Mehr als drei Jahrzehnte lang gehörte das Café Europa zum vertrauten Inventar der Königsbrücker Straße. Am Sonntag, nach zweitägiger Abschiedsparty, schließen die Türen für immer!

Während Ende der 80er und 1990 Lokale wie „Die Hundert“, das „Raskolnikoff“ oder die „Planwirtschaft“ entstanden, die alle einen gewissen Szene-Anspruch hatten, war das „Europa“ (im Oktober 1992 gegründet) schon immer ein bisschen anders. Besonderen Ruf erlangte die Bar, die seinerzeit von Hans-Peter Weber, Hans-Martin Jahn und Andi Tampe gegründet wurde, vor allem dadurch, dass sie 24/7 geöffnet war. Damit lockte die als Café getarnte Bar die Dresdner Clubgänger zum deftigen Post-Party-Meal, Rockstars und Rotlichtgrößen an.
Doch nun kommt der aktuelle Geschäftsführer Christian Sereda wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig mehr und zieht die Reißleine: „Der Einkauf ist teurer geworden und die Personalkosten auch. Corona hat das Ausgehverhalten unserer Kundschaft massiv. verändert“, so die bittere Bilanz.

Traum & Realität
2015 kam Sereda „aus einem 600 Seelendorf bei Senftenberg“ nach Dresden, fing als Koch im Europa an und lebte seinen Großstadttraum: „Ich fühlte mich sofort aufgehoben. Frühmorgens habe ich Steaks und Schnitzel über die Theke geschoben als die Leute aus den Clubs kamen“, erinnert sich Sereda.
Als 2023 die Möglichkeit kam vom vorigen Geschäftsführer Ferenc Weidel die Leitung zu übernehmen, zögerte Sereda nicht. Ein Traum ging in Erfüllung.

Dabei übernahm Sereda jedoch auch die Probleme des Kult-Cafés: „Diese seit Jahren drohende Sanierung der Königsbrücker Straße und damit verbunden der Wegfall unserer Terrasse sind düstere Aussichten gewesen“. Zudem ist Sereda der Ansicht, das Dresdner Rathaus „spare die Neustadt kaputt“. Die BRN sei dabei das beste Beispiel.
Aussicht & Abriss
Es hätte bereits Gespräche mit potentiellen Nachfolgern gegeben, spruchreif sei aber noch nichts: „Wenn der Laden nochmal öffnet, dann ab 1. September und unter anderem Namen.“

Am Freitag beginnt die Abschiedsparty im Stile des Café Europa zu seinen besten Zeiten. Ab 20 Uhr bis Sonntagfrüh ist 24/7 geöffnet: „Wir beginnen mit Live-Musik, feiern die Nacht durch. Morgens gibt es wie gewohnt Frühstück.“
Am Sonnabend wird der Grill angeschmissen und Karaoke gesungen. Am Sonntagmorgen soll die letzte Feier im Europa locker ausklingen: „Die Woche drauf schaffen wir das Zeug hier raus und dann ist Schluss.“




















