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Gemütlich ohne Autos

Die Neustadt ohne Autos – was für einige unvorstellbar ist, ist für andere ein Traum. Dass daraus auch Realität werden kann, dafür wirbt der Verein „Zukunftsgestalten“. Siv-Ann Lippert leitet das Projekt und hat auf der Louisenstraße einen Plausch mit dem Neustadt-Geflüster gehalten: Darüber, wie präsent der Verkehr in der Neustadt ist, was Lippert umsetzen würde, wenn sie im Stadtrat säße und wie sie mit Auto-Verfechtern umgeht.

Vor dem Büchers Best veranstaltete der Verein Zukunftsgestalten einen Workshop, der sich eine Louisenstraße ohne Autos vorstellte. Foto: Isabel Knippel

Rollrasen auf dem grauen Asphalt, ein Sandkasten, Tische und ganz viele Bäume in Blumenkübeln – so könnte die Louisenstraße aussehen, wenn hier mehr Platz wäre. „Car is over“ verheißt ein Banner in der Grafik von Grit Koalick. Was der Verein Zukunftsgestalten in seinem neuen Flyer darstellen wollte, ist eine Utopie, wie eine autofreie Louisenstraße aussehen könnte – „Alternativen zu zeigen, Angst zu nehmen und Ideen zu geben“, wie es Siv-Ann Lippert ausdrückt.

Zurück in der Realität, gibt einem die Louisenstraße an diesem verregneten Vormittag nicht gerade viel Anlass für Inspirationen: Es ist grau, die Straße ist nass, voller Baustellen und voller parkender Autos. Zwei Fahrräder stehen vorm Büchers Best, sie werden vom Wind umgeweht. Ein Postbote hält kurz mit seinem Lastenfahrrad an, Platz zum Halten am Straßenrand hat er jedoch nicht. Steht man länger auf dem Gehweg, um sich zu unterhalten, wird es schnell eng – ständig müssen sich Leute an einem vorbeidrängen, weil der Platz für Fußgänger so eng ist.

Ist die Neustadt in erster Linie für Autofahrer*innen gemacht?

Der Frage, wie es ohne die „stinkenden Vierräder“ wäre, wollte Lippert zusammen mit ihrem Team von Zukunftsgestalten im letzten September nachgehen. Sie veranstalteten einen Workshop (Neustadtgeflüster berichtete), direkt vor Büchers Best, bauten ihre Tafeln einfach auf der Straße auf und warteten auf Passanten, die ihre Post-its mit Ideen für eine autofreie Stadt an die Wände kleben wollten. Einige blieben stehen. Obwohl der Workshop schon ein bisschen her ist, schwärmt Lippert noch davon.

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„Wir hatten da die ganze Palette von Leuten und Sichtweisen.“ Einige wären kreativ geworden und hätten sich zum ersten Mal damit befasst, was es für Möglichkeiten gäbe, wenn da keine parkenden Autos wären.  „Am besten fand ich den Vorschlag ein Sofa auf die Louisenstraße zu stellen. Oder einfach mal den Liegestuhl rauszupacken. Ein bisschen mehr Gemütlichkeit, das braucht die Neustadt“, meint sie lachend.

Ganz viel Platz und Gemütlichkeit – so stellt sich Zeichnerin Grit Koalick eine Louisenstraße ohne Autos vor. Grafik: Zukunftsgestalten e.V.

Dieser Workshop war Grundstein für den Flyer, der nun entstanden ist und kostenlos im Internet abrufbar ist. Mit ihm will Zukunftsgestalten deutlich machen, wie wichtig autofreie Zonen in einer Stadt sind. Lippert zählt auf: Weniger Autos sorgen für weniger Leute im Krankenhaus, für weniger Hitzetage, für weniger Lärm. Autos parken 23 Stunden am Tag – da stellt sich die Frage, ob sie das nicht auch außerhalb der Neustadt können.

Stress durch die Autos – aber ohne noch mehr?

Steigende Mieten und knapper Wohnraum, gerade in Pandemiezeiten, verlagern viel Leben nach draußen. Eine Straße ohne Autos verheißt mehr Ruhe, Nachhaltigkeit und Platz für viel Neues. „Mich nervt es, wenn ich mein Fenster aufmache und dann der Autolärm und Gestank reinkommt. Oder wenn ich mir Sorgen um meine Kinder machen muss, dass es nicht sicher ist, wenn sie auf der Straße laufen“, gibt Lippert zu. Viele, ob Neustadt-Bewohner:innen oder die Stadt Dresden, zeigten Interesse an der Idee. Doch es gibt auch viel Kritik. Nach einem ihrer letzten Interviews hätte es eine Flut von negativen Kommentaren gegeben. Und auch die „Woche des guten Lebens“, die zeigen sollte, wie die Neustadt ohne Autos funktioniert, wurde bis jetzt noch nicht realisiert.

Siv-Ann Lippert mit dem Faltplan - Foto: Zukunftsgestalten e.V.
Siv-Ann Lippert mit dem Faltplan – Foto: Zukunftsgestalten e.V.

Bedenken zur Umsetzbarkeit

Es gibt viele Stimmen dagegen, Fragen nach der Umsetzbarkeit. Verständlich, dass, wer ein Auto besitzt und in der Neustadt wohnt, es dort auch parken will. Bedenken, wie das mit dem Transport der Einkäufe ablaufen solle, die Freiheit, irgendwo spontan hinzufahren – Lippert sind diese Überlegungen nur allzu vertraut. Auch sie besaß bis zum Ende vergangenen Jahres ein Auto, einfach aus Gewohnheit, wie sie sagt. „Es kostet Zeit, sich damit auseinanderzusetzen“, meint die Projektleiterin. Aber dann merkte sie: „Es ist absolut möglich, hier ohne Auto zu leben!“ Direkt vor ihrer Tür befände sich eine Teilauto-Stelle, und auch sonst vermisse sie das Auto nicht.

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In Dresden in den letzten Jahren sei positiv zu beobachten, dass Mobipunkte immer mehr ein Teil des Stadtbildes würden, mehr Fahrradstellplätze da wären und sich immer mehr Leute vom eigenen Fahrzeug verabschieden. Menschen, die trotzdem noch skeptisch sind, entgegne sie gerne: „Warum nicht einfach mal ausprobieren, wie es ohne ist?“ Wer auf ein autofreies Leben umsteige, merke oft schnell: „So schlimm ist das alles doch nicht.“

Autos wohin man schaut – viele davon gehören aber einfach Neustädtern, die hier wohnen und einen Platz für ihr Fahrzeug suchen. Foto: Isabel Knippel

„Wir wollen ja erstmal nichts direkt und ab sofort ändern. Wir wollen den Leuten erstmal zeigen, wie es sein könnte“, erklärt Lippert. „Zeigen, was man mit mehr Platz auf der Louisenstraße anstellen könnte, dass man die Kinder ohne Sorge auf die Straße lassen oder einfach mal einen Tisch auf die Straße stellen und dort mit Leuten zusammensitzen könnte.“

Städte sind für Autos gebaut – und die Fußgänger daran gewöhnt

Ihre Bürgerbewegung sei hier noch ganz am Anfang, Politiker*innen offen, aber zurückhaltend mit der Umsetzung. „Deswegen sagen wir auch ganz klar: Es geht nicht darum, zu hundert Prozent alles umzuwerfen“, bekräftigt Lippert. Städte seien traditionell mehr für Autos gebaut als für Fußgänger, so sei man es gewöhnt. Und Gewohnheiten zu ändern, das sei nunmal schwierig. Das ist in Dresden nicht anders als sonstwo, Dresden befinde sich im Mittelfeld der fahrradfreundlichen Städte, meint Lippert. Es gäbe also noch viel zu tun: Könnte Lippert entscheiden, würde sie die Fußwege verbreitern, noch mehr auf Carsharing setzen, Fahrradstraßen einführen genauso wie Zone 30 und mehr Zebrastreifen, die Parkgebühren erhöhen. Einfach um zu zeigen, dass die Stadt nicht den Autos allein gehöre.

Eins ist auf jeden Fall klar – der Faltplan bringt Gesprächsstoff. „Wir wollten einfach mal ein paar schräge Ideen reinbringen, einen kontroversen Text schreiben und die Leute dazu anregen, in den Austausch zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Alles andere bringt uns nicht weiter.“ Sie wolle erreichen, dass ihr Plan in WGs in der Neustadt aufgehängt werde, dass Leute anfingen, darüber zu diskutieren.

Siv-Ann Lippert wünscht sich mehr Zebrastreifen – und hilft da gerne persönlich mit bunter Kreide nach, wenn man sie lässt. Foto: Isabel Knippel

Bücherschränke und Trampolins, Anlaufpunkte für obdachlose Menschen – die Liste der Ideen, die in dem Faltplan vorgestellt werden, ist lang. Während Lippert ihr Fahrrad die Louisenstraße entlangschiebt, erzählt sie, dass sie eigentlich zufrieden ist mit den Entwicklungen der letzten Jahre in der Neustadt, was Mobilität angeht. Mehr Zebrastreifen, die wünsche sie sich wirklich, das sei für sie ein Zeichen dafür, dass man aufeinander achte. Und wenn man ihr ein Stück Kreide in die Hand drückt, dann kann schon der ein oder andere entstehen, einfach spontan aufs Kopfsteinpflaster gemalt.

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33 Ergänzungen

  1. Bei „Rollrasen auf dem grauen Asphalt“ habe ich aufgehört zu lesen.
    Wird gut anwachsen. Wie die großkronigen Bäume, die schon mal im Gespräch waren.
    Mal abgesehen von den schwebenden Feuerwehren, Krankenwagen und Müllautos.
    Sehr interessant wäre im Übrigen die Finanzierung der Phantasmen. Gehen die Projektbeteiligten mit gutem Spendenbeispiel voran? Oder soll es wieder mit Steuergeldern bezahlt werden, die womöglich die Leute bezahlt haben, die Auto für die Arbeit brauchen?

  2. Ich wohne seit über zwanzig Jahren in der äußeren Neustadt. Ich mag es hier, weil die Neustadt funktioniert wie ein Dorf, in dem man ständig Leuten begegnet, die man mehr oder weniger gut kennt, sich nur zunickt oder sich kurz austauscht.
    Die größte Veränderung in der Neustadt ist in meiner Wahrnehmung die Ausbreitung der Gastronomie. Die haben verständlicherweise einen durch Geschäftsinteressen motiverten Expansionsdrang. Dabei scheint es nicht so zu sein, daß die Behörden ihre Verordnungen verändern. Es ist wohl eher so, daß z.B. Außengastronomie auf Fußwegen einfach etabliert wird, und darauf gesetzt wird, daß das Ordnungsamt keine Lust hat sich mit der Frage beschäftigt, ob es sich weiterhin um einen Fußweg oder eben eine Restaurantterasse handelt.
    Und das stellt die größte Verschlechterung der Lebensqualität für die Menschen in der Neustadt dar, weil die Neustadt eben als Partyzone wahrgenommen wird, in der es für Menschen, die nicht hier wohnen, völlig in scheint in frühen Morgenstunden betrunken und lautstark durch die Straßen zu ziehen.
    Ich persönlich finde das Auto kein besonders gutes Verkehrsmittel im urbanen Raum, benutze auch kaum eines. Insofern könnte ich mich auch mit der Idee der autofreien Neustadt anfreunden. ABER! Mir müsste in dem Zusammenhang erklärt werden, wie es dann gelingen soll, daß die frei werdenden Räume sich nicht in eine ausufernde Partyzone verwandeln, und das Viertel dadurch quasi unbewohnbar wird.
    Denn ich kann mir schwer vorstellen, daß ein dann frisch engagiertes Team von Neustadtkümmerer(inne)n mit jedem Neustadtgast friedlich bespricht, daß die Anwohner der Neustadt gegen z.B. 23.00h auch eingewisses Ruhebedürfnis haben…

  3. Welche demokratische Legitimation hat der Verein, unsere Umgebung umzugestalten? Hat der Verein eine-autobahn-auf-der-alaunstrasse.de das gleiche Gehör in der Öffentlichkeit?
    Soweit ich der website entnehme, ist Frau Lippert jemand wie du und ich und kann eine Meinung haben, mehr nicht.

  4. Ohne jetzt die übliche Diskussion zur Sinn- oder Unsinnhaftigkeit solcher Unterfangen anfangen zu wollen, will ich aber doch mal einen Kommentar zu etwas hinterlassen, was mir bei all diesen Projekten aufgefallen ist: „Das Wunschdenken einer belebten Straße“

    Ich verweise mal auf die meines Erachtens unrealistische (aber dennoch schöne) Zeichnung von Frau Koalick im Artikel. Ob es nun diese Idee oder die autofreie Woche ist, auf diesen Illustrationen sind immer belebte Straßen mit Ständen, Gärten, spielenden Kindern und zig Radfahrern zu sehen.

    Vielleicht interpretiere ich es auch falsch, aber warum denken die Initiatoren immer, dass der Normalzustand ohne Autos wäre, dass die Leute permanent auf der Straße wären? Würde wirklich jemand jeden Tag seine Bank runterbringen und sich in der (sowieso meist schattigen) Louisenstraße sonnen, anstatt paar Meter weiter in den Alaunpark zu laufen?
    Würden wirklich Kinder jeden Tag drauf spielen anstatt auf den Spielplatz zu gehen (wo es auch Spielgeräte gibt)? Würden wirklich ständig überall private Stände sein (bis das Ordnungsamt mal vorbeikommt)?

    Ich finde es wird immer mit dem absoluten Idealfall geworben, man will ein dauerbestehendes Stadtfestfeeling verkaufen. Ich für meinen Teil sehe vor’m geistigen Auge nur eine leere Straße. Vielleicht mit einer paar Kindern mehr und ein paar mehr Leuten, die am Rand ein Bierchen trinken, aber Dauerleben? Halte ich für unrealistisch.

  5. In der Neustadt kann jeder schon jetzt sein Sofa auf die Strasse stellen, aber kaum einer der hier wohnt macht das besonders oft, ausser zur Entsorgung. Ich stelle mir die Welt ohne Autos auch nicht schöner vor, denn ein Leben mit Auto hat auch gute Seiten (wenn auch gerade politisch nicht en Vogue..)

    Es sind Träumereien, mich würde mal eine Wimmel-Illustration von der „echten“ Neustadt anlachen. Ein Bildwerk, dass zeigt, wie schonungslos an einer ecke Cristal gedealt wird, während zwei andere Personen 5m weiter gegen Autos demonstrieren indem es angezündet wird, am Fenster darüber sind Nachbarn zu sehen, die Nachts nicht schlafen konnten und Frust schieben, vor der Scheune wird gesoffen und gepöbelt, während die Polizei nah am Einsatzfahrzeug steht und die Szene nur beobachtet… ein tiefer gelegter Mercedes mit lauter Musik fährt vorbei um Nachschub zu liefern und Geld einzusammeln… an der nächsten Ecke muss einer kotzen, während sein Hund auf den Gehweg scheisst, da kommen auch schon die Neustadt-Konflikt-Manager und helfen… schönes Buch.

    Nur so ne Idee, da hätte ich mehr zu lachen…

    (Die Ideen, was „dann“ auf der Strasse passiert, haben mit dem was dann passiert nichts zu tun, sind leider eben nur schöne Gedanken)

  6. Die Filialen von mcDon. und KFC wurden in den Zeichnungen vergessen… eins davon würde ich dann öffnen… (einer muss der erste sein)
    Happy life, wir bekommen die Neustadt schon klein, alle lieben „die Neustadt“, aber keiner möchte sie so lassen, wie sie ist. Verstehe ich manchmal nicht…

  7. …warum fängt der Verein nicht erstmal an darüber nachzudenken das eigene Quartier (Rudolf-Leonard-Strasse) zu gestalten. Hier wird die Neustadt immer zum Selbstverwirklichungs-Objekt für auf Bettel-Antrag öffentlich finanzierte Projekte.
    Macht mal das Hecht Autofrei, die Begeisterung der Nachbarn wird Euch tragen !! Egal, wohin….

  8. Als Neustadtbesucher seit den 80er Jahren und nicht Neustadtbewohner liebe ich die Neustadt genau wegen dieser Ideen. Einfach mal machen, was sonst keiner denken will. So war es in den 80er, 90er, 00er und so weiter. Immer waren es sinnige, unsinnige, undurchführbare, durchführbare, durchgeführte und abgelehnte Ideen, aber immer war es Leben.
    Der aktuelle (aus meiner Sicht) stumpfe Schwachsinn an dem hier immer festgehalten werden will, der immer raumgreifende Schrottberg von Autos, die sich auf Gemeinflächen breit machen (wo Eigenheimbauer Geld für Stellplätze ausgeben müssen) ist langsam aber sicher nicht mehr tragbar.
    Immer wieder wird das Narrativ der Arbeit gezogen, aber mal ehrlich es gibt doch wirklich wenige Strecken in einer Stadt, die nicht auch ohne Auto machbar sind.
    Und bevor hier wieder ein Sturm der Entrüstung entsteht, ja ich habe Autos, ja ich habe 18 km (einfache Strecke) Arbeitsweg, den fahre ich zu 90% mit der Rad, ich fahre in die Neustadt (1-2 mal die Woche) mit Auto, Bus, Bahn, Rad, je nachdem.
    Wenn wir uns alle mal fragen warum ein Auto 90% seiner Zeit stehen muss, darf das Auto zu einem Luxusgut werden. Den Dinge die ich nur 10% der Zeit nutze, gehören einfach in diese Kategorie. Ganz zu schweigen davon, das das Auto (getrieben durch 100 Jahre Lobbyarbeit) Ressourcen nutzt, die noch nie durch die Autofahrer bezahlt wurden und auch nie werden. Dann stellt sich dir Frage warum dürfen andere Formen der Nutzung öffentlichen Raumes nicht die gleichen Forderungen stellen.

    Ich denke gerade laut darüber nach, welche Repressalien man sich gefallen lassen muss, wenn man es sich herausnehmen würde, in einer Parklücke einfach mal ein paar Fahrräder abzustellen. Und hier ist glaube ich eine Linie überschritten, welche unbedingt geändert werden muss.

    Miteinander statt Gegeneinander –

    In diesem Sinne einen schönen Samstag
    Alex

  9. Ich denke auch, es würde die Neustadt für viele Menschen schöner, sicherer und lebenswerter machen, wenn wir weniger Autos in den Straßen abgestellt hätten. Darüber lohnt es sich sehr zu diskutieren und es wäre wünschenswert wenn sich viele einbringen würden. Es braucht dringend Parkmöglichkeiten am Rande des Viertels, damit man dann von dort aus mit dem Fahrrad, dem Lastenfahrrad, dem Roller oder zu Fuß zur Wohnung oder zum Geschäft pendelt. Und es braucht verkehrsberuhigte Straßenabschnitte als ersten Schritt, wo niemand privat parkt und nur der Lieferverkehr rein darf. Wir brauchen mehr Platz für Menschen und weniger Platz für abgestellte Autos. Ich parke auch gern vor der Tür zum Kindertransport usw. aber es gibt andere Möglichkeiten, die wir uns entwickeln sollten. Andere Städte (z.B. Barcelona) machen es vor! Party- und Gastroregeln brauchen wir auch, haben wir ja auch, es hapert leider sehr an der Durchsetzung (und Rücksichtnahme) in bestimmten Bereichen. Das ist aber eigentlich eine andere Diskussion. Also: Tolle Initiative, meine Unterstützung habt Ihr!

  10. Autos sind doof.
    Keine Straßenbäume in der äußeren Neustadt ist doof.
    Faschokaiserzeitbebauung in der äußeren Neustadt ist klimaunfreundlich.

    Sollten wir nicht lieber ein Gesamtkonzept für die Erneuerung der Neustadt erarbeiten, als populistisch individuelle pet peeves highzulighten?

    „Auto is over“ meant erstmal nix. „Our way of life is bald over, ob wir Cars haben oder nicht?“ wäre ehrlicher. Wir sind mit Rollrasen ohne Autos immer noch im Zentrum der Abgase von den Durchgangsstraßen.

    Vorschläge zum diskutieren:
    – macht den Bischofsweg für den Durchgangsverkehr dicht
    – macht aus dem Bischofsweg eine Spielstraße, wenn es euch wirklich um Kindersicherheit geht
    – maximal ein Auto pro Haushalt
    – maximale Größe und Gewicht für Autos: Golf Kombi von 1997
    – Rückbauen der Gründerzeitmietkasernen mit folgender Entdichtung der Bausustanz für mehr Stadtgrün, Kunst und Kinder.

    (Und wie Kollega vorschlug: McDo u.ä. ertragen, damit Kiddies was zum Abhängen haben. Weil 12jährige haben nix von Kaffeeshops und Späti. Sowas aber nur, wenn wir wirklich an Kinder denken wollen; sonst lieber weiter Automobilisten bashen. Das ist ja auch ganz ulkig.)

  11. Für die einen ein Traum, für die anderen ein Alptraum. Schwierig wird es, wenn jemand wie Frau Lippert von sich auf andere schließt und vorschreiben will, wie alle zu leben haben. Wie schon Demokrat kommentierte: wer oder was legitimiert sie dazu?

  12. @ Graf Kosel
    McDo für Kinder zum Abhängen? Wie nachhaltig ist das und was für eine Orientierung? Sehr überzeugend, für ein multinationales Unternehmen zu werben, das die Welt keinesfalls zum Besseren wendet! Deine Sprache drückt aus, dass du noch Nachholebedarf hast.

  13. Also, die Zeiten, in denen die Neustadt voller Möglichkeiten war, sind längst vorbei: Gastronomie und Friseur, Drogen und überteuerte Mieten – würden die Außenstehenden und Wohnenden sagen.. Und ja, ich als alte Bewohnerin sehe das ähnlich. Die Nachbarschaft hält mich noch hier… aber Veränderungen… puh… Das Sein ohne Auto… jammer jammer…geht niemals.. wissen wir ja schon… die paar Kommentare zeigen es ja. Sobald jemand die Autos nach außen verbannen will ist ein Aufschrei sondergleichen hörbar… Schade, wenngleich die Ansätze super und richtig sind…

  14. Wenn ich, gebürtiger Dresdner, mich in der Neustadt bewege, dann zu Fuß oder mit der Straßenbahn.
    Wie viele Jahre muß ich denn noch warten, bis sich die guten Ideen von einer „Autofreien Neustadt“ endlich umgesetzt werden?

  15. „Krissem“ sagt ja, diese Umgestaltung würde die „Neustadt für viele Menschen schöner, sicherer und lebenswerter machen“. Genau das nennt man „Gentrifizierung“. Ein attraktiver Stadtteil wird begehrt, sorgt für Zuzug und lässt die Mieten steigen. Das Dilemma existiert auf der ganzen Welt, von New York über Barcelona, bis eben auch in unserer kleinen Neustadt.
    Ansonsten sehr ich es wie „Pro Hecht“. Solche Projekte sind meistens Vehikel zur Selbstdarstellung von Leuten, die mit Modellen gegen die Realität angehen, ohne die wirklich zu kennen, die in dieser Realität leben.

  16. @ Mathias Thalheim:
    Bis die Annexion der (Äußeren!) Neustadt durch Büllerbü erfolgt ist und die Finanzierung und Versorgung des Stadtteiles vom neuem Eigentümer übernommen wurde.

  17. Sehr geehrter Herr Thalheim, als gebürtiger Dresdner besuchen Sie gerne die Neustadt. Toll. Ich schließe aber auch daraus, dass Sie hier nicht wohnen. Als Bewohner der Neustadt würde ich mich freuen, wenn Sie autofrei in Ihrem Viertel starten. In der Neustadt könnte man auch darüber nachdenken, das Parken nur für Anwohner zu erlauben, Besucher müssten dann Parkmöglichkeiten am Rande nutzen. Ich besuche Sie dann auch mit der Bahn…

  18. Was sind denn die Hauptargumente, gegen weniger Autos in der Stadt?
    Bisher erschließt sich das hier nicht. Unübersehbar ist, die Strassen sind voll davon. Letztendlich wird ein miteinander von Mobilität und Erhöhung Lebensqualität, sich ungefähr in diese Richtung bewegen müssen.

    Solche Projekte werden weltweit geplant, wie umgesetzt … nur wie man hier stellenweise lesen kann, ist das alles ein bisschen schwieriger, in Land der Neandertaler ;)

  19. @goldfish
    So lange in DD Straßenbahnstrecken saniert werden, um günstigere Standardwagen ein zu kaufen (z.B. Bautznerstr.), anstatt neu entstandene Arbeitsplätze (z.B. Bosch) an den öffentlichen Nahverkehr (ohne Diesel Bus) anzubinden wird die Argumentation gegen den Arbeitsweg mit dem Auto nicht einfacher. Denn nicht jeder kann seinen Lebensunterhalt durch eine mit öffentlichen Mitteln bezahlte Stelle in der Neustadt bestreiten.

  20. @Tina
    Kinder sollten nicht optimiert werden. Kinder sollten sich entwickeln dürfen. Manchmal auch ohne Grünkernbratling.

    Und seien wir realistisch. Nachhaltiger als McDonalds bei der Fleischverwertung ist kein Lebensmittelproduzent.

  21. @goldfisch:
    …es werden weniger Autos, wenn sich die Alternativen so verbessern, dass das Auto nicht dagegen ankommt. Das Konzept erst das Auto zu verbannen, ohne die Alternative zu liefern ist hirnlos, hätte sich noch nichtmal ein Neandertaler einfallen lassen, erstmal das Feuer auszumachen, bevor der E-Herd angeschlossen ist…
    Gruss vom Berg.

  22. @Tina
    Die tiefgreifende Gentrifizierung wird folgen, normales Leben abwandern, hier werden eher die übrig bleiben, die genug Zeit und Geld haben um keine banalen Frohndienste im Alltag leisten zu müssen. Die hippen lungern dann evtl. auch tagsüber mal auf der neuen Insta-Meile rum… übrig bleibt Party/24/365 und in dem Zuge auch die Öffnung „beliebter“ Ketten, wie überall auf dem Planeten. Am Ballermann der Landeshauptstadt feiern schon jetzt nicht in erster Linie die Neustädter, sondern der Rest der Stadt, Umgebung sowie Touristen fallen ein, um die „Sau“ raus zu lassen… ist ja die Neustadt… da werden sich entsprechende Filialen einfinden, die funktionieren dann auch im Winter und bei Regen, wenn die Sofas leer bleiben und die Dealer den Rollrasen meiden.
    (Da zieh ich dann irgendwann weg, zum finanzieren der ruhigen Stadtrandlage könnte eine Filiale im franchise schon helfen, egal welche) … ;-)
    Wer macht den Starbucks?

  23. Ich unterstütze die Initiative sehr. Und wie die Autorin auch selbst betont – es geht doch erst einmal darum, mögliche Alternativen aufzuzeigen und dann – gemeinsam! – über erste Schritte einer Umsetzung zu diskutieren! Das es gehen kann, zeigen aktuell viele auch namhafte Städte eindrucksvoll. Wie aber in den Kommentaren reflexhaft gleich der Weltuntergang an die Wand gemalt wird, zeigt wohl leider, das auch die ach so offene Neustadt am Ende doch nicht so progressiv ist, wie immer dargestellt… Schade eigentlich…

  24. @KFC: Jetzt schon mit dem vierten Nicknamen in dieser Ergänzungsspalte. Willst Du dem unbeteiligten Leser suggerieren, dass die Menge an Widerspruch größer ist, als sie ist oder warum legst Du Dich nicht auf einen Nicknamen fest.

    Bzgl. Franchise muss ich Dich enttäuschen, dafür ist die Neustadt deutlich zu gering fluktuiert und die möglichen Räume sind zu klein, sonst wären die Ketten schon längst da. Aber generell hast Du natürlich recht, ohne Autos wird die Gentrifizierzung vorangetrieben. Das lässt sich in anderen Städten durchaus beobachten.

  25. Vielen Dank an „Zukunftsgestalten e.V.“ für euer Engagement. Ihr sprecht mir aus dem Herzen.
    Selbst wenn autofrei nicht ganz klappt, würden mehr Spielstraßen, Bremsschwellen und Zebrastreifen den Dresdner Wohngebieten gut tun.

  26. …einen Nicknamen nutze ich nicht, eher Überschriften, Titel oder Schlagzeilen… da geht es nicht drum Masse zu generieren, hier wurden gleiche Nicknamen schon von mehreren benutzt.. da komm ich durcheinander…
    Wollen wir die Nicknamen oder gerne auch Klarnamen als Profil verifizieren? Wäre für mich ok..
    Von mir kommt ja nix böses. Das mit den Wimmelbildern ist z.B.
    eine solitäre Idee, keine Identität.
    ;-)

  27. Du schreibst in ein Feld an dem Name dran steht Überschriften, Titel oder Schlagzeilen … schräg, der Effekt dürfte aber in erster Linie der sein, dass Unbeteiligten eine große Menge Meinung suggeriert wird. Daher bitte bleib doch bei einem Namen. Danke. Die Gestaltung von Überschriften hab ich übrigens in der Hausordnung beschrieben.

  28. Uiuiui, hier sammeln sich aber viele, die Veränderungen gleich erstmal ablehnen, mit Verweis auf die unterschiedlichsten Dinge (der Klassiker: Rettungsfahrzeuge. Fun Fact: Rettungsfahrzeuge werden allzuoft von bescheiden abgestellten Autos aufgehalten, weil es einfach zu viele Autos gibt.) Die Straßen der Neustadt sind zu einer Zeit entstanden, als Autos ein Luxusgut waren. Ich wundere mich manchmal, wie unsere Vorfahren in der autolosen Zeit überhaupt überleben konnten, da das heute ja offenbar fast unmöglich ist. Die Neustadt hat heute schon den geringsten Anteil an privaten PKW in ganz Dresden. Ich vermute, wegen des ÖPNV, weil zu wenig Platz da ist und weil im Viertel die meisten täglichen Bedürfnisse ohne Auto befriedigt werden können. (Ich frage mich nur, warum das Parkhaus an der Bautzner nicht ausgelastet ist…) Es gab ja schon Stress, als in der Martin-Luther-Straße ein paar Stellplätze zu Gunsten von Carsharing weggefallen sind…

    Gegenfrage: Finden die ganzen Autobefürworter es schön, wenn die Stadt zugeparkt ist, mit einer Blechlawine, die 5% der Zeit überhaupt nur bewegt wird und dann meistens für max. 5 km? Effizient und sinnvoll ist das jedenfalls nicht. Ja, wahrscheinlich haben alle eine Oma im letzten Erzgebirgsdorf, die jeden Tag zum Arzt gefahren werden muss, oder kaufen täglich Waschmaschinen…

    Wie wäre denn mal ein Testlauf, wie er schon mal angedacht war? Einfach mal ausprobieren? Oder sind alle schon so satt und mit dem Status Quo so zufrieden, dass die NIMBYs gewonnen haben? Ja, es gibt viele Fragen zu klären: Ver- und Entsorgung, Rettungsfahrzeuge, individuelle Mobilitätseinschränkungen von Anwohnern und mehr, was zu berücksichtigen ist. Leicht wird das alles nicht. Aber einfach sagen: Nee, is doof, wolln wa nich? Für mehr reicht es in der Neustadt nicht? Dann kommt die Gentrifizierung nicht erst, dann hat sie schon gewonnen….

    Ich verstehe diese negative Haltung nicht, die schon alles plattmacht und schlecht redet, bevor überhaupt mal irgendwas probiert wurde. Da müssen wir uns nicht über den Stillstand im ganzen Land beklagen, wenn es nicht mal auf lokaler Ebene für einen Versuch reicht…

  29. Klarer Fall von hybris:
    „Darüber, wie präsent der Verkehr in der Neustadt ist, was Lippert umsetzen würde, wenn sie im Stadtrat säße und wie sie mit Auto-Verfechtern umgeht.“

    Die berechtige Frage muss hier lauten: Wie soll in dieser Stadt eine MEHRHEIT des Stadtrates auch nur ansatzweise ähnliche Perspektiven wie diese hippe Hupe aus dem Artikel „entwickeln“? Tut mir leid, das seh‘ ich nicht…
    Leider.

    Umsetzen könnte Frau Dings wenn Sie in der Verwaltung sitzen würde. Die Vorgaben des Stadtrates… Aber, und das ist auch ein springender Punkt, warum setzt die Verwaltung die existierenden Verordnungen und Gesetze nicht um? Siehe Falschparken auf den Gehwegen, Gastronutzung der Gehwege etc? Zumindest die hippen Schrott-Wohnmobile haben die trendigen Neustadtbewohner ja schon in die parkgebührenbefreiten Randgebiete entsorgt. Dort rosten sie ungestört vor sich hin und blockieren den öffentlichen Raum der dort wohnenden Menschen.

    NIMBY.

  30. @ Tina: Wald ist, wenn es kein Ur-, Regen- oder sonstiger natürlicher Wald ist, tatsächlich eher ein Umweltnegativbeeinflusser als Segenbringer. Recherchier mal der landwirtschaftlichen Bodenentwicklung in Texas nach dem Zeitalter der Überweidung hinterher. In semiariden Landstrichen ist Aufforstung ungünstig.
    Was uns zu McDonalds bringt: Hamburger der Kette werden nicht durch extensive Weidewirtschaft oder Rindermast erzeugt. Die drehen Milchkühe nach Ende ihrer Milchproduktionsfähigkeit durch den Wolf. Erst kriegt man Käse für Käsebürger und Milch für die gekühlten Schüttelgetränke und dann Substrat für den Bürgerfladen raus. Das nenne ich nachhaltig.

    Ich habe heute zwei Lokaltermine zum Thema des Artikels gehabt:
    A) Man kann in Autohäusern völlig legal Autos kaufen und dann Betreiben, wenn gewisse Regeln beachtet werden.
    B) Analog ist der Erwerb von Treibstoffen vieler Art nicht verboten. Man sucht eine Tankstelle auf und kann so viel Benzin kaufen wie man will.
    Verrückte Welt.
    C) Autos willkürlich aus für den Autoverkehr ausgebauten Gegenden zu verbannen, hingegen ist rechtlich eher schwierig.

    -> darum Spielstraßen, Durchgangsverkehr illegalisieren wo es geht und Automenge beschränken.

  31. @Graf Kosel
    Ich empfehle dir „Die grüne Lüge“ von Kathrin Hartmann oder den Film.

    Als allgemeine Anregung zum Thema des Artikels: „Alles könnte anders sein“ oder/und „Selber denken“ von Harald Welzer (hier geht es ausdrücklich nicht um moralische und appellative Ansätze sondern praktische, gelebte) sowie alle Informationen über den öffentlichen Nahverkehr in der Schweiz und die Schweizer Bundesbahn.

  32. Seit meinem Umzug 1997 in die Neustadt ist vieles schöner und besser geworden. Manches sollte aber noch getan werden.
    -Radwege schaffen, sinnvoll wäre mehr Einbahnstrassen!
    -Kneipen und alle anderen Gastronomie Einrichtungen sollten ihre Gäste darauf ansprechen per Aushang oder Schilder wegen Nachtruhe Zeiten.
    -Handwerker haben das Problem Parkplatz zu finden, wenn sie einen Auftrag zu erfüllen haben. Manche würden auch abgeschleppt.
    -Es gibt genügend Spielplätzen für die kleinen, für die größern kaum.
    Basketball, Voleyball, Tischtennis – würden sie vielleicht gerne spielen.
    Das sehe ich bei meinem 10 jährigen Enkel, für Kinder in seinem Alter gibt es in der Neustadt kein Spielplatz, da müssen die Eltern Vereine suchen, oder das Kind anmelden in Sportgrupen.
    -Mich stört auch die Ecke Alaunstrasse, Böhmische Straße. In der Mitte steht der Pissuar, außen rum die Betonklotze. Könnte man viel schöner gestalten.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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