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Trümmer machen glücklich

Manche wandern, andere suchen Seelenfrieden durch Yoga. Wem das zu lahm ist, kann sich mit einem Hammer bewaffnen und im ersten Dresdner Rage-Room Zeug zerkloppen.

Stefan Hecker hat den ersten Rage-Room in Dresden eröffnet. Foto: Jakub Gawlik
Stefan Hecker hat den ersten Rage-Room in Dresden eröffnet. Foto: Jakub Gawlik

Der einzige Grund, um diesen Raum zu betreten, ist mit der Absicht, alles kaputtzumachen. Die Idee kam Stefan Hecker während der Arbeit. Als Notfallsanitäter hat er in den letzten Jahren festgestellt, dass Menschen zunehmend unter Druck stehen, den sie kaum abzubauen vermögen: „Mit Corona fing es an, dann kam der Ukraine-Krieg, weitere politische Spannungen, die Benzinpreise. Das hinterlässt Spuren im Menschen“, ist sich der Gründer der „Bruchbude“ sicher.

In der Nebenhalle ist das Lager mit Zeug, das kaputt gemacht werden muss.
In der Nebenhalle ist das Lager mit Zeug, das kaputt gemacht werden muss.

Wut & Frieden

Auch Stefan merkte, wie Frust und Unzufriedenheit in ihm anstiegen, besuchte selbst einen Rage-Room im Westen und merkte, es funktioniert: „Das Motto lautet: Mach kaputt, was Dich kaputt macht.“

Mehrere Psychologen habe er im Vorhinein kontaktiert und Gespräche darüber geführt, ob es auch wissenschaftlich erwiesen sei, dass es einem Menschen guttun kann, Sachen zu beschädigen oder vollends klein zu hauen.

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Bei Stresspatienten oder bei Burn-Out sei es „tatsächlich hilfreich“, fand Stefan Hecker heraus und eröffnete am 31. Mai seinen Rage-Room auch im Sinne eines Therapiezentrums.

Man kann sich überraschen lassen, was in einem Rage-Room zum Zertrümmern da ist oder bestellt im Vorhinein sein Lieblings-Inventar.
Man kann sich überraschen lassen, was in einem Rage-Room zum Zertrümmern da ist oder bestellt im Vorhinein sein Lieblings-Inventar.

Frauen zertrümmern lieber

Bei Anmeldung kann man sich wünschen, welche Gegenstände im Rage-Room aufgeteilt werden sollen, ob Musik läuft oder nicht, ob man im Schwarzlicht oder Tageslicht drauflosschlagen will. Merkwürdig dabei: „Die meisten Menschen, die uns angeschrieben haben und hier waren, sind Frauen.“ So habe sich eine Kundin, die täglich im Büro arbeitet, auch das notwendige Büroinventar wie Laptop, Bildschirm, Fax- und Kopiergerät gewünscht, um mit dem Arbeitstag abzuschließen.

Geschäft & Umweltschutz

Um etwas zum Zerschlagen zu haben, schaut der „Bruchbuden“-Chef im Internet, hat aber auch Kontakte zu Firmen, die Haus- und Wohnungsauflösungen betreiben. Die kaputten Teile werden anschließend ordentlich entsorgt, „Glasscherben geben wir weiter zur Zement- und Mörtelproduktion.“

So sehr Stefan Hecker seinen Beruf als Notfallsanitäter wertschätzt, der Traum ist klar formuliert: „In fünf Jahren möchte ich von der Bruchbude leben können.“

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Etwas versteckt auf dem Innenhof der Meschwitzstraße ist der Eingang zur "Bruchbude".
Etwas versteckt auf dem Innenhof der Meschwitzstraße ist der Eingang zur „Bruchbude“.

„Bruchbude“ auf dem Industriegelände

Neustadt-Geflüster bei Google bevorzugen

8 Kommentare

  1. Der einzige, den man hier beglückwünschen kann, ist der Betreiber. Er hat offensichtlich erkannt, dass er eine Veränderung möchte und hat das mutig angepackt. Er versucht etwas aufzubauen. Die Kundschaft, die Büroinventar zerkloppen muss, um mit dem Arbeitstag abzuschließen, begreift das nicht. Sie werden Stammkunden. Gute Besserung.

  2. Ich war auch mal auf der Meschwitzstraße. Vor 50 Jahren. Da hatte ich damals dort einen Beruf gelernt, nichts zertrümmert. Wie sich die Zeiten ändern.

  3. Ideen und Mut zuhaben, etwas aufzubauen verdient immer Respekt. Und es klingt so, als schließt sich hier eine Marktlücke. Dem Betreiber wünsche ich viel Erfolg. Möge es gelingen!

    @schlimm
    Wenn jeder nur noch das macht, worauf er Lust hat, wird die Welt nicht funktionieren. Nicht jeder sieht sich in der Rolle eines Gründers oder Machers oder hat das Potenzial etwas aufzubauen. Manche Berufe müssen gemacht werden, auch wenn sie einen nicht erfüllen oder gar Stress auslösen. Dafür ist dann ein Mittel, diesen negativen Einfluss abzubauen, rauszulassen oder kurz zu vergessen eine willkommene Lösung. In jedem Fall besser als dies in Kommentarspalten zutun. Eventuell verlost das NG ja Eintrittskarten an die besonders „kreativen“ Kommentatoren unter den Beiträgen im Ticker, damit sie es mal an anderer Stelle rauslassen können.

  4. @schlimm, allemal besser als Autos in der Neustadt in Brand zu stecken, oder Spiegel abzutreten. gibt genügend Leute ,die scheinbar mal Frust ablassen müssen. obwohl Sport immer noch das beste Ventil ist.

  5. @Monsieur Calvin Candie
    Also wenn das ein Ventil ist um den Stress von miesen und nicht erfüllenden Jobs abzubauen, dann sollte es vom Staat bezahlt werden, oder?
    Immerhin profitiert der Staat.
    Wäre ein Mittel, um dem Verdruss in der Gesellschaft entgegen zu wirken.
    Brot und Spiele also.

    Wobei: Gerade in dem Punkt ist natürlich die Wahl des Namens ausbeuterischen Sklavenhändlers mit leicht rassistischem Hintergrund interessant!

  6. @Django Freeman

    Wenn der Staat irgendwann beginnt, den Abbau von Frust zu finanzieren, dürfte die Nachfrage tatsächlich enorm sein. Tatsächlich wäre es sinnvoll, Projekte der steuerzahlenden Bevölkerung zu fördern. Jedoch finanziert der Staat auch heute bereits genug.

    Mein Punkt war allerdings deutlich bescheidener: Menschen suchen sich Ventile. Die einen gehen laufen, andere restaurieren Oldtimer, schlagen auf einen Boxsack ein oder verbringen Stunden im Kleingarten. Nun gibt es eben Menschen, die einen alten Drucker zertrümmern möchten. Solange dabei niemand zu Schaden kommt, erscheint mir das vergleichsweise harmlos.

    Bemerkenswert finde ich vielmehr, dass wir von einer Geschäftsidee zum Stressabbau inzwischen bei der politischen Bewertung von Tarantino-Figuren angekommen sind. Offenbar arbeitet die Kommentarsektion inzwischen eng mit der Benutzernamen-Prüfstelle für moralische Reinheit zusammen.

    Da Sie sich allerdings ebenfalls nach einer Figur aus demselben Film benannt haben, würde ich vorschlagen, wir verzichten beide auf tiefenpsychologische oder politische Interpretationen von Benutzernamen und widmen uns wieder dem eigentlichen Thema.

    Dem Betreiber dürfte es ohnehin herzlich egal sein, ob seine Kunden wegen Burnout, Neugier oder schlicht aus Spaß einen Drucker zertrümmern. Hauptsache, sie bezahlen vorher.

  7. Super Angebot für Leute, die auch mal was verrücktes machen, zB. Junggesellenabschiede feiern oder auf Zastrows Sauf- und Fressmärkten mit Leuchtgeweih auftauchen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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