Bühne am Bermuda-Dreieck

Es ist Abend. Mit einem Freund stehe ich vor einer Kneipe im Bermuda-Dreieck. So wird die untere Görlitzer Straße inzwischen genannt, da sich hier an Wochenenden die Massen tummeln. Heute jedoch ist Montag. Draußen ist es schwül-warm, drinnen unangenehm heiß. Deswegen halten wir uns auch gerne am kühlen Bier fest, zumal das Dekolleté der Kellnerin die Temperatur nur noch weiter nach oben treibt. Das Draußenstehen hat einen gewaltigen Vorteil, man kann beobachten, das Bermuda-Dreieck ist wie eine kleine Schaubühne.

Plötzlich rauscht ein mattschwarzes und schweineteures Coupé heran. Vorschriften ignorierend, platziert der Fahrer den Wagen am Straßenrand; soll die Bahn doch sehen, wie sie vorbeikommt. Lässig, aber leicht o-beinig schlendert er über die Straße. Das gegelte Haar fällt fettig auf das weiße Hemd, dass seine jugendliche Bräune betont. Vorm Continental stoppt er, überblickt die Kreuzung. Seine Blick soll uns sagen: „Das ist mein Revier“. In dem Moment stoppt ein poppiger Kleinwagen mit rotem Verdeck. Die Dame am Steuer parkt direkt vor dem Mattschwarzen. Heraus stolpert ein hektisches Mädchen mit zu viel Kram unterm Arm.

Mein Begleiter stupst mich an: „Die gehört zu dem und ich wette, dass er ihr keinen Schritt entgegen geht.“ Sie tappert über die Straße, zielstrebig auf den Gebräunten zu und tatsächlich: Er rührt sich keinen Millimeter vom Fleck. Zur Begrüßung gibt’s ein kleines Bussi, er schafft es noch nicht einmal die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Gemeinsam gehen sie von der Bühne.

Wir nehmen noch ein Bier und sind uns einig: Stil ist offenbar keine Frage des Kontostands. Während wir noch lästern, beginnt auf der Bühne schon das nächste kleine Stück.


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Suppenwirtschaft, Königsbrücker Straße 40

30 Kommentare zu “Bühne am Bermuda-Dreieck

  1. stil stand doch noch nie im direkten zusammenhang mit der größe des geldbeutels. vielmehr ist stil doch eine frage der erziehung und/oder sozialisation und manche haben auf unerklärliche weise auch einfach einen angeborenen. es gibt natürlich auch fälle, bei denen überhaupt kein stil aufkommen will…

  2. dat Ding heisst Bermuda-Dreieck weil da Menschen verschwinden… geht man(n) Freitag Abend gegen vier mit einem Kumpel ins Dreieck verschwindet besagter Freund nach einigen Minuten und taucht meist erst Sonntag Abend mit einem Dauergrinsen und unzähligen Knutschflecken am Hals wieder auf… ^_°

  3. @anton: habe ich gerade ein übersinnliches erlebnis oder gab es diesen text von dir schonmal irgendwo/irgendwann zu lesen? falls dies nicht der fall ist sollte ich mich ernsthaft mit den karrierechancen als hellseherin beschäftigen.
    grüße,
    die muxmaus

  4. jetzt geht’s los… was ist denn am erwähnen eines schönen dekolletés sexistisch???
    was denkste denn, warum die kellnerin das angezogen hat? weil sie gerade keinen rollkragenpullover gefunden hat, sicher nicht. man, man…

  5. @ Someone Else…. oh man(N)…Frauen die kurze Röcke tragen wollen bestimmt auch das man drunter guckt ne????

  6. möchte auch gern en mattschwarzes Fahrrad haben und nen “ Rolli“ ….damit man(n) und Frau meinen Hals ni sieht……..:))

  7. Wie kannst Du eigentlich schon am Montag Mittag über den Montag Abend schreiben? Oder war das ein anderer Montag oder trinkt Ihr einfach ab zwölfe Bier und definiert das als Abend? ;-)

  8. @christoph: jast du schon etwas davon gehört, dass frauenbeine sehr schön sein können..? was is’n das hier, „alice schwarzer gedächtnisgruppe“?

  9. @kanneko: das mit dem „mattschwarzen fahrrad“ verstehe ich nicht. ich weiß ja nicht, wie du so fahrrad fährst…

  10. @christoph: zwischen einem dekolleté und dem direkten zeigen oder anfassen von primären geschlechtsmerkmalen gibt es schon noch einen unterschied, NE????
    also ich freue mich daran, wenn frauen, die es sich leisten können, haut zeigen und die freuen sich ganz sicher auch über einen sixpack beim mann oder den sprichwörtlichen „knackarsch“. schon was gehört davon?
    es geht hier nicht um dümmliche, geifernde zurschaustellung von körperpartien, sondern um eine sinnliches erfahrung. bin ich da der einzig(st)e hier?

  11. @Someone Else
    „Frauen die es sich leisten können“ also?! aha.. spätestens hier wirds m.E. finster
    Dazu fällt mir noch ein (zugegeben sehr verkürzter) Spruch ein:
    „Warum müssen Frauen eher schön als klug sein? Weil Männer besser sehen als denken könen“
    (jaaaa nat. kann man dass auch umdrehen…^^)

    zum Thema:
    Ich kenne besagte Ecke auch unter dem klangvollen Namen; „Krawalle“ ;-) (nur so am Rande)

  12. @muxmaus: Die Illusion mit dem übersinnlichen Erlebnis muss ich Dir leider nehmen, denn die Geschichte ist tatsächlich schon mal erschienen. Und zwar in gedruckter Form im Taschen-Magazin Port01.

    Und dank Dir habe ich jetzt den Beweis, dass mein Geflüster dort auch gelesen wird. Bin begeistert.

    @Aquii: Deine Ironie versteht doch nur, wer Dich kennt. Und manch anderer glaubt glatt, Du meinst das ernst.

    @Jonk: Es war ein anderer Montag Abend. Aber die Variante mit dem Abend umdefinieren finde ich auch gut.

    @Lucy: Denken ist unmännlich. ;-)

    @Someone Else: Die Klammer ums st macht es nicht besser. Ich fange gleich wieder an Apostrophe zu setzen.

  13. Hi Anton, wie wärs mal mit Montag Abend draußen vorm Mondpalast sitzen. Da gibts viel Spaß, weil guter Blick in die geliebte Luther-Straße, die ja regelmäßig Montags ganz privat für Straßen-Party gesperrt wird.
    Besonders angenehm fand ich, dass mindestens zwei Polizeistreifen tolerant dran vorbei gehuscht sind. Auffällig war, dass insbesondere nicht Dresdner Fahrzeugführer und unsere Taxi Driver ein wesentlich größeres Problem mit der Straßensperre hatten, als die mit DD am Kennzeichen.
    Hatte gehofft, dass ein rasanter Autofahrer oder Radfahrer die Straßensperre umreißt. Leider haben anderthalb Bier zeitlich dafür nicht ausgereicht. Bin dann im Bermuda Dreieck verschwunden.

  14. @MS: Gute Idee. Diese montäglichen Straßenfeierlichkeiten wollte ich ohnehin mal unter die Lupe nehmen. Problem an der Ecke ist das Sitzen. Ein hübscher Stehtisch lockt mich mehr. ;-)

  15. tada! und ich fall drauf rein… na toll. :D

    @lucy: zu der aussage stehe ich voll und ganz, auch wenn ich hier die absehbare diskussion nicht entfachen will. das mit dem „es sich leisten können“ gilt im übrigen in gleichem maße für männer. speckrollen und gelbe fußnägel will sicher auch keine(r) sehen.

    @anton: war ‚(!)ne schöne aktion letztens… :D

  16. @Someone Else: Wenn Du jetzt nicht aufpasst, musst Du fünf Euro in die Antidiskriminierungskasse einzahlen. Menschen nach Äußerlichkeiten bewerten — das geht ja wirklich nicht! ;-)

  17. Zwischendurch seid ihr in den Kommentaren ganz schön vom Thema „abgeschwiffen“. :-p Nochmal zum Thema Stil. Meine Freundin mag NUR Männer mit Stil. Leider konnte ich sie bisher noch nicht überzeugen, auf eines dieser bunten Festivals zu gehen, bei welchen sich die Leute anziehen und aussehen was & wie sie wollen. Und sie mag eben genau so die gut betuchten stilvollen, mit den langen Haaren. Und dabei ist sie sehr konsequent. Manchmal könnt ich da echt die Krise kriegen bei ihr. Zum Glück sind ihre Männer manchmal so „stillos“ und geben ihr keinen Drink aus – zu meiner kleinen Schadenfreude, damit sie es mal lernt. Und zum Glück mag sie mich, obwohl ich mich nicht stilvoll kleide…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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