Warum der Zufall den Erfindungen oft zur Seite steht

Nicht jede geniale Erfindung der Menschheit ist auf den Geistesblitz eines Wissenschaftlers zurückzuführen. Manchmal führt der Zufall Regie und „erfindet“ gewissermaßen selbst ein neues Produkt. Twitter Gründer Jack Dorsey hat seinem Kurznachrichtendienst ein Motto gegeben, das den Kern der Sache genau trifft: „Erwartet das Unerwartete“.

High-Tech-Wissenschaftsstandort Dresden - Foto: Jarmoluk, Pixabay
High-Tech-Wissenschaftsstandort Dresden – Foto: Jarmoluk, Pixabay

Ein Zufall verändert die Medizinwelt

Unerwartete Wendungen führten oft zu einem überraschenden und sensationellen Ergebnis. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen Serendipität, der deutsche Forscher Max Delbrück, Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin, nannte es „begrenzt schlampig“ sein. Ein perfektes Beispiel für begrenzte Schlampigkeit ist die Erfindung des Penicillins. Der schottische Bakteriologe Alexander Fleming fuhr im Jahre 1928 auf Sommerurlaub. Seine Proben, an denen er zuvor gearbeitet hatte, ließ er im Labor stehen. Da das Fenster im Labor nicht vollständig verschlossen war, wehte der Wind Pilzsporen in den Raum und auf die Versuchskultur. Als Flemming aus seinem Urlaub zurückkehrte, bemerkte er die vermeintliche Panne. Die Schimmelpilze hatten seine Bakterienproben vernichtet. Flemming erkannte, dass er soeben ein Mittel gegen bakterielle Erkrankungen gefunden hatte. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte er die wohl wichtigste Arznei der Welt, das Penicillin. Seine Forschung wurde 1945 mit dem Nobelpreis belohnt. Fleming ist mit seiner Entdeckung nicht alleine. Viele Erfindungen, die heute jeder kennt, wurden mit Hilfe „Begrenzter Schlampigkeit“ gemacht. Dazu zählen nicht nur der Teebeutel, sondern auch die Post-it´s, der Fotoapparat, die Tesa-Bänder, Viagra und die Mikrowelle.

Hier wäre der Zufall fatal

Zufälle sind nicht nur menschlich, sie machen das Leben auch spannend und damit nicht vorhersehbar. So sind sie zum Beispiel ein wesentliches Element in den zahlreichen Spielen wie Poker oder Black Jack. Auch wenn Talent und Strategie mitspielt, ist der Nervenkitzel garantiert, weil der Zufall seine Hand im Spiel hat. Der Zufall macht es erst spannend. Gleichzeitig wäre der Zufall beispielsweise in verschiedenen Bereichen der Medizin problematisch, denn dort müssen Arbeitsabläufe genau dokumentiert und überwacht werden. Begrenzte Schlampigkeit, wie Serendipität, auch manchmal genannt wird, ist ein Prinzip, das eben nicht in allen Berufen funktioniert. Das Warten auf zufällige Entdeckungen hätte dabei fatale Folgen, hier ist Präzision gefragt. Ein Freikletterer wie der echte Spiderman Alain Robert kann sich an der Wand eines Wolkenkratzers nicht darauf verlassen, dass er zufällig einen sicheren Halt findet und nicht abstürzt. Eine gute Ausrüstung, wie die idealen Schuhe, perfektes Wetter, bzw. eine günstige Wetterprognose, sowie mentale Stärke sind Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Aufstieg. Ein Wissenschaftler, der eine Probe mutmaßlich gefährlicher Bakterien untersucht, muss zuvor Schutzmaßnahmen für sich selbst treffen, bevor er beginnt. Danach arbeitet er nach einem exakt definierten Arbeitsablauf Punkt für Punkt ab. Für Schlampigkeit, die zufällig zu neuen Wendungen führt ist in all diesen Berufen nur sehr wenig Platz. Überraschende Entdeckungen können aber natürlich auch hier stattfinden. Selbst wenn es nur die Erkenntnis ist, zur falschen Zeit am falschen Ort kreativ gewesen zu sein.

Zahnpasta erfunden in Dresden ... Foto: Stevepb, Pixabay
Zahnpasta erfunden in Dresden … Foto: Stevepb, Pixabay

Dresden ist ganz vorne mit dabei

Dresden ist nicht nur das Silicon Valley Deutschlands, sondern kann auch in der Liga der weltverändernden Erfindungen ohne Probleme mitspielen. Ein paar Beispiele gefällig? Bereits 1892 erfand Richard Seifert in Dresden das Mundwasser, das Karl August Lingner später als Odol-Produkt vermarktete. Als wäre das noch nicht genug, so kommt auch die Zahncreme aus Dresden. Sie wurde 1907 vom Apotheker Ottomar Heinsius von Mayenburg erfunden. Man könnte fast wieder an einen Zufall glauben, denn diese Hygieneprodukte sind unverzichtbar für gesunde Zähne. Die benötigt man auch, wenn man die vielen Leckereien, die ebenfalls in Dresden erfunden wurden, genießen möchte. Dazu gehört nicht nur die Milchschokolade, die 1823 von Jordan & Timaeus bei der Gründung der ersten Deutschen Schokoladenfabrik entstand, sondern auch der Christstollen, der bereit 1474 erstmals in Dresden gebacken wurde und das Russischbrot. Jeder kennt heute außerdem die Filtertüten von Kaffeemaschinen, den Büstenhalter, den Bierdeckel oder den Teebeutel aus Filterpapier. All diese unverzichtbaren Dinge des täglichen Lebens haben ihren Ursprung in Dresden.

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Philosophen sind der Ansicht, dass Serendipität nicht einfach passiert, sondern dass man sie durchaus zulassen muss. Man könnte auch sagen, dass es einem Projekt gut tut, einfach mal einen Schritt zurück zu gehen, um neue Perspektiven zu finden und so den Kopf frei zu bekommen. Dann findet der Zufall seinen Weg und eine Lösung ist nahe. Fantasie und vor sich hintreibende Gedanken beflügeln offenbar die Forschung seit Jahrhunderten.