Pittiplatschs Erbe

Es gibt sie noch, die heiligen Hallen kindlicher Begehrlichkeiten, deren Existenz Weihnachten zu einem Fest macht, das scheinbar niemals nahen will: Spielzeugläden. Kindheitsorte der Fantasie und der Sehnsucht auf den nächsten Anlass, eine Überraschung aus knisterndem Papier zu wühlen. Zugleich auch Orte der Verzweiflung, denn was wählt man aus dem unüberblickbaren Wunderland, wenn Mama sagt: „Etwas Kleines darfst du dir aussuchen“ zur Belohnung für die überstandene Impfe oder bestandene Matheprüfung?

Andreas Woigk mit Buddelflink und Maus Gertrud aus dem Märchenwald
Andreas Woigk mit Buddelflink und Maus Gertrud aus dem Märchenwald

Besitzer eines solch mit Erinnerungen und Erwartungen aufgeladenen Ladens ist Andreas Woigk. Den gebürtigen Merseburger verschlug es zum Studium nach Dresden, wo er als Werktätiger jedoch der Mikroelektronik abschwor, um im Spielzeuggroßhandel zu arbeiten. Die Wende machte, wie bei so vielen Unternehmen in der Neustadt, aus dem Großhandel ein Geschäft, ansässig auf der Bautzner Straße neben der heutigen Fielmann-Filiale. Aufgrund der Renovierung des Gebäudes zog man 1998 zum heutigen Standort Bautzner Straße No. 5 um.

Es ist ein kleines Lädchen, von außen eher eine Höhle. Bis unter die Decke stapeln und drängeln sich Brettspiele, Kuschel- und Modelltiere, Stifte, Bälle, Puppen, Schminke in Regalen. Kunden quetschen sich höflich aber bestimmt aneinander vorbei, Kinder wuseln zielsicher auf ihre auserkorenen Lieblingsspielzeuge zu. Zweites Standbein für Andreas Woigk ist der Verkauf von Schreibwaren. „Für die Saure-Gurken-Zeit“, sagt er. Wenn also gerade nicht Weihnachten ist.


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Woigks Lieblingsecke befindet sich direkt neben der Kasse. Hier sitzen Pittiplatsch & Co. auf ihren Regalböden und warten auf nostalgische Käufer. Durch einen Zufall – wenn es denn welche gibt – im Jahr 2000 geriet Woigk sogar direkt an den mittlerweile verstorbenen Pittiplatsch-Sprecher und Puppenspieler Heinz Schröder.

Ein Junge hängte in seinem Geschäft ein Plakat für die Pittiplatsch-Tournee „Show Express Könnern“ auf. Woigk schaltete und fragte bei den Veranstaltern an, ob er seine Plüschtiere vor und nach der Veranstaltung im Hörsaal der TU Dresden verkaufen könne. Daraufhin entwickelte sich eine knapp acht Jahre lange Zusammenarbeit. Woigk tourte jedes Wochenende durch Sporthallen und Kulturhäuser in Ostdeutschland, im Sommer regelmäßig an die Ostsee. Und Montagmorgen wieder im Geschäft stehen. „Das war anstrengend, aber ich bin viel herumgekommen“ sinniert Woigk. Bewundernd spricht er von Schröder, der mit 80 Jahren noch stundenlang Puppen-Vorstellungen gab. Und beim abendlichen Kneipenbesuch alle Gäste mit der Pittiplatsch-Stimme überraschte.

Auch in seiner zweiten Filiale in Striesen verkauft Woigk traditionelles Spielzeug. Ab und zu mal ein Spongebob-Spielzeug oder eine Spiderman-Figur. „Aber das hält sich nicht“, erklärt er. „Ein Baustein bleibt ein Baustein, ein Teddy bleibt ein Teddy. Aber Harry-Potter-Schlösser vergisst man irgendwann. Das haben sogar die von Lego gemerkt.“ In einer kleinen Nische steht Blechspielzeug, das aber aus rechtlichen Gründen als „Sammlerartikel“ über den Ladentisch gehen muss. Verletzungsgefahr.

Ist schon seltsam. Für Kinder gibt es Action-Figuren, die aus brutalen Filmen bekannt sind und Blechautos dürfen nur an Erwachsene verkauft werden. Ich ziehe den Bauch ein, um an zwei stöbernden Kunden vorbeizuschlüpfen, draußen ist es kalt und grau. Drinnen war es bunt und warm. Hach, bald ist Weihnachten.

Informationen und Öffnungszeiten

  • SPIEL + Schreib Woigk, Bautzner Straße 5
  • Montag bis Freitag 9:30 bis 18:30 Uhr, Sonnabend 10 bis 16 Uhr
  • Im Internet zu erreichen unter www.spielwaren-dresden.de

3 Kommentare zu “Pittiplatschs Erbe

  1. zum Morgen ein schöner Artikel…das macht Spaß..Danke Anton

    aber übertreiben mußt nicht Zitat „Ich ziehe den Bauch ein, um an zwei stöbernden Kunden vorbeizuschlüpfen“

    Grüße Alex

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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