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Sportliches Neues: Ultimate-Frisbee & Disc-Golf

Golf ohne Geld und gegen Bäume? Football ohne Football, sondern mit Frisbees? Und das auch noch ohne Schiedsrichter?  Ein Gespräch über die Trendsportarten Ultimate-Frisbee und Disc-Golf.

Jakob Dieckmann mit Vorhand-Wurf- Foto: Jonas Breitner
Jakob Dieckmann mit Vorhand-Wurf – Foto: Jonas Breitner

Es ist ein heller, warmer Sommertag, der Alaunpark lädt bereits am Vormittag zum Verweilen ein. Jakob Dieckmann, jung, sportlich und etwas verstrahlt, kommt mit dem Longboard angefahren, setzt sich ins schattige Gras und ist bereit für ein Interview über seinen Sport.

Ultimate Frisbee: Vom Unisport zur Nationalmannschaft

Jakob ist vor vier Jahren über den Unisport zum Ultimate Frisbee gekommen. Schnell trat er dem Drehst’n Deckel e.V. bei, zwei bis drei Mal die Woche Training, am Wochenende Turniere. „Die Community nimmt einen so auf, dass es für viele schnell zum Vollzeit-Hobby wird“ meint er lachend.

Die Spielregeln in aller Kürze: Zwei Teams zu je sieben Personen versuchen das Frisbee, ähnlich wie beim Football, in die Endzone des jeweils anderen Teams zu bringen. Wenn man die Frisbee-Scheibe besitzt, darf man nicht laufen, nur Passen und ein Sternschritt ist erlaubt. Ein Punkt wird erzielt, wenn ein*e Spieler*in die Scheibe nach einem Pass innerhalb der angegriffenen Endzone fängt.

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Das ganze Training hat sich wohl gelohnt: Bereits nach nur wenigen Jahren spielte Jakob als Teil der U24 Nationalmannschaft mixed in der Ultimate-Frisbee WM 2019. Mixed, da Ultimate standardmäßig in gemischten Teams gespielt wird.

Die WM fand zufällig in Deutschland statt. Gespielt wurde natürlich trotzdem international gegen Italien, China, Kolumbien und viele mehr. Deutschland wurde Zwölfter, „vielleicht nicht das super krasse Ergebnis, aber es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“

Eine Ultimate Frisbee-Scheibe - Foto: Jonas Breitner
Eine Ultimate Frisbee-Scheibe – Foto: Jonas Breitner

Kein Schiedsrichter, dafür den „Spirit of the game“

Hierbei stehen der Spaß und die Fairness ohnehin klar im Vordergrund. Das wird auf die Formel „Spirit of the game“ gebracht: Sportsgeist und Fairplay stehen im Fokus. Ein kompetitives Spiel wird bestärkt, niemals aber auf Kosten des Respekts zwischen Spielern, der Einhaltung der Regeln und des Spielspaßes.

„Es geht eben nicht nur um die Leistung“ meint Jakob. Der Leistungsgedanke werde in anderen Sportarten allzu oft zu übersteigertem Ehrgeiz, oder gar Missgunst dem Gegner gegenüber. Viele Leute würden sich deshalb freuen: „Endlich ein Sport, wo man trotzdem noch lieb zueinander ist.“

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Es scheint zu funktionieren: Beim Ultimate gibt es keinen Schiedsrichter. Die Teams klären Regelverstöße im Dialog. Das sei „definitiv etwas, was man lernen muss in dem Moment dann fair zu sein, weil man sich unterbewusst immer leicht bevorzugt“, weiß Jakob.

Zwar führt dieses Diskutieren zu Verzögerungen und die Zuschauer-Tauglichkeit leidet etwas, jedoch klappt es meist gut. Da wo es zu keiner Einigung kommt, wird der letzte Wurf schlicht wiederholt.

Der erste, lange Wurf beim Disc Golf zur Zielannäherung, die Disc fliegt dabei nie gerade, sondern immer im Bogen - Foto: Jonas Breitner
Der erste, lange Wurf beim Disc Golf zur Zielannäherung, die Disc fliegt dabei nie gerade, sondern immer im Bogen – Foto: Jonas Breitner

Auch interessant: Wenn ein Spieler foult, gibt es keine Gelben Karten oder Zeitstrafen, sondern die Frisbee wird an den gefoulten Spieler gegeben. „Strafen sind per se im Ultimate komplett draußen, weil alle Regeln davon ausgehen, dass alle fair spielen wollen“.

Eine Sportart in den Kinderschuhen: Geld und Professionalität

Nicht nur die Spieler prägen die Spielkultur, sondern die Spielkultur prägt eben auch die Spieler. „Im Fußball mit Schiedsrichter würde ich mir definitiv mehr erlauben als im Ultimate“ gibt Jakob offen zu. Dass das mit dem Fairplay funktioniert, könnte auch daran liegen, dass schlicht noch kein Geld in der Trendsportart steckt.

Zwar führt Geld auch zu neuen Möglichkeiten und höhere Professionalität, doch Jakob weiß: „Es würde uns schon verändern, vielleicht nicht nur zum Vorteil. Es ist halt einfach leichter fair zu sein, wenn es nicht um Geld geht“.

Das Niveau steigt trotzdem. Jakob sieht einigen Kindern beim Frisbee-Spielen im Alaunpark zu: „Die ersten Generationen, die jetzt als Kinder gestartet haben, sind dann wurftechnisch viel solider als ich, der das mit 21 gelernt hat“. Beim Drehst’n Deckel e.V. sind alle herzlich willkommen, die sich an der Scheibe probieren möchten.

Disc-Golf: junger, zugänglicher Sommerspaß

Pandemiebedingt konnte man jetzt lange kein Ultimate-Frisbee spielen, viele brachte dieser Umstand zum Disc-Golf. Jakob entdeckte den Sport für sich, als er mit dem Auto durch Spanien und Frankreich fuhr. Dort, wie auch in Deutschland, sind Disc-Golf-Parkours in Parks ausgewiesen, auf denen man gratis spielen kann.

Die Regeln sind dem traditionellen Golf sehr ähnlich: Man versucht mit einer Disc, schwerer, schneller und schnittiger als eine normale Frisbee, in möglichst wenigen Versuchen ein Ziel zu treffen. Das ist meist ein Korb, in den die Disc segeln soll.

Fliegen teilweise über 100 Meter weit - Die Discs beim Disc-Golf - Foto: Jonas Breitner
Fliegen teilweise über 100 Meter weit – Die Discs beim Disc-Golf – Foto: Jonas Breitner

Die Sportart erfährt zurzeit einen regelrechten Boom. Mit der Grund: Sie ist wesentlich zugänglicher als Golf. „Ich finde Golf ganz cool wenn’s nicht so sehr Golf wäre“ meint Jakob und meint den Sportbuggy, die riesigen Flächen und den hohen Kostenpunkt der traditionellen Sportart. Ganz anders beim Disc-Golf: Zum Start braucht man nur drei Scheiben zu je zehn Euro. Eine für lange, eine für mittlere, eine für kurze Distanzen, und schon kann es los gehen.

Wo kann man‘s spielen?

Derzeit gibt es noch keinen eigenständigen Verein für Disc-Golf, wohl aber die Überlegung eine Unterabteilung „Golf“ an den Drehst’n Deckel anzugliedern. Auch gibt es zurzeit weder in Dresden noch Leipzig Parkours.

Gespielt wird also meist privat und inoffiziell. Vom Spielen im gut besuchten Alaunpark rät Jakob ab: „Das ist schon verdammt gefährlich“. Es wird geplant für nächstes Jahr auf dem Gelände der TU Dresden einen Parkour aufzubauen.

Der sog. "Put" ist wie beim Golf der Wurf mit dem das Ziel (hier der Mülleimer) erreicht wird - Foto: Jonas Breitner
Der sog. „Put“ ist wie beim Golf der Wurf mit dem das Ziel (hier der Mülleimer) erreicht wird – Foto: Jonas Breitner

Wer so lange nicht warten möchte: offizielle Parkours gibt es bereits in Riesa und Finsterwalde. Inoffiziell eignet sich der Heller, da es dort einerseits viel Platz, andererseits auch einige interessante Hindernisse und Bäume als Ziele gibt.

Jakob sieht für beide Sportarten eine positive Zukunft. Beide stammen ursprünglich aus den USA und sind dort schon wesentlich beliebter. In Deutschland stecken sie noch in den Kinderschuhen und werden wohl weiterwachsen. Auch wird der professionelle und semi-professionelle Anteil stetig zunehmen. Auf die Frage, ob er den Leser*innen noch etwas auf den Weg geben möchte meint er nur lachend: „Probiert es aus“

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