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Stephan Schumann

Filmfest Dresden 2021 ist gestartet

Gedrängel auf dem roten Teppich vor der Schauburg, Kameraklacken, Popcorn-Rascheln und Applaus: Das 33. Filmfest ist in Dresden am Dienstagabend feierlich eröffnet worden.

Mehr Filme, mehr Geld, mehr Preise: Das Filmfest legt zu seiner „Schnapszahl“ Rekorde hin, die den Entbehrungen der Pandemie zu spotten scheinen. Aber: Es war viel Arbeit, viel Hoffnung, viel Zusammenhalt und Pragmatismus nötig, um das Festival zu schieben und in aller praller Gänze im Juli statt im April auf die Leinwände und Bühnen zu bringen.

Programm wird politischer

Jetzt fühlt sich alles – abgesehen von den Desinfektionsmittel-Spendern, den Masken und Abständen – eigentlich wie immer an. Moderatorin Jenni Zylka greift wieder tief in ihre Sprüchekiste und schöpft sämtliche Dresden-Cannes-Vergleiche aus, schwungvolle Reden loben Veranstalter*innen und Teilnehmende aus aller Welt, im Foyer klingeln Sekt und O-Saft und man applaudiert für Sponsor*innen und Jurys.

Manuel Inacker/Frederic Jaeger: Ein Raum für Männer. Foto: PR
Manuel Inacker/Frederic Jaeger: Ein Raum für Männer. Foto: PR

Was jedes Jahr jedoch neu, bahnbrechend, nie dagewesen auf Netzhäute und Ohren trifft, ist das unglaubliche Spektrum der ausgewählten Kurzfilme. Politischer und kraftvoller denn je präsentiert sich das Programm 2021, aus dem es zur Eröffnungszeremonie vielversprechende Häppchen gibt.

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Der Kurzfilm krempelt die Ärmel hoch

In „Primavera“ überschneiden sich in einer rasanten Bildcollage Motive eines knospenden Frühlings-Waldes mit Aufnahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung. „Ein Raum für Männer“ lässt in der plötzlich äußerst quirligen Privatsphäre einer Herrentoilette Generationen-Konflikte der Männlichkeit kollidieren, während sich in dem schreiend-komischen und gleichzeitig zu Tode betrübenden Kurzfilm „I’m too busy“ eine Mutter ihrem fortgegangenen Sohn über dessen Pop-Karriere als Jitterbug-Star anzunähern versucht.

Die Welt versinkt in Krisen und der internationale Kurzfilm krempelt die Ärmel hoch. Dabei kann auch der Blick zurück ein Stück Weg nach vorn bedeuten. Saxophonistin Denise Frey gibt an diesem Abend eine Kostprobe ihres Könnens und vertont live den Kurzfilm „Putti“, der in Dresden 1952 spielt. Stellvertretend lenkt sie die Aufmerksamkeit darauf, dass zum Filmerlebnis unabdingbar der gute Ton gehört – ein Umstand, den das Filmfest Dresden seit Jahrzehnten zu würdigen weiß.

Anne Isensee: Aus urheberrechtlichen Gründen heißt dieser Film Breaking Bert. Foto: PR
Anne Isensee: Aus urheberrechtlichen Gründen heißt dieser Film Breaking Bert. Foto: PR

Debatte, Genuss, Gefühle

Diskursiv kommt „Handbook for a privileged Europaen woman“ daher, der im knalligen 80er-Jahre-Look der USA vollmundig Werbung für das Frau-Sein im Europa des 21. Jahrhunderts macht. Ein Film, der genauso derb im Hals stecken bleibt wie ein doppelter Karamell-Riegel nach der dritten Schachtel Filterzigaretten.

Kontrovers und provokant verspricht es auch beim Programm „Voll politisch“ zu werden; interessant und amüsant beim Screening „Hüben wie drüben“, das Laien-Kurzfilme aus Ost- und Westdeutschland zeigt. Also, gehen Sie nicht weiter, es gibt viel zu sehen! Oder wie Jenni Zylka feststellt: „Das Programm ist so organisiert, dass man alle Filme tatsächlich schauen kann – wenn man nicht schläft und nicht isst.“

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33. Filmfest Dresden vom 13. bis 18. Juli

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