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Letzte Generation blockiert Hansastraße

Um 8.20 Uhr war alles wieder vorbei. Die Polizei hat die Ölspuren beseitigt, die Sperrung aufgehoben und der Verkehr konnte wieder über die Hansastraße rollen.

Gruppe "Letzte Generation" blockierte für eine Stunde die Hansastraße
Gruppe „Letzte Generation“ blockierte für eine Stunde die Hansastraße

Kurz nach 7 Uhr hatten drei Aktivisten und eine Aktivistin an der Fußgängerampel zur Fritz-Hoffmann-Straße die stadteinwärtige Spur der Hansastraße blockiert. In wenigen Minuten stand die Straße bis zur Kreuzung Fritz-Reuter-Straße voll mit Autos. Die Polizei war offenbar vorgewarnt. Eigentlich sollte die Aktion am Körnerplatz in Loschwitz stattfinden. Die Gruppe, die sich selbst „Letzte Generation“ nennt, hatte sich aber spontan umentschieden.

Zwei Aktivisten klebten sich mittels Sekundenkleber an der Straße fest.
Zwei Aktivisten klebten sich mittels Sekundenkleber an der Straße fest.

Die Polizei sicherte die Straße ab und leitete den Verkehr um. Währenddessen klebten sich zwei Aktivisten mittels Sekundenkleber auf der Straße fest. Etliche Autofahrer machten ihrem Missmut Luft. „Die leben von unserem Geld – die Nichtsnutze“, schrie ein aufgebrachter Fahrer, der, wie er bekundet, zur Arbeit müsse. Ein anderer sagte einem Journalisten ins Mikrofon, dass man beim Schweröl anfangen solle, nicht beim kleinen Autofahrer. Eine ältere Dame mit Krückstöcken humpelte nach vorn und beschwerte sich bei den Demonstranten. Sie müsse ins Krankenhaus und stecke nun hier fest.

Zwischenzeitlich stauten sich bis zu 50 Autos auf der Hansastraße, im nördlichen Verlauf der Straße und im Umfeld kam es zu Verzögerungen.
Zwischenzeitlich stauten sich bis zu 50 Autos auf der Hansastraße, im nördlichen Verlauf der Straße und im Umfeld kam es zu Verzögerungen.

Süchtig nach fossiler Energie

Der Dresdner Physiker Christian Bläul hatte sich mit einer Hand auf der Straße festgeklebt. Er sagte: „Wir sind süchtig nach fossiler Energie, das muss sich ändern.“ Er forderte dass keine neuen fossilen Energien gefördert werden. Er habe schon viele verschiedene Protestformen durchgeführt, man habe sich jetzt auf diesen, nicht ignorierbaren, friedlichen Widerstand verständigt.

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Blaue Stunde im Kupferstichkabinett

Friedrich Graeber (23), der an der heutigen Straßenblockade beteiligt war, ergänzte: „Wir fordern Minister Habeck hier und heute auf, keine neuen Ölbohrungen in der Nordsee zu genehmigen.“ Jede weitere Ölbohrung und der Bau neuer fossiler Infrastruktur würden die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören. „Dieser fossile Wahnsinn vernichtet unser Klima und raubt damit unseren Kindern jede lebenswerte Zukunft“, so Graeber.

Die Dresdner Gruppe ist Teil einer bundesweiten Aktion, die heute in mehreren Städten Deutschlands stattgefunden hat.

Einer der Demonstranten wurde weggetragen.
Einer der Demonstranten wurde weggetragen.

Währenddessen begann die Polizei die Fahrzeuge rückwärts aus dem Stau herauszulotsen. Nach etwa einer halben Stunde war das letzte Fahrzeug verschwunden, die Demonstrantin verließ die Blockade freiwillig, ein junger Mann wurde zur Seite getragen. Die Polizei war gut vorbereitet und hatte Speiseöl in kleinen Spritzen dabei.

Mit Speiseöl löste die Polizei die angeklebten Hände von der Fahrbahn.
Mit Speiseöl löste die Polizei die angeklebten Hände von der Fahrbahn.

Das rieben sie den beiden Aktivisten an und um die Finger. Bläul erklärte, dass dies schon unangenehm und schmerzhaft sei, er sei aber froh, dass die Polizei umweltverträgliches Öl verwende und nicht ein Lösungsmittel.

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Blaue Stunde im Kupferstichkabinett

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Umweltbürgermeisterin vor Ort

Die Ablöseaktion dauerte eine Weile. In diesem Moment fuhr Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) auf ihrem Elektrorad vorbei und war gleich bereit, Statements abzugeben. Sie habe die Aktion nicht zu werten, sagte sie, ihr sei aber bewusst, dass der Klimaschutz viele Menschen bewegt. „Ich habe dafür zu arbeiten, dass Dresden klimaneutral wird“, sagte Jähnigen.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) kam auf dem Weg zur Arbeit vorbei.
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) kam auf dem Weg zur Arbeit vorbei.

Kurz nach 8 Uhr hatte die Polizei dann die Hände der Aktivisten abgelöst. Die beiden müssen sich nun wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen Nötigung verantworten, das sagte abschließend der Pressesprecher der Polizei.

Vortrag im Stadtteilhaus

Die Gruppe will ihre Beweggründe in einem Vortrag unter dem Titel „Unsere Verantwortung in Zeiten des Klimanotfalls – Was du im zivilen Widerstand tun kannst“ erklären. Dieser Vortrag findet am Donnerstag, 26. Mai 2022, um 18 Uhr in der Prießnitzstraße 18 in Dresden statt und erklärt die Hintergründe der Aktion und den weiteren Plan zivilen, friedlichen Widerstands.

Gegen 7.45 verließ das letzte Fahrzeug die Hansastraße.
Gegen 7.45 verließ das letzte Fahrzeug die Hansastraße.

Nachtrag

Der Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst (FDP) teilte per Pressemitteilung seine Meinung zu dem Protest am heutigen Morgen mit: „Protestieren darf in unserem Land jeder. Dies garantiert das Grundgesetz. Straßen zu blockieren und andere zu nötigen, hat mit Meinungsfreiheit allerdings nicht das Mindeste zu tun. Auch für friedlichen Protest gelten in unserem Rechtsstaat Regeln und nicht das Faustrecht der Blockierer der sogenannten ‚Letzten Generation‘.“ Es sei keine Petitesse, dass Berufspendler oder Rettungsfahrzeuge behindert und in einen Stau geschickt werden. „Wer Mitbürger nötigt, begeht eine Straftat und muss nun alle harten Konsequenzen unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen“, so Herbst. Sein Dank gelte vor allem der Polizei in Dresden, die mit ihrem konsequenten Handeln für die schnellen Auflösung der Blockade gesorgt habe.

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7 Ergänzungen

  1. Tolle Aktion, mehr davon. Bin nächstes Mal auch mit dabei <3

    „Sie habe die Aktion nicht zu werten, sagte sie [Eva Jähnigen], ihr sei aber bewusst, dass der Klimaschutz viele Menschen bewegt.“

    Das klingt, als ob der KLIMASCHUTZ das Problem sei. In Wahrheit bewegt doch aber das Klima und dessen Zerstörung viele (alle) Menschen.

    Ich würde mir wünschen, dass UmweltministerÏnnen erklären, dass Leute gezwungen sind, mit ihren Autos zur Arbeit zu fahren (und damit uns und unsere Kinder und Enkel zu sowie alle anderen Lebewesen zu gefährden), weil die Umwelt- und Verkehrsminister seit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome vorsätzlich gepennt haben bzw. sich von ADAC und der Autoindustrie korrumpieren ließen.

  2. Welches Öl wurde verwendet? Öl ist in diesen Tagen ein kostbares Gut. Zumindest Sonnenblumenöl. In Deutschland. In Karlovy Vary (CZ) gab es die Flaschen vorletzte Woche für 60 Kc, ungefähr 2,40 €. Da wohnen keine Hamster….

  3. „Bläul erklärte, dass dies schon unangenehm und schmerzhaft sei, er sei aber froh, dass die Polizei umweltverträgliches Öl verwende und nicht ein Lösungsmittel“

    Na die Sorgen möchten wir ja auch mal haben. Die kleben sich mit Sekundenkleber fest (sicher extrem ökologisch) und freuen sich über Speiseöl. Was wäre denn gewesen, wenn die Polizei die einfach von der Strasse „gerupft“ hätte……..Zumindest hätte dann niemand mehr Fingerabdrücke nehmen können……. ;-)

  4. @Torsten: Mich ruft der Verkehrsminister morgens nicht an, um mir die Zielkoordinaten meiner Tagesroute durchzugeben.
    Aber dass Du die Existenz des „Club of Rome“ kennst, ist sicher Teil des grossen Planes…. ;-)

    Funfakt am Rande:
    Sekundenkleber funktioniert auf Basis von Ethyl-2-cyanacrylat… Wer da mal schnell zwei Tuben wegdrückt hat auch selber Spass am schnüffeln, also tief Luft holen und dann die Welt retten… („Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen“-Henkel AG &Co. KGaA)

  5. Jetzt wo die Letzte Generation im Knast sitzt und versucht, den restlichen Kleber abzufriemeln, ist morgen wieder freie Fahrt angesagt. Tuttut..

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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