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Französisches Westpaket

Eine Zeitlang wohnte bei uns ein Student aus Korea. Sein ganzes Zimmer roch nach asiatischer Suppe und seine Küchenregale waren ausschließlich mit koreanischen Zutaten befüllt. „Er könnte sich ruhig anpassen und die europäische Küche probieren, schließlich wohnt er nun in Deutschland“, dachte ich kurz.

Dann guckte ich auf meine eigenen Küchenregale und hielt lieber den Mund. Denn ich auch lasse mir gerne „französische Westpakete“ liefern (so nenne ich die Pakete, die mir meine Mutter regelmäßig aus Frankreich schickt) und konnte meine französischen Essgewohnheiten nie komplett aufgeben.

Ein Westpaket für Peps.
Ein Westpaket für Peps.

Mit der Zeit wird es auch nicht besser: Während ich mich anfangs aus Neugier und Höflichkeit oft anpasste, habe ich nun öfter keine Lust mehr, auf meine tief verankerten Essgewohnheiten zu verzichten. Schließlich bin ich ja Französin!

„Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit…“

Es ist Sommer, bald geht es nach Frankreich. Und schon träume ich vom traditionellen Supermarktausflug kurz vor der Rückreise nach Dresden. Aber was nimmt denn eine Französin in ihren Koffern nach einer Frankreichreise mit zurück? Rotwein und Käse? Nicht nur! Auf die übliche Rückkehr-Einkaufliste gehören unter anderem:

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Ganz viele Kekse (ein Königreich für die riesige Keksabteilung eines französischen Supermarkts!), Trinkkakao (nicht, dass man in Deutschland keinen Kakao findet, aber vom Kindheitsgeschmack trennt man sich ungern), gelbe Balisto-Riegel (nur aus Prinzip, weil man komischerweise in Deutschland nur die orangen, grünen und lila Balisto findet), „Karambars“ Karamellbonbons und „Malabars Kaugummis“ als kleines Geschenk für meine französische Freunde in Dresden), Lavendelhonig (auf einem Croissant von émoi und das Frühstück schmeckt wie Heimat), ein guter Vorrat an „Coquillettes-Nudeln“ (das Lieblingsgericht französischer Kinder) und „Amora“ Senfgläser aus Dijon.

Ein Hammer für die Blockschokolade

Für meine vielen hausgemachten Schokoladenkuchen brauche ich auch unbedingt französische Backschokolade. In Frankreich ist die traditionelle Tafel Backschokolade nämlich in kleinen 5-Gramm Quadraten vorgeschnitten. Damit ist das Durchbrechen der Schokolade ein Kinderspiel im wahrsten Sinne (diese Aufgabe übernehmen am liebsten die kleinsten Kinder) und die größte Freude des Backens (na gut, nach dem Topfauslecken). In Deutschland dagegen habe ich nie rausgefunden, wie man die 50-Gramm Barren der harten Blockschokolade durchbrechen soll. Für ein Rezept mit 125 Gramm Schokolade habe ich schon mal einen Hammer geholt.

Für die Zubereitung von Tiramisu nehme ich auch gerne „biscuits à la cuillère“ nach Deutschland mit. Wortwörtlich übersetzt sind das „Löffelbiskuits“, aber das ist ein falscher Freund, (Fauxami, wie die Deutschen sagen)! Während französische „biscuits à la cuillère“ weich und flauschig sind, sind die deutschen Löffelbiskuits hart. Als ich meine erste Packung Löffelbiskuits öffnete, dachte ich, das Ablaufdatum wäre überschritten.

Dann stellte ich erleichtert auf deutsch-französischen Kochforen fest, dass ich nicht die einzige verwirrte Französin in Deutschland war, und verstand endlich: Löffelbiskuits sind keine „biscuits à la cuillère“, sondern was man in Frankreich „boudoirs“ nennt: trockene Biskuits, die man Babys gibt, wenn sie Zähne bekommen. Oder Erwachsenen zum Einweichen in einem Glas Champagner, wofür sie übrigens erfunden worden sind.

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Rotwein gehört selbstverständlich auch zur Einkaufliste (und zum Klischee). Nur dass ich den am besten als Tetrapacks mitnehme. Tatsächlich findet man seit einigen Jahren in vielen französischen Haushalten keine Flasche Wein mehr auf dem Tisch, sondern einen Krug, den man mit Wein aus dem Tetrapack aufgefüllt hat. Ein bisschen, als gäbe es in jeder deutschen Familie ein Fass Bier in der Küche.

Wie praktisch: Der Wein schmeckt genauso gut, er passt perfekt im Kofferraum und man muss sich eine Weile lang nicht mehr um Nachschub kümmern. Es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn der Tetrapack ein paar Wochen nach der Rückkehr alle ist und ich wieder eine Flasche Bordeaux bei Bui hole. Dann ist der Urlaub wirklich vorbei.

„Ich packe meinen Koffer und ich nehme NICHT mit…“

Leider gibt es manche Sachen, die nicht per Post verschickt werden können und die langen Fahrten zurück nach Dresden nicht überstehen. Einmal nahm ich einen (vakuumdicht eingepackten) Reblochon-Käse im Zug mit. Zehn Stunden lang wunderten sich die Passagiere um mich herum über den komischen Geruch, während ich mich lautlos für meine versteckte Stinkbombe schämte und mir schwor: Nie wieder.

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Französin Peps in Dresden – Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gastbeitrag von Peps, der Französin in der Neustadt. Aus der Reihe „C’est la vie! – Chroniken einer Französin in der Neustadt„. Illustrationen: Jean-Pierre Deruelles. Fortsetzung folgt.

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14 Ergänzungen

  1. Merci beaucoup für diese wieder sehr unterhaltsame Erzählung. Ich habe selber eine Weile im Ausland gelebt und kenne das, dass man sich immer wieder mit bestimmten Artikeln aus dem Heimatland versorgt.

    Zum Tetrapackwein: ich meine, dass es bei Jacque’s Weindepot früher mal unterschiedliche Sorten aus Italien und Frankreich im 3l oder 5l Pack gab. Ggf. könnte auch das Savoir-Vivre in Pieschen so etwas im Angebot haben. Eine gute Auswahl an französischem Käse gibt es da auf jeden Fall!

  2. Liebe Peps,
    herzlichen Dank für den unterhaltsamen Beitrag.
    Für mich, die ich nur ein bißchen Schulfranzösisch hatte, die Gelegenheit, mal eine Französin zu fragen, was émoi eigentlich bedeuten könnte. So richtig französisch scheint mir der Name nicht zu sein, es heißt weder „bei mir“ noch „von mir“, „bei ich“ macht auch keinen Sinn. Bitte um Aufklärung!

  3. @Paula

    Die ominöse Frage nach der Aussprache des émoi beschäftigt uns auch schon viele Jahre. Nachdem wir es weltmännisch mit „emoa“ versucht hatten, wurden wir belehrt, dass es „emeu“ gesprochen wird. Um Aufklärung durch die Redaktion wird dringend gebeten!

    @Peps

    Seit wann essen denn Franzosen Tiramisu. Surprise, Surprise… ;-)

    Und vollkommenes Verständnis für den Geschmack der Jugend. Wir bekommen regelmäßig Sachen zugeschickt, die nicht mal im zweifellos gut sortierten Karstadt-Kellergeschoss zu bekommen sind……

    @Anton
    …schicker blauer Rahmen um meinen post…… ;-))

  4. Also jetzt habe ich doch mal einen Übersetzer bemüht, was ich zugegebenerweise auch mal vorher hätte machen können. Also, es soll Aufregung heißen, wie immer man das ausspricht.
    Wieso nennt man seine Bäckerei Aufregung?

  5. @Paula

    Danke! Vielleicht, weil die „croissants“ das verdienen…(aber Peps weiss das wahrscheinlich besser)

    LG

  6. @ Paula: im leo.org kann man sich das Wort vorlesen lassen; und da kommt wieder die „weltmännische“ Aussprache von statler & waldorf ins Spiel: „emoa“ :-) Und es heißt auch „Erregung“, vielleicht hat das was mit den phallusformatigen Baguettes zu tun… ;-)

  7. Warum heißt meine Dresdner Lieblingsbäckerei „Émoi“?

    Eigentlich müsste man sich direkt beim Bäcker von „Émoi“ erkundigen, wie dieser Name entstanden ist (vielleicht ist da eine kleine Reportage-Idee für das Neustadt-Geflüster?)!
    Auf jeden Fall ist der Name auch für die Franzosen der Neustadt nicht ganz selbsterklärend.

    Das romantische Wort „Émoi“ (französisch ausgesprochen „Emoa“) kennt man vor allem aus der Literatur. In der Umgangssprache würde man eher sagen: „je suis émue“ (ich bin gerührt).
    Spontan fand ich immer, das passt eigentlich gut zu der Bäckerei, denn man kann von vielen Sachen „ému“ (gerührt) sein. Auch von einem Croissant (und vor allem wenn es nach Heimat schmeckt)!

    Ich bin weder Sprachwissenschaftlerin noch Bäckerin, aber trotzdem hätte ich hier ein paar weitere Erklärungsversuche:

    „Émoi“ kommt anscheinend vom altfranzösischen Verb „esmaier“ („inquiéter“ = besorgt machen, aufschrecken).
    Es kann ein Synonym von Unruhe, Aufregung, Angst sein.
    Es kann aber auch ein Synonym von Emotion, Verwirrung, Rührung sein. Zum Beispiel spricht man über „émoi amoureux“, eine Art Verwirrung der Gefühle, wenn man verliebt ist!
    „Émoi“ hat also definitiv mit einer sinnlichen, ästhetischen, körperlichen (inkl. köstlichen) Rührung zu tun.

    Aber: „Émoi“ hat auch eine Bedeutung in der Fachsprache der Bäckerei! Es wird von dem Substantiv „maie“ abgeleitet, was „pétrin de boulanger“ bedeutet, also Backtrog! Das ist sicherlich kein Zufall.

    Peps

  8. @Peps

    Na das nennen wir ja mal Service. Übrigens wusste auch die freundliche Mitarbeiterin nicht, warum ihre „Bäckerbude“ so heißt. So schlau, bzw. neugierig, waren wir auch schon.

    Wie auch immer: ein sonniges Wochenende!

  9. Whow, vielen Dank! Das ist mal eine profunde Antwort.
    Und vielleicht macht sich ja das Neustadt-Geflüster tatsächlich daran, herauszufinden, was sich der Inhaber nun gedacht hat.

  10. So, dann habe ich bei Herrn George, dem émoi-Chef nochmal nachgefragt. Er sagt: „Es ist einfach ein Wort, wie bei Volkswagen der ‚Golf‘ oder beim Neustadtgeflüster ‚Anton Launer‘, um ein Produkt zu bezeichen, oder besser ‚Dem Kind einen Namen geben.'“

    In Frankreich gäbe es, so sagt er, noch weitere Produkte und Firmen mit dem Namen émoi.

  11. @Anton

    Danke für die Mühe! Das Ergebnis finden wir jetzt irgendwie etwas enttäuschend……. ;-)

  12. Ja, na ja, immerhin ist er ehrlich! Werde den Schriftzug bei émoi nun, da ich weiß, was man in dieses Wort alles hineindeuten kann, emue und mit ganz anderen Augen sehen. Danke für die Recherche!

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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