Preis und der Wirt soll ja auch leben können. Sicherlich sind wir in der Neustadt im gastronomischen mit Tiefstpreisen verwöhnt, aber teuer ist die Lila Soße doch sicher nicht. Die Spätzle fand ich grandios und dass nach den vielen Enttäuschungen die man sonst beim Thema Käsespätzle in der Neustadt geboten bekommt.
    Bei meinen letzten Besuchen war eher das Personal gewöhnungsbedürftig. Für vergessene Getränke kann man sich z.B. entschuldigen und muss nicht endlose Geschichten erzählen. Ganz grundsätzlich finde ich freundliche Bedienungen auch so nicht störend.

  6. Neustaädter:

    Sorry, aber ich habe einfach mal noch nie ein Restaurant besucht, in dem ich für den Schoppen Rotwein (0,25 l) sage und schreibe 11 Euro hinblättern muss. Nicht mal im Rossini oder im Bean & Beluga ist’s derart teuer. Im „Lila Sauce“ kosten 0,1 Liter (solche Minimengen werden sonst höchstens bei Weinfesten zum Probieren ausgeschenkt) im Schnitt 4,40 Euro. Wer hier noch behauptet, der Laden sei nicht teuer, der ist eventuell mit dem Wirt verwandt oder verschwägert… oder arbeitet dort oder was weiß ich. Die Kantine des Landgerichts macht übrigens auch verdammt gute Spätzle – dort zahl ich 3,60 Euro und bekomme noch einen saftigen Rindsbraten und Rotkohl dazu – ohne Weckgläschen allerdings, aber die kann ich ja eh nicht essen.

  7. Hmm, also ich habe noch keinen Schoppen Wein hier getrunken, aber die Flaschenpreise sind definitiv gut. Das letzte Mal hatten wir nen blanc de blanc aus Proschwitz für 19 Euro die Flasche… Find ich moderat. Ich finde das Preis-Leistungs-Verhältnis echt angemessen. Grad die Getränke find ich echt „ostpreißig“. Es ist schade, dass es in Dresden nahezu nix Vergleichbares gibt, wo man noch so essen kann: nicht übertrieben teuer, aber dennoch gute quali und kein TK-Einheitsfraß. In Dresden sollte sich da noch viel bewegen.

  8. Schloss Proschwitz für 19 Euro die Flasche? Schwer vorstellbar. Die „Sachsen“ kosten dort alle weit über 20 und bis knapp 30 Euro die Flasche. Selbst die Online-Karte (die übrigens anders aussieht als die, die neulich dort auf den Außentischen auslag) kostet ein 0,2-Liter-Glas Müller Thurgau aus Sachsen stolze 7 Euro. Dafür bekomme ich im Angebot fast die ganze Flasche im Supermarkt. Wer sagt, dass das nicht teuer ist, der ist es darunter wahrscheinlich einfach nicht gewohnt. Und 3 Euro für 0,4 l Wernesgrüner sind garantiert nicht „ostpreisig“. Wenn ich Ostpreise will, geh ich in die Schmiede oder die Bierstube. Dort kostet der halbe Liter Freiberger 1,90.

  9. Süß, da werden die Kneipenpreise mit denen im Supermarkt verglichen. Da fehlt es doch an Grundwissen zur Kalkulation im Gastgewerbe.
    Vielleicht bezahlen die aus der „Sose“ ja auch ihre Mitarbeiter angemessen? Dann sind das nämlich die Preise, die eigentlich „normal“ sein müssten. Vielleicht sind die sächsischen Weine ja auch wirklich gut und das Entgelt wert.
    Zudem ist Sachsen das kleinste Weinanbaugebiet Deutschlands und bringt dementsprechend geringe Erträge, die zu relativ hohen Preisen führen. Winzer haben nämlich auch ein Leben außerhalb des Weinbergs, mit Miete und Lebenshaltungskosten. Und die Mitarbeiter, die bei der körperlich anstrengenden Weinlese helfen, wollen auch entlohnt werden.
    Wem die Preise in der anspruchsvollen Gastronomie zu hoch sind, der geht wahrscheinlich auch für 8 Euro zum Friseur und im Discounter einkaufen. Qualität bei Angebot und Service kosten eben Geld. So ist das nun mal.

  10. liebe Jane… wenn Du bei Netto 0,5l Meisterbräu für ca. 0,30 € kaufst, hast Du auch so eine Art Freiberger Bier und wirst feststellen das die Schmiede extrem teuer ist

  11. @hotteHü:
    „Wem die Preise in der anspruchsvollen Gastronomie zu hoch sind, der geht wahrscheinlich auch für 8 Euro zum Friseur und im Discounter einkaufen.“
    Vielleicht, weil die meisten Menschen „ein Leben außerhalb des Weinbergs, mit Miete und Lebenshaltungskosten“ haben, des Öfteren verbunden mit einem mehr oder weniger begrenzten Budget?

    „Qualität bei Angebot und Service kosten eben Geld. So ist das nun mal.“
    Süß, da gibt’s tatsächlich noch jmd., der hohe Preise mit Qualität in ursächlichem Zusammenhang sieht…

    Nichts für ungut, aber diesen Zusammenhang gibt es so einfach nicht! Hohe Preise „begründen“ sich oft genug über irgendeine Marke, die dem Käufer ein gewisses Lebensgefühl oder Exklusivität vermitteln will, so dass der sich mit seinem 500,- Euro Apfeltablett einer tollen hippen community zugehörig fühlen kann, in seinen 200,- Euro Turnschuhen (die auch nicht länger halten und in der indischen Fabrik gleich neben den 15,- Euro-Tretern zusammengeklebt wurden) sich ganz up to date und wie auf Wolken fühlen darf oder eben seinen 7,- Euro Schoppen in den Bewußtsein hinterkippen kann, es sich halt leisten zu können, weil man als feinsinniger Gourmant im Gegensatz zu dem Bierpöbel auch noch so schlau war, sich den richtigen Job ergattert zu haben, der das auch noch abwirft.

    Sicher, es gibt genug Leute, die recht unreflektiert im Discounter einkaufen gehen und das dort „Ersparte“ dann in flachbildschirmigen Abstrahlern noch weit flacherer Sendungen investieren, es gibt auch Leute, die schneiden ihre Haare gar selbst und machen so das sächsische Haarkunsthandwerk komplett obsolet, oder sie gehen brav in die VG einkaufen und haben dafür kein Auto…es gibt Menschen, die wollen essen, trinken, sich und ihre Kinder kleiden und auch noch trocken wohnen und vielleicht sogar mal in’s Kino oder die Kneipe. Das alles muß mit einem Budget erreicht werden, das bei vielen eher knapp bemessen ist. So ist das nunmal? Quasi ein Naturgesetz: die einen steh’n im Dunkeln, die andern im Licht?
    „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Da sagt der Arme bleich: ‚Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.'“

  12. ….grundsätzlich bin ich bei dir Jane ( Ausnahme, Vergleich Getränke zum SM) …
    aber dad Gläääschen mit Spätzle und Röstzwiebeln für 6.9 ??? ,ehrlich ihr Lieben, ich kann es auch übertreiben….

  13. @Seldon:
    Das ganz große Fass wollte ich hier eigentlich nicht öffnen. Sei’s drum.
    Den Zusammenhang, den Du hier zwischen Preis und Leistung herstellst, mag für bestimmte Lifestyle-Produkte gelten, aber generell auf keinen Fall. Kleines Beispiel sind Schuhe.
    Ich kann mir die billigen, geklebten bei’m Discounter kaufen oder ich investiere mal richtig und gönne mir ein paar handgemachte aus England, Ungarn oder Deutschland. Was ich bekomme ist Qualität, die den Füßen guttut, bei guter Pflege ein Leben lang hält und auch noch die Geschichte eines Handwerks verkörpert. Da kann man dann mal durchrechnen, ob sich die paar hundert Euro nicht doch rechnen, wenn man die Einweglatschen mit diesen guten „Kunstwerken“ vergleicht. Da geht es nämlich nicht um Mode und Lifestyle, sondern um Nachhaltigkeit und eben Qualität. Das könnte übrigens auch für Uhren gelten. Kaufe ich mir eine elektronische Swatch für zwei Jahre oder investiere ich in ein mechanisches „Lebewesen“, das mich mein ganzes Leben begleiten wird.
    Beim Wein ist es ähnlich und wer sich einmal näher mit der Herstellung des Getränkes befasst, wird das auch merken. Ganz zu schweigen vom Geschmacksvergleich zwischen Tetrapack und verkorkter Flasche. Wem Genuss und Kultur egal sind, der wird das natürlich nicht verstehen. Und mit „Genuss und Kultur“ meine ich keine dekadenten Ausschweifungen!
    Ich stelle mit einfach vor, welche Arbeit, Einstellung und Geschichte hinter einem Produkt steht und dann kann ich es schätzen. Bei den von Dir genannten Apple-Produkten bleibt dieses Gefühl allerdings aus, wenn ich an die Herstellungsbedingungen und den unbegründeten Hype denke.

    Das mit dem Budget lasse ich nur teilweise gelten, da ich eine Menge Menschen kenne, die trotz eines hohen Einkommens an den falschen Ecken und Enden sparen. Gerade der Deutsche ist ein Vorzeigebeispiel für den Mangel an Kultur- und Qualitätsbewusstsein. Das sieht man schon am oft zitierten Verhältnis von Einkommen und den prozentualen Ausgaben für Lebensmittel. Zudem sind die vermeintlich billigen Angebote im Discounter keineswegs ihren Preis wert und außerdem muss man immer daran denken, dass irgendwer für diese Produkte/Leistungen arbeiten muss. Sei es die Kassiererin, der Zulieferer oder der direkte Hersteller. Und da kann jeder mal scharf nachdenken, warum unser Niedriglohnsektor stetig wächst.

  14. Hallo Hotte Hü,
    Sicher gibt es hochpreisige UND qualitativ hochwertige Produkte. Das sind aber eher Nischenprodukte und nicht unbedingt „massentauglich“. Schon allein die Frage, ob ich drei Jahre spare um mir ein „vernünftiges“ Paar Schuhe zu kaufen (und inzwischen barfuß laufe?) oder doch preiswerter operiere ist nicht so schhnell zu beantworten. (btw.: gerade in ärmeren Ländern gibt es auffällig viele Schuhputzer. Nicht weil die Leute zu versnobt wären, sich selbst die Scuhe zu putzen, sondern weil eine ganze Tube Schuhcreme schlichtweg zu teuer ist…)
    Natürlich hast Du Recht mit Deiner Beobachtung (und das hab‘ ich ja auch gesagt), dass oft am „falschen“ Ende gespart wird…aber letztlich ist das Problem, wie und unter welchen Umständen produziert wird, nicht wie konsumiert wird! Das beantwortet dann auch die Frage nach dem Niedriglohnsektor: der steigt, weil Profit gemacht werden soll, und sei es mit der begrenzten Kaufkraft der ärmeren Kundschaft.

  15. Handgemachte Schuhe sind nur ein Nischenprodukt, weil die Industrie das Handwerk des Schusters zerstört hat. Noch bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte jeder Maßschuhe an den Füßen, weil man eben kein Geld für ständig neue Schuhe ausgeben konnte. Dass es in ärmeren Ländern noch jede Menge Schuhputzer gibt, liegt gerade daran, dass es dort den Schuster in seiner eigentlichen Profession noch gibt und die Menschen ihre Schuhe einfach pflegen müssen, da wenig Geld für neue da ist. Dort gibt es übrigens auch noch den Maßschneider, bei dem sich der Westmensch sehr gut verarbeitete Maßanzüge für kleines Geld machen lässt.

    Der Niedriglohnsektor wird größer, weil die Menschen keinen Sinn mehr für Qualität haben, meine ich. Mit niedrigen Einkommen ist das Phänomen keineswegs alleinig zu erklären. Und wir haben uns ein pathologisches Sparen angewöhnt. Deshalb ächzt der Einzelhandel unter der Konkurrenz durch die großen Internet-Anbieter.
    Warum rennen denn die Leute in Scharen zum Discounter, obwohl sie sehr genau um die Qualität der Waren und die Zustände in den Unternehmen Bescheid wissen? Wer die Packung Wurst zu 1,50 oder 99 ct kauft, darf sich nicht ernsthaft über Gammelfleisch und Co. beschweren. Das gleiche gilt für die Fertiggerichte mit Analogkäse und Formfleisch. Die Leute sind einfach zu faul, sich ein Essen am heimischen Herd zu zaubern bzw. brauchen ihre Freizeit für die „Entertainment“-Kultur. Mit fehlendem Geld hat das nur selten zu tun, denn handgemachte Speisen sind bei Weitem nicht so teuer wie das Zeug aus der Tiefkühltruhe.
    Ich habe mir letztens erst eine Gemüsepfanne „á la Raskolnikoff“ gemacht und da kann nichts Fertiges mithalten. Das Vor- und Zubereiten hat eine halbe Stunde gedauert und das Essen reichte für fast drei Tage. Man muss eben nur wollen.

  16. Hallo HotteHü,
    „Noch bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte jeder Maßschuhe an den Füßen, weil man eben kein Geld für ständig neue Schuhe ausgeben konnte.“
    Ich denke, da verklärst Du ein wenig. Mir sind durchaus noch Erzählungen der Großelterngeneration über barfüßig zurückgelegte Schulwege in Erinnerung, sicher nicht, um die Qualität der Straße zu würdigen…
    Natürlich gab‘ es weit mehr Hand- und Hausgearbeitetes. Industrieproduktion hat sich halt entwickelt, einhergehend mit sinkenden Preisen und Unterliegen der Handwerker im Konkurrenzkampf. Kein Sinn für Qualität? klingt erstmal etwas chauvinistisch: die tumbe Masse…Ich glaube eher, dass sehrwohl Sinn für’s Gute und Schöne weit verbreitet ist, nicht umsonst wird der „guten alten Zeit“ auf Flohmärkten, in Zeitschriften wie „Landlust“ u.ä. und im Manufaktum-Katalog hinterher getrauert…Niemand will auch Wassertomaten und T-Shirts, die nach dreimal Waschen zerfallen, im Gegenteil, nur gibt es eben das hierfür bereitgestellte Budget nicht anders her. Ob das Budget im Einzelfall immer sinnvoll aufgeteilt wird, sehe ich z.T. auch kritisch, aber die Menschen haben nun mal mehr Bedürfnisse als essen und trinken…Niemand hat Gammelfleisch bestellt, das es Leute gibt, die derartiges produzieren ist doch wohl der Skandal, und nicht, dass Menschen versuchen, ihre paar Kröten halbwegs bdürfnisgerecht auszugeben!
    Auch die marginale Kaufkraft der Geringverdiener soll abgeschöpft werden: wenn’s denn nicht zu trigema reicht, dann eben T-Shirts im Dreier-Pack bei LIDL. Den Profit macht der Hersteller, nicht der Konsument. Der hätte lieber Tomaten statt rot lackierter Wasserkugeln, T-Shirts die zwei/drei Wäschen überleben, Shampoo ohne Tierversuche…muß man sich nur alles leisten können. Ich glaube nicht, das der Konsument Erdbeeren im Winter forderte. Nur hat natürlich der Anbieter frischer Erdbeeren im Winter einen Wettbewerbsvorteil gg. seine Konkurrenten ergattert, die dann eben noch größere, noch billigere auf den Markt werfen muß. Nicht weil der „Verbraucher“ es will, sondern weil es das System nicht anders zuläßt, sonst ist er weg vom Fenster…
    Kann man jetzt natürlich sagen: mußt Du halt Prioritäten setzen: neuer Fernseher oder 25,- Euro/Kilo glückliches Steak. Da soll der mündige Bürger seine Wahlfreiheit ausleben, nicht etwa bei der Entscheidung wie und was produziert wird? Der Konsument sagt frech: ich will Essen und Kleidung, und meine Freizeit (die im übrigen auch nur dazu dienen soll, die Arbeitskraft möglichst kostengünstig zu regenieren…)verbringen wie ich es will…Das ist die Zumutung? Nicht etwa die Produktsbedingungen (ökologisch, sozial, …)?
    Ein interessanter Text zum Thema, wenn auch etwas großkotzig geschrieben:

  17. Die Ausrede, dass die Industrie solche Waren ja anbietet und wir sie quasi kaufen müssen, lasse ich so nicht gelten. Wir Konsumenten haben es in der Hand, die Zustände zu ändern. Und es ist bei Weitem nicht so, dass an den Kassen der Discounter einzig das Präkariat steht. Mitnichten!
    Man kann natürlich alles auf irgendein abstraktes „System“ schieben, aber es gelten auch hier die Regeln der Marktwirtschaft. Werden bestimmte Produkte nicht mehr nachgefragt, verschwinden sie. Ganz einfach.

    Alles andere habe ich schon gesagt. Wer Qualität will und verantwortungsvoll einkaufen geht, muss mehr Geld in die Hand nehmen. So ist das. Vielleicht mal nachdenken, ob man die 600 Takken für die Funktionsjacke oder die 1000 für ein Fahrrad nicht sinnvoller einsetzen könnte.

  18. Spätzle sind keine Alltagsnudeln, auch und schon gar nicht bei den Schwaben. Ihre Herstellung, sowohl des Teigs wie der Nudeln selbst, ist zeitaufwändig. In den Teig sollten viele und nur allerbeste Eier. Egal, ob hausgemacht oder fertig gekauft, gute Spätzle kosten Geld. Zu Kässpätzle gehört ein guter, rezenter Käse (möglichst nicht analog), der ebenfalls sein Geld kostet, weil das Käsemachen eine Kunst oder zumindest ein Handwerk darstellt. Röstzwiebeln dazu (für mich ein Muss), die nicht vorgetrocknet aus dem Plastebecher kommen, bedürfen auch mehrminütiger ständiger Aufmerksamkeit am Herde. Wenn sie dann aber so vor einem stehen, schmeckt es so herrlich, dass sich nicht einmal Schwabe just in jenem Moment über die Rechnung ärgern würde … ;)

    Und ja, Ihr sitzt dafür im Kunsthof, für den Andere anscheinend bis aus New York anreisen. Ein schönes Plätzchen, auf dem es immer was zu sehen gibt. Ist doch auch was wert, oder?

  19. Exakt. Wer einmal Spätzle- oder Knöpfleteig schlagen durfte, weiß ganz genau, dass man dafür durchaus gutes Geld verlangen darf. Ich empfehle den Selbstversuch. Und der Teig MUSS Blasen schlagen!

  20. Hallo HotteHü,
    nein ist schon richtig, produziert wird, was verkauft werden kann (wovon der Produzent sich verspricht, worauf er spekuliert,… es schon verkaufen zu können), mithin, wo (zahlungskräftige) Nachfrage vermutet wird, oder wo solche gezielt geschaffen wird. Nachfrage allein ist nicht maßgeblich für das Angebot, deshalb hungern nach wie vor genug Menschen, wird die Nachfrage nach Cholesterin-Senker oder Tellerminen bedient, die nach Malaria-Mitteln oder preiswerten Wohnraum nur bedingt usw.
    Aber was aus welchen Grund gekauft wird, ob aus Geldnot oder wegen „falscher“ Prioritätensetzung ist nicht der Punkt! Der Punkt ist, dass mangelhafte, gar gesundheitsschädliche Ware PROZIERT wird, unter teils schwerwiegenden sozialen und ökologischen Bedingungen, nicht weil der Konsument dies so wollte, sondern weil es nur auf diese Art Profit abwirft! Über das WAS und WIE entscheidet der Produzent, nicht der Konsument!
    „Hinsichtlich der Kasse hapert es natürlich beim großen Publikum. Aber auch das stürzt die Geschäftswelt nicht unbedingt in eine Verlegenheit. Eher schon den König Kunden, nicht weil er ignoriert, sondern weil er bedient wird. Mit einem Produkt nämlich, das genauso fadenscheinig wie seine Kaufkraft ist, für die es extra maßgeschneidert wird. Das führt beispielsweise in der Kunst des Automobilbaus zu der interessanten Frage: Wieviel Auto kann man für 3000 € bauen? Warum angesichts der breiten Palette von Kraftfahrzeugen mit allem Komfort und gediegener Sicherheitstechnik auch noch die 3000-€-Billig-Version her muss, ist kein Geheimnis. Hier wird bei Tata oder VW nicht aus dem Aufwand für die Herstellung eines nützlichen Dings der gewinnbringende Preis deduziert. Umgekehrt, aus dem am Markt anvisierten und abzuräumenden Kaufkraftniveau leiten Konzerne und ihre Ingenieure die unbedingt notwendigen und vor allen Dingen verzichtbaren Eigenschaften des Gebrauchswerts her, damit auch das große Kundensegment mit minderbemitteltem Lohneinkommen für den gewinnbringenden Verkauf der abgespeckten Billigkutschen ausgenutzt werden kann.“
    Ich denke, der verlinkte Artikel ist da schon recht treffend!

  21. Lieber Anton,
    ich möchte gern anmerken, dass die neue Anordnung der Kommentare nur schlecht dafür geeignet ist, die Kommis zu lesen, vor allem, weil ich nun erstmal nach unten scrollen muss, um am Anfang zu beginnen :-(
    Ich bin mehr Leser als Kommentator d.h. habe nur selten Anlass, mal meinen Senf dazu zu geben … aber mit Lesen komme ich jetzt gar nicht mehr mit. Das finde ich total schade, und ich hoffe, dass dieses Chaos nur kurzfristig besteht ;-)

  22. Bei mir wurden die Beiträge auch immer nach unten neuer. Jetzt (seit 2 Tagen oder so) stehen die neuen Kommentare weiter oben als die alten aber die Antworten auf Kommentare, die werden nach unten neuer. Tricky.
    Anton will unsere Gehirnhälften trainieren.

  23. Zu der Herstellung mal ein Kommentar, wer schon mal in der Gastro gearbeitet hat wird meine Zweifel, am „frisch zubereitet“ verstehen. Sprich, inwiefern die Preise die Qualität rechtfertigen kann ich nicht wirklich nachvollziehen, aber wenn ich in dieses Lokal gehen würde, um mich satt zu essen und vll. sogar etwas zu trinken, dann würde ich eine Rechnung von über 40 € haben im Capriccios auf der Rudols-Leonhardt wäre das die Hälfte für eine echte Portion mit Getränken.

  24. Hallo,

    da bin ich ja schon ein wenig sprachlos über die vielen Beiträge und die entstandene Diskussion.
    Ich glaube das wir nicht die günstigste Gaststätte in der Neustadt sind, aber ich würde uns auch nicht als teuer bezeichnen.
    Gerade im Bereich Wein versuchen wir sehr gute Preise zu machen. Deswegen haben wir auch 0,15l Weingläser eingeführt, um tolle Weine noch bezahlbar zu halten. Das ein Müller Thurgau von Martin Schwarz bei uns 6,10 kostet sollte man ruhig mal im vergleich zu anderen Gaststätten setzen. Allerdings nicht zu einem anderen Müller Thurgau aus Sachsen, das wäre doch sehr vermessen einen der Top Winzer von Sachsen mit …… zu vergleichen. Im Internet kostet die Flasche ca. 16,00 Euro.
    Und ja Preise setzen sich aus vielen Faktoren zusammen und einer der für mich wichtigsten ist, meinen Mitarbeitern einen fairen Lohn zu bezahlen, dazu kommen noch gute Produkte, sowie keine Subventionen wie es in jeder Kantine gibt damit sind schon 3,90 Euro hinfällig für eine Portion Hausgemachte Spätzle.
    Aber ich freue mich sehr über die Diskussion die hier geführt wird obwohl ich es lieber wenn über Essen und nicht über Schuhe gesprochen wird ;-)

    Grüße
    Boris aus der lila Soße

  25. Danke! Da lag ich doch richtig. Weiter so! Qualität wird sich in jedem Falle durchsetzen. Und Jeff Goldblum oder Willem Dafoe werden schon ihre Gründe gehabt haben, warum sie nicht in eine Kantine gegangen sind. ;)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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