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Dresdner Hebammen in Not

Sokrates war ein Meister der sogenannten Mäeutik, der Hebammenkunst. Statt seinen Schülern Antworten vor die Stirnen zu setzen, fragte Sokrates lieber so lange weiter, bis die Schüler die Antworten (in sich) selbst entdeckten. Es spricht viel dafür, dass Sokrates auf die Idee kam diese philosophische Technik zu erfinden und anzuwenden, weil seine Mutter Hebamme war.

Bittet per Petition um Hilfe: Der Gut ins Leben e.V. im Hebammen-Haus der Louisenstraße 75
Bittet per Petition um Hilfe: Der Gut ins Leben e.V. im Hebammen-Haus der Louisenstraße 75

Diese Betrachtung führt genauso zurück zu den Ursprüngen unserer Erkenntnistheorie, wie der Beruf der Hebamme zurückführt zum Beginn unserer Gesellschaft. Daher darf auch behauptet werden: Wenn die Hebamme in Not gerät, steht es schlecht um unsere als fortschrittlich gepriesene Gesellschaft. Das ist in Dresden nun faktisch der Fall.

Im aktuellem Haushaltsentwurf der Landeshauptstadt ist die 2018 ins Leben gerufene Geburtshilfeprämie nämlich nicht mehr enthalten. Wir sprechen dabei von 200.000 Euro jährlich, die wegfallen sollen.

Dazu sagt Annet Lorenz, aus dem Hebammen-Haus Dresden: „Die Förderung hilft uns freiberuflichen Hebammen sehr, die hohen und weiter steigenden Kosten der Berufshaftungspflichtversicherung (mit Geburtshilfe derzeit etwa 11.500 Euro pro Jahr) etwas abzumildern.“

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Die Kostenvorleistung sei enorm, da die durch Krankenkassen gezahlten Geburtshilfspauschalen nicht vergleichend ansteigen und die Bezuschussung durch den sogenannten Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen zur Zeit bis sechs Monate Bearbeitungszeit braucht und erst im Nachhinein beantragt werden kann.

Man solte diesen Innenhof behaupten iw ealle freiberufliche Hebammen - und dafür braucht es eine gemeinsame Initiative
Erforderlich ist eine gemeinsame Inititative, um den freiberuflichen Hebammen in Dresden zu helfen.

Hintergrund

Im Jahr 2018 wurde eine Geburtshilfeprämie ins Leben gerufen. Auf Initiative des Vereins Gut ins Leben e.V. und der Parteien der Grünen, DIE LINKE und SPD sowie des Dresdner Stadtrats, wurden damit 200.000 Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Bezahlt wurden damit die Hebammen und Geburtshelfer für

  • Geburt in Geburtshaus oder Praxis: 100 Euro
  • Hausgeburt bzw. Beleggeburt in einem Krankenhaus: 200 Euro
  • Wochenbettbetreuung einmalig: 30 Euro.

Josefin Schönberg bricht das alles präzise runter: „Das sind 230 Euro weniger im Monat und die kommen dann auch noch viel zu spät aufs Konto. Bisher war es unkompliziertes Geld und innerhalb von drei Wochen da.“ Reich sind Hebammen wirklich noch nie gewesen. Aber jetzt sollen sie also noch weniger verdienen.

Ortstermin im Hebammen-Haus: Teresa Hermann, Martha Falkenberg, Julia Stietz mit Rosalie, Josefin Schönberg und Paula Liskowksi rufen zur Hilfe auf.
Ortstermin im Hebammen-Haus: Teresa Herrmann, Martha Falkenberg, Julia Stietz mit Rosalie, Josefin Schönberg und Paula Liskowksi rufen zur Hilfe auf.

Dabei belegen die Zahlen, dass die Nachfrage gegeben ist. Im Jahr 2021 wurden 66 Prozent der zur Verfügung gestellten Mittel abgerufen. In diesem Jahr ist mit gleichbleibenden Bedarf zu rechnen. Im durch Oberbürgermeister Dirk Hilbert vorgestellten Haushaltsentwurf sollen diese Mittel nun gekürzt werden.

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Was machen Hebammen eigentlich?

„Nichts und niemand auf der Welt kann diese Ruhe ausstrahlen“, sagt Julia Stietz, die ihre Tochter Rosalie vor vier Monaten im Hebammen-Haus in der Louisenstraße geboren hat. Sie hat sich gegen die Klinik entschieden, weil sie die Wahl hatte. Diese freie Wahl des gesicherten Geburtsortes ist durch Ausbleiben der Förderung bedroht. Weniger Geld, weniger Hebammen, weniger Möglichkeiten.

Doch Hebammen sind nicht nur Geburthelferinnen, sie unterstützen werdende Mütter bei der Schwangerschaftsvorbereitung. Bis auf Ultraschalluntersuchungen decken sie das komplette Angebot der Vorsorge ab. Außerdem sind Hebammen für die Mütter auch am Wochenbett da. Die Betreuung umfasst die Beratung und Hilfe zur richtigen Pflege und Ernährung des Neugeborenen, Hilfe beim Stillen und die Behandlung von Stillproblemen.

Petition des Gut ins Leben e.V.

Um die Dresdner Hebammen zu unterstützen, wurde eine Petition ins Leben gerufen, mit der man unterstützen- und den Zuschuss für die Dresdner Hebammen weiter behaupten kann. „Über diesen Zuschuss für außerklinische Hebammen können die freie Geburtsortwahl und freie Wahl der außerklinischen Betreuung für Frauen weiterhin gewährleistet bleiben“, unterstreicht Josefin Schönberg.

Bei der Petition auf dresden.de haben aktuell schon mehr 800 Menschen unterzeichnet.

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12 Ergänzungen

  1. Dann sollen es doch die bezahlen, die anstatt die sichere Variante im Krankenhaus zu wählen ins Geburtshaus gehen oder Daheim bleiben wollen. Problem gelöst. 230€ sollte den Eltern wohl ein Kind oder mehrere wert sein, oder nicht?

  2. Sehr treffend und schön geschrieben! Den Einstieg hatte ich einst, als ich auf einer Hebammen-Demo sprechen durfte, etwas ähnlich:

    „Ich fange zwar jetzt bei den alten Griechen an, aber keine Angst, ich rede nicht länger als 5 Minuten.

    Die berühmteste Hebamme der Antike war Sokrates, einer der faszinierendsten und weisesten Menschen, die je gelebt haben. Er hat diesen Beinamen philosophische Hebamme bekommen, weil er nie jemandem vorschreiben wollte, was er zu denken hat, was die Wahrheit ist, sondern er hat durch geschicktes Fragen, durch Analogien aus den Menschen nur das auf die Welt geholt, was eh schon in diesen drin war, was sie eh schon wussten.

    Sokrates hat die Menschen im Erkenntnisprozess unterstützt und begleitet. Dieser Weg zur Geburt der Wahrheit war für die Menschen auch oft mit Wehen und Schmerzen verbunden. Und Sokrates hat dabei fremde Wahrheiten statt seine eigenen, fremde Kinder statt eigene Kinder auf die Welt gebracht.

    Nebenbei gesagt Sokrates hatte auch eigene Kinder, 3 Söhne, mit seiner Frau, der berüchtigten Xanthippe.

    Reich geworden ist er mit seiner Hebammenkunst allerdings nicht, hat keine Philosophen-Schule begründet, er hat auch keine Bücher geschrieben – eben weil er kein wissenschaftlicher Geist war, sondern ein mitfühlender, intuitiver, kommunikativer, hundertprozentiger Mensch.

    Und damit sind wir bei den heutigen Hebammen, besonders bei den freien Hebammen, die ich bei den Hausgeburten unserer Kinder kennen lernen durfte, die auch genau diese Gaben haben.“

    Und dann noch 4 weitere Redeminuten…

  3. Na genau, fix und kostengünstig n Kaiserschnitt, mit überlastetem Krankenhauspersonal, traumatisierte Mütter und Kinder zahl ich dich gern mit meinem Krankenkassenbeitrag. Geburt ist im Normalfall keine Krankheit, braucht aber kompetent und zugewandte Unterstützung. Das Risiko ist zu Hause oder im Geburtshaus nicht größer.

  4. Leider falsch. Hausgeburten sind erheblich risikoreicher.
    „Laut Statistik müssen zehn Prozent aller Hausgeburten während der Entbindung in eine Klinik verlegt werden, weil unvorhergesehene Komplikationen auftreten. Das können Geburtsstillstand, starke Blutungen oder Sauerstoffmangel des Kindes sein. In über der Hälfte der Fälle wird dann ein Kaiserschnitt oder eine Entbindung mit Zange oder Saugglocke nötig. Auch die perinatale Sterblichkeit (Sterblichkeit während der Geburt) liegt bei Hausgeburten höher als bei Klinikgeburten.

    Eine aktuelle Studie aus Großbritannien – die geplant war, um die Sicherheit einer Hausgeburt zu belegen – zeigte stattdessen ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind. 45 Prozent der Erstgebärenden mussten während der geplanten Hausgeburt in eine Klinik transportiert werden“

  5. @Lars
    Wie viele unvorhergesehene Komplikationen gibts denn im KH?
    Bis da ggf n OP vorbereitet ist, ist man auch mit der SMH vor Ort…

  6. Liebe Anton, danke für die Erinnerung an meine Selbstkontrolle:) dies ist wahrlich nicht der Ort für solcherlei Debatte.
    Mein neuer Kommentar:
    Ich solidarisiere mich mit all den Hebammen und Geburtshelfer:innen allen Frauenbegleiter:innen, die täglich ihren Beitrag für eine Selbstbestimmte Geburt leisten- „weil es nicht egal ist, wie wir gebären“.
    Danke für den Artikel.

  7. ich hab alles mitgemacht von klinik stationär und ambulant bis geburtshaus und zuhause. ich würde nie wieder was anderes machen als letzteres. es war die selbstbestimmteste entbindung. eine gute hebamme ist gold wert, die meisten haben so ein feines gespür und werden ja mit den ‚baby‘ groß. leider und auch von meiner hebamme bestätigt, gibt es frauen die sich aus den komischten gründen gegen das krankenhaus entscheiden. ich denke wir sollten der frauen und auch den menschen mehr verantwortung zurück geben, statt alles in fremde hände zu legen. wir haben ein gutes gespür was gut oder schlecht ist. nur wurde es uns abtrainiert. dann wäre der krankenhausschnitt ein anderer aber auch bei weitem nicht bei null. schrecklich was man den hebammen aufbürgt.

  8. Am wichtigsten ist doch wohl, dass das Kind geschützt und sicher auf die Welt kommt.

    Ich persönlich habe mich mit beiden Kindern für das Krankenhaus entschieden. Und ich habe mich im Diakonissenkrankenhaus sehr gut aufgehoben gefühlt. Es wurde beim ersten Kind dann auch komplizierter, so dass die Entscheidung auf jeden Fall gut war. Und für die Hebammen im Krankenhaus möchte ich eine Lanze brechen. Sie bringen ein sehr hohes Engagement und Feingefühl mit und stehen freiberuflichen Hebammen, die auch sehr wichtig sind, in meinem Fall in der Nachsorge, in nichts nach.

  9. Und im Krankenhaus sind es jetzt fremdbestimmte Geburten ???, bleibt mal auf dem Teppich …, Hebamme bleibt ja wohl Hebamme.

    Zum Geld kann ich nichts sagen, finde aber eine Selbstbeteiligung durchaus logisch … um die Arbeit der freien Hebammen zu unterstützen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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