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Reni am 21. Juni bei Kultur am Pavillon

Bratwurst statt Serail

Drei Sängerinnen und Sänger, drei Musikerinnen und Musiker – mehr braucht die Serkowitzer Volksoper nicht, um Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in ein ebenso turbulentes wie vergnügliches Musiktheater zu verwandeln. Wo große Häuser mit großem Aufwand arbeiten, setzen die Serkowitzer auf Einfallsreichtum, Spielfreude und die Freiheit, sich Dinge zu trauen, vor denen andere eher zurückschrecken.

Verwirrter Dresdner zwischen christlicher und muslimischer Kopfbedeckung
Mehr als Mozart: Verwirrter Dresdner zwischen christlicher und muslimischer Kopfbedeckung – Foto: Ulrich van Stipriaan

Denn hier wird Mozart nicht ehrfürchtig konserviert, sondern lustvoll bearbeitet. Wolf-Dieter Gööck hat das Libretto gründlich durchgeschüttelt und ins Heute versetzt. Schon der Auftakt macht klar, dass es nicht um Werktreue geht: „Hier steh ich nun, ich armer Tor, vor einer Bratwursthütte …“ Statt Serail und Orient prägen Jahrmarkt, Gegenwartsbezüge und jede Menge augenzwinkernder Humor den Abend.

Die Grundgeschichte bleibt erhalten: Belmonte will seine Verlobte Konstanze aus der Gefangenschaft des Bassa Selim befreien, unterstützt von seinem Diener Pedrillo und behindert vom grimmigen Osmin. Doch die Serkowitzer erzählen das als Spiel im Spiel. Weil die eigentliche Truppe verschwunden ist, muss ein Gaukler-Trio sämtliche Rollen übernehmen. Das sorgt für permanente Rollenwechsel und reichlich Verwirrung – allerdings von der unterhaltsamen Sorte.

Man gönnt sich ja sonst nichts, Herr Kollege_4151
Christlich-Kollegial geht es immer wieder zwischendurch zu – Foto: Ulrich van Stipriaan

Fanny Lamers, Dorothea Wagner und Cornelius Uhle wechseln mit sichtbarer Freude zwischen den Figuren. Damit das Publikum den Überblick behält, helfen ebenso einfache wie geniale Kostüm-Lätzchen, die Identitäten im Handumdrehen wechseln lassen. Selbst Quartette funktionieren so mit nur drei Mitwirkenden erstaunlich problemlos.

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Auch musikalisch überzeugt die Produktion. Michael Schütze am Klavier, Karina Müller an Violine und Percussion sowie Daniel Rothe an Klarinetten, Saxophon und Percussion ersetzen ein Orchester mit bemerkenswerter Klangfülle. Die Arrangements bewahren den Mozart-Ton, ohne auf eigene Akzente zu verzichten.

Finale My Way
Furioses Finale mit Frank Sinatra’s My Way – Foto: Ulrich van Stipriaan

Überhaupt lebt der Abend von seinem Tempo und seinem Humor. Aus Mozart werden immer wieder Ausflüge in andere musikalische Welten, von Ragtime bis Biene Maja. Und weil alles mit der Rostbratwurst beginnt, endet es folgerichtig auch mit ihr: Ein ebenso absurder wie mitreißender Bratwurst-Epilog auf die Melodie von Frank Sinatras „My Way“ bildet den Schlussakkord.

Das Publikum in der Saloppe dankte mit langem Applaus. Verdient war er allemal. Denn die Serkowitzer Volksoper beweist einmal mehr, dass gute Ideen oft wichtiger sind als große Besetzungen.

Serkowitzer Volksoper in der Saloppe

  • Es geht um die Wurst, besucht am 15. Juni in der Saloppe.
  • Weitere Termine: Montag, 29. Juni 2026 | Montag, 10. August 2026 | Montag, 17. August 2026 | Sonntag, 23. August 2026* (zwei Vorstellungen: eine auch um 15 Uhr) | Montag, 31. August 2026 | Montag, 7. September 2026 | Mittwoch, 9. September 2026 | Montag, 14. September 2026 | Mittwoch, 16. September 2026
  • Beginn jeweils 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), am 23. August zusätzlich 15 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr)
  • Ort: Sommerwirtschaft Saloppe, Brockhausstraße 1, 01099 Dresden
  • Preise im empfohlenen Vorverkauf 19 Euro – 36 Euro, ermäßigt 13 Euro – 19 Euro (keine zusätzlichen Gebühren)
  • www.serkowitzer-volksoper.de
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