Denkmal abgerissen

Scheunenhofstraße 3 wird abgerissen
Scheunenhofstraße 3 wird abgerissen
In den vergangenen Tagen wurde das denkmalgeschützte Haus an der Scheunenhofstraße abgerissen. Das Gebäude muss einer modernen Hofbe­bauung weichen. Geplant sind insgesamt 18 Eigentumswohnungen in drei Mehrfamilienhäusern.

Auf der Website des Immobilienangebotes steht, dass sich das hofähnliche Ensemble harmonisch in die für die Dresdener Neustadt typische Bebauung einfügen soll. „Weiße Fassadenelemente und große Fensterflächen unter­streichen die moderne Architektur.“

Haus stand unter Denkmalschutz

Bei dem nun abgerissenen Haus handelt es sich um eines der ältesten im Viertel, es gehört noch zu den im 17. Jahrhundert gegründeten Scheunen­höfen, die dem Viertel und der Straße den Namen gegeben haben. Die Nummer 3 wird auch in Erich Kästners Buch „Als ich ein kleiner Junge war“ erwähnt. Das Haus ist als Kulturdenkmal gekennzeichnet. Normalerweise dürfen solche Gebäude nicht verändert und schon gar nicht abgerissen werden.

Nach Recherchen der Sächsischen Zeitung habe das Denkmalschutzamt dem Abriss aber zugestimmt, da der Erhalt beziehungsweise die Rekonstruktion des Gebäudes so hohe Kosten verursachen würde, dass diese durch die zu erwar­tenden Einnahmen nicht wieder aufgewogen werden können.


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Vielen Dank für die Fotos im unzerstörten Zustand an Ray van Zeschau und seine Facebook-Site „Verschwundenes Dresden“.

17 Kommentare zu “Denkmal abgerissen

  1. Mhm, „Weiße Fassadenelemente und große Fensterflächen unter­streichen die moderne Architektur.“ Wie das aussieht kann man sich im SZ-Link oder als gebauten Alptraum zwischen REWE und Böhmischer anschauen.

    Der Investor und der Architekt müssen ihre zukünftigen Mieter, Kunden und die Neustadt ziemlich hassen. Mir wäre so was Einfallsloses peinlich. Was hässlicheres hat wohl das Programm vom Architekten nicht in der mitgelieferten Standard-Bibliothek gehabt?

  2. Ist dem Investor ja auch wirklich nicht zuzumuten, mehr Geld in die Hand zu nehmen und dafür das Haus zu erhalten. Wo ist mein Kotzeimer?

  3. Mancher fragt sich möglicherweise: „Das denkmalgeschützte Haus wird abgerissen aber der Denkmalschutz verbietet das Geländer an der Albertbrücke zu erhöhen!?“

    Ich vermute, das Geländer steht nicht mehreren modernen Eigentumswohnungen in hofähnlichem Ensemble im Weg.

  4. Feix. Immer diese allwissenden Mauler und Pöbler. :-)

    Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen, Miteigentümer eines alten Bauernhofes zu sein. Hach, zwei Seelen schlugen ach in meiner Brust. Einerseits der Romantiker. Wie schön das doch alles aussehen würde, wenn es mal wieder hübsch saniert sein würde. Und dann wieder der Verantwortliche, der sich den Kopf darob zerbroch, wie das wohl zu bewerkstelligen wäre….
    Reden wir doch gar nicht über Schuppen, Ställe und Scheunen. Allein das hübsche Seitengebäude. Das Erdgeschoss ehemaliger Pferdestall, mittlerweile Fahrrad- und Mülltonnenschuppen. Bruchsteinmauerwerk. Raumhöhe 1,80. Fenster, Strom, Wasser, Abwasser, Heizung: Fehlanzeige. Das Oberschoss ehemalige Gesindestuben, mittlerweile Mülldeponie. Schön antik, schön retro, schön gruselig-romantisch. Und schönstes Fachwerk. Hach, hätte doch meine Damalige nur den Fetisch gehabt, sich für eine amouröse Exkursion die Augen verbinden zu lassen…. schwärm…
    Raumhöhe: 1,60. Fenster größer als ein Loch in der Socke, Strom, Wasser, Abwasser, Heizung: Fehlanzeige. Dafür einige Fachwerksbalken mittlerweile so beschaffen, dass das schöne alte Ziegeldach als Lehrbeispiel für Sinuskurven herhalten konnte. Bei jeder Hofquerung eines wissenden Besitzers oder von durch wissende Besitzer gewarnte Gäste schielte stets mindestens ein Auge nach oben und extrapolierte, wo auf dem Hof der nächste Dachziegel einschlagen würde.
    Kosten für wenigstens die allernötigste bauliche Instandsetzung: 6-stelliger Bereich. Allein das Seitengebäude, versteht sich. Denkbare Nutzung: Müll einlagern. Abriss: Fehlanzeige. Denkmalschutz.

    So blieb es stehen. Bis die Ortsobersten eine Ortsbesichtigung taten, um das nächste größere Ortsjubiläum mit Gästen von Rang und Namen, Glanz und Gloria vorzubereiten. Dann ging ganz alles ganz plötzlich ganz schnell.

  5. Was war zuerst da, der Investor oder die Bausubstanz des Kulturdenkmals?
    Es ist traurig mit ansehen zu müssen, wie mit der Vergangenheit umgegangen wird, wenn die Dollarzeichen in den Augen aufblinken…

  6. Im Grundgesetz gibt es glaube ich einen Paragrafen, in dem Steht „Eigentum verpflichtet“. Es ist ja auch irgendwie klar, das nach jahrelangem Nichtstun irgendwann nur noch die Abrissbirne hilft.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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