Jacqueline Muth – Die Linke

Jacqueline Muth - Die Linke

Jacqueline Muth – Die Linke

Ich treffe Jacqueline Muth auf dem Gelände des Freiraum Elbtal – natürlich. Denn über das Gelände und den Verein dazu kam sie zur Politik. Das sie nun die Spitzenkandidatin für die Linke ist, obwohl sie noch nicht mal Mitglied der Partei ist, hat auch was mit der Quotenreglung zu tun.

Wenn sich die 32-Jährige mal nicht mit Wahlkampf oder der Organisation des Vereins beschäftigt, betreibt sie am Puschkinplatz ein Keramik-Atelier. An der Hochschule für Bildende Künste Dresden hat sie ihr Diplom in „Bildender Kunst“ erworben, in der Neustadt. Das Viertel mag sie, weil hier alles so nah ist, man lebt wie in einer riesigen Wohngemeischaft, berichtet sie.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in der Neustadt immer wieder Raubüberfälle, was könnte man Ihrer Meinung nach tun?
Es gab in diesem Jahr Überfälle. Aber ich denke, es wäre Unsinn, daraus abzuleiten, dass man mehr Überwachungskameras braucht. Oder das die Leute sich nachts einschließen sollen. Was in meinen Augen der Sicherheit zuträglich ist, wenn man einer Entmischung des Stadtteils entgegenwirkt. Wenn man dafür sorgt, dass es keine Gebiete mit nur Reichen oder Gebiete mit nur Armen gibt. Was ich alarmierend finde, ist, dass resultierend aus diesen Überfällen, bei denen immer wieder hervorgehoben wurde, dass es Ausländer waren, dass dadurch der Rassismus angetrieben wird und das Unsicherheitsgefühl der Bewohner gesteigert wird.

Ordnung und Sauberkeit auf dem Alaunplatz, was ist Ihr Konzept?
Die Unterflur-Mülleimer sind schlecht konzipiert. Vielleicht sind die groß genug, aber die Eingänge sind zu klein und zu oft verstopft. Immer wenn ich im Alaunpark bin, sind die Mülleimer voll. Klar gibt es Leute, die ihren Müll liegen lassen. Das ist nicht in Ordnung, aber ich glaube nicht, dass das gesamte Ordnungsproblem in der Neustadt daran liegt, dass die Leute ihren Müll in der Gegend rumschmeißen. Die Lösung könnten verbesserte Mülleimer und mehr Mülleimer sein.

Die Künstlerin engagiert sich für das Gelände.

Die Künstlerin engagiert sich für das Gelände.

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Königsbrücker Straße ausgebaut werden?
Was sich genau machen lässt, da die Entscheidung schon getroffen wurde, wird sich dann zeigen. Ich bin auf jeden Fall gegen den überbreiten Ausbau. Ich finde auch die Argumentation dafür sehr dünn. Wenn man sich nur auf Fördermittel beruft und Verkehrszahlen außer Acht lässt. Ich bin strikt dagegen und sehr für einen kiez-verträglichen Ausbau. Die Idealvorstellung wäre, dass es weiterhin zweispurig bleibt. Das die Fußwege erneuert Radwege geschaffen werden, die Gärten und Bäume erhalten bleiben.

An der Leipziger Straße soll ein Kaufhaus gebaut werden, wie ist Ihre Meinung dazu?
Die Situation hat sich verkompliziert, da inzwischen Globus Eigentümer des Grundstücks ist. Das heißt, jetzt müsste man dem Eigentümer sagen, was er tun darf. Das ist eine andere Situation als vor dem Kauf im September 2013, als Globus das Grundstück noch nicht besessen hat. Auf dieser Grundlage müsste man überlegen, welche Wege es jetzt gibt.
Was ich daran sehr stark kritisiere, ist, dass bei Globus genau wie Hafencity und Kaufland, das hier gegenüber gekauft hat, nicht das Quartier im Gesamten geplant wird, wie es ursprünglich mal angedacht war, sondern dass es eben die gesamte Gebietsplanung aushebelt. Jetzt setzen sich hier große Player rein und der Rest muss gucken, wie er sich drum herum organisiert. Dieses Gebiet sollte konsequent im Gesamten geplant werden, sonst entsteht hier der nächste Super-Gau. Die Leipziger Straße ist jetzt schon schwierig, was die Verkehrsauslastung angeht. Der Stadtrat sollte sich ganz konsequent auf den Masterplan berufen und sich nicht von den Investoren vor sich hertreiben zu lassen.

Mietentwicklung in der Dresdner Neustadt, sollte man die bremsen oder dem freien Markt überlassen?
Es muss dagegen gewirkt werden. Es ist illusorisch, davon auszugehen, dass die Investoren von sich aus bereit sind, Wohnungen zu verträglichen Mieten anzubieten. Das muss die Stadt machen. Wir sammeln Unterschriften für die Neugründung einer städtischen Wohnungsgenossenschaft, die die Woba ersetzt, die 2006 verkauft wurde. Die Stadt könnte mit dem Mietpreisspiegel arbeiten und so extreme Mietsteigerungen verhindern.

    Frau Muth, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch fand auf dem Gelände des "Freiraum Elbtal" statt.

Das Gespräch fand auf dem Gelände des „Freiraum Elbtal“ statt.

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22 Kommentare zu “Jacqueline Muth – Die Linke

  1. Smile
    22. Mai 2014 at 11:26

    Na Lächeln scheint nicht gerade ihre Stärke zu sein! Meine Stimmt hat sie trozdem. ;-)

  2. nepumuk
    22. Mai 2014 at 12:17

    lächeln ist spassgesellschaft, hier gehts um was. und da kann einem überall das lachen vergehen. vielleicht fliegt morgen nochmal die torte (bildlich) – dann wird gelächelt.

  3. Martin aus der City
    22. Mai 2014 at 12:59

    Ich finde Frau Muth ist die einzige wählbare Alternative (auf Platz 1), die sich in der Neustadt bietet. Nicht nur diese Versprechungen vor der Wahl bzw. diese schon benannte Spaßgesellschaft, sondern Aussagen, die Hand und Fuß haben. Vielen Dank für diese Einblicke! Ich werde Sie wählen, Frau Muth!

  4. christoph
    22. Mai 2014 at 17:59

    …riesige Wohngemeinschaft… so ein Schwachsinn!

  5. anni
    22. Mai 2014 at 20:59

    Die sollen doch mal die Listen für die genannten Unterschriftensammlungen zur Neugründung einer ,,WOBA“ möglichst breit auslegen und auch im Internet per Internet zum unterschreiben die Listen anlegen.

  6. wahl-o-mat
    22. Mai 2014 at 21:17

    Ich habe heute ein Wahlplakat der Muth gesehen (vor der Post), welches mit einem Flyer überklebt war, der diese Dame & ihr politisches Dasein sehr kritisch beäugt

    Wenn auch nur ansatzweise was an den dort genannten Vorwürfen dran ist, dann ist diese Frau eher ein unwählbarer Wendehals als eine Linke!

  7. E-Haller
    22. Mai 2014 at 21:18

    Wenn sie jetzt noch bissl Ahnung hätte… Nur weil Globus das Gelände gehört, ergibt sich daraus noch lange keine neue Situation. Das kennt jeder Grundstücksbesitzer, welcher sein z.B. Grünland mit einem Haus bebauen will: er darf nicht, wenn z.B. im Flächennutzungsplan was anderes steht. Da kann es sich um seinen Grund und Boden handeln, wie es will…

    Trifft ja auch auf das Elb-Freiraum-Gelände zu: es gehört Bauwilligen, die nicht bauen dürfen. Genau das selbe hätte man auch beim Globus machen können. Die Linken drehen sich den Globus-Fall schön zurecht – Enttäuschend!

  8. s.
    22. Mai 2014 at 22:54

    @E-Haller
    warum wurde es denn globus verkauft, wenn man nicht will das da ein globusmarkt entsteht? und diese frage stellt sich eben auch frau muth. der freiraum elbtal ist schon ewig in privatbesitz. lässt sich also mit dem „Globus-Fall“ nicht vergleichen.
    nun, wer dreht sich hier was zurecht?

  9. HechtImKarpfenteich
    23. Mai 2014 at 02:14

    Mich interessiert an der ganzen Globus-Debatte eigentlich nur der Preis, zu dem sich die LINKE hat kaufen lassen. Ich unterstelle keine Spenden an , sondern nur Deals, die zwischen GLOBUS und der LINKEN zugunsten der Freiräum Elbtal Leuten gelaufen sind. Dann ist allerdings auch wieder Jaqueline Muht gefragt, solche Gerüchte aufzuklären. Hoffe bis Sonntag etwas Erhellendes zu hören.

  10. E-Haller
    23. Mai 2014 at 09:08

    @s: Tja – da kommen wir mal wieder in der Realität an. Es ist eben doch mit dem Freiraum zu vergleichen: auch das Globus-Gelände ist seit ewig im PRIVATbesitz. Und von dem Privaten hat Globus gekauft…fertig.

    Komisch, dass hier so mancher denkt, dass jeder Grundstücksverkauf in der Stadt „durch die Stadt“ erfolgt. So reich ist DD eben doch nicht…

    Ich gebe Dir Deine letzte Frage hiermit zurück ;)

  11. Vorbeifahrer
    23. Mai 2014 at 09:33

    mir ist völlig unklar wieso sich Frau Muth, mit ihren hier geäußerten Positionen, ausgerechnet den Linken anschließt?
    WOBA-Verkauf? mit den Stimmen der Linken!
    Globus-Ansiedlung? Durch Enthaltung der Linken de-facto Zustimmung!
    Wie gesagt, ich verstehe es nicht.

  12. Dirk
    23. Mai 2014 at 09:43

    Die Antwort zu den Raubüberfällen ist schon echt eine Dreistigkeit! Es zählen nicht die Opfer, Neeeein.. wichtig ist dass erst einmal anders darüber berichtet wird und natürlich kommen Fakten – was man nicht zu tun hat. Positionierung zu Lösungen können Linke nicht. Ich will wissen was ich für Lösungen wähle. Nachfragen wäre das nächste Mal toll, die Frage lautete ja was man tun kann.

  13. ein anderer Stefan
    23. Mai 2014 at 09:46

    @ E-Haller: Richtig. Das Gelände gehörte früher der Bahn, die in eine AG umgewandelt wurde. Somit ist das ein privatrechtliches Unternehmen, das Grundstücke kaufen und verkaufen kann, wie es ihm beliebt. Da hat die Stadt nix zu melden, es sei denn, es ergibt sich aus irgendeinem Grund ein Vorkaufsrecht, und dieses wird dann auch ausgeübt – wobei ich letzteres für nahezu ausgeschlossen halte, da die Stadt ja derzeit alles verkauft, was geht. (Was ich langfristig gesehen für falsch halte, da damit auch Steuerungsnöglichkeiten im Grundstücksbereich aufgegeben werden. Aber das ist halt klassische neoliberale Politik – der „schlanke Staat“ ist das Ziel, möglichst ohne Einfluss.)

  14. Chris
    23. Mai 2014 at 10:47

    Die Aussage zum Alaunplatz ist der Hammer. Natürlich liegt es daran, dass die Leute ihren Müll liegen lassen – und nur daran. Selbst wenn keine einzige Mülltonne dort stehen würde, wäre es inakzeptabel da seinen Müll liegen zu lassen.

  15. Seldon
    23. Mai 2014 at 10:49

    @Dirk:
    steht doch was da:
    „Was in meinen Augen der Sicherheit zuträglich ist, wenn man einer Entmischung des Stadtteils entgegenwirkt. Wenn man dafür sorgt, dass es keine Gebiete mit nur Reichen oder Gebiete mit nur Armen gibt.“ Kann man drüber diskutieren, ob da was dran ist oder nicht, aber zumindest hat sie die Frage imho schon beantwortet…

  16. nepumuk
    23. Mai 2014 at 15:25

    erstaunlich, auch die müllanalyse ist vollkommen richtig – als eine von ganz wenigen. zu globus hatte sie sich bereits von den „enthaltern“ distanziert. mehr als kurzstatements sind in den medien eh nicht möglich, das ist doch hier kein aufklärungs-stadel für jedermann. insofern gehts bei allen kandidatinnen und -daten ok. huch, ich hab ja schön gewääählt. basta.

  17. Lenbach
    23. Mai 2014 at 16:29

    @Seldon

    Inwiefern ist das der Sicherheit zuträglich? Wurden in letzter Zeit Reiche von Reichen überfallen? Oder Arme von Armen? Wäre es besser, wenn Arme Reiche überfallen? Oder umgekehrt?

  18. Wo?
    24. Mai 2014 at 09:09

    Was redet die da von Unterflurmülleimern? Wo ist denn im Park einer? Ich hab schon öfter die Leerung mitbekommen, da sind ganz normale Plastikeimer drin, die zum leeren rausgeholt werden.

  19. 24. Mai 2014 at 10:08

    Die sind an den Ausgängen und am Marktplatz. Sehen genauso aus wie die anderen.

  20. anni
    24. Mai 2014 at 11:10

    Unterflur: weil in der Erde – unter der Flora. Man – Frau sieht davon oberirdisch nur den kleinen metallenen Einwurfkasten mit Einwurföffnung.

  21. Wo?
    24. Mai 2014 at 15:44

    Ich wohne mit Blick auf einen Ausgang des Parks und da ist definitiv weit und breit KEIN Unterflurmülleimer!

    @anni: Ach, wirklich? Meinst du, die Leute hier sind unterbelichtet und wissen das nicht, was das ist??

  22. 24. Mai 2014 at 16:00

    Guckst Du hier:

    Unterflur-Papierkorb

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