In loser Folge und ungefährer Orientierung am Alphabet stellen wir die Straßen und Plätze in der Neustadt vor. Heute: die Schönfelder Straße.

Mein erster Streifzug: 36 Grad und die kurze Straße ist lang. Was sticht mir ins Auge? Bislang nur die Sonnenstrahlen. Wolkenloser, perfekter Sommertag und kochende Brühe im Neustadt-Kessel. Grelle Fassaden, die das Sonnenlicht reflektieren und in meinen Augen brennen. Die Siesta hat die Straße fest im Griff. Große künstlerische Graffiti, die sonst die Neustadt schmücken und ihr Farbe verleihen, sind hier eher rar. Die Mittagssonne drückt meinen Blick auf das Pflaster. In der schattigen Ecke einer blendend weißen Fassade läuft ein Edding-Hase. Ich bin noch nicht wirklich überzeugt.

Also nochmal zurück. Zweiter Streifzug. Wolken am Himmel. Mehr Möglichkeiten, die Kunst zu entdecken. Zwischen lieblos hingeschmierten Wutausbrüchen und Protesten streckt mir die Freiheitsstatue den Mittelfinger entgegen. Ein Statement mit Klasse.

Jetzt meldet sich der Hunger und mein Tabak ist auch alle. Bier, Wein, Spirituosen, Tabakwaren, Süßwaren, Kaffee, Tee … so steht es unter einem großen Schild mit geschwungener Aufschrift „Lebensmittel“. Doch egal zu welcher Tageszeit ich vorbeischaue, im „Lebensmittel“ ist kein Leben. In den 1990ern hatte Günter Otto hier seinen Tante-Emma-Laden, später zog „Kraut und Rüben“ ein. Dann übernahmen Hebammen das Haus als „Lebensmitte“. Inzwischen ist Herr Otto wieder eingezogen, er nutzt den alten Laden als Wohnung. Aber wie lässt sich nun mein Hunger stillen?

An der Ecke zur Kamenzer stehen sich „Laika“ und „Steffenhagen“ gegenüber. Das eine erinnert an die erste Hündin im All. Das andere klingt wie ein Dorf in Mecklenburg. Der Name der fast 20 Jahre alten Café-Bar „Laika“ scheint tatsächlich von der berühmten russischen Hündin inspiriert zu sein. Die Laika-Gründer führten zuvor einen Club namens „Sputnik“ auf der Tannenstraße.
Falsche Käseplatte
„Steffenhagen“ bietet vegane Küche. Die Wespen laben sich an meinem KiBa und ich mich an der falschen Käseplatte. Mein Blick schweift die Straße hinunter auf die Amberbäume, die hier für Grün sorgen sollen. Inzwischen wohl recht dauerhaft, allerdings bei Weitem nicht so grün wie die riesigen Efeuranken, die an der weißen Hauswand hochklettern und sie fast wie ein Gemälde wirken lassen. Na gut, dieses Haus befindet sich schon auf der Talstraße, doch man hat von der Schönfelder einen hervorragenden Blick darauf.
An der Ecke zur Talstraße befand sich erst das Taleck und danach für kurze Zeit das Kindercafé Käthe. Heute nutzt der Kinder- und Jugendhilferechtsverein die alten Kneipenräume für Beratungen.

Den Namen „Schönfelder“ trägt die nur rund 160 Meter lange Straße übrigens schon seit 1855. Die Häuser zwischen Talstraße und dem Eckhaus zur Kamenzer wurden in dieser Zeit errichtet. Der Name weist auf das Dorf Schönfeld hinter Pillnitz hin, das inzwischen Namenspate eines ganzen Hochlandes geworden ist. Bis 1861 wurde sie in den Adressbüchern noch als Schönefelder Straße aufgeführt. Eine auf den ersten Blick eher unscheinbare Straße. Aber vielleicht liegt in dieser Unscheinbarkeit gerade die Schönheit der Schönfelder Straße.

Die Schönfelder Straße
- Die Straße auf dem Stadtplan von dresden.de
Straßen und Plätze im Stadtbezirk Neustadt
























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