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Die Schmiede schließt

Wie eine düstere Wolke waberte das Gerücht schon seit ein paar Monaten durch das Hecht-Viertel. Die beliebte Wohngebietsgaststätte „Zur Schmiede“ auf der Hechtstraße macht zu. Inhaber Michael Hecht, den alle nur Michl nennen bestätigt das. „Der Mietvertrag läuft Ende März aus“, sagt er.

Michael "Michl" Hecht gibt die Kneipe nach zehn Jahren auf.
Noch bis zum März bleibt geöffnet, dann gibt Michael „Michl“ die Kneipe nach zehn Jahren auf.

Eine Nachfolgerin hatte er zwar schon gefunden, die wollte auch Einrichtung und Personal übernehmen, aber da spielt der Vermieter nicht mit. Der will die Räume sanieren und dann auf jeden Fall keine Kneipe mehr drin haben.

Damit geht eines der Urgesteine im Hecht-Viertel. Das Kneipaurant, wie Michl die Mischung aus Kneipe und Restaurant bezeichnete, gibt es schon seit mehr als 126 Jahren. In dem Haus befand sich im hinteren Teil früher ein Hufschmied, bei dem wahrscheinlich auch Erich Kästners Onkel seine Pferde beschlagen ließ. Im Vorderhaus gab es schon immer ein Restaurant, vermutlich ab 1900 unter dem Namen „Schmiede“.

Großer Gastraum, Durchgangsraum und im Hinterzimmer der Billard-Tisch. Die Schmiede war eine waschechte Wohngebietsgaststätte oder wie Michl sagt: ein Kneipaurant.
Großer Gastraum, Durchgangsraum und im Hinterzimmer der Billard-Tisch. Die Schmiede war eine waschechte Wohngebietsgaststätte oder wie Michl sagt: ein Kneipaurant.

Seit 2013 ist Michl der Kneipen-Chef

Michl übernahm die Gastwirtschaft vor zehn Jahren. „Ich hatte schon länger in der Gastro gearbeitet und mein Traum war immer die eigene Kneipe gewesen“, erzählt er. In seiner Heimat in der Oberpfalz gab es nichts geeignetes, also dehnte er den Suchradius größer. „In einem Immobilienportal fand ich dann die Schmiede“, sagt er und schildert, wie er sich vom Inhaber erst veralbert fühlte, weil die Kneipe in der Hechtstraße sein sollte. „Mein Nachname ist ja auch Hecht, aber dann hab ich gegoogelt und Hecht-Viertel und Hechtstraße gefunden.“ Als er hier ankam, hat er sich gleich in das Lokal verliebt.

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Es folgten fünf harte Jahre, die Kundschaft musste aufgebaut, ein Kredit abgezahlt werden. „Das waren Sieben-Tage-Wochen mit täglich bis zu 16 Stunden Arbeit“, sagt Michl zurückblickend. Als er dann erstmals einen Urlaub plante, gab es einen Einbruch in der Kneipe. „Das gab mir den Rest, ich lag mit Burnout flach“, sagt Michl.

Mit Hilfe des Teams und dicker Unterstützung durch die Kundschaft und Nachbar*innen kam er aber wieder auf die Beine. „Die haben mich mit einer großen Party und einer Spendensammlung zurück ins Leben geholt“, sagt Michl. Das Geschäft entwickelte sich prima. Bis dann 2020 die Corona-Pandemie zum ersten Mal alles lahm legte. „Schlimmer war es aber 2021, da waren dann die Reserven aufgebraucht“, sagt er.

Der Tresen in der "Schmiede" erinnert an die einstige Nutzung des Hinterhauses.
Der Tresen in der „Schmiede“ erinnert an die einstige Nutzung des Hinterhauses.

Schwierige Umstände

Die ganze Situation in der Gastronomie sei nicht einfach, mit der Erlenklause und dem Leonardo haben ja schon zwei etablierte Kneipen in der Nachbarschaft geschlossen. In Michl reifte der Entschluss, aufzuhören.

Wenn er von seiner Kneipe erzählt und der Entwicklung der vergangenen Jahre, klingt ein ganzes Stück Wehmut mit. Stolz führt er durch die Räume. Stammgäste sind hier mit Fotos verewigt. Im Billard-Raum prangt ein großes Torpedo-Hecht-Logo – „unsere Fußballmannschaft“, sagt Michl. Mit Liebe und Qualität hat er die Kneipe zu dem gemacht, was sie heute ist. Eins ist klar, es wird noch einmal eine große Abschiedsparty geben.

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Zur Schmiede

Gaststätte "Schmiede" Anfang des 20. Jahrhunderts.
Gaststätte „Schmiede“ Anfang des 20. Jahrhunderts.
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8 Ergänzungen

  1. Oh nein. Das macht mich jetzt echt traurig. Ich hab so viele tolle Erinnerungen an diesen Ort. Wo erfährt man wann die Abschlussparty ist?

  2. Schade :( den Vermieter soll echt der Teufel holen…
    Gibt’s eigentlich was Neues vom Leonardo? Immernoch gähnende Leere, nicht mal ein zu vermieten Schild?

  3. @Fran:
    Bevor du (vielleicht) zu Fackeln und Mistgabeln zu greifen gedenkst, frag Michl ruhig, ob die Schmiede prinzipiell hätte im Haus bleiben können.

    Und im ehemaligen Leonardo müssten wohl einige recht teurer Umbauten vorgenommen werden, bevor da wieder eine Gastro reinkommt. Wir müssen uns gedulden.

    Beste Grüße
    Peter

  4. Das ist bitter. Auch im Zusammenhang mit dem Beitrag vor 100 Jahren. Eigentum verpflichtet übrigens…

  5. Soooo schade! Leider kenne ich das Hecht noch nocht so lange, aber mir wurde erzählt, das der gute alte Kiez langsam kaputt geht und an Niveau verliert. Das bedauere ich sehr!!
    Ich wünsche dem Michl alles Gute!

  6. @Jana:

    Och, es tut sich durchaus was. Das Fortschritt hat einen neuen Betreiber, das Kultureck – Stichwort Full Moon Gallery – dreht auch einiges.

    Beste Grüße
    Peter

  7. Klar haben über die Jahre schon einige Lokalitäten im unmittelbaren Umfeld der Schmiede geschlossen (Boofe, Florenz, Erlenklause, Leonardo), aber dafür sind Pizzastube, Kawa, TB und Hechtgarten neu entstanden. Insgesamt werden es wohl weniger Lokale, aber als kaputt gehen des Hechtviertels würde ich es nicht bezeichnen. Es ändert sich, sowohl die Lokale/Geschäfte, als auch die Bewohner. Was vor 20 Jahren das Hechtviertel war, würden viele der (heutigen) Anwohner vielleicht überhaupt nicht so toll finden. Wenn ich mich damals an die Hausbesetzung auf der Hechtstraße 7 erinnere, war schon eine wilde Geschichte, die ich aber heute auch nicht nochmal so erleben möchte.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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