Cocktails durch die Nudel

Sascha Reiher präsentiert: Pastahalme
Sascha Reiher präsentiert: Pastahalme
Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Ozeanen. Die EU-Kommission hatte im Mai Pläne vorgestellt, Geschirr und Besteck aus Plaste zu verbieten. Auch Einweg-Trinkhalme soll es künftig nicht mehr geben. Wann diese Pläne in eine gesetzliche Regelung umgesetzt werden, ist noch offen. Doch ein Neustädter Gastronom hat schon jetzt eine Lösung. Nach verschiedenen Versuchen ist er jetzt auf die Nudel gekommen.

Wie selbstverständlich steckt Sascha Reiher die dicke Zita in einen Drink, schiebt ihn mir rüber, ich soll probieren. Im ersten Moment ist es ungewohnt. Die Nudel, die eine etwas dickere Form der Maccheroni ist, fühlt sich etwas rauh an den Lippen an. Doch die Flüssigkeit flutscht gut hindurch, der Durchmesser ist ungefähr genauso groß wie ein normaler Plaste-Strohhalm. Nur knicken kann ich ihn nicht.

„Nachhaltigkeit wird immer wichtiger“, sagt Sascha. Als erstes habe er es mit Papierstrohhalmen probiert. Aber die blieben an den Lippen kleben. „Das ist ein Gefühl, wie wenn Kreide an der Tafel quietscht“, berichtet der Kneiper. Außerdem gab es die Papierprodukte zu einem vertretbaren Preis nur aus China – mit dem Transportweg sei das nun wirklich nicht nachhaltig. Abschreckend wirkte auch, dass jedes Bündel Papierstrohhalme in Plaste verpackt war. So blieb es bei diesem Versuch.

Pastahalm im Cocktail
Pastahalm im Cocktail
Dann kam die Idee mit den Makkaroni, die waren aber zu dünn. Bei einem italienischen Spezialitätenhändler wurde er fündig. Ziti oder Zitoni heißen die etwas dickeren Nudeln, die der Barkeeper dann auf die jeweilige Länge zurecht bricht. „Der Pastahändler hat mir erzählt, dass jemand aus Prag anreist und auch immer die Ziti kauft, offenbar ist man dort auf die gleiche Idee gekommen“, sagt Sascha. Das Publikum hat die Nudel im Cocktail gut angenommen.


Anzeige

Palais-Sommer

Die Pasta aus Hartweizengrieß erweist sich als stabil, auch nach einer Viertelstunde im Drink ist sie noch nicht weich oder aufgequollen. Die Reste werden über den Bio-Müll entsorgt. Die Kosten für die umweltfreundliche Pasta-Trinkhalm-Alternative sind nur geringfügig höher als für die alten Plastehalme. Nach ein paar Testwochen stand fest: In Saschas drei Kneipen, dem Wohnzimmer, dem Madness und der Schokoladenbar gibt’s Cocktails jetzt durch die Nudel.

20 Kommentare zu “Cocktails durch die Nudel

  1. @christoph

    allemal besser als Plastik und ein Schritt in die richtige Richtung.
    was sind deine Ideen gegen die Verschmutzung der Welt mit Plastik?

  2. @christoph
    Das einfachste Beispiel, das mit sofort einfällt ist Caipirinha. Schon mal ohne Halm probiert?
    An den süßen Rohrzucker kommst du eben nur mit.. und ohne schmeckt es..

  3. @ zombie

    ich dachte die Hochzeit dieses Gesöffs wäre vorüber ;D …dein technisches Problemchen kann ich nachvollziehen, aber es tangiert mich nicht

    Ich finde die Idee einfach beschissen ein Lebensmittel so zu verballern. Aber scheinbar bin ich hier der einzige, der das merkwürdig findet.

  4. @oha&christoph nur essbare Halme können meiner Meinung nach überhaupt nachhaltig sein und Pasta sind gewissermaßen „Stroh“halme. Die im Handel erhältlichen Strohhalme wachsen auch nicht fertig auf dem Feld und sind im Durchmesser viel zu dünn für Milchshakes etc. Unsere Gäste knabbern auch gerne. Es ist für mich ok, dass etwas bemängelt wird. 100% d’ac­cord ist immer schwierig. Kommunikatives „beschissen“ muss aber nicht sein. (Glas oder Metall ist für uns nicht händelbar und durch starke Reinigung auch schwierig. Gedanken hab ich mir gemacht. Freu mich dennoch über konstruktives Feedback) Sonnige Grüße, Sascha

  5. @ Sascha… wenn ich eine Idee so ausgesprochen schlecht finde, halte ich meine Wortwahl schon für angemessen.

    Ich finde es ziemlich daneben, gerade wenn man bedenkt, wie viele Lebensmittel eh schon weg geworfen werden, noch mehr hinterher zu schmeißen.

    Das es schwierig ist eine praktikable Lösung zu finden, seh ich ein.. da wollen viele Aspekte bedacht sein. Vom Haptik über Ökologie bis zum Ökonomischen… ABER ich sehe irgendwie auch den Riesen-Nudelberg, den irgendjemand der es nötig hätte, nicht essen konnte… ;)

  6. @Christoph
    Das Thema Lebensmittel“Verschwendung“ war mir bei der Überlegung bewusst und das kann man natürlich kritisch sehen. Ich bin zu der Einschätzung gekommen das es in Einbeziehung der Plasteeinsparung keine Verschwendung und derzeit die beste Lösung ist. Wir kaufen die Nudeln beim Händler und nehmen sie nicht Bedürftigen weg. Das ist ein anderes Thema. Es gibt so viel Weizen etc. das eigentlich niemand hungern müsste. Steck da bitte dein Engagement an richtiger Stelle rein. Wenn du das eh schon machst..super und entschuldige!

  7. Diese „Nachhaltigkeit“ haben wir schon vor 60 Jahren praktiziert. Da waren nämlich die Makkaroni unsere „Strohalme“ für Seifenblasen. Wurde damals aus Spülmittel und Wasser selbst gemischt. Und wie Kinder sind – nach Beendigung der Seifenblasenproduktion haben wir sie gegessen…:-) (christoph – so viel zum wegwerfen von Lebensmitteln..)

  8. @Anton & @ein Beobachter

    Also ich glaube nicht so recht daran, dass in der bildenden Kunst soviel schlechte Sachen produziert werden, das Millionen Tonnen „Plastk“-müll ensteht. Und was ist eigentlich schlecht an Skulpturen?

  9. @christoph
    Die Argumentation, dass hier Lebensmittel verschwendet werden, ist nicht haltbar. Wie schon erwähnt wurde, werden die Nudeln keinem Hungernden weggenommen, sondern im Handel gekauft.
    Da es sich um einen nachhaltigen Kreislauf handelt, werden auch keine Ressourcen verschwendet, sondern lediglich umgewandelt, wofür eine gewisse Menge Energie benötigt wird. Diese wird aber auch bei der Herstellung aller anderen Trinkhalme fällig.

    Würden diese Trinkhalme nicht Nudeln, sondern zum Beispiel „Biotrinkhalme auf Weizenbasis“ heißen und würden sie durch Hinzugabe von Farbstoff und einer z.B. bitteren, nicht genießbaren Substanz kein Lebensmittel mehr darstellen, wäre doch alles super. Oder nicht? Obwohl sich grundsätzlich nichts geändert hätte. Nur weil etwas auch essbar ist, muss es nicht zwingend auch gegessen werden.

    U.a. wird z.B. Methylcellulose in Lebensmitteln als Stabilisator eingesetzt. (Auch in veganen Sojawürsten.) Methylcellulose ist aber neben Wasser auch der Hauptbestandteil der meisten Tapetenkleister. Tapezieren wäre nach deiner Logik dann auch Lebensmittelverschwendung.

  10. @ Zombie..

    Nach kurzer Wiki Recherche bin ich zum Schluss gekommen, das beim Tapezieren keine Lebensmittelverschwendung vorliegt, da es sich bei deiner Methylcellulose um einen unverdaulichen Lebensmittelzusatzstoff/ Abführmittel handelt…

    Wenn Du den Unterschied zu einem gebrauchsfertigen Lebensmittel nicht erkennst… Nuja.. ;D

  11. @spacke

    Vielen Dank für deinen Beitrag ! Wir sind jetzt so schlau wie vorher, nur auf höherem Niveau. Wenn du der Welt jetzt noch erklärst, wie man mit einer Erbse einen Cocktail zu sich nimmt, sind wir dir wirklich dankbar !

  12. @spacke

    das läuft mal wieder unter der Rubrik „Hauptsache was gepostet“

    ich glaube, du bist ***************

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.