Ein warmer Ort namens Nachtcafé

Eingepackt in dicken Winterjacken stehen einzelne Grüppchen Montagsabend vor dem Hintereingang der Dreikönigskirche und vertreten sich die Beine nach dem Abendessen. Flaneure, die eine abendliche Runde durch das elegante Barockviertel drehen, werden merken: Das Nachtcafé hat geöffnet.

Auf der Rückseite der Dreikönigskirche befindet sich der Eingang des Nachtcafés. Foto: Alba Kemmer Alonso
Auf der Rückseite der Dreikönigskirche befindet sich der Eingang des Nachtcafés. Foto: Alba Kemmer Alonso

Hier versammeln sich die Gäste dieses Projekts, das für Wohnungslose ab 18 Jahren geschaffen wurde. Hauptsächlich Männer sind an diesem Abend vertreten, die Nationalitäten jedoch vielfältig. Zusammen mit den Gastgebern des Nachtcafés schnappen sie vor dem Schlafengehen noch einmal frische Luft oder rauchen zum Verdauen eine Zigarette. Die meisten bleiben unter sich und reden leise miteinander, die Atmosphäre ist entspannt.

Nach einer Weile wird die schwere Tür geöffnet und die Gäste teilen sich auf. Ein Blick in den Schlafsaal verrät, dass sich die meisten bereits ausruhen, zwei besonders redselige Gäste trinken noch eine Tasse Kaffee im Speisesaal.

Viele Eindrücke wollen geteilt werden, und Meinungen und persönliche Geschichten. Hier gibt es nicht nur Raum für Wohnungslose, sondern auch offene Ohren.

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Vor einer Woche startete die Wintersaison 2020/2021 der Ökumenischen Nachtcafés in den Dresdner Gemeinden, und vor genau 25 Jahren eröffnete das erste Nachtcafé Dresdens in ebendieser Kirche.

In dieser Kontinuität ist das Angebot bundesweit einmalig und wurde unter anderem mit dem Ökumenepreis des Katholikentags geehrt.

Unter der Leitung von Larissa Pfitzner und vielen tatkräftigen Händen von Ehrenamtlichen bietet das Nachtcafé warmes Abendessen und Frühstück, Duschen und eine Gelegenheit zum Wäschewaschen, sowie zum Schlafen. Der Kostenbeitrag beläuft sich auf einem Euro und jeder Gast erhält eine Luftmatratze, Kopfkissen und Decke zur Übernachtung. Bis zum 31. März bleibt das Nachtcafé jeden Montag geöffnet.

Ein Abend im Nachtcafé

Um acht Uhr abends werden die Gäste zu Tisch gebeten, während der Pandemie wird das Abendessen von den Helfern serviert. Danach ist Zeit zum Waschen und Duschen, es gibt Möglichkeiten zum Ausruhen, aber auch zum Reden bei einer Tasse Kaffee mit anderen Gästen und den Helfer*innen. Hier tauschen sich Menschen jeglicher Hintergründe, Geschlechter und Nationalitäten aus, das Verhältnis zwischen Gastgebern und Gästen ist auf Augenhöhe.

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Larissa Pfitzner berichtet von den neuen Umstellungen, die beide Seiten betreffen und herausfordern, behält aber ihre ruhige Ader bei. Sie kommuniziert mit den Gästen, in bis zu sieben Sprachen, offen über die neuen Umstände. Auch unangenehme Situationen können sie und ihre Mitarbeiter*innen mit Erfahrung und Besonnenheit bewältigen, Konflikte sind für sie nichts neues oder seltenes.

Zwei Männer suchen noch Unterkunft im Nachtcafé, die Larissa Pfitzner enttäuschen muss. Später müssen sich die Gastgeber des Cafés um einen weiteren Mann kümmern, der mit Schreien und Händen vor dem Gesicht einen aufgewühlten Eindruck macht. Für die Helfer*innen des Nachtcafés sind es lange Nächte, die sie wach bleiben müssen. Um sieben Uhr morgens des Folgetages werden die Gäste geweckt und schließlich für den Tag entlassen.

Larissa Pfitzner serviert das Abendessen für einen Gast des Nachtcafés. Foto: Alba Kemmer Alonso

Das Nachtcafé und Corona

Was sich in diesem Jahr gravierend ändert, ist, dass die Gäste nicht nur zum Essen kommen können, sondern dann auch über Nacht bleiben müssen und die Anzahl der Plätze aufgrund des Mindestabstands in den Aufenthalts- und Schlafräumen begrenzt ist. So muss das Café, das sonst ein warmer und trockener Ort für alle ist, leider Gäste abweisen, sobald die Maximalzahl der Übernachtenden erreicht ist – so wie bei den zwei bereits erwähnten Gästen.

Dass die Kontaktsammlung und gegebenenfalls eine Kontaktnachverfolgung der Gäste kompliziert ist, ist keine Frage. Außerdem fällt in diesem Jahr auch ein Gemeindehaus aus, welches die Kapazitäten für ein Hygienekonzept nicht erfüllen kann. Normalerweise ist in jedem Tag der Woche in einer Kirche Dresdens die Tür für wohnungslose Menschen geöffnet, Corona macht diesem System aber einen Strich durch die Rechnung. Die Zionskirche in der Südvorstadt bietet seine Räumlichkeiten für das Nachtcafé zwar nun zwei Mal die Woche an, aber für den Mittwoch hat das Nachtcafé bisher leider keinen alternativen Ort gefunden.

Hinter den Kulissen: Ehrenamtliche Helfer*innen sind das Rückgrat des Nachtcafés. Foto: Alba Kemmer Alonso

Helfende Hände gesucht

Gerd Grabowski, der Sprecher des Nachtcafé-Koordinierungskreises, weist darauf hin, dass das Nachtcafé auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen ist.

Wir suchen in diesem Jahr insbesondere für die Essenausgabe noch Helferinnen und Helfer mit Gesundheitsausweis.

Neben neuen helfenden Händen, sind auch Spenden in Form von Geld und/oder Essen herzlich willkommen, da die Kosten aufgrund benötigter Hygiene- und Einwegartikel gestiegen sind. Ein warmer Ort zum Schlafen soll auch in Zeiten von Corona für alle möglich sein.

Nachtcafé Dresden

  • Ehrenamtliche Helfer mit Gesundheitsausweis gesucht!
    Kontakt: adriana.teuber@diakonie-dresden.de oder 0351 8172 300
  • Angaben zum Spendenkonto:
    Diakonie-Stadtmission Dresden
    Bank für Kirche und Diakonie
    BIC: GENO DE D1 DKD
    IBAN: DE29 3506 0190 0160 1601 60
    Verwendungszweck: Nachtcafé
  • Mehr Information unter www.diakonie-dresden.de

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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