Parken und der weite Weg zum Auto

Kürzlich bei einer Infoveranstaltung von Bogenviertel-Verbesserern: Anwohner springen empört von ihren Stühlen und beschweren sich, dass ihre Parkplätze entfernt wurden. Eine Bürgerinitiative hat sich bereits gegründet. Vor einer kleinen Weile sprach ein lockiger Mitarbeiter eines sächsischen Heimatsenders sogar von der Ermordung von Parkplätzen. Offenbar ein Thema, dass den Bewohner ins Mark trifft. Auf der eingangs erwähnten Info-Veranstaltung hielt ein Mann der Stadtverwaltung entgegen, dass die Parkplatz-Situation in Dresden ziemlich entspannt sei und dass man sich gerne mal in anderen Städten umsehen könne.

Aber wutentbrannte Bürger sind nicht bereit zu vergleichen. Ein Stellplatz fürs Wägelchen darf auf keinen Fall weiter als zehn Meter von der heimischen Pantoffel-Abstell-Fläche entfernt sein, sonst wird protestiert. Wie das in einem eng bebauten Viertel mit mehr als zehn Mietparteien pro 20 Meter Hausfassade funktionieren soll, bleibt weiter unklar. Dabei muss ich dem Stadtverwaltungsmenschen durchaus recht geben. Wer schon einmal durch Köln oder München auf der Suche nach einem Parkplatz war, dem wird die Neustadt wie das Parkplatz-Schlaraffenland vorkommen. Über freie und warme Plätze habe ich vor kurzem erst berichtet. Aber auch auf den Straßen findet man außer Freitag und Sonnabend Abend eigentlich immer noch ein Plätzchen.

Auf eingangs erwähnter Info-Veranstaltung rief denn auch ein älterer Herr, die Autos seien doch sowieso Klimakiller und gehörten abgeschafft. Wer will sich diesem Argument entziehen?


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34 Kommentare zu “Parken und der weite Weg zum Auto

  1. Richtig so! Der Faulheit gehört Einhalt geboten und Stadtenwticklung sollte vor Verkerhsentwicklung kommen – damit wir Stadtteile haben in denen man in erster Linie gut leben und erst in zweiter Linie gut Auto fahren kann.

  2. Nicht jeder der ein Auto vor der Tür stehen hat ist ein Faulpalz. Es gibt auch Leute die kau einen Meter laufen können und aufs Auto angwiesen sind. (Ältere, Behinderte, große Familien mit großen Einkaufen, Umzüge etc.) von daher sind Nahe Parkplätze schon sinnvoll. Und in den nächsten 50Jahren wir die Zahl der Autos in Dtl. nicht zurück gehen. (Sagt jemand der Jahrelang auf ein KFZ verzichtete).

    München und Köln sind zudem nicht mit DD vergleichbar, da (zumindest in München weiß ich es genau) sich unter den Wohnhäuseren riesige Fahrzeuggaragen befinden in denen die Anwohner ihre Fahrzeuge wohnnah abstellen können. Fremdparker sind natürlich weiterhin angeschmiert aber die oben geannten Gruppen danken es den Stad/Hausplanern.

    Selbst bei mir in Johannstadt finde ich nach 23Uhr keinen Parkplatz mehr. Was sehr nervig ist wenn man wie ich immer viel Zeug herumschlept (Instrumente,Computer, Autositze, Einkäufe krimskrams)

    viele Grüße,
    Rob

  3. Von solchen Sammelgaragen hab ich aus Düsseldorf gehört. Kosten für einen Stellplatz pro Monat dort in einer zugegebenermaßen etwas besseren Gegend 400,- Euro/Monat.

  4. @Robert
    oh.. ich glaub schon dass in den nächsten 50 Jahren die Menge an PKW „drastisch“ sinken wird… einfach weil Energie teuerer wird und es billiger wird mehr Geld für eine Wohnung nahe am Arbeitsplatz zu bezahlen als jeden Tag größere Strecken zurückzulegen. Die Tendenz sehe ich zumindest in meinem Bekanntenkreis schon so langsam.
    Natürlich bräuchte man dafür sinnvolle ÖPNV (und damit wars das momentan für die meisten Städte).

    Was bleibt ist momentan halt auch immer die Frage was man als Stadt fördern will. Will man mehr Parkplätze anlegen, oder denkt man sich ein anderes Konzept aus? Wenn es so unbequem wird in der Neustadt zu parken, werden sich die Leute halt andere Varianten suchen. Das kann Nutzung der Straßenbahn sein, Bau von neuen Tiefgaragen oder halt auch einfach ein Umzug in einen anderen Stadtteil.

  5. Der Anspruch der Leute, in jeder Wohnlage alle Vorteile, die es so gibt, genießen zu können, ist eben einfach unrealistisch. Gründerzeitwohnung heißt Parkplatzproblem. Eigenheim auf grüner Wiese heißt, für jede Packung Milch mit dem Auto fahren. Plattenbau in Gorbitz heißt eben Plattenbauwohnung. Ich wundere mich auf solchen Veranstaltungen echt über den fehlenden Realismus mancher Mitbürger oder besser die „Naivität“ bei Wohnstandortentscheidungen.

  6. Tolle Diskussion hier… schön zu sehen was der Herr Launer von den 2 Stunden Einwohnerversammlung so mitgenommen hat!

    Ich war auch einer derjenigen, die sich erlaubt haben mal nachzufragen, warum jede Veränderung im öffentlichen Raum zu weniger Stellflächen führt. Den Anwohnern in der Diskussion am Montag ging es hauptsächlich um die Wahrung des Status Quo der letzten Jahre und etwas Kulanz auf Seiten des Ordnungsamtes. Statt dessen wird der „Parkdruck“ mit den Umbaumaßnahmen weiter erhöht, und Knöllchen werden deutlich öfter verteilt…
    Das an der Fritz-Reuter-Straße mit der beknackten Parkverbotsbeschilderung die Grünen (!) der Stadt auf die Finger hauen müssen, um das Parken wieder möglich zu machen, ist schon erstaunlich.

  7. wenn ich ca. 5.45 das Haus verlasse um von ständig wechselnden Arbeisstellen so ca. 18.00 wieder zu Hause bin, dann habe ich, mit Verlaub, keine Lust mich weder stundenlang auf Parkplatzsuche zu begeben, noch will ich dann ewig nach Hause laufen! Diesen unrealistischen Schwachsinn mit den ÖPNV kann doch bitte der Student wahrnehmen, der reglemäßig in die Uni oder sonstwohin muß. Mir helfen der ÖPNV nicht im geringesten, sondern würden meinen Arbeitstag nur locker um 2 Stunden verlängern
    wenn mich diese Stadt noch weiter mit solchen Aktionen im südlichen hecht nervt, werde ich (mit meinen nicht wenig Lohnsteuern) das Umland aufsuchen und dann dort wohnen

    fertsch…^^

  8. Ich empfehle dem Bogenviertel eine ähliche Parkraumnutzung wie hier in der Neustadt. Also mit Parkautomaten und Anwohnerausweisen.

    Bevor es jetzt gleich Proteste hagelt, möchte ich das kurz erläutern. Als das hier vor paar Jahren losging, dachte ich auch erst: „Aha, eine neue Abzocke“. Aber das ist es gar nicht. Es hat nämlich als erstes mal dazu geführt, das hier nicht Autos wochen- oder monatelang rumstehen deren Besitzer gar nicht hier wohnen (Ich erinnere mich an Autos auf der Alaunstrasse unter den dick der Staub lag). Sondern, wer keinen Ausweiß hat und demzufolge auch nicht hier wohnt, kann für die paar Stündchen auch mal was zahlen.

    Dann dachte ich, die 50€ für zwei Jahre für Anwohner seien die Abzocke, aber nein, auch das nicht. Denn schließlich wird durch die Maßnahme Platz geschaffen für die Anwohner, die davon profitieren, dass jetzt mehr Platz da ist. Und da nicht alle Bowohner Autofahrer sind, sollten für die Kosten dieser Maßnahme auch die zahlen, die Auto fahren.

    Anton hat übrigens recht, in der Neustadt findet sich immer ein Plätzchen (selbst Samstag abend, denn die Gastparker hauen ja auch wieder ab), und wie ich finde heute viel einfacher als vor den Parkautomaten und Anwohnerausweisen.

  9. Ich hätte nix gegen so eine Lösung –
    obwohl, jetzt wo das Newtown zu ist, wird es auch an ChampionsLeague-Fußball-Abenden leichter sein…

    PS: das Thema Garagenmiete wurde von dem Vertreter der Stadt auch angesprochen, aber da reden viele wie Blinde von der Farbe. Wer z.B. einen Golf fährt, bekommt den nur mit Müh und Not in so ’ne Trabbi-Garage, und mit einem Mondeo oder Passat kann man’s ganz vergessen.

  10. Ich träume schon seit Ewigkeiten von einer Fussgängerzone-Neustadt, mit Zugang für Autos für die, die es wirklich brauchen. Nicht mehr…

    Was wäre das dann für ein gemütliches Viertel…

  11. @ Pabba: Ich habe mal einen Steuerberater getroffen, der die Wege zu seinen Klienten permanent mit Bus und Bahn erledigte. Klar dauere es etwas länger, aber so habe er die Gelegenheit, die Fahrzeit gleich für produktive Arbeit zu nutzen.
    Außerdem: Ob der ÖPNV Deinen Arbeitstag um 2 Stunden verlängert oder du stundenlang auf Parkplatzsuche bist, kommt doch aufs Gleiche raus.

  12. Kann den ständigen Parkplatzabbau in der Neustadt, Hechtviertel, Bogenviertel nicht nachvollziehen. Einerseits verlangen alle Mobilität andererseits verhindern sie diese.

    Ich persöhnlich bin beruflich auf mein Auto angewiesen!

    Dann soll die Stadt halt erschwingliche Parkhäuser bauen, ich wäre ja für am Russensportplatz oder unterhalb des Alaunparks :)

  13. @Dom
    von welchem Geld? Und willst du Jahrelang wirklich auf den Alaunpark verzichten, dort Bäume fällen, nur damit du dort in 4-5 Jahren großflächig drunter Parken kannst?

    Ich wäre ja viel mehr dafür irgendwo außerhalb große Parkplätze einzurichten, zu denen man per ÖPNV in kürzester Zeit hinkommt und den ganzen Stadtteil so weit wie möglich komplett für Autos zu sperren. Reinfahren und ausladen gerne… aber Parken?

  14. @ Jonk: Wenn vor ein Haus im Hecht sagen wir mal 4 Autos passen, in dem Haus aber 12 Familien wohnen – wieviel Stellplätze fehlen dann? Die Stadt hat eine Regelung wie in der Neustadt für das Gebiet bereits untersuchen lassen. Ergebniss: die Nachfrage kommt durch die Anwohner, da nützen Parkausweise garnix.

    Im Gegensatz zur Neustadt ist der Anteil gebietsfremder Parker Abends eben gering. Tagsüber bekommt man einen Platz – der Hecht läuft erst Abends zu.

    @ Thomas
    Es gibt übrigens auch Interessenten, die zeitgemäße Garagen bauen wollen. Die müssten dann allerdings auch entsprechend bezahlt werden und liegen nicht unbedingt direkt vor der Haustür.

  15. @ MaSc: Das Argument mit den wenigen gebietsfremden Parkern habe ich in einer der früheren Versammlungen auch gehört. Klingt für mich auch durchaus plausibel. Mit zwei Einschränkungen.
    1. Wird sich vielleicht der eine oder andere eher für einen Dauerstellplatz entscheiden.
    2. Entfallen Langzeitparker, zum Beispiel Neustädter, die ihr Auto nur selten benutzen und deshalb kostengünstig jenseits des Bahndamms abstellen.
    Nun kann man sich streiten, ob das erheblich ist, oder nicht. Dafür fehlen uns die Statistiken.

    @ Dr. Azrael Tod: Wozu außerhalb Parkhäuser bauen, wenn die innerhalb der Neustadt noch nichtmal ausreichend genutzt werden.

  16. Meine Beobachtung für Conrad- und Friedensstraße ist eher, dass es überhaupt kein Problem ist, am Wochenende und unter der Woche vor 19 Uhr einen Parkplatz zu bekommen. Selbst in den Zeiten als in der Lößnitzstr. und rund um den Bischofsplatz wegen der Baustellen viele Plätze nicht nutzbar waren, schien mir das nicht groß anders zu sein. Unter der Woche nach 19 Uhr sieht es dann – zugegeben – ganz anders aus… Mir fällt allerdings auch auf, dass im Moment vor den Recyclingcontainern ziemlich viele Knöllchen verteilt werden und dass da sogar abgeschleppt wird. Das finde ich angesichts der vielen Parker, die Gehwegauf- und -abgänge zuparken nicht ganz nachvollziehbar. Die finde ich sehr viel störender…

  17. @ Jonk: Plätzchen? In der Neustadt, Samstag Abend?

    Wir wohnen auf der Sebnitzer und haben die Erfahrung gemacht, dass man tagsüber eigentlich immer was findet – nicht aber ab ca. 16 Uhr, wenn viele von der Arbeit wiederkommen.

    Zu den anderen Zeiten müssen wir oft auf die Hohnsteiner, Prißnitz-, Baum- oder Bachstraße ausweichen. Das ist im großen und ganzen schon okay, wenn wir beispielsweise eingekauft haben, laden wir halt erst aus und suchen dann einen Parkplatz. Aber etwas genervt sind wir schon.

  18. Ich würde mein Auto gerne mit ins Bett nehmen. Leider wurde bei der Sanierung der Neustadt vergessen, überall ausreichend breite Haustüren einzubauen. Wie soll ich jetzt vom Schlafzimmer aufs Klo kommen?

  19. @ Anton:

    Der Unterschied zwischen 25€/Jahr fürs Anwohnerparken gegenüber mind. 25 €/MONAT für einen Stellplatz ist so groß, dass sich niemand deswegen für einen Dauerstellplatz entscheidet. Das tut jemand, der es leid ist, jeden Abend seinen Platz zu suchen und dafür neben den Kosten auch einen gewissen Fußweg zum Parkplatz in Kauf nimmt.

    Man darf übrigens laut den Regelungen zum Anwohnerparken Fremdnutzer nicht ausschließen. Zwischen 18 und 9 Uhr dürfen in Gebieten maximal 75 % exklusiv den Anwohnern zur Verfügung gestellt werden. Das hängt mit dem Gemeingebrauch von ÖFFENTLICHEN Sraßen zusammen. Neustädter sind also zu tolerieren ;). Diese Regelung ist auch irgendwo logisch: spätestens wenn man Besuch von Verwandschaft oder Freunden (mit dem Auto) bekommt, würde man einen reinen Anwohnerparkbereich bescheuert finden…

  20. @ MaSc: Bei mir war das damals der letzte Anstoß, der mich zu einem Stellplatz verleitet hatte. Das mit den Fremdnutzern hab ich auch schon gehört, mit den derzeit in der Neustadt aktiven Regeln wird das ja auch nicht vermieden, nur dass die Fremdnutzer eben Parkscheine ziehen müssen.

  21. Na dann eben als der letzte Anstoß. Ausschließlich um die 25 € zu sparen wird es niemand machen.

    Ist doch ein leidiges Thema: wer in den Hecht oder die Neustadt zieht, sollte sich bewußt sein, dass es mit dem Parken schwierig wird.

  22. @MaSc: Und die, die schon seit 10 Jahren da wohnen, sollen jetzt gefälligst woanders hinziehen? Als wir da hingezogen sind, war es bei weitem nicht so schwierig wie in den letzten 1-2 Jahren!

    Bloß zur Info eine Information aus den Versammlungen: seit 2001/02 hat sich die Einwohnerzahl im Bogenviertel *verdoppelt*, da viele Gebäude endlich saniert wurden (z.B. der ganze Block südlich der Lößnitzstraße) — eine Entwicklung die sich so in der äußeren Neustadt nicht zugetragen hat…

  23. Natürlich hat sich die Entwicklung so auch in der Neustadt stattgefunden – nur eben paar Jahre eher.

    Es ist nunmal so: das Viertel wird als Wohngebiet attraktiver (Gentrification) und damit nimmt der Parkdruck zu.

    Aber damit steigt auch die Attraktivität für Eigentümer, Stellplätze auf irgendwelchen Grundstücke (z.B. DREWAG-Gelände) zu schaffen – die dann allerdings zu bezahlen sind.

    Oder wie wär’s mit Stellplätzen nur für Anwohner, die länger als 5 Jahre da wohnen!? ;)

  24. @ Thomas: Als ich in die Neustadt gezogen bin, stand alle 20 Meter ein Auto. Juchhu. Ich wünsch mir die Zeit zurück. Obwohl, damals interessierte mich das gar nicht, da ich kein Auto besaß.

  25. Guckt mal bei Google Earth oder Maps. Auf dem Luftbild vom 23.Feb.2003 sind das ja paradiesische Zustände für Parkplatzsuchende im Bogenvirtel. Unterstützt irgendwie die Theorie von MaSc.

    Das Gelände der Drewag nutzen finde ich einen sehr guten Vorschlag. Da ist wirklich ein haufen ungenutzter Platz. Aber mit Anwohnerdingsbums, sonst müllt der zu mit Fremdparkern.

  26. stellt euch mal an den Albertplatz und zählt die PKW, in denen mehr als eine Person sitzt – krass.
    Um 70kg Mensch durch die Gegend zu schieben, fahren 1000kg PKW mit – ist doch irre!
    Bestimmt können viele der Bogenviertelbewohner auf die Kiste verzichten – wenn sie denn wollten ;-)
    Ich gebe zu, der ÖPNV verdient einige Verbesserungen, um mehr davon zu überzeugen, z.B. gratis, engeres Netz, kürzere Taktung, bessere Routen, … (träum weiter!)
    F.

  27. ÖNPV ist nicht für jeden eine Lösung. Bin beruflich immer mit dem Auto außerhalb von Dresden zum Kunden unterwegs. Finde aber, dass seit der Anwohnerregelung es bei uns auf dem Bischofsweg leichter ist was zu finden.
    Ich habe großen Respekt vor allen, die mir dem Rad fahren. Die Fahrradwege sind nur leider immernoch sooooo schlecht. Wenn es rein um die Fortbewegung in der Stadt geht ist das die beste Lösung.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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