Fliesen in der Neustadt – Teil XIII

An vielen Wänden der Neustadt kleben Fliesen an Hauswänden, viele von ihnen sind künstlerisch gestaltet. Manche führen ein späteres Eigenleben und werden umgestaltet. Andere Fliesen wiederum bleiben über Jahre hinweg nahezu unberührt. Die Neustädterin Laura stellt in dieser Serie die Fliesen im Viertel vor.

Teil XIII

Napoleon und die Amazonen vom Alaunplatz
Napoleon und die Amazonen vom Alaunplatz
Im Hauseingang der Alaunstraße 104 hängt diese Fliesenkunst mit einem gewagten Portrait des französischen Imperators Napoleon Bonaparte hoch zu Roß. Das Kunstwerk ist so gewaltig, dass insgesamt 15 Fliesen benötigt werden. Zur Erläuterung hängt ein Text über der Eingangstür:

    „Die Schlacht am Alaunplatz“
    In der Nacht vom 27. auf 28.8.1813 attackierten besoffene Dresdner Burschenschaftler mit Maßkrügen mehrmals fröhlich feiernde Franzosen, die nur mit Austernschalen bewaffnet waren, im Stadtgebiet am Alaunplatz. Napoleon sauer – schickt sein ganz privates Amazonenheer aus seinem Lager in Klotzsche die Königsbrückerstr. hinunter in die Neustadt, die greifen dort die Burschenschaftler an und zwar so.

    Die Amazonen haben als Uniform Oberteil einen Pullover mit großem V-Ausschnitt. Da glotzen die Burschenschaftler hin und – zack – Kopf ab oder 1 auf die Rübe.

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    Da Napoleon damals schon plante, in der Verlängerung der Königsbrückerstr. in Klotzsche einen Militär Flughafen zu bauen, wird der große V-Ausschnitt seitdem in der Textil- und Bekleidungsindustrie als sogenannte ‚Einflugschneise‘ bezeichnet.

    Kunsthistorische Einordnung:
    Das Napoleon Fries aus Fayence Keramik im Eingang wird aufgrund der abstrakten wie realistischen Darstellung der ‚Trompe l’œil‘ Malerei zugeordnet, d.h. man weiß nicht so genau… was das soll.

    Heute wird dieser Malstil als ‚Trump l’œil‘ bezeichnet, als Augenwischerei. Um auch den 45. Präsidenten der USA in Kunst und Kultur einzubinden.“

Den normalen Fliesengucker lässt dieser Text wohl eher verwirrt, denn aufgeklärt zurück. Ein paar Dinge sind aber hart an der Realität. Den Kunststil Trompe l’œil gibt es wirklich. Auch napoleonische Truppen waren im August 1813 hier vor Ort, auch wenn die Schlacht um Dresden überwiegend auf der anderen Elbseite stattgefunden hat. Allerdings endete diese Schlacht im Wesentlichen schon am 27. August mit dem letzten Sieg Napoleons in Sachsen. Wenig später begann mit der Völkerschlacht in Leipzig sein Untergang.

Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Franzosen diesen Sieg auf dem Alaunplatz feierten, der damals ein gerodetes Waldstück war, als Hinrichtungsstätte diente und erst einige Jahre später in einen Exerzierplatz umgewandelt wurde. Was es mit den Amazonen und dem Militär-Flughafen lange vor den ersten bemannten Flügen auf sich hat, bleibt wahrscheinlich ein Geheimnis des Künstlers.

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Neustadt-Flimmern

Dass sich aber ein solches Kunstwerk mitsamt dadaistischem Erläuterungstext in dem Hauseingang befindet, ist kein Wunder. Der Eigentümer ist ein bekannter Kunst-Mäzen.

Fliesen-Serie

Jeden Sonnabend stellen wir eine andere Fliese vor. Alle Beiträge finden sich unter dem Hashtag #fliesenkunst.

Fliesenkunst in der Alaunstraße 104
Fliesenkunst in der Alaunstraße 104
15-teiliges Wandbild an der Alaunstraße
15-teiliges Wandbild an der Alaunstraße

2 Kommentare zu “Fliesen in der Neustadt – Teil XIII

  1. Hallo liebe Laura,

    die Artikel zum Thema Fliesenkunst mag ich sehr, weil es sich um zeitgenössische Kunst handelt.
    Allerdings leidet in diesem Artikel ein wenig die Glaubwürdigkeit, wegen einer (vielleicht mangelhaft recherchierten?) Sache. Die Kunstform des sogenanntes „Tromp ‚lœil“ erschien erstmals in der Barockzeit und es handelt sich um ein Gemälde, welches den Anspruch hat, derart (hyper-) realistisch zu sein, d.h. Dreidimensionalität vorzutäuschen , dass der Betrachtende meint, es handle sich um den echten Gegenstand. Beispielsweise wurden so Holzbretter mit Riemen auf Leinwand gemalt, in die der Malende Utensilien „steckte“ (mittels Pinsel), die dann wiederum eine Geschichte über ihn selbst oder eine andere (oder mehrere) Person(en) erzählten. Es handelt sich nicht um „Augenwischerei“ sondern um „Augentäuschung“. Heute finden wir diesen Malstil z.B. auch in der Graffiti-Szene…erinnert sei an das Piece auf dem Scheune-Vorplatz-Boden, welches uns (meine ich) spielende Kinder im Sandkasten vortäuschen wollte. Aber dieses Fliesenwandbild hat, für meine Begriffe, überhaupt gar nichts damit zu tun. Viele Grüße

  2. Danke Julia für den Hinweis. Für den Fehler kann Laura nun gar nichts. Denn erstens kümmere ich mich um die Einordnung und den Text und zweitens ist diese schludrige Beschreibung des Kunststils „Trompe l’œil“ nur der neben den Fliesen angebrachten Tafel entnommen. Ich dachte, das wird durch die Einrückung deutlich und die Erläuterung zum Kunststil habe ich verlinkt. Ich denke, die Tafel ist Teil des Kunstwerkes.

    Tafel zur Erläuterung an der Alaunstraße 104
    Die Tafel an der Alaunstraße 104 neben dem Bild.

    Über das von Dir geschilderte 3-D-Bild auf dem Scheune-Vorplatz hatten wir übrigens berichtet.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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