Bis vor Kurzem wurde in der Halle an der Seifhennersdorfer Straße noch Papier bedruckt. Inzwischen stehen hier Kisten mit Bauteilen, die auf ihre Montage warten. Ein 3-D-Drucker fertigt Kleinteile, die ersten Klappboxen sind bereits verpackt und versandfertig. Das Leipziger Unternehmen Allpacka hat hier mit der Serienproduktion seiner Fahrradbox begonnen.

Am Mittwoch, 9. September 2026, feierte das Start-up den Produktionsstart. Die ersten 20 seriengefertigten Boxen gingen an Unterstützer einer Kickstarter-Kampagne, mit der die Gründer vor zwei Jahren das nötige Startkapital eingesammelt hatten.
Hinter Allpacka stehen Daniela Weiß, Lukas Ludwig und Jonathan Vincentz. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet und hat seine Zentrale weiterhin in Leipzig. Produziert wird nun in Dresden. Der Kontakt zur Neustadt kommt nicht von ungefähr: Ludwig wohnt selbst hier – und entdeckte auch die neue Produktionshalle.

Vom ungenutzten Gepäckträger zur Klappbox
Die Idee entstand aus einem eigenen Bedarf. Die Gründer stellten fest, dass der Gepäckträger im Alltag oft ungenutzt blieb, bei spontanen Transporten aber Stauraum fehlte. „Entweder hatte ich die Fahrradtasche nicht dabei, oder sie war schon voll oder zu klein“, erinnert sich Ludwig. Gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Daniela Weiß, die praktischerweise in Dresden Maschinenbau studierte, machte er sich an die Lösung des Problems. Das Ziel: eine Box, die dauerhaft am Fahrrad bleiben und bei Bedarf aufgeklappt werden kann.
Die Allpacka One wird auf dem Gepäckträger montiert. Dieser muss dafür mindestens acht Zentimeter breit sein. „Wir haben getüftelt und ausprobiert und denken jetzt, dass wir eine Lösung für fast alle gängigen Fahrradgepäckträger gefunden haben“, sagt Vincentz. Mittels eines raffinierten Federsystems ist die Box mit wenigen Handgriffen in Sekundenschnelle aufgeklappt. Dann ist sie 60 Zentimeter breit und bietet 30 Liter Stauraum. Eine Vorgabe bei der Entwicklung war besonders alltagstauglich: Eine Bierkiste muss reinpassen. Bis zu 20 Kilogramm kann die Box tragen. Bis zum fertigen Produkt entstanden Dutzende Prototypen. Die Konstruktion wurde immer wieder getestet und überarbeitet. Dabei musste die Box auch Stürze aushalten.

Mehr als 1.000 Unterstützer bei Kickstarter
Das Geld für den Start sammelten die Gründer unter anderem über Kickstarter ein. Ziel der Kampagne waren 30.000 Euro, aber die Nachfrage war riesig. Rund 1.100 Menschen unterstützten schließlich das Projekt, etwa 150.000 Euro kamen zusammen. Gleichzeitig konnten die Gründer so testen, ob es überhaupt genügend Interessenten für ihre Idee gibt. Einziger Wermutstropfen: Der Produktionsstart hat sich verzögert. „Wir wollten einfach sichergehen, dass die Box perfekt ist, das hat etwas länger gedauert“, erklärt Vincentz die Verzögerung.
Zum Produktionsstart in Dresden kamen rund 60 Gäste, darunter Kickstarter-Unterstützer mit Begleitpersonen sowie Partner, Freunde und Wegbegleiter. 20 Unterstützer konnten ihre fertigen Boxen gleich mit nach Hause nehmen.
Von der Druckerei zur Fahrradbox-Fabrik
Die Kunststoffteile der Allpacka One werden im Spritzgussverfahren im thüringischen Schmölln hergestellt. In Dresden werden die Boxen von Hand montiert, geprüft und für den Versand vorbereitet.
Auf die Halle an der Seifhennersdorfer Straße stieß Ludwig eher zufällig. „Ich habe dann eine Anzeige für die Halle hier gesehen“, erzählt er. Dabei wohnt er nur zwei Straßen entfernt. Dass sich hier ein Gewerbegebiet verbirgt, habe er selbst nicht erwartet.
Bis vor Kurzem standen in der Halle noch Druckmaschinen von WDS Pertermann. Firmenchef Thomas Pertermann teilt auf Nachfrage mit, dass sich die Druckerei verkleinert habe. Ganz verschwunden ist sie allerdings nicht: In den hinteren Räumen wird weiterhin gedruckt.
Allpacka hatte sich zuvor auch im Industriegelände nach Produktionsräumen umgesehen. „Wir haben auch Räume im Industriegelände angesehen, aber das war entweder zu groß oder zu schlecht in Schuss. Die Halle hier ist ideal“, sagt Ludwig.
Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Gründer: Viele potenzielle Kunden fahren praktisch vor der Tür vorbei. In den kommenden Wochen soll die Produktion hochgefahren werden. Zunächst gilt es, die bereits bestellten Boxen auszuliefern.

Wie Allpacka zu seinem Namen kam
Auch der Firmenname entstand beim Tüfteln. „Wir haben in Gedanken rumgespielt mit Lastentier oder Kamel und dann fiel mir das südamerikanische Tier ein“, erinnert sich Ludwig. Vom Alpaka über „packen“ und „alles packen“ führte der Weg schließlich zum Kunstnamen Allpacka. Der Klappmechanismus der „Gepäckbox für ein Fahrrad“ ist inzwischen beim Patentamt eingetragen.
Noch arbeitet das Team den großen Bestand an Vorbestellungen ab. Neukunden müssen derzeit mit rund sechs Wochen Lieferzeit rechnen. Künftig soll es schneller gehen.
Damit hat die Halle an der Seifhennersdorfer Straße eine neue Aufgabe: Wo vor Kurzem noch Druckmaschinen liefen, werden nun Fahrradboxen zusammengeschraubt.
Klappbox „Allpacka One“
- Außenmaße: aufgeklappt 60 Zentimeter mal 35 Zentimeter mal 18 Zentimeter, zusammengeklappt 26,5 Zentimeter mal 35 Zentimeter mal 19 Zentimeter
- Innenmaße: aufgeklappt 51 Zentimeter mal 31 Zentimeter mal 16,5 Zentimeter
- Gewicht: 2.500 Gramm
- Volumen: 30 Liter
- Zuladung: 20 Kilogramm
- Kosten: Grundausstattung 169,95 Euro
- Weitere Infos: allpacka-box.de





















