Stadtrat beschließt Pfandringe

Scheunevorplatz am Abend
Scheunevorplatz am Abend – Foto: Archiv
Als kürzlich das Alkohol-Spätverkaufsverbot abgeschafft wurde, gab es an­schließend eine Einwohnerversammlung. Deren Ergebnisse beschäftigten neulich den Ortsbeirat und am Donnerstag mehr als eine halbe Stunde die Stadträte.

Nach kontroverser Diskussion wurde nun beschlossen:

  • Als Sofortmaßnahme sollen die Papierkörbe in der Äußeren Neustadt und im Hechtviertel mit Pfandringen ausgestattet werden.
  • Außerdem soll geprüft werden, wie Glasflaschen nach 22 Uhr sicher ent­sorgt werden können und ob wie dabei die Spätshop-Besitzer mitwirken können.
  • Außerdem soll es einen Stadtteilmanager als Moderator und Koordinator geben. Ein Konzept mit Finanzierungsvorschlag ist bis zum 30. Sep­tember 2016 vorzulegen. Dieser soll mit bestehenden Vereinen und Organisationen zusammenarbeiten. Es ist zu prüfen, ob die Anzahl der Streetworker erhöht werden sollte.

In der Einwohnerversammlung wurde darum gebeten, die Möglichkeit eines Glasflaschenverbotes zu prüfen. Dies lehnten die Stadträte nun ab.

Pfandring an der Scheune
Pfandring an der Scheune
Wie derartige Pfandringe aussehen, lässt sich direkt vor der Scheune schon beobachten, die Papierkörbe sind schon seit ein paar Wochen damit aus­gestattet. Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung gibt es nach Auskunft der Stadtreinigung seit Abschaffung des Alkohohl-Verbotes keine höhere Scherbenbelastung. Ausnahme: der Platz vor der Scheune. Dies hatte kürzlich auch der Scheune-Verein thematisiert (Neustadt-Geflüster vom 2. September).


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Sicherheitsproblem

Dieser Platz sorgt derzeit nicht nur wegen der erhöhten Müllbelastung für Probleme, auch die Sicherheit dort hat sich in den vergangenen Wochen verschlechtert. Die Zahl der registrierten Körperverletzungen ist an­ge­stiegen, die Lärmbelästigung ist hoch. So berichten es Polizisten, Passanten und anliegende Gewerbetreibende. Die Situation ist vor allem in den Nächten am Wochenende nach Mitternacht angespannt.

Scherben auf Beton - auf der Turnhallentreppe Dauerzustand.
Scherben auf Beton – auf der Turnhallentreppe Dauerzustand.

56 Kommentare zu “Stadtrat beschließt Pfandringe

  1. Schön dass die Pfandringe/-kisten endlich auch in Dresden umgesetzt werden, bisher gab es glaub ich nur 1-2 (LemonAid-Kisten?) auf der Louisenstraße.
    An welche Mülleimer auf dem Vorplatz die allerdings angebracht werden sollen…
    Vor Jahren gab es einen Entwurf eines Berliners (den ich partout nicht mehr finde), bei dem die Flaschen kopfüber direkt über einem Gulli gesammelt wurden, so muss der letzte ‚Spuckschluck‘ nicht auf den Fußweg entleert werden.

  2. Es wäre ja mal interessant, welche Lösungsvorschläge eigentlich diejenigen haben, die damals beschlossen haben diesen Platz SO umzubauen. Dass solche Probleme auftreten würden, war ja nun nicht gerade ein Geheimnis…Vielleicht haben sie ja wenigstens ein schlechtes Gewissen!? Oder sowas in der Art…:-/

  3. Wenigstens steigt die Sippschaft der Pfandsammler emotional zu „Herrn der Ringe“ auf. Na immerhin.
    Man sollte ob der schönen Ringlein (warten wir mal ab, ob sie denn in real auch kommen) doch schonmal die frühkindliche…, ach was, schulkindliche reicht auch, …Bildung ergänzen und zumindest in Ostsachsen das Schulfach „Wie betrage ich mich richtig!“ einführen. Schließlich sitzen dort ja heute schon die Delinquenten von morgen. Ohne dieses tolle Schulfach wird es wenig Skrupel geben, auch entspuckschluckte Gulliflascherl splitternd zu zertreten. Von FlipFlop über Chucks, DocMartens bis BW-Kampfstiefel sehe ich schon die Flaschenhälse im Orkus zertreten feststecken. Keine guten Aussichten für den wachsenden Barfüßlerfanclub. Na egal, de Leit machens ja eh wasse wolln. Ring frei!

  4. Leute die erst seit kurzem in Deutschland sind werfen gern mal Glasflaschen umher. Diesen Leute sollt man vielleicht mal sagen das man dafür auch noch Pfand bekommen würde.Messer sind auch an der Scheune öfters mal zu sehen. Ich bin gespannt wie sich die Lage an der Scheune weiter entwickeln wird.

  5. Lieber Torti,
    dein rassistisches Gelaber kannst du dir sparen. Ich wohne hier und bin dadurch zwangsläufig dem Treiben ausgesetzt. Deine pauschalen Unterstellungen kann ich absolut nicht bestätigen. Aber trotzdem vielen dank für diesen „wichtigen“ Hinweis.

  6. Wow….4 Flaschen je Mülleimer…na das wird das Problem sicher komplett lösen…nicht. Hauptsache diejenigen, die gern Flaschen werfen haben dadurch direkt immer eine griffbereit.

  7. Über die Pfandringe wird sich die Müllabfuhr freuen, das erschwert das leeren der Mülleimer.

    Aber etwas Gutes hat es…Platz für ne leere Sektflasche, Dann brauch ich mich zu Silvester beim Raketen anzünden nicht mehr bücken.
    Ein Förderband entlang der Bänke für Speisen und Getränke könnte ich mir auch gut vorstellen. Die Bänke sollten gleich noch mit Toiletten ausgestattet werden, eingelassen im Beton, dann brauch ich gar nicht aufstehen. Oh bitte lieber Ortsbeirat wisch mir schön den Hintern, der Suff wird meinen Frusst über Euch schon lindern.

  8. Mir ist auch schon oft aufgefallen, dass Flaschen eigentlich nur deshalb zersplittern, weil die Pfandringe fehlen. Wären die schon immer da, dann gäbe es die ganze Aggression nicht, dann würde auch keiner auf die Idee kommen, abgeschlagene Flaschen als Waffe einsetzen zu wollen etc pp. Häufig fallen mir nachts, wenn ich mal zu Fuss durchs Quartier schlendere, stark alkoholisierte Menschen auf, die freundlich stammelnd auf der Suche nach Papierkörben für ihren Müll sind, da muss man nur mal genau hinhören. Da ist ganz viel reininterpretierte Bosheit und Gewaltbereitschaft, eigentlich wollen die nur aufräumen. Und das schlechte Gewissen, Müll hinterlassen zu haben, oft in Ermangelung entsprechender Behälter, führt dann zu in falsche Bahnen gelenkte Unzufriedenheit. Ich beglückwünsche die Genossinnen und Genossen der Partei- und Stadtführung zu ihrer weisen, durchdachten Politik. Wir sehen uns am Pfandring…..

  9. Als Radfahrer würde ich eine Unterlassung der Zerstörung von Glasflaschen begrüßen, aber ich bezweifle, dass Pfandringe irgendwas daran ändern.

  10. Die Neustadt ist auf einem bedenklichen Weg (siehe auch Polizeimeldung von heute). Der Stadtteil hat sich im Vergleich der vergangenen zwei Jahre schon jetzt merklich negativ entwickelt. Glasflaschen sind dabei aus meiner Sicht das kleinste Problem. Wenn hier nicht bald Entschiedenes passiert und die Dinge weiter verharmlost oder Kritiker stigmatisiert und/oder verächtlicht gemacht werden, endet das für die Neustadt nicht gut. Und viele „kleinere“ Delikte werden ja nicht mal angezeigt. Dringend aufwachen!

  11. Some people stand in the darkness afraid to step into the light
    some people need to help somebody when the edge of surrender’s in sight
    don’t you worry it’s gonna be alright
    ‚cause I’m always ready I won’t let you out of my sight

    (I’ll be ready) I’ll be ready (never you fear) no don’t you fear
    (I’ll be ready) forever and always I’m always here

  12. @ Lenbach – ich glaube das kannst Du noch sehr lange warten. Davor wird nämlich das Matra der sozialen Herkunft herhalten müssen bevor dann irgendwann (wenn es vielleicht zu spät ist) die Nationalität doch etwas mit
    dem Fall zu tun haben könnte. Die Ideologie vom gleichen Menschen überall
    ist einfach zu schön (um wahr zu sein).

  13. Hallo Lenbach,
    erklär doch bitte etwas genauer, wie „Nationalitäten mit dem Fall eben doch was zu tun haben“. Werden mehr Flaschen von Algeriern zerkloppt, weil die’s gewöhnt sind, dass die im Wüstensand nicht kaputt gehen? Gibt’s da so’n spezielles Flaschenhasser-Gen oder wie muß man sich das vorstellen?
    Zu Deinem verlinkte Artikel:
    http://www.zeit.de/2016/37/jungfernstieg-treffpunkt-brennpunkt-sicherheitsmassnahmen

    Vorsicht, hier wird es etwas differenzierter:
    „Seit seiner Wiedereröffnung 2012 ist der Alsteranleger am Jungfernstieg an den Wochenenden zwischen April und September zum beliebten Treffpunkt geworden. Bis zu 600 Menschen treffen sich dort bei gutem Wetter, darunter nach Einschätzungen der Polizei meist 150 bis 200 Jugendliche aus Stadtteilen, die Sozialpolitiker als benachteiligt bezeichnen.

    An diesem Abend wird bis zwei Uhr morgens friedlich gefeiert. Mit Blick auf die Polizeistatistik ist das der Normalfall. 50 Anzeigen wegen Körperverletzung und vier wegen Raubtaten hat es laut Polizei in diesem Jahr am Jungfernstieg bisher gegeben. Das sei keine beunruhigende Zahl, heißt es, etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Der Jungfernstieg sei weit entfernt davon, ein Kriminalitätsschwerpunkt wie der Hauptbahnhof oder die Reeperbahn zu sein.“

    Der Zusammenhang zwischen unsicherer Zukunft, Perspektivlosigkeit, fehlende gesellschaftliche Teilhabe mangels finanzieller Mittel, Arbeitslosigkeit, …. und Frust, Gewalt, Diebstahl, …. ist für Dich warum genau nicht gegeben?

    Danke!

  14. Hallo Paule,
    was genau ist die „Die Ideologie vom gleichen Menschen“ und wer vertritt die? Warum sind, Deiner Meinung nach, nicht alle gleich?
    Welcher Ideologie hängt wohl jemand an, der Menschen entsprechend der Zugehörigkeit zu „Nationalitäten“ (warum nicht „Rassen“?) pauschal charakterisiert und abwertet, seine eigene Herkunft überhöht? Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft nur über Zugehörigkeit zu einer Nationalität definiert, um dass Wort „Volksgemeinschaft“ zu vermeiden…
    Seinen Lebensraum bedroht sieht duch „Fremde“…?

  15. Mit großem Interesse sehe ich immer wieder, dass im Laufe eines Kommentarfeedes das Thema immer mehr abdriftet. Aber gern gebe ich meinen Senf auch zum Thema Nationalitäten aus subjektivem Erleben wieder. meines Erachtens ist es völlig normal, dass ein Viertel wie die Neustadt, dass sich in den letzten Jahren sehr gewandelt hat, neben all den feierwütigen, nach externer Bespaßung gierenden Menschen ein gerüttelt Maß Leute anzieht, die aus anderen Gründen unterwegs sind. Betrunkene mit Geld sind nun einmal die einfachsten Opfer. Und auch hier gilt: Es ist lediglich ein Kommunikationsproblem, was uns unter Umständen daran glauben lässt, dass Menschen aus anderen Ländern agressiver wären oder mehr Diebstähle begängen. Weil wir automatisch weniger Angst haben, wenn wir den Gangster verstehen und wissen, dass er uns auch versteht. Ob ich nun von einer Bande Hools oder von einer Bande Nordafrikaner angemacht werde, dass ist erst mal völlig egal, aber einer schlimmen Situation geht meist ein verbaler Schlagabtausch voraus, der oft auch zur Entspannung führen kann. Wenn aber Worte fehlen, dann führt das schneller in die Eskalation, als einem lieb sein kann. Die Anzahl der Freaks steigt prozentual mit der Anzahl der Besucher, und wenn nicht mit aller Schärfe der gesetzlichen Möglichkeiten gegen all die vorgegangen wird, die aus unlauteren Gründen im Viertel unterwegs sind, dann werden irgendwann kaum noch Leute der Kultur, der Architektur oder des Lebensgefühles nach 01099 kommen, sondern eben nur noch Gangster und Opfer. Das wäre sehr schade.

  16. Hab ich schonmal geschrieben, aber die 8 cent Pfand sind imho einfach zu wenig. Könnten die Spaties in der Neuse nicht einen eigenen (höheren) Pfand auf die Bierflaschen erheben, zusammen mit ner (halbwegs fälschungssicheren) Markierung oder so? Für 25 oder 50 cent werden garantiert weniger Flaschen sinnlos zerkloppt.

  17. Nein, Seldon, die Leute dort kennen überhaupt kein Glas, sie wissen daher nicht, daß Glas zerbricht und aua macht. Vielmehr ist es so, daß in dieser fremden Kultur Trinkgefäße als Geste der Respektserweisung an den Gastgeber in die Luft geworfen und gewöhnlich wieder aufgefangen werden. Da diese Menschen bekanntlich schwer traumatisiert sind, zittern dem einen oder anderen schon mal die Hände und der Wurf geht fehl, weswegen auch einige (sehr) wenige Flaschen zu Bruch gehen. Wir sollten deswegen nicht böse mit ihnen sein, sondern sie vielmehr ermutigen, weiterhin ihre Kultur einzubringen. Das Glasflaschenverbot käme da zur rechten Zeit, denn schließlich ist es unsere rückständige Gesellschaft, die diese potentiellen Waffen in Umlauf bringt.

  18. Hallo Paule,
    Danke für den Artikel, aber er beantwortet keine meiner Fragen. Sein Inhalt ist außerdem mehr als fragwürdig:
    „Sondern es sollen ihnen (den Deutschen“) vermeidbare soziale Probleme und Belastungen, Konflikte und Auseinandersetzungen erspart werden, wie sie aus der Aufnahme großer ethnisch und kulturell fremder Bevölkerungsgruppen entstehen. Es soll ihr Recht gewahrt und gesichert werden, in einem deutschen und nicht in einem Vielvölkerstaat zu leben.“

    Vermeidbar sind „soziale Probleme und Belastungen, Konflikte und Auseinandersetzungen“ eben nicht durch Aus- und Abgrenzung, sondern durch Lösung eben der sozialen Probleme. Und die ergeben sich eben nicht aus der Herkunft, sondern aus den sozialen Verhältnissen. Soziale Probleme gibt es auch und nicht zuletzt bei und unter Deutschen. (und schon hier stellt sich die Frage, wie homogen diese Gruppe wohl ist: Hartz IV-Empfänger, Facharbeiter, Professoren, Manager, Unternehmer…Fußballfans, Opernbesucher, … Gewerkschafter, Arbeitgeber, … haben durchaus unterschiedliche Probleme und Interessen!)

  19. @ Seldon – ok. Und wir lösen die sozialen Probleme unter Deutschen indem wir weitere soziale Probleme aus dem Ausland importieren?

  20. Seldon, bei allem Verständnis für Deine Argumentationslinie:
    Lösung der innerdeutschen sozialen Probleme ist eine Voraussetzung, eine erfolgreiche Integration der Migranten (die selbst bei großer Bereitschaft beider Seiten dazu auch immer ein längeres Weilchen dauert) ist die andere.
    Eben eine komplexe Welt, einfache Lösungen gibt es leider nicht…

  21. @SHARP: Ohne Deine Sichtweise in Frage stellen zu wollen, nur Eines gesagt:
    „Eben eine komplexe Welt, einfache Lösungen gibt es leider nicht…“
    Das ist die Standardantwort, wenn man mittels ANGEBLICH komplexer Lösungen ablenken will:
    – von der eigenen Untätigkeit.
    – von der eigenen Unfähigkeit.
    – vom eigenen Versagen.
    – davon, anderen Leuten die Schuld für irgendwas in die Schuhe zu schieben.
    – davon, das man anderen Leuten Lasten und Probleme aufbürdet und dieselbigen dann noch von oben herab belehren will, was sie zu tun und zu lassen hätten, aber zu dumm zum Denken wären.
    Derartiges Verhalten können (sofern man die Bestätigung für die Richtigkeit braucht) viele Leute von ihrem Chef berichten. Oder von unserer BuKa ohne R.

    Die Welt ist manchmal erschreckend einfach. Atmen zum Beispiel ist kein Stück komplexer geworden. Wirklich intellegent sind nicht die Phrasendrescher sondern die, die unterscheiden können, wann es einfach und wann es komplex ist.

  22. Bei Integration frag ich mich immer, wohinein da eigentlich integriert werden soll…und wann Integration als „erfolgreich“ gilt. Wenn jeder drei Gedichte von Goethe und Schiller aufsagen kann? Das Lied der Deutschen singen? Einmal im Monat Bratwurst isst? Mit schwarz-rot-gold wedelt? Die Namen der Nationalelf kennt? Des Genitivs mächtig ist? Sonntags zur Kirche geht?
    Aus meiner Sicht ist Integration doch eher als Unterordnung gemeint. Unter einen so allgemein inexistentes Gemeinsames. „Das macht man hier s hon immer so…“

  23. @ Karsten
    Ich kann jetzt leider keinen Zusammenhang zwischen meinem Kommentar und Deiner Antwort erkennen.
    Ich hoffe, diese soll nicht davon ablenken, dass gewisse Menschen Defizite beim verstehenden Lesen haben?
    Aber auf jeden Fall wurden mal wieder Phrasen gedroschen…

  24. @ Seldon
    Dann lass es mich anders formulieren und das Reizwort Integration weglassen:
    Die Lösung sozialer Probleme wird meist auf rein materielle Fragen verkürzt, aber sozial umfasst auch Gemeinschaftswerte, in diesem Fall, dass das mutwillige Zerschlagen von Flaschen u. ä. nicht OK ist. Daran scheitert es aber bei einem gewissen Anteil der Bevölkerung, übrigens grundsätzlich erstmal unabhängig von deren Nationalität. Und das löst man auch nicht durch einen höheren Mindestlohn, zur Vertiefung empfehle ich die einschlägigen Sozialstudien über Hooligans.
    Also was fehlt denn nun? Gemeinschtlich akzeptierte und befolgte Werte und Normen? ‚Ne „Leitkultur“? Wie kriegt man die in die Köpfe ALLER hier lebenden Menschen?
    Wenn jeder macht, was er will, also sich nicht in bestimmtem Umfang „unterordnet“ (Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit), geht es eben für alle schief.

  25. Hallo Sharp,
    als kulturelle Einstimmung mal ein Lied von Georg Kreisler:
    https://www.youtube.com/watch?v=WuV1axMUmMs
    (Text:http://www.songtexte.com/songtext/topsy-kuppers-und-georg-kreisler/anders-als-die-andern-bfe9566.html )

    In Prosa: In einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz basiert, ist es so eine Sache mit gemeinschaftlichen Werten. Basis sind natürlich die materiellen Verhältnisse. Gesellschaftliche Beteiligung hat nicht zuletzt finanzielle Voraussetzungen. Asoziales Verhalten von Steuerhinterziehung und Profitmaximierung auf Kosten der Gesellschaft, Selbstbestätigung durch maximalen und rücksichtslosen Konsum führen am anderen Ende der sozialen Skala zu Erfahrungen von Minderwertigkeit und Selbstunwirksamkeit. Da nimmt es nicht Wunder, das ebensolche asozialen Verhaltensweisen mit anderen Mitteln an den Tag gelegt werden.
    Das neoliberale Credo vom eigenen Glück, dessen Schmied man selber sei, führt zu permanenter Frustration, wenn es sich dann eben doch nicht einstellen will.
    Ein Gefühl von und für Gemeinsamkeit setzt entsprechende Erfahrungsräume voraus, die allzuoft dem Profitstreben zum Opfer fallen. Gesellschaftliche Einflußnahme beschränkt sich auf Wahlen, deren Ergebnisse erfahrungsgemäß egal sind.
    Das System schafft Verlierer schon in der Schule, wen wundert es da, dass die Verlierer sich ihre Artuikulationsmöglichkeiten auf anderem Wege suchen.
    Anpassung und Konformität statt Individualismus sind doch die geforderten „Tugenden“.

  26. Seldon, ich habe nicht abgestritten, dass die Entwicklung der letzten beiden Jahrzehnte, gern „Neoliberalismus“ tituliert, bestimmte Probleme sicher verstärkt hat.
    Ich kann aber aus meiner Erfahrung nicht sehen, dass das eigentliche Problem sonst nicht existieren würde. Gleiche materielle Lebensvoraussetzungen und gleiche Bildungsmöglichkeiten würden die ganz banalen Entwicklungsprobleme jedes Menschen (Pubertät, was ist mein Platz im Leben, meine Definition von Glück) nicht aus der Welt schaffen.
    Was wäre denn da der Lösungsansatz?
    Oder mal zurück zum Thema Pfandringe und zertöppertes Glas – Dein Lösungsvorschlag? Kann auch ein ganz einfacher sein ;-)

  27. Ich denke nicht, dass von Dir genannte Entwicklungsprobleme notwendigerweise in Aggressivität und Asozialität münden. Da gibt es schon vielfältige gesellschaftliche Ursachen. Daher fürchte ich, gibt es dbzgl. auch keine einfachen Lösungen. Praktisch pragmatisch sind da Pfandringe schon ein Ansatz, wenn auch kaum ausreichend. Diversifizierung des (Kultur/Jugend/Freiraum)Angebots jenseits von Kneipentourismus ein weiterer. Solange die Neustadt Anlaufpunkt für eventorientierte Konsumenten ist, wird man wohl mit entsprechenden Auswüchsen leben müssen.

  28. grad gefunden extra f. Lenbach + Paule:

    „Gesetzt, sie gehn/gesetzt, dass euer Lärm / Ganz Englands Recht und Würde niederschrie. / Dann stellt euch vor, ihr seht die Fremden, elend, / Mit Lumpenbündeln, Kinder auf dem Rücken, / Wie sie zu Küsten und zu Häfen trotten, / Und ihr sitzt da, als König eurer Wünsche, / Die Staatsmacht starr verstummt vor eurer Wut, / Und ihr gespreizt im Protzornat des Dünkels: / Was habt ihr dann?“
    William Shakespeare: „Die Fremden“. Aus dem Englischen von Frank Günther. DTV, München

  29. Da bin ich jetzt bei Dir.
    Ich habe übrigens nicht gesagt, dass Pubertät und die „Suche nach dem Sinn des Lebens“ NOTWENDIGERWEISE zu aggressiven Exzessen führen.
    Es sind nur gewisse kritische Phasen im Leben jedes Einzelnen, in denen man so oder auch andersrum abbiegen kann. Und die Entscheidung über die Richtung hängt dann meistens nicht in erster Linie von „materieller Benachteiligung“ ab.

    Ansonsten werden wir mit bestimmten Auswüchsen leben müssen, wobei – wenn ich an BRN 1991/92 denke, das Schnittgerinne der Alaune vor der Scheune war voll Scherben, mit einem pannensicheren Reifen hätte man direkt von der Straße auf den Fußweg rollen können, ohne den Bordstein zu spüren… War früher alles besser? Nun, es war nicht jedes WE so, weil der Anteil der Bewohner des Viertels am allabendlichen Publikum höher war als heute und sich da also doch ein wenig regulierte, eigenes Nest und so. Zumindest meine subjektiv gefärbte Erinnerung. Trotzdem trug man grundsätzlich besser Martens als Espadrilles :-)

  30. Lieber Anton, Martens waren nun Anfang der 90er einfach der Szeneschuh. Ich denke, Du warst da schon immer dabei? :-)
    Ich verweise mal auf die anerkannte Kultband F.D.I.O., die sollten nun wirklich frei von z. B. politischen Verdächtigungen sein.
    Und als Farbe geht eigentlich sowieso nur schwarz oder dunkelrot (aka oxblood or bordeaux), Brauntöne auch als Halbschuhe oder Chelsea-Boots für business-casual oder smart-casual…
    Aber wir driften schon wieder ab, Fakt ist sicher, dass die üblichen Deppen auch im Kleidungsstil gern danebenliegen.

  31. Ach abdriften ist doch besser, als den Lenbächern und Paules der Welt die Kommentarspalte zu überlassen.

    Das was Du so nett als bordeaux-rot bezeichnest, hieß bei uns eben Dynamo-Farbe. Und ich mochte die Dinger wirklich nicht. Zu viele unangenehme Berührungen, siehe hier. Aber in der Westendhall habe ich bei nem Konzert mal ein Prachtexemplar eines Skinheads gesehen, der hatte schwarz-weiß karrierte flache Docs.

  32. OK, bei dynamofarben dachte ich jetzt an schwarz-gelb-karierte, solche habe ich irgendwann und irgendwo auch schon mal gesehen…
    Aber ich kannte/kenne eine Menge sehr korrekte Leute mit cherry-roten Martens (noch ein anderer Begriff für die gleiche Farbe :-), die auch heute noch solche Schuhe tragen – vielleicht etwas seltener ;-) – und auch viele Knallköpfe. Kann gerade den Eintrag mit der Diskussion zum Graffitti „Keine Bachmänner und Kuhmäuler in der Neustadt“ nicht finden, wobei ich letztere Person nicht unter die üblichen Deppen zählen würde… Wäre hier ein passender Link.

    Wie auch immer, muss mir jetzt endlich mal Peter Richters 89/90 beschaffen, auch wenn es mit dem Lesen wohl noch bis zum nächsten Urlaub dauern wird…

  33. @Anton: Was sind Coschützer?
    Sorry, dass ich hier noch etwas schreibe, bin aber neugierig. ^^

    Ansonsten finde ich die Ringe eine gute Sache. Nicht nur wegen der (hoffentlich) weniger Scherben, sondern weil die Flaschensammler jetzt vielleicht nicht mehr jeden ansprechen müssen, was bestimmt auch nicht das Angenehmste für sie ist.
    Versuch ist es allemal wert und der Erfolg wird sich zeigen.

  34. Danke! :o)
    Auch für alles, was ich auf deinem Blog lesen durfte und dafür, dass dein Blog auch „Schuld“ daran hatte, dass ich von weit weit weg „rüber gemacht“ habe!

  35. @Anton:
    Andere Menschen würden es einen Umzug nennen, aber für mich war es eine Befreiung, und nach über einem Jahr in der Neustadt kann ich sagen, dass ich mich nicht geirrt habe.

    Wichtig war für mich, mehr als ein Jahr lang, jeden Morgen auf der Arbeit in weit weit weg deinen Blog und andere Sachen aus Dresden zu studieren, um meine Antwort auf die Frage zu prüfen, ob ich hier hin ziehen möchte.

    Für meine Leute und mich war es mehr als spannend, und für mich bleibt es sehr spannend, da ich noch viele Sachen unentdeckt wähne und mich jeden(!) Tag freue, hier zu sein.

    Für mich bleibt es also spannend und ich freue mich über jede neue Erfahrung.
    Und du hast auch Schuld daran! Eigentlich bist du der Hauptschuldige! :o)

    Danke!!! :o)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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