Leere Kartons vor der Staatskanzlei

Mit einer Installation aus leeren Kartons vor der Staatskanzlei in Dresden demonstrierte die Initiative „Parents For Future Dresden“ zum heutigen globalen Klimastreik.

Rote Klimakarte für die Sächsische Staatsregierung - Foto: Tino Plunert
Rote Klimakarte für die Sächsische Staatsregierung – Foto: Tino Plunert

„Wir haben 2021 und noch immer machen wir uns große Sorgen“, sagt Louise Hummel-Schröter. Diese Sorgen seien es, warum die Initiative zu Aktionen wie den heutigen aufrufen. „Es geht nicht um idealistische Lebensweisen, die wir anderen aufzwingen wollen“, sagt Hummel-Schröter und verweist auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen es schon in ein paar Jahrzehnten klimatisch sehr schwierig werden kann.

Zwar hat Deutschland laut Umweltbundesamt das Klimaschutz-Ziel für das Jahr 2020 geschafft, dies sei, so die Aktivist*innen allerdings zu erheblichen Teilen auf die Corona-Krise zurückzuführen. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 sanken die Emissionen in Deutschland um 40,8 Prozent. Das Ziel für 2020 sah 40 Prozent weniger Emissionen als 1990 vor. Mindestens ein Drittel der Minderung gehe allerdings auf die Maßnahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie zurück, ohne sie wäre das Ziel für 2020 verfehlt worden.

Keine leeren Versprechen mehr - forder "Parents for Future" - Foto: Tino Plunert
Keine leeren Versprechen mehr – forder „Parents for Future“ – Foto: Tino Plunert

CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter an

„Ein Lockdown ist keine Klimaschutzmaßnahme“, sagt Hummel-Schröter. „Das ist weder Weg noch Lösung und hat nichts mit der sozial-ökologischen Transformation zu tun, die wir jetzt brauchen. Am Ende spielt für die Restemissionsmenge, die unsere Atmosphäre zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels aufnehmen kann, auch ein Referenzjahr überhaupt keine Rolle.“

Anzeige

Canaletto-Gin der Dresdner Spirituosen Manufaktur

Anzeige

Yogawaves

Anzeige

Tranquillo bunt und fair

Anzeige

Aussitzen Deluxe 2.0

Anzeige

Semper Oberschule Dresden

Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre geht dagegen weiter und 2020 war weltweit das wärmste Jahr seit der Wetteraufzeichnung. Die Temperatur-Extreme im Februar waren auch in Deutschland spürbar und Waldschäden von nie dagewesenem Ausmaß liefern traurige Bilder. Meldungen der UN zufolge haben viele Vertragsstaaten des Pariser Abkommens bis Ende 2020 ihre Pläne nicht eingereicht oder ihre Ziele sogar herabgesetzt. Die Berechnungen der bisher vorliegenden Daten ergibt nur eine Reduktion des CO2-Ausstoßes von einem Prozent in 2030 im Vergleich zu 2010, anstatt der für das 1,5-Grad-Ziel notwendigen 45 Prozent. Das schockiert die Aktivist:innen.

„Die Energiewende in Deutschland wird mit angezogener Handbremse gefahren, die Kommunen haben viel zu wenig Spielräume, um lokal eine echte, schnelle Verkehrswende oder Wärme- bzw. Bauwende einzuleiten“, sagt Esther Langer. Auch in der Landwirtschaft könne niemand sagen, wie Ökologie, Flächenverbrauch und viel zu hoher Konsum tierischer Produkte ernsthaft miteinander in Einklang gebracht werden sollen.

Bisher fehlen auch die politischen Mehrheiten, wenn es um schnell wirksame Klimaschutzmaßnahmen geht, unabhängig davon auf welcher Ebene schaut – so ein Resümee der Klimaschützer*innen.

„Das liegt 2021 mit der Bundestagswahl in den Händen von uns allen. 2021 ist Klima- und damit Zukunftswahljahr! In den nächsten Jahren muss der Grundstein gelegt werden, damit Klimaneutralität möglich wird“, so Langer, die sich bei den „Parents For Future“ auf Bundesebene für die AG Klimawahlen engagiert.

Anzeige

Kieferorthopädie

Anzeige

Aussitzen Deluxe 2.0

Anzeige

Yogawaves

Anzeige

Fit together mit Claudia Seidel

Klimaschutzkonzept in Dresden nicht im Plan

Auch in Dresden zeichnet sich über ein Jahr nach Beschluss des „Klimanotstands“ bereits erheblicher Verzug an. Die grundlegende Überarbeitung des Klimaschutzkonzepts läuft nicht planmäßig, die erste versprochene aktuelle Treibhausgasbilanz der Stadt seit 2016 lässt auf sich warten und der „Klimacheck“ für Stadtratsbeschlüsse ist bereits seit Juni 2020 überfällig.

„Konzepte und Beschlüsse werden unser Klima nicht retten, wenn sie nicht umgesetzt werden“, sagt Hummel-Schröter. Generell gäbe es viele Lösungsansätze im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit, aber um diese jetzt schnellstmöglich skalierbar und konkurrenzfähig zu machen, brauche es die politische Unterstützung und den Mut zu Veränderungen in der Politik.

Globaler Klimastreik auch in Dresden - Foto: Tino Plunert
Globaler Klimastreik auch in Dresden – Foto: Tino Plunert
Artikel teilen

10 Ergänzungen zu “Leere Kartons vor der Staatskanzlei

  1. Manchmal mag es gut sein, dass man sich für diese oder ähnliche Aktionen jetzt vermummen, also unkenntlich machen, darf.

  2. I’m Text steht sogar der volle Namen der Organisatorin. Und Franziska Wer oder was faselt mal wieder dummes Zeug!
    Was genau haste denn nun schon wieder auszusetzen?

  3. Hi Franziska,
    sonst lieferst du immer knallharte Fakten und messerscharfe Analysen. Und hier jetzt so eine Polemik? Was ist denn los?
    Übrigens: im Artikel stehen die Klarnamen. Aber das erfährt man nur, wenn man den Text liest. Gut nur, dass du hier nicht anonym bleibst… Küsschen!

  4. „Konzepte und Beschlüsse werden unser Klima nicht retten….“
    Nichts wird das Klima retten, denn dem Klima ist der homo wichtigturensis völlig egal.
    Und die Erde, der das Klima gehört (und nicht dem zweibeinigen Säugetier mit mobilen Endgerät) ist es auch egal.
    Klima gibt es seit mehreren Milliarden Jahren auf der Erde und wird es auch nach den Verschwinden des homo sapiens noch geben.
    Selbst auf dem Mars gibt es noch ein Restklima.
    Ohne den Menschen….

  5. Gute Aktion und inhaltlich treffend. Zeitgleich saßen aber ca. 1000mal so viele No-Future-Parents in ihrer Blechkiste und fuhren nah oder fern vorbei. Dabei sollte es nicht länger um (materiell gemessenen) „Wohlstand“ gehen, sondern neu-begrifflich um wahrliches „Wohlergehen“. Tatsächliches Wohlergehen aller anstatt öder Wohlstand als „Verbaucher“.

    Das Umwelt- und Klimathema ist letztlich Bildungsfrage, sonst kommen wir da nie aus’m Joch. Auch Deutschland, ja besonders diese Wirtschafts- und Industriemacht steckt immer noch im Laber- und Vorgaukel-Modus. Es geht immer nur ums Grün anmalen, weiter meist nichts bis wenig. Alles pennt noch, auch die Medien, die einen Betonrohbau als „nachhaltig“ beschreiben, weil auch bissel Türülüü wie Solar auf’m Dach komme. Ojee!!!

    Also betreffs einer unabdingbaren Umwelt- und Klimabildung sind wir noch im Analphabetenstadium sondergleichen. Das praktische Verhalten großer Mehrheiten folglich desaströs und gleichgültig-ignorant gerade ihren Kindern gegenüber. Das ist quasi wie Impfen, um aus dem jämmerlichen Dummfang-Joch zu kommen: Bildung Bildung Bildung. Die leeren Kisten stehen nicht nur für politische Hohlnummern, sondern auch für leere Köpfe und ausbleibende Korrekturen des Einzelnen. Die Politik allein wirds ja nicht richten, es müssen schon auch die Leutchen ran, das hängt vom Einzelthema ab wie’s besser funktioniert.
    Im Leben MIT und nicht GEGEN oder NEBEN der Natur liegt eine wirkliche Steigerung der Lebensqualität.

    ^Franzi hats noch nicht gerafft, sie quarkt noch mit der Maskenfrage herum. Vmtl. jung&naiv, eben jene fehlende Bildung.

  6. Christian
    „sonst lieferst du immer knallharte Fakten und messerscharfe Analysen.“

    Na sowas. Normalerweise kommt doch eher „Schwurbler“ oder „Wirrkopf“ zum Einsatz.
    Was den Rest betrifft, Klarnamen hin oder her: Gesicht zeigen für was auch immer für einen Zweck, während man sich gleichzeitig verhüllt, kann durchaus schon mal komisch gefunden werden. ;-)

    „Küsschen!“

    Entschieden abgelehnt.

  7. Liebe Franzi,
    nein, sowas würde ich nicht sagen! Ich hätte wenigstens gegendert (Zwinkersmiley).
    Bitte entschuldige mein Abschiedsküsschen, ich war außer Kontrolle!!12!!1

  8. Die einzige gewünschte „Analyse“ die ich hier erkennen kann ist die von Timur. Danke an dieser Stelle.

    Bei Franziska verliere ich den Faden, was genau ist deine Kritik? Und Christian drückt seine Vereinsamung in dieser Zeit über den Wunsch nach „Küsschen“ aus?

    Verstehe ich das richtig dass die leeren Pappkartons eine Metapher sind?

  9. Hab die Eltern und Kids letztens auch auf der großen Straßenkreuzung bei bestem Hagelschneeregen gesehen. Leute, es ist zu spät. Wofür wird hier noch gekämpft? Der Krieg ist schon längst verloren. Eine gespaltene Gesellschaft, die in Anbetracht von Pandemien und Social Media sich immer weiter entfernt, korrupte und unfähige Politiker in einem westlich-demokratischen Wohlstandsland, außerhalb davon Staatsoberhäupter, die ihre Land und ihr Volk fast schon diktatorisch führen und auf die Zukunft scheißen.

    Es wird nicht mehr besser werden. Ressourcenkriege, Wassermangel, Klimaflüchtlinge. Die aktuellen und kommenden Generationen sind verloren. Millenials sterben wenigstens vorher, Gen X und Boomer werden es gar nicht erst mitkriegen – wem kann man dann noch die „Nach mir die Sintflut“-Einstellung verüben? Man will wenigstens bequem leben bis der Kollaps kommt und genau das werde ich auch versuchen zu tun — denn die Menschen ändern sich nicht.

    Wir bekommen die Welt, die wir verdienen.

  10. Die Welt war schon mehrmals untergegangen. Zuletzt, als ganz Europa brannte und explodierte, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ganze Wälder einfach nur abrasiert waren und es den Leuten scheißegal war, was für Zeug sie verfeuern. Hauptsache in der guten Gemeinschaftsstube kommt’s knapp über Frost.

    Heute, wo ich als Mo(ä)usebändiger schufte, also wenn überhaupt, und die Heizung hoch drehe, anstatt mir Schlüpper und Pullover anzuziehen, schlepp ich mich mal an leeren Umzugskartons zu Tode und schmeiß sie vor irgendwelche Häuse. Und bepöbel die Leute da drinne. Was die eigentlich machen, geht mir komplett hintenrum. Ich will’s mir sowieso nur so drehen, dass ich sie als dumm und faul bepöbeln kann. Und bloß nicht drüber reden, was ich eigentlich für ne Pfeife bin. Dann kutsch ich meine Kiddis zum FFF-Happening, mit Luxuskarre und Pizzakartons. Und dann tret ich bei den Grünen ein. Und dann wichs ich mir mein Ego. Wow.

Kommentare sind geschlossen.