Im Knöllchenparadies

Parken verboten - ab dem Lebo ist's dann erlaubt.
Parken verboten – ab dem Lebo ist’s dann erlaubt.
Kchrks. Schrmp. Polter. Klack, Vorwärtsgang rein und ab die Post. Ich springe empört auf. Ein Teilnehmer des motorisierten Individualverkehrs hat gerade mein Rad umgefahren und will sich nun aus dem Staub machen. Wenige Sekunden vorher hatten wir noch geschmunzelt, kam er doch einem Gecken gleich die Görlitzer Straße entlangstolziert. Den Kragen seines Polo-Hemdes schick im 90er-Yuppie-Style nach oben geklappt, die halblangen Haare wallten leger darüber.

Mit einem Freund sitze ich vorm „Zille“, geschmunzelt hatten wir über seinen Gang und unser Wissen. Denn noch ein paar Minuten vorher wurde ihm ein Knöllchen unter den Wischer geklemmt.

Das Stückchen der Promenier-Meile ist aber auch zu verlockend. Am Anfang der Görlitzer weist ein Schild drauf hin: parken ist hier verboten. Ein paar Meter weiter, etwa in Höhe des „Lebowski“ folgt dann das blaue Parken-mit-Schein-erlaubt-Schild. Wenn die Vergnügungssüchtigen im Parksuch-Kreisverkehr ein freies Plätzchen auf der Seite sehen, wird geschwind hinein geschnipst. Manchmal weise ich Einparkende auf die Verkehrssituation hin und erhalte abwechselnd Schulterzucken und dankbare Blicke. Die richtig dreisten Macker parken ihre Karre ohnehin auf der anderen Seite.

Glück gehabt, die Politessen wiesen den Opel-Fahrer auf seine Falschparkerei hin.
Glück gehabt, die Politessen wiesen den Opel-Fahrer auf seine Falschparkerei hin.
Heute erleben wir die Politessen in Aktion. Sie stecken an, knippsen und schreiben auf, dass es eine wahre Freude ist. Nun hat sich wieder eine Lücke ergeben und die Damen in Blau wollen schon weiterziehen, da biegt schon wieder einer ein. Die vor den Kneipen sitzenden Gäste gestikulieren. Er steigt aus, die Politessen suchen den Dialog, er braust weiter. Das Spiel wiederholt sich mit unterschiedlichen Fahrzeugen noch dreimal. Dann scheint die Zeit für den Feierabend gekommen, die Politessen schwirren ab.

Dafür rückt nun der hochgekragte Geck an. Im Vorbeigehen muss er mein Rad gesehen haben, es steht direkt hinter seinem Kombi. Er stößt zurück, es knirscht und schließlich fällt der Drahtesel. Es gelingt mir, ihn aus seinem Wagen zu locken. Mein Rad steht nicht mehr, der Ständer ist verbogen. Alles halb so schlimm, eine Entschuldigung hätte ich mir trotzdem irgendwie gewünscht. „Du kannst da jetzt wegen 2,50 Euro auch einen Versicherungsfall draus machen.“ – Mir fehlen die Worte und schon hat er sich in seinen Wagen geschwungen und ist von dannen gerauscht.


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18 Kommentare zu “Im Knöllchenparadies

  1. Bei solch einer Reaktion, vor allem vor Zeugen, hätte ich schon aus Prinzip Anzeige wegen unerlaubtem Verlassen des Unfallortes gestellt.

  2. Unverschämtheit, aber eigentlich war die Reaktion doch abzusehen…
    Es kann ja jedem mal passieren, dass man irgendwo anstösst, etwas aus versehen beschädigt oder ähnliches. Aber der anstand gebietet es, sich wenigsten zu entschuldigen.
    Aber solche Menschen haben keinen Anstand, sondern sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus. Sich jetzt weiter darüber Gedanken zu machen ist eigentlich verschwendete Zeit.
    Ich persönlich, wenn mir das Rad im Wege stehen würde, hätte gefragt, wem dies ist und ob derjenige es eventuell ein bischen zur Seite stellen könnte.

  3. Ich bin sicher kein Freund davon, anderen Leuten Probleme mit den Cops zu bereiten, aber dieser dämliche überhebliche Spruch von dem Freak schreit ja förmlich nach einer korrektiven Schelle via Anzeige! ;)

  4. Mein Rad war auch mal „umgefallen“ (Fahrerflucht). Und der zuerst kaum sichtbare Schaden war dann doch erheblicher.
    Also: auf nichts einlassen, wenn man den Übeltäter zu packen bekommt!

  5. Schon aus Prinzip-Anzeige! Obwohl ich sowas sehr selten eigentlich noch nie gemacht habe. Aber bei dem würde ich es vermutlich.
    Aber war das Tatfahrzeug auch ein Opel?

  6. @Anton: Bitte noch der Sache nachgehen, auch wegen des verbogenen Fahrradständers, von denen es in der Neuse ohnehin zu wenige gibt. Sehr schön formuliert, deine Täterbeschreibung „kam er doch einem Gecken gleich die Görlitzer Straße entlangstolziert“… wunderbar :D

  7. Ja, aus Prinzip zur Polizei gehen. Selbst wenn nichts draus wird, wird der Papierkram dem Typen erstmal auf den Senkel gehen. Solche Leute lernen nur dazu, wenn ihr Handeln Folgen für die hat. Ansonsten wird der das wieder machen.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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