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Fritz Bauer im Militärhistorischen Museum

Kuratorin Monika Boll und Museumsdirektor Matthias Rogg
Kuratorin Monika Boll und Museumsdirektor Matthias Rogg
Ab heute Abend zeigt das Militärhistorische Museum (MHM) an der Stauffenbergallee die Sonderaustellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt“ – NS-Verbrechen vor Gericht. Der Mann, der in den 1960er Jahren die Frankfurter Auschwitz-Prozesse auf den Weg brachte, war in den vergangenen Jahren ziemlich in Vergessenheit geraten. 2015 macht ihn das Drama von Lars Kraume „Der Staat gegen Fritz Bauer“ einem breiteren Publikum bekannt.

Die Ausstellung im MHM rückt nun das Wirken und das Leben des ketterauchenden Sozialdemokraten ins Licht. Der Jurist Fritz Bauer stammt aus Stuttgart, er studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft und arbeitete bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten als Richter am Amtsgericht in Stuttgart. Sein Lebensweg spiegelt das 20. Jahrhunderts. Als Jude und Sozialdemokrat erlebte Fritz Bauer persönlich Ausgrenzung und Unterdrückung durch die Nationalsozialisten, die ihn für 13 Jahre ins Exil trieben. Er flüchtete erst nach Dänemark, später nach Schweden und kehrte 1949 nach Deutschland zurück. 1956 wurde er Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main.

Fritz-Bauer-Ausstellung im Militärhistorischen Museum
Fritz-Bauer-Ausstellung im Militärhistorischen Museum
Bauer wurde wegen der Auschwitz-Prozesse angefeindet, er musste mit Beschimpfungen und Verleumdungen leben, wurde bedroht und isoliert. Dennoch setzte er mit der Initiierung der Auschwitz-Prozesse einen Meilenstein in der juristischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in Deutschland.

Die Sonderausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt – NS-Verbrechen vor Gericht“ stellt den Besucherinnen und Besuchern das Leben und Werk Fritz Bauers vor. Die chronologisch aufgebaute Ausstellung begleitet Fritz Bauer gewissermaßen persönlich. In Interviews, die noch kurz vor seinem Tod geführt wurden, erläutert er seine einzelnen Lebensabschnitte.

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Für den Direktor des Museums Oberst Matthias Rogg gehört es zum Anliegen des Museums auch Kriegsverbrechen aufzubereiten. „Die aktuelle Ausstellung schlägt damit auch eine Brücke zu der Ausstellung ‚Blutiger Boden – die Tatorte des NSU'“, erklärt Rogg. Für ihn ist Bauer eine Gründungsfigur der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Die Kuratorin der Ausstellung, Monika Boll, ergänzt: „Es gab nach dem Krieg keine Stunde Null mit einsetzender Demokratie, dafür brauchte es eben Menschen, wie Bauer, die sich dafür eingesetzt haben.“

Die Ausstellung wurde durch das Fritz Bauer Institut in Kooperation mit dem Jüdischen Museum in Frankfurt am Main entwickelt. Es werden neben den Interviewausschnitten Dokumente, Fotos, Plakate und persönliche Gegenstände, wie zum Beispiel Bauers riesigen Aschenbecher.

Fritz Bauer. Der Staatsanwalt

  • Sonderausstellung im Militärhistorischen Museum, Eröffnung: 9. März, 18 Uhr – die Ausstellung ist bis zum 28. Juni zu sehen.
  • Weitere Infos unter: www.mhmbw.de
Video-Schnipsel des Generalstaatsanwaltes ziehen sich durch die ganze Ausstellung.
Video-Schnipsel des Generalstaatsanwaltes ziehen sich durch die ganze Ausstellung.
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2 Ergänzungen

  1. Letztes Jahr ist in Frankfurt am Main ein Denkmal für Fritz Bauer eingeweiht worden. Er hatte ab 1963 als Frankfurter Generalstaatsanwalt in den Auschwitzprozessen die Anklage vertreten. Vor Gericht standen frühere Angehörige und Offiziere der SS-Wachmannschaft in dem Vernichtungslager. Damit machte er sich viele Feinde. Fritz Bauer konnte den eigenen Behörden nicht trauen – weder denen, die er anwies, noch denen er unterstand. Polizei und Geheimdienste, Innenministerium und Bundeskanzleramt verweigerten die Kooperation mit ihm. »Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich Feindesland«, fasste Bauer diese Erfahrung in Worte. Dieses Zitat fiel auch in einer Festrede bei der Einweihung des Gedenksteins am Frankfurter Justizzentrum.
    Der Bundesnachrichtendienst (BND), damals ein Sammelbecken für frühere Gestapo-Mitglieder, plazierte in der Umgebung von Fritz Bauer einen Spitzel, um (mit Blick auf dessen mögliche Homosexualität) kompromittierendes Material zu sammeln, sowie den Stand der Fahndung nach Eichmann zu herauszufinden, um den »Kameraden« warnen zu können. Zu den größten Feinden von Fritz Bauer zählte auch der Chef des Bundeskanzleramtes, Hans Globke, der selbst zur Führungselite des »Dritten Reichs« gehört und es dort bis zum Ministerialrat im Innenministerium geschafft hatte.
    Wer ihn ehren und ihm gerecht werden will, müsste das in Erinnerung rufen. Die Frankfurter Rundschau (FR), die ausführlich über die Einweihung dieses Gedenksteines berichtete, hatte knapp drei Jahre zuvor den Artikel »Die Flakhelfer am Kabinettstisch« veröffentlicht. Es ging um die parteiübergreifenden Verzögerungstaktiken, die verhindert hatten, dass die NSDAP-Akten aus dem Berlin Document Center (BDC) von den Amerikanern an deutsche Stellen übergeben wurden. »Die im BDC verwahrte Mitgliederkartei der NSDAP gab fast 50 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes vertraute Namen preis, darunter drei Bundespräsidenten – Walter Scheel (FDP), Karl Carstens (CDU) und Heinrich Lübke (CDU), den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Bundestages Richard Stücklen (CSU), die Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel (beide FDP), Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller (SPD) und Liselotte Funcke (FDP), Kanzleramtschef Horst Ehmke (SPD), den ehemaligen Fraktionschef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Alfred Dregger und viele mehr.« (FR, 22. Juni 2013)
    Auf dem Gedenkstein steht das Fritz-Bauer-Zitat: »Sie müssen wissen, es gibt einen Eisberg und wir sehen einen kleinen Teil und den größeren sehen wir nicht.«
    Fritz Bauer hat das Recht und die Pflicht zum Widerstand, »zum persönlichen Nein gegenüber staatlichen Verbrechen« betont und gelebt. Bis heute gibt es nicht einen Staatsanwalt, der dem politischen und widerständigen Weg von Fritz Bauer folgt, um die staatlichen Verstrickungen bspw. in den NSU-Terror aufzuklären.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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