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Neustadt-Weihnachtsgeschichte – Teil 2

Ich wünsche allen Lesern des Neustadt-Geflüsters eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit und viel Vergnügen mit der Neustadt-Weihnachtsgeschichte in grober Anlehnung an Charles Dickens „A Christmas Carol

Der Geist der vergangenen Weihnacht
Das Fenster springt auf, der Wind reißt den Vorhang beiseite. Eiseskälte weht herein. Schruhtz reibt sich die Augen. Ein Kerl wie ein Baum, er füllt das ganze Zimmer und stößt an der Decke an. Schlampig gekleidet mit zerfetzten Jeans und einem ausgewaschenen Hemd. Sein Lachen dröhnt über die ganze Straße. „Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht. – Komm mit mir!“ Er zerrt Schruhtz aus dem Bett und aus dem Fenster, der wehrt sich vergebens. Sie fliegen über die nächtliche Neustadt, der Himmel scheint sie aufzusaugen, alles dreht sich, sie wirbeln wieder herunter.

Die Weihnachtsbeleuchtung ist verschwunden, das Viertel ist mit Schnee eingepackt, aus den Schornsteinen raucht es auf der Straße knattert ein Trabi vor sich hin. Der mächtige Kerl setzt ihn ganz sanft ab. Schruhtz spürt keine Kälte, doch er kann schnuppern. Es riecht nach Kohleofen, nach Waschmittel und merkwürdig vertraut nach frischen Brötchen. „Sieh gut zu!“, der Kerl dreht Schruhtz in Richtung Straße.

Eine Frau, vielleicht Anfang 30, schlendert heran. Sie stößt eine Tür auf. Schruhtz will sie zurückhalten, das ist mein Haus rufen, doch seine Hand kann nichts fassen, seinen Mund verlässt kein Laut. „Komm mit!“, fordert der Geist. Sie folgen dem Weib ins Haus. Hier sieht es schäbig aus, doch von oben sind Geräusche zu hören. Sie treten in eine Wohnung. Die Frau von der Straße hat eine Maler-Rolle in der Hand, neben ihr kratzt ein junger Mann den Dreck vom Fußboden. Schruhtz bleibt der Mund offen stehen: „Das bin doch ich“ – „Richtig“ lächelt der Geist. „Das bist Du vor 25 Jahren, ein hilfsbereiter Kerl. Voller Lebensfreude.“ „Und die Frau“, stammelt Schruhtz. „Frau Schmidt, sie hatte Dich hier aufgenommen, als Du ein armer Student warst.“

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Schruhtz erinnert sich, Anfang der 1990er war er nach Dresden gekommen, um zu studieren. Damals hatte er nichts, war bettelarm, er schüttelt sich, welch gruslige Erinnerung. Später hatte er erst lukrative Jobs angenommen, dann mit Maier in Immobilien investiert. Knallharte Verhandlungen und ein glückliches Händchen haben den beiden ein stattliches Vermögen beschert. „Sieh hin!“ – der Geist stupst Schruhtz an. Der junge Schruhtz hat sich verletzt, Blut tropft aus der Hand. Die Schmidt nimmt ein Tuch und kümmert sich um ihn, wie eine Mutter. Ein warmes Gefühl der Geborgenheit erreicht den alten Schruhtz. Der Geist packt ihn und wirbelt ihn zurück durch den Himmel.

Schruhtz wacht auf, liegt schweißgebadet in seinem Bett. Ein Traum nur? Schruhtz genehmigt sich ein zweites Likörchen und schläft wieder ein.

Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

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Fit together mit Claudia Seidel

11 Ergänzungen

  1. „Schruhtz wacht auf, liegt schweißgebadet in seinem Bett. Ein Traum nur? Schruhtz genehmigt sich ein zweites Likörchen und schläft wieder ein.

    Teil 1 | Fortsetzung folgt morgen.“

    auch kopieren will gelernt sein.

    noch schönes fest euch

  2. Ich denke mal, Alraune hat noch nie etwas von lyrischen Gestaltungs- und Stilmitteln gehört ;-)

    gefällt mir … bin auf die Fortsetzung gespannt :-)

    Die Geschichten sind natürlich frei erfunden und Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Situationen sind rein zufällig? ( ;-) )

  3. @ sylvia,

    wer lesen kann ist klar im Vorteil, wenn Teil eins und zwei veröffentlicht ist, folgt dann meistens Teil Drei und nicht Teil Eins, wie von Anton bereits korrigiert. Ich erkenne in deinem Statement lediglich dummes Gesülze, Hauptsache was geschrieben.

    Alraune.

  4. „Teil I“ war eine Verlinkung zum vorher gehenden Teil. Du hast vollkommen recht: Wer lesen (…und schauen) kann, ist klar im Vorteil :-)

  5. und was hat das mit “ Ich denke mal, Alraune hat noch nie etwas von lyrischen Gestaltungs- und Stilmitteln gehört ;-) “ zu tun ??????

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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