Hungerstil-Ruine abgerissen

Am Montag hatte der Bagger schon einen Großteil geschafft.
Am Montag hatte der Bagger schon einen Großteil geschafft.
In den vergangenen Tagen haben die Bagger an der Bautzner Straße 73 ernst gemacht und die seit Jahren leerstehende Ruine abgerissen. Das Haus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden und es zählt wohl zum sogenannten Dresdner Hungerstil. Der drängte sich am Ende des Siebenjährigen Krieges zwischen Rokoko und Klassizismus.

Das Haus stand schon seit geraumer Zeit nicht mehr unter Denkmalschutz. Das lag vor allem daran, da das Haus schon vor rund 100 Jahren im Inneren erheblich umgebaut worden war. Nur die Fassade allein, so ein Denkmalschützer, reiche nicht aus, das Gebäude als Denkmal einzutragen.

Abrisspläne schon fünf Jahre alt

2014 gab es schon einmal Pläne, das Haus abzureißen. 2017 wurde dem Haus das Dach genommen, dann passierte erstmal wieder eine Weile nichts. Das Projekt von 2014 gehört inzwischen auch wieder der Geschichte an. Aktuell findet sich auf den Seiten des Immobilienmaklers Immovista eine Projektbeschreibung und ein paar Skizzen. Die Wohnanlage, die an der Rückseite an den Jüdischen Friedhof grenzt, soll aus drei Gebäuden bestehen. Das Haus an der Bautzner Straße wird eine große Glasfassade bekommen. Tiefgaragen, Fahrradstellplätze, Keller und Wintergärten sind geplant.

Laut Immobilienscout sollen dort 18 Eigentumswohnungen entstehen, zu Preisen zwischen 306.600 Euro und 579.656 Euro, der Quadratmeterpreis beginnt bei 3.500 Euro.


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Abriss-Chronologie

Die Ruine im Jahr 2009 - damals noch mit Dach.
Die Ruine im Jahr 2009 – damals noch mit Dach.
Bautzner Straße 73 - kein Denkmal - kann weggerissen werden.
Bautzner Straße 73 im Jahre 2014
Anfang Februar begann der Abriss.
Anfang Februar begann der Abriss.
Am Dienstag war die Fassade zur Hälfte weg.
Am Dienstag war die Fassade zur Hälfte weg.
Heute Mittag stand nur noch ein kleiner Rest der Fassade.
Heute Mittag stand nur noch ein kleiner Rest der Fassade.

45 Kommentare zu “Hungerstil-Ruine abgerissen

  1. Lieber diese Ruine als wieder ein „modernes Wohnobjekt“ von ekelhaften Spekulanten welches unserer Stadt, menschlich & architektonisch, die Seele aus dem Leib reisst. Traurig.

  2. @Trixie: Da es (auch in der Neustadt) kaum Leerstand gibt, muss offensichtlich jeder vorhandene Wohnraum derzeit bezahlbar sein. Von einer Häufung von Zwangsräumungen wegen Mietrückständen ist auch nichts bekannt.
    @Freed: Auch der ursprüngliche Investor (nannte man nur damals anders) spekulierte auf Vermehrung seines Kapital durch Mieteinnahmen. Und der vom Nachbarn aus auch und der von dessen Nachbarhaus auch und…

  3. Auch wenn ich mich wiederhole: Jede neue Wohnung dämpft die Nachfrage und bremst damit Miet- und Kaufpreise.

    Und wer die neuen Wohnungen nicht bezahlen kann: Zieht nach Hoyerswerda. Da kann man sehr günstig wohnen. Es zwingt euch niemand, in der Dresdner Neustadt zu wohnen.

  4. @Frank:

    Ich will aber auch nicht, das das reine Geld auf dem Konto, entscheidet, wo ich zu wohnen habe. Wer so argumentiert, erliegt der Illusion das solche Viertel irgendwann noch lebenswert sind. Mit 1000 Franken will ich gar nicht zusammenleben. Und du vielleicht auch nicht. Wenn dann irgendwann die ganzen Leute aus Hoywoj keine Lust mehr haben, für einen Hungerlohn für die Franks auf dieser Welt zu arbeiten, kommen Sie womöglich geballt wieder in dein Viertel zurück, mit wenig ehrenhaften Absichten. Wer nicht begreift, das in der sozialen Frage mit ihren vielschichtigen Antworten darauf der Schlüssel zum Gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt zu finden ist, hat den Schuss nicht gehört.

    Ich denke es gibt ein mit- und nebeneinander. Da müssen sich beide Seiten bewegen. Wer hier von Papi seine Wohnung gekauft bekommt, seine teure Karre irgendwo auf dem Fußweg abstellt und meint der Rest müsste raus saniert werden, der kann doch auch auf den Hirsch ziehen. Warum tut ihr euch das hier unten eigentlich an?

    Das ist in etwa die selbe Argumentation.

    Die reinen Baukosten liegen bei derzeitigen Baureihen und den wahnwitzigen Vorgaben des Staates für Fassadendämmung bei etwa 1800 Euro. Es kann also gar nicht sein, das jemand 3500 aufwärts für einen qm haben will. Das solche Wohnungen dann nie wieder auf dem Mietmarkt landen, weil das Verhältniss Miete und Rate nicht mehr stimmt macht die Sache nicht besser.

    Spekulation mit Nahrung, Infrastruktur Wohnraum, schlicht mit den Grundbedürfnissen des Menschen ist nicht in Ordnung. Punkt.

  5. @frank: ja genau, seit Jahren wird jede kleine Lücke in Dresden mit Eigentumswohnungen zugepflastert, die Preise gehen trotzdem nach oben… aber hey nur wer reich ist, darf sich aussuchen wo er wohnt. Was fällt diesen Armen auch ein in Dresden wohnen zu wollen! Die Bauern sollen gefälligst wieder zurück in die Provinz(Hoyerswerda) aus der sie gekrochen kamen. Um dann hier hinter der Ladentheke zu Arbeiten oder zum Rentner Pflegen können sie ja Pendeln. Humanismus ist halt nicht für jeden etwas Frank

  6. Ich verstehe die ganze Diskussion um die Mietpreise in der Neustadt und die teuren Neubauten … nicht!

    Ich würde gern auch in einer schönen Villa mit Elblick auf’m Hirsch wohnen. Kann ich mir es leisten? Nein. Wenn das mir ganz dolle wichtig wäre, bräuchte ich einen Job, damit ich mir so einen tollen Wohnkonsum leisten kann. Ist mir das ganz dolle wichtig? Nö. Also keine Villa auf’m Hirsch. Und ich muss zum Glück auch keine Investmentbankerin sein.

    Wenn ich gern in der Neustadt wohnen möchte, die wesentlich teurer als die Johannstadt ist, dann muss ich mir halt einen Job suchen, damit ich mir das leisten kann.

    Wenn mir aber der Spaß an einem Job wichtiger ist als ein hippes Viertel vor der Tür zu haben und ich damit nicht genügend Kohle für die Neustadt verdiene, dann bleibe ich eben in der Johannstadt. Ganz einfach.
    Wo ist das Problem? Raff ich nicht. Es gibt noch günstige Wohnungen in der Stadt.

  7. @Freed
    Ich bin froh, daß dieser Schandfleck endlich wegkommt.
    Und, auf den Bildern sieht man deutlich, daß das Haus eh nicht zu den nebenstehenden Gründerzeithäusern gepasst hat.

  8. Es wäre nett, wenn die seit ein paar Tagen geführten Diskussionen über Wohnungsfragen mit etwas mehr Wohlwollen geführt werden könnten.
    Also: Die anderen Kommentatoren sind nicht automatisch alle völlig verblödet, nur weil sie eine andere Meinung haben.
    Und: Meine eigene Meinung muss nicht absolut und allein richtig sein, sondern auch andere Menschen können durchaus erwägenswerte Argumente haben.
    Könnte bitte zu einer erträglichen Diskussionskultur zurückgekehrt werden?

    Damit danke ich ausdrücklich all jenen, die sich trotz dieser teils niveaulosen Polemik um Ruhe und Sachlichkeit bemüht haben. Bitte weiter so. Lasst Euch nicht entmutigen!

  9. @Tobi: Das kann man so nicht rechnen. Zu den reinen Baukosten kommen noch Kosten für den Erwerb des Grundstücks, die Marge des Investors oder der Investoren und diverse Nebenkosten dazu. Zudem ist die tatsächlich vermietbare Fläche in der Regel kleiner (Gemeinschaftsräume, etc.). Der Rest des Preises ist eine Frage der Lage und der Ausstattung. Das ist nach oben offen.

    Der durchschnittliche Grundstückspreis laut https://immobilien.kreiszeitung.de/immobilienpreise/dresden/grundstueckspreise liegt bei rund 300 €/m². Das Grundstück Bautzner Str. 73 ist laut Themenstadtplan 1665 m² groß. Das macht also einen Grundstückspreis von ca. 500.000 €, vermutlich wegen der Lage noch ein ganzes Stück mehr.

    @Felix: Zwischen 2009 und 2017 sind ca. 35.000 Menschen mehr nach Dresden gezogen als weggezogen (https://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Dresden)! Jetzt schaut man mal wie sich der Leerstand und die Anzahl an Wohnungen entwickelt hat: http://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/statistik/bauen-wohnen-verkehr/Gebaeude-_und_Wohnungsbestand.php
    In der gleichen Zeit sind 6307 Wohnungen hinzugekommen, der Rest des Zuzugs hat dafür gesagt, dass der Leerstand sinkt. Mittlerweile ist er von 10,2% auf 6,2% gesunken. Der Wettbewerb unter Mietern steigt also und dementsprechend auch die Preise. Dazu kommt, dass ein Gros der Menschen sich bei einem Umzug ja versucht zu verbessern (schöner, moderner, größer, …).

    Es geht noch weiter, in den nächsten 17 Jahren wird die Bevölkerung von Dresden laut Bevölkerungsprognose um ca. 37.000 Einwohner steigen (https://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/statistik/bevoelkerung-gebiet/bevoelkerungsprognose.php). Wenn man davon ausgeht, dass der Leerstand irgendwann in den nächsten Jahren stagniert (es wird durch Fluktuation und andere Gründe immer etwas Leerstand geben), muss man durchschnittlich pro 1,97 neuem Einwohner eine Wohnung bauen. Die Fahnenstange der Preisspirale ist also noch lange nicht erreicht.

    Um die Preise nicht zu sehr steigen zu lassen, brauchen wir also mehr Wohnraum und die Menschen dürfen so wenig wie möglich innerhalb der Stadt umziehen (Neuvermietungen sorgen für steigende Preise). Leider sorgen Neubauten auch für höhere Durchschnittsmieten, da sie in der Regel hochwertiger sind. Also brauchen wir günstige Neubauten. Die sind aber auch wieder ungeliebt, da sie architektonisch halt einfach ausfallen (siehe Diskussion zur Rudolfstraße) und der geneigte Gründerzeithausbewohner will da vermutlich gar nicht wohnen. Tja, wie man es macht, es ist falsch.

  10. Schön das in der Neustadt neu gebaut wird und ein Schandfleck verschwindet. Die Planung ist innovativ und ich kenne im Bekanntenkreis so einige, die dringend eine Wohnung zum Kauf suchen. Die Preise sind realistisch betrachtet absolut moderat. Die gebotene Leistung (energetisch, barrierefrei etc.) ist nach meiner Recherche sonst so nicht so schnell zu finden.
    Das es wie immer Neider gibt, ist leider nichts Neues. Das nicht jeder Eigentum kaufen war schon immer so. Die hohen Baukosten und Grundstückspreise lassen gar keine anderen Preise zu, so zumindest sind unsere Erfahrungen als Bauherrengemeinschaft im Hechtviertel.

  11. Schön, dass der Schandfleck endlich weg ist! Seit Jahren ist der Fußweg an dieser Stelle unterbrochen und wurde auf die stark befahrene B6 provisorisch umverlegt. Die Ruine war schlichtweg einbruchgefährdet.
    Nicht umsonst sind in den letzten Jahren etliche Einzelhändler weggezogen.
    Mitnichten ist es hier besonders lukrativ zu bauen.
    Der letzte Eigentümer hat das Grundstück nicht umsonst weiter verkauft. In einem solchen Fall kommen zu den Notargebühren und Grunderwerbssteuer eine Spekulationssteuer hinzu.
    Nicht die Investoren machen das Wohnen teurer, sondern das Überwinden von immer mehr Bürokratie, steigende Abgaben und Verordnungen.

  12. @Tobi
    Weniger Zynismus und Neid beim Verfassen deiner Texte würde deiner Argumentation gut tun. Es gibt nicht nur Bengel die sich Ihre Bude von Papi bezahlen lassen in der Neustadt.
    Habe als Student hier gelebt und jetzt als Berufstätiger kann ich mir eben etwas mehr Luxus leisten. Aus eigener Kraft. Tut mir leid für dich.

  13. »Das Monopol ist jetzt zur Tatsache«, der »Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden«, sagt Lenin. Die Monopole, in den imperialistischen Staaten beheimatet, erwirtschaften Extraprofite, die ihnen die Bestechung von Fach- und Vorarbeitern, aber auch von Gewerkschaftsführern ermöglichen. Dies ist ein systematisches, überwiegend legal organisiertes Phänomen.

    Zu diesen Bestechungsmaßnahmen zählte der ungarische Marxist A. Fogarasi 1935 neben der gewöhnlichen Korruption auch »Aktienbeteiligung, Gewinnbeteiligung, gesicherte Arbeitsstelle, Stabilität der Lebensverhältnisse, Prämien, Pensionskassen, Wohnungsvergünstigungen«. Aber ebenso »Privilegien der bodenständigen Arbeiter gegenüber den vom Ausland eingewanderten« und die »Verteilung von Posten, Beförderung zum Meister und Vorarbeiter«. Also die Erteilung von Kommandogewalt, aber auch die Korruption innerhalb der Gewerkschaftsbürokratie, die einen eigenen Typus des »Arbeiterbürokraten« erzeugt.

    Lenin gab 1916 eine allgemeine Definition der privilegierten, bestochenen Arbeiter im Zeitalter des Imperialismus: »Diese Schicht der verbürgerten Arbeiter oder der ›Arbeiteraristokratie‹, in ihrer Lebensweise, nach ihrem Einkommen, durch ihre ganze Weltanschauung vollkommen verspießert, ist […] in unsern Tagen die soziale (nicht militärische) Hauptstütze der Bourgeoisie. Denn sie sind wirklich Agenten der Bourgeoisie innerhalb der Arbeiterbewegung, wirkliche Schrittmacher des Reformismus und Chauvinismus.« Ihre Ideologie ist der Sozialdemokratismus; als Klassengrundlage benennt er »das Bündnis einer kleinen bevorrechteten Arbeiterschicht mit ›ihrer‹ nationalen Bourgeoisie gegen die Masse der Arbeiterklasse, das Bündnis der Lakaien der Bourgeoisie mit ihr gegen die von ihr ausgebeutete Klasse.«

    Lenin betont, »dass der Opportunismus kein Zufall, keine Sünde, kein Fehltritt, kein Verrat einzelner Personen, sondern das soziale Produkt einer ganzen historischen Epoche« ist. Diese Epoche des Imperialismus dauert an. Ihre Gesetzmäßigkeiten erneuern, solange es die Extraprofite hergeben, diese Schicht verbürgerlichter, »aristokratischer« Arbeiter, auf deren Abhängigkeit und Anhänglichkeit die winzige Klasse der Bourgeoisie zur Zeit ihre Herrschaft stützt.

  14. Exklusive den Hetzern und Befürwortern von Gewalt und Vandalismus kann ich hier so ziemlich jeden Standpunkt zumindest nachvollziehen. Nagut, ob aus der Zeit gefallene Zitate linker Vordenker als Standpunkt gelten, weiß ich auch nicht.

    Ich wohne seit langer Zeit im Viertel. Zunächst in einer heruntergekommenen alten Offizierswohnung mit Kohleofen, dafür ohne warmes Wasser. Dann in einem sehr romantischen Altbau böhmischer Art, welcher sich trotz Teilsanierung in einem wirklich traurigen Zustand befand und nach wie vor befindet. Und nunmehr in einer Eigentumswohung in einem Neubau. Von außen keine Augenweide, dafür aber energieffizient etc.

    Folgendes bleibt hier bei den Gentrifizierungdiskussionen meist außen vor:

    Wem gehören die vielen teilsanierten Altbauten eigentlich? Den Guten? Ist es politisch korrekt sein Leben lang Miete an Vonovia, Sparkassenimmobilien oder irgendeinen Investor zu zahlen der seinen Besitz, aus welchem Grund auch immer, dem Verfall Preis gibt? Warum ist Wohneigentum nochmal ein Verbrechen?

  15. Hallo Frau Dr. Weber, hallo Apo,
    Euer neoliberales Gewäsch über eigenhändig erschmiedetes Glück ist kaum erträglich! Sich im Kampf um die Krümel vom Tisch des Kapitals etwas mehr gestreckt oder besser durchgesetzt zu haben ist kein Verdienst! Solange Leben als Wettbewerb gesehen wird, wird es immer ein paar Leute auf dem Treppchen bzw in der Eigentumswohnung geben und mehr Leute in der Discount-Platte. Das liegt an der Natur der Sache, vulgo des Systems.
    Das es theoretisch jeder auf’s Treppchen schaffen kann, heißt nicht, dass alle darauf Platz finden. Und auch die Startbedingungen sind unterschiedlich: die einen rennen in Adiletten, die anderen nach Höhentraining in optimierten Laufschuhen.
    Die wahren Gewinner renner rennen erst gar nicht mit, sondern organisieren den Spaß und schauen von der VIP-Tribüne, das Glas Champagner in der Hand, amüsiert zu.

  16. Hallo Egon,
    Wohneigentum und überhaupt Eigentum von Kapital ist, wie es so schön bei Proudhon heißt, Diebstahl!
    Warum? Weil es Allgemeingut (Luft, Wasser, Grund und Boden) oder gesellschaftlich erzeugten Reichtum monopolisiert und von Einzelnen angeeignet wird, während es der Allgemeinheit vorenthalten wird. Das das schon geraume Zeit so läuft, heißt nicht, das es irgendwie natürlich oder Gottgewollt wäre.
    Natürlich ist es momentan so, das jeder Zipfel irgendwem gehört, aber dies ist kein Naturgesetz sondern ergibt sich aus (menschengemachten) Verhältnissen. „Irgendwann“ hat das Grundstück mal niemandem gehört, irgendwann hat es mal eine Sippe oder so gemeinschaftlich genutzt, irgendwann hat jmd. mehr oder weniger gewalttätig einen Zaun drum errichtet und rangeschrieben: „Meins!“
    Wenn die direkt Betroffenen entscheiden könnten, würden vielleicht tatsächlich Sozialwohnungen gebaut oder die Fläche bliebe brach liegen, oder die Gemeinschaft würtde entscheiden, das Grundstück für die nächsten 20 Jahre XY zur Nutzung zu überlassen…
    Die Freiräume die da sind, müssen nicht finanziert, sondern zur Verfügung gestellt werden, im städtischen Rahmen eben von der Kommune, wobei mir hier eher sowas wie seinerzeit in Paris vorschwebt…

  17. Ein Mensch mit Kapital muß es gewinnbringend anlegen. Er spekuliert darauf, mit Immobilien gute Chancen auf eine ordentliche Rendite zu haben, stellt Menschen an, ihm was zu entwerfen und zu bauen, bezahlt ihnen ihre Arbeitskraft für einen gewissen Zeitraum, die (v.a. letztere) können wieder ein halbes Jahr Essen kaufen und ihre Wohnung bezahlen (nicht in der Neustadt, aber wer will schon zu hohe Ansprüche stellen…), der „Bauherr“ verkauft oder vermietet mit Gewinn …
    Woher kommt sein Kapital? Irgendwo gefunden? Qua Geburtsrecht zugesprochen? Oder vllt. aus und mit der Arbeit anderer generiert?
    Es geht doch hier nicht um nett oder nicht oder konstruierte Einzelbeispiele, es geht um den Mechanismus auf dem (Wohnungs)Markt, wie er eben im Kapitalismus funktioniert. Das hat auch nichts mit Neid zu tun, sondern sehr wohl mit der Wahrnehmung von Realität, aber auch Herr oder Frau Apo darf (oder will?) als guter Bourgeois nicht wissen, daß (die Wohnungsnot) ein notwendiges Erzeugnis der bürgerlichen Gesellschaftsform ist…” Aber dem kann mit etwas Nachlesen abgeholfen werden:
    http://www.mlwerke.de/me/me18/me18_209.htm#Kap_II

  18. @Seldon,
    langsam gerät es außer Kontrolle, schade, hatte Dich für ein wenig abgeklärter gehalten…
    (Den Themenbezug Deines ersten Beitrages zum Thema – 10. Februar 17:31 – kann ich nun wirklich nicht erkennen.)
    Die Kapitalismuskritik der „Klassiker“ ist ohne Zweifel richtig und auch heute noch gültig, aber Menschen funktioniern nun leider nicht nach den bei Marx und Engels angenommenen rein materialistischen Entscheidungskriterien. Unsere Handlungen sind sicher Produkt der materiellen Zustände aber eben nicht nur! (Der Homo oeconomicus der „Neoliberalen“ ist genauso ein nichtesxistentes Konstrukt, nur dass die es anders als Marx schon hätten besser wissen können, als sie diese Parole in die Welt setzten.)
    Mich würde ja mal interessieren, wie Marx‘ Lösungsansätze in Nach-Freudscher-Zeit ausgesehen hätten, aber da war der Karl leider schon tot…
    Insofern bringt uns der Verweis auf Klassikerzitate nicht wirklich weiter.

  19. Hallo Sharp,
    ja Schade, dachte das (Themenbezug meines ersten Beitrages zum Thema – 10. Februar 17:31) erklärt sich halbwegs als Replik auf die Einlassungen der Ärmelhochkrempler und Eigentumswohnungsbewohner. Als „Arbeiteraristokratie“ ebenso schön wie treffend charakkterisiert.

    Marx, Engels, Lenin usw. erklären die Funktionsweise des Kapitalismus als menschengemachtes aber auch menschenbeherrschendes System. Über die Funktionsweise des Menschen treffen sie weder eine materialistische noch sonst eine Annahme. Im Gegenteil konzidieren sie eine Abhängigkeit menschlichen Verhaltens von äußeren Gegebenheiten, kurz in die Formel „das Sein bestimmt das Bewußtsein“ gebracht.
    eine Gesellschaft, die auf Konkurrenz basiert, verstärkt dbzgl. Eigenschaften, schafft oder erfordert diese teilweise als überlebensnötig …aber das heiß nicht, dass „der Mensch“ von Haus aus ein geldgeiles und machtversessenes Tier ist! Im Gegenteil sind Kooperation, soziales Verhalten und Altruismus im Menschen mindestens ebenso stark angelegt wie Egoismus, Gier und Ellenbogen. Je nach den Umständen kommt eben eher das Eine oder das Andere zum Tragen…
    wie Marx‘ Lösungsansätze in Nach-Freudscher-Zeit ausgesehen hätten, läßt sich u.a. bei Erich Fromm nachlesen:
    Der moderne Kapitalismus braucht Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, die immer mehr konsumieren wollen, deren Geschmack standardisiert ist und leicht vorausgesehen und beeinflusst werden kann. Er braucht Menschen, die sich frei und unabhängig vorkommen und meinen, für sie gebe es keine Autorität, keine Prinzipien und kein Gewissen – und die trotzdem bereit sind, sich kommandieren zu lassen, zu tun, was man von ihnen erwartet, und sich reibungslos in die Gesellschaftsmaschinerie einfügen; Menschen, die sich führen lassen, ohne dass man Gewalt anwenden müsste, die sich ohne Führer führen lassen und die kein eigentliches Ziel haben ausser dem, den Erwartungen zu entsprechen, in Bewegung zu bleiben, zu funktionieren und voranzukommen.

    (…)

    Jeder glaubt sich in Sicherheit, wenn er möglichst dicht bei der Herde bleibt und sich in seinem Denken, Fühlen und Handeln nicht von den anderen unterscheidet. Während aber jeder versucht, den übrigen so nahe wie möglich zu sein, bleibt er doch völlig allein und hat ein tiefes Gefühl der Unsicherheit, Angst und Schuld, wie es immer dann entsteht, wenn der Mensch sein Getrenntsein nicht zu überwinden vermag.

  20. @Seldon:

    Was bist Du nur für ein (entfernt – bitte keine Beleidigungen – danke, die Redaktion).
    Dein Platz wäre eigentlich in der Lausitz in einem ehemahligen Braunkohletagebau, wo Du Dir Dein Utopia aufbauen könntest.
    Aber dazu muss man eben mal in die Puschen kommen und den Arsch hoch kriegen.
    Schon gemerkt? Theorie kann man schlecht essen und bewohnen.

  21. @Seldon,
    das ist ja aber der genau der Punkt, dass nicht allein das Sein das Bewusstsein bestimmt.
    Und auch im Erich-Fromm-Zitat finde ich nur, dass der Kapitalismus etwas braucht – hm, vielleicht nutzt er auch nur geschickt etwas aus, was es eben ziemlich leicht zu finden ist und nicht erst „anerzogen“ werden muss? Weil es im Menschen einfach beides gibt, Egoismus und Atruismus?
    Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens eine durchaus empirisch belegte Theorie in den aktuellen Sozialwissenschaften, dass in Gesellschaften mit hohem Wohlstand mehr Regeln und mehr Kontrollen zur Durchsetzung derselben für ein halbwegs soziales Funktionieren nötig sind, als in Gesellschaften in akuter Notsituation.
    Also: Weil es uns so gut, macht (in der Mehrzahl) jeder nur dass, was ihm nützt (= Ellbogengesellschaft), Regeln und Gesetze existieren immer nur für die anderen, selbst erhebt man sich gern moralisch über die anderen und wirft ihnen wechselseitig dämliches Zeug vor… beschreibt m. M. ziemlich gut, was im „Westen“ im Großen und Ganzen und in der Neustadt-Diskussion im Kleinen abgeht.
    Wenn der Umkehrschluss aber ist, es muss uns allen dreckig gehen, damit wir uns wieder wie soziale Wesen benehmen können, bin ich lieber „Arbeiteraristokrat“ :-)
    Das hindert mich genauso wie die anderen Menschen ja nicht daran, auch altruistisch zu sein. Die Welt ist zum Glück nicht nur schwarz und weiß ;-)

  22. Oioioi, das artet ja aus hier.
    @seldon: ja, Boden sollte Allgemeingut sein. Aber das ist leider Utopie. Im übrigen haben wir gerade in der Neustadt bis 89 gesehen, wo Nichteigentum hinführt.

    Wenn man abseits von Utopien Gegenwart gestalten will, sollte man praktischere Vorschläge machen. Ich versuche es mal:

    a) Bildet Baugemeinschaften und baut/saniert selbst. Da verdient kein Investor an euch. Es kostet aber eure Zeit und Nerven und braucht Toleranz.

    b) Kauft jetzt! Eine kleine Rechnung: Du zahlst 5€ für den Quadratmeter Miete. Das sind 60€ im Monat. Die sind weg. So oder so. Für die 60€ im Jahr kannst Du dir auch 3000€ für 2% Zins „mieten“. Voila, schon hast Du eine eigene Wohnung und nimmst an der Wertsteigerung teil. Bitter: Du muß sie noch abbezahlen. Guckt nach Krediten bei der SAB (siehe link im Namen).

    c) Die Welt ist ungerecht. OK, Hoyerswerda ist ein gemeiner Tipp, aber schöne Sachen sind eben teurer als nicht so schöne. Das betrifft Torten, Schuhe und Autos und eben auch Wohnungen.

  23. Hallo Frühaufsteher,
    Wenn den Leuten früher die Argumente ausgingen, hieß es: „Wenn’s Dir hier nicht passt, geh doch rüber!“ Auch die Empfehlung nach Nordkorea oder Kuba auszuwandern wird gern genommen…Lausitz ist mal was Neues und an sich ja ne gute Idee, nur fürchte ich, dass das Gebiet dort RWE oder Vattenfall gehört oder wem auch immer. Freiraum für experimentelle Lebensentwürfe ist also auch dort eher rar…und wenn man s mal großflächiger angeht wie in Paris 1871, Spanien 36 oder Chile, Kuba, … sind Kartätschen, Diktatoren, Embargos und Sanktionen eher zu erwarten als die Leute mal machen zu lassen. Im kleinen wird das besetzte Haus auch eher geräumt, als es als Chance zu begreifen…
    In die Puschen kommen die Billiglöhner in Fernost wohl mindestens genauso wie du, der Arsch ist nicht nur oben sondern blutig gesessen an Nähmaschinen für Dein T-Shirt oder
    Deine lifestil-schuhe.
    Was genau regt Dich eigentlich so auf? Das Leute arm trotz Arbeit sind oder das sie über Alternativen nachdenken?

  24. Hall Frank,
    vor 150 Jahren waren Wahlrecht für Frauen oder Schwarze auch ne Utopie, vor 300 Jahren wären bürgerliche Freiheitsrechte utopisch gewesen und vor 2000 Jahren war der Verkauf von Menschen an der Tagesordnung und eine Alternative völlig undenkbar…
    Das Staatseigentum (nicht „Nichteigentum“) was anderes als Gemeineigentum ist, sollte doch klar sein. Die Neustadt ist ganz sicher nicht deshalb verfallen, weil die Häuser den Bewohnern gehört hätten…

  25. @Auskennerin (8. Februar 2019 um 14:49)
    … den Nagel auf den Kopf getroffen, volle Zustimmung

    @seldon
    die Hälfte meines bisherigen Lebens habe ich im real existieren Sozialismus verbracht. In der Schule, der Lehre und beim Meister“studium“ durfte ich vieles über den Marxismus/Leninismus lernen. Sogar in der Realität konnte ich das Gelernte erleben, incl. Scheitern.
    Ich will nicht gemein sein, ich gönne Ihnen Ihr „Zauberland“. Aber nehmen sie endlich zur Kenntnis, es ist vorbei. In vielen Staaten ist diese Idee gescheitert.
    Seltsamer Weise gibt es keinen Ansturm auf die verbliebenen „Sozialistischen“ Staaten. Im Gegenteil, es setzen Menschen ihr Leben aufs Spiel um in die böse imperialistische, menschenverachtende, mitunter fremdenfeindliche Ausbeutergeselschaft zu gelangen.
    Die Wahlergebnisse der MLPD …

  26. Hallo Nickibude,
    Nein, über aktuelle Mehrheitsverhältnisse mache ich mir keine Illusionen. Aber Mehrheitsmeinungen sind nicht unbedingt aussagekräftig, was den Wahrheitsgehalt angeht. Mag ja sein, das es sich viele bequem in ihren erste und zweite Klasseabteilen eingerichtet haben und auch in der Holzklasse freuen sich sicher einige, überhaupt im Zug zu sitzen. Das der mit Volldampf auf den Abgrund zurast mag da möglicherweise nicht sonderlich interessieren. Ich persönlich denke da allerdings lieber darüber nach, irgendwo noch ne Weiche umzustellen, den Zug zu stoppen oder vorher abzuspringen.
    Wem als Alternative zum real existierenden Kapitalismus nur sein etwas früher verstorbener Vetter einfällt, zeigt weniger seinen Sinn für Realität als seine Phantasielosigkeit.
    Ganz richtig setzt du ja „sozialistisch“ als Bezeichnung für aktuelle Staaten in Anführungszeichen, und auch der „realsozialistischen“ Versuch ist aus guten Gründen, inneren wie äußeren, gescheitert, aber trotzdem ist die Frage „Sozialismus oder Barbarei“ nachwievor aktuell. Du wirst da keinen fertigen Plan bekommen, genauso wenig, wie die französische Revolution einen hatte. Das alte System hat nicht mehr funktioniert und wurde hinweg gefegt, das neue hat sich Stück für Stück, gegen Widerstände und mit Rückschlägen entwickelt…

  27. Hallo Sharp, man vergleicht also „reiche“ Gesellschaften (doch wohl kapitalistisch aufgestellt) mit solchen in akuter Not, nsch einer Flutkatastrophe oder so? Was hat das mit Sozialismus oder dem Wesen des Menschen zu tun? Ja, nach dem Tsunamie rollt eine Welle von Solidarität, nach Flugzeugabstürzen herrscht allgemeine Betroffenheit usw. Auf Arbeit oder am Tisch mit Sonderangeboten werden dann wieder die Ellbogen genutzt. Da wo der Mensch „kapitalistisch“ agiert, herrscht Konkurrenz und es fällt dann schon schwerer, solidarisch mit dem von Entlassung bedrohten Kollegen zu sein oder gar dem H4er, trennt einen doch auch nur ein mdhr oder weniger sicherer Job von Armut und Entwürdigung.
    In dieser vollständigen Gesellschaft braucht es natürlich viele Regeln, insbesondere solche, die das Eigentum vor den Eigentumslosen schützen, damit sich der Wohlstand in seinen realen oder metaphorischen Gated Communities ausreichend sicher fühlen kann.

  28. Seldon,
    nein, man hat reiche Gesellschaften (der 1. Welt) mit armen Gesellschaften (der 3. Welt – Lateinamerika, Afrika) verglichen.
    Ich habe übrigens nicht von Sozialismus gesprochen, vom Wesen des Menschen in Grundzügen schon. Dein Beitrag ist somit leider keine Antwort auf meinen Einwurf.

    Im übrigen stimmen wir wohl in der Einschätzung überein, dass da ein Zug in Richtung Abgrund unterwegs ist. Persönlich halte ich Deinen Weg – ziemlich unreflektiert Zitate von Marx, Engels und Lenin unters gemeine Volk zu streuen – aber für noch weniger erfolgsträchtig als Stephen Hawkings Rat, innerhalb der nächsten 100 Jahre andere Planeten zu besiedeln.

    Zum Hochhalten von genossenschaftlichen Eigentum (im Kontrast zum Staatsozialismus): Die oben von Dir als „neoliberales Gewäsch“ abgetane Kommentatorin ist nach ihrer Aussage Mitglied einer Bauherrengemeinschaft, also quasi eine Mini-Genossenschaft. Und wenn ich die Wohnung besitze, in der ich wohne, bin ich also ein Kapitalist, der sein Kapital auf Gedeih und Verderb (und zum Nachteil anderer Menschen) mehren muss? Habe ich damit nicht eher ein Spekulationsobjekt und ein Spekulationsopfer (ganz egoistisch) aus diesem Kreislauf entfernt?
    Ja, das ändert das verdammte System nicht. Deine Beiträge aber noch weniger, die vertiefen nur die Erkenntnis, dass die politische Linke am Anspruch der absoluten Wahrheit in lauter kleinliche Individueen gespalten ist und somit nur scheitern kann. Lenin hatte auch was zu Bündnispolitik gesagt und NÖP getrieben… Die haben damals aber auch eine Revolution hingekriegt, vielleicht fragst Du Dich mal selbstkritisch, was heute anders ist. (Und dass man eine revolutionäre Situation nicht herbeireden kann.)

  29. @ Frank: Gute Rechnung unter b). Da ist man ja nach 50 Jahren schon fertig, ohne Zinsen wohlgemerkt. In der Zeit muss man dann noch Rücklagen bilden und zum Werterhalt einsetzen… Und die Wertsteigerung ist ja auch gerantiert, also gerade über DEN langen Zeitraum. /Ironie off.

  30. Hallo Sharp,
    Baugemeinschaften Tragen ebenfalls zur Gentrifizierung bei:
    https://gentrificationblog.wordpress.com/2010/09/18/berlin-baugruppen-mit-gentrification-garantie/
    Meine Auslassungen über neoliberale Kalendersprüche und Arbeiteraristokratie bezogen sich auf Frau Dr. und Apos arrogantes Gequatsche vom selbstgeschaffenen Glück, verbunden mit der mehr oder weniger expliziten Aussage, wer es nicht schaffe sei halt selber Schuld.
    Über die aktuelle wenig revolutionäre Situation mach ich mir keine Illusionen. Auch will ich keine herbei schreiben. Da aber offensichtlich schon grundlegende Funktionsweisen der Gesellschaft wenig zur Kenntnis genommen werden, versuche ich diese (mit Quellenangabe zur Vertiefung) zur Verfügung und Diskussion zu stellen. „Deine“ Studie hätte mich auch interessiert…vielleicht find ich se ja zufällig.

  31. @Seldon
    „… über aktuelle Mehrheitsverhältnisse mache ich mir keine Illusionen … “
    Demokratie ist wohl nicht so Ihr Ding ?
    “ …Mag ja sein, das es sich viele bequem in ihren erste und zweite Klasseabteilen eingerichtet haben und auch in der Holzklasse freuen sich sicher einige …“
    Warum wohl, vielleicht ist die heutige Holzklasse aktzeptabler als die vorherige als 1.Klasse verkaufte Variante.
    “ … Wem als Alternative zum real existierenden Kapitalismus nur sein etwas früher verstorbener Vetter einfällt … “
    Lehren aus der Geschichichte zu ingnorieren heißt in Ihrem Fall ständig eine gescheiterte Ideologie (Marxismus/Leninismus) als Lösung zu präsentieren. Zu dieser fehlt schon Mal der selbstlose, perfekte, fleißige Mensch.
    “ … Das der (Zug) mit Volldampf auf den Abgrund zurast mag da möglicherweise nicht sonderlich interessieren … “
    Sehen sich die Bilder von 1989 an, es wurde der Zug gestopt und die Weiche umgelegt es hat viele interessiert. Warum wohl.
    Fazit – sehen sie sich die Fotos von der „Äußeren Neustadt“ von vor dem Mauerfall und heute an … es geht mir gut in der Holzklasse und nicht nur mir.
    „Sozialismus oder Barbarei“ = Populismus. … einen Ansturm auf den Sozialismus kann ich aktuell nicht erkennen eher auf die Barbarei in der wir im Moment hier leben.
    Würde dann gern an dieser Stelle die Diskussion zu diesen Thema beenden. Träume und Phantsien sind selbstverständlich erlaubt und gewünscht, sie düfen nur nicht zur Realitätsflucht und Ingnoranz führen. Da schließe ich mich selbst mit ein.

  32. Hallo Seldon,
    Diese „Studie“ selber habe ich nicht gelesen sondern eine solche wurde wohl in einem Beitrag angeführt. (Wenn ich mal eine Studie lese – selten – schaue ich mir auch immer etwas kritisch die Methodik an, auch wenn ich als Ingenieur nix über die speziellen Statistik-„Tricks“ in Sozialwissenschaften weiß. In diesem Fall kann ich mich aber nicht an soetwas erinnern, also wird es wohl nur angeführt worden sein.) Ich denke, dass das im Zeitraum von vor 3 bis vor 6 Monaten gewesen, entweder „Die Zeit“ 8wahrscheinlicher) oder eine Wortbeitrag bei DLF / DLF Nova.

    Ansonsten: Tut mir leid, aber bei der Gentrifizierungskeule schalte ich innerlich ab. In der Äußeren Neustadt kann ich nun wirklich keine Gentrifizierung erkennen und wenn, dann ist diese Ende der 80er Jahre erfolgt, als die ganzen schwarzwohnenden Studenten u. ä. „alternatives Volk“ in die leergezogenen und herutergekommenen Buden zogen und damit die bestehende Zusammensetzung der Einwohnerschaft drastisch änderten, was ein paar Jahre später zur heute ach so verklärten „Bunten Republik“ führte. Insofern bin ich auch ein ganz böser Gentrifizierer, weil ich 1990 mehr oder weniger zufällig in dieses Viertel gezogen bin.

    Im Prenzlauer Berg kann man durchaus von Gentrifizierung sprechen, aber Dresden war nie so cool oder hip wie Berlin oder Leipzig (oder München oder …), dass unbedingt ganz viele auswärtige Menschen mit viel Geld hierher wollten. Die mit viel Geld in Dresden wohnen wollten, sitzen aufm Hirsch oder bestenfalls noch im Preußischen Viertel.

    Gentrifizierung ist doch wirklich ein abgelutschtes Wort hier, da ist im Nachbarbeitrag schon ein passender Kommentar geschrieben worden: (unfassbar am 8. Februar 2019 um 14:08)

  33. Als Gentrifizierung (von englisch gentry „niederer Adel“), auch Gentrifikation, im Jargon auch die Yuppisierung (siehe Yuppie), bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel durch eine Attraktivitätssteigerung zugunsten zahlungskräftigerer Eigentümer und Mieter als vorher und deren anschließenden Zuzug. Damit verbunden ist der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen.

    Ausgelutscht? Ok…

    Ob die genannten Studenten jetzt tatsächlich zahlungskräftiger waren?

  34. Hallo Sharp,
    Meintest Du diese Studie:https://m.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/ethik-und-wohlstand-reich-kennt-keine-regeln/6264082.html
    „Die Wissenschaftler um Paul K. Piff von der Universität von Kalifornien, die ihre Ergebnisse im Fachblatt „PNAS“ veröffentlichten, fanden in Experimenten heraus, dass Wohlhabende ethische Prinzipien und Gesetze weniger achten als Arme. Mehr noch: Wohlhabende nehmen anderen Menschen eher etwas weg, sie lügen eher in Verhandlungen, wenn es ihnen nützt und sie sind eher bereit zu betrügen, wenn es darum geht, einen Preis zu gewinnen. Plausibel wäre auch die umgekehrte Schlussfolgerung: Weil Menschen sich nicht an die Werte und Regeln der Mehrheit halten, können sie reich werden. Aber die Forscher sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Reichtum und dadurch erzeugter Regelverletzung.“
    Die sagt ja nun gerade explizit was über individuelles und eben nicht gesellschaftliches Verhalten aus…
    Überraschend ist die Aussage nicht gerade…

  35. Seldon, Torsten,
    Ich weiß durchaus, was Gentrifizierung bedeutet :-)
    Und Ihr dürft mir gern glauben, dass ich in dieser Welt Stadtviertel gesehen habe, wo das genauso zutrifft und die Folgen sind wirklich extrem!
    Gerne sehe ich mir mal bei Gelegenheit diese Studie etwas genauer an. Mit Methodiken kann man viel beeinflussen, selbst in exakten Wissenschaften…

    Mein Zurückweisen des pauschalen Gentrifizierungsvorwurfs im Fall der Äußeren Neustadt beruht einfach auf knapp 30 Jahren hier wohnen und sich mit dem Viertel auch selber zu wandeln. Ein nennenswerten Teil meiner Freunde und Bekannten stützt dieses: Da hat sich ganz normaler Wandel vollzogen (mit den veränderten Lebensbedingungen der mehr oder weniger gleichen Bevölkerung über die vergangenen 2 bis 3 Jahrzehnte).
    Das anzuerkennen bedeutet meist auch die eigene Änderung (= Älterwerden) anzuerkennen – ist für viele Mitmenschen ein Tabuthema ;-)

    Insofern nochmal: (unfassbar am 8. Februar 2019 um 14:08)

    Interessengemeinschaft Historischer Neumarkt ist wahrscheinlich das Gegenstück auf der anderen Elbseite dazu… (zumindest waren sie das in der Vergangenheit)

  36. @Seldon,
    nein diese Studie meine ich nicht (Seldons Post wurde nach meiner vorherigen Antwort veröffentlicht ;-)
    Diese hatte ich auch zur Kenntnis genommen, aber da sie nun nicht wirklich neue Erkenntnisse bringt, nicht für erwähnenswert gehalten.
    (Wer kennt nicht genügend Beispiele im eigen Umfeld, dass die „wohlhabensten“ Mitbürger auch die geizigsten sind? Reich wird man nur, wenn man eigenes Geld spart und dafür das anderer Leute ausgibt, wahlweise auch der Firma / Steuermittel…)

    Mein Einwurf bezog sich auf den Vergleich zwischen Gesellschaften unterschiedlichen Wohlstandsniveaus, nicht auf einen innerhalb einer (wohlhabenden) Gesellschaft. Und das ist nun wirklich kein optimistischer Ausblick auf evtl. mögliche Entwicklungen zu welcher Spielart Sozialismus auch immer.
    Da müsste man noch viel im Kopf ändern, vielleicht entdeckt ja mal jemand ein passendes Gen für den in Einzelfällen doch vorhandenen „weniger-egoistisch-tickenden“ Homo sapiens. In diesem Fall darf sich dann von mir aus auch der chinesische Gen-Manipulations-Professor ausprobieren, aber seine Regierung wird ihn wohl auf was anderes ansetzen :-(

  37. Interessant an der von Thorsten verlinkten Dissertation ist doch folgendes (siehe Zusammenfassung): „Die kommerziellen Gentrification der Äußeren Neustadt vollzog sich als Wandel von einem Quartier des traditionellen Kleingewerbes zu einem Standort privater Kleinbetriebe des ‚bohemian chic‘. Die symbolische Gentrification ist durch einen Imagewandel vom ‚verrufenen Viertel‘ zum ‚bunten Kneipen- und Szeneviertel‘ geprägt.“

    Ich habe die 230 Seiten nicht komplett gelesen, aber für mich klingt es doch so, als wenn diese Gentrifizierung zur „bunten Neustadt“ mehr oder weniger abgeschlossen ist. Es wurde ja hier schön mehrfach vermutet, dass insbesondere diejenigen am lautesten Schreien, die Teil dieses Prozesses waren und nun von der zweiten Welle erfasst werden…

    Was mir an dieser Diskussion völlig fehlt, sind immer noch Lösungsvorschläge der Neubaugegner. Was ist denn nun die Alternative? Wo sollen die ganzen Menschen hinziehen?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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