Gewicht zeigen gegen rechts

„Gewicht zeigen gegen rechts zur BRN 2009“ – Bürger.Courage plant schwere Aktion zur Bunten Republik Neustadt.
Weil mittlerweile jeder und jede angeblich „Gesicht“ zeigen will, bietet Bürger.Courage bei der BRN Tonnen von Dresdnerinnen und Dresdnern die Möglichkeit, sich in der Neustadt gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Das Ganze geht ganz einfach: Eine Waage, ein Taschenrechner und eine Tafel zur Bekanntgabe von Zwischenständen und Endergebnis. Auf ein Ziel wollten sich die Initiatoren nicht festlegen. Aber es sollten schon einige Tonnen zusammenkommen.
Aktion „Gewicht zeigen gegen rechts“ zur BRN am Sonnabend und Sonntag, vorm Café Laika in der Kamenzer Straße 20.

42 Kommentare zu “Gewicht zeigen gegen rechts

  1. Nee, hä?

    Und wo, darf man fragen, soll da bitte (außer dem Spaßfaktor natürlich) der Sinn des Ganzen bei zu suchen und vor allem zu finden sein? Riecht für mich bissel nach Verramschung des durchaus löblichen Zwecks „gegen Rechts“.
    Aber womöglich sollen die gesammelten Gewichte ja in Euronen einem sinnvollen Aktionsbündnis oder Verein zugute kommen und es steht bloß nicht im Artikel? Ansonsten wüsste ich wirklich den Zusammenhang zwischen der Bildung einer Menschen-Tonne und der Positionierung gegen Rechtsextremismus nicht. Vielleicht kann mich da ja jemand aufklären?

  2. Würde das ganze jetzt nicht so bierernst nehmen. Ist wohl eher als Satireaktion auf Sonntagsreden zum Thema Rechtsextremismus zu verstehen, oder? Thema „Mügeln“- da rollt dann die große Empörungswelle für zwei, drei Tage übers Land, „Gesicht“ wird gezeigt und wenn die mediale Sau durchs Dorf getrieben wurde, Betroffenheitsfloskeln in die Kamera fertig aufgesagt sind, kümmert sich plötzlich keiner mehr um die allgenwärtige rechte Bedrohung in ländlichen Gebieten…Brauch man ja nur mal auf die Seiten der Opferberatungen zu schauen.

    Witzig find ich es allemal und wenn paar Tonnen Neustädter Fleischeinwaage am Ende dastehen, isses auch ganz schön:)

  3. Ich frage mich nur die ganze Zeit: Was ist jetzt die Botschaft? Es erfordert »Bürger.Courage«, sich mit so einer Wampe halbnackt auf eine Waage zu stellen?

  4. Die Botschaft ist wohl klar! Nur die Art und Weise der Vermittlung ist scheinbar dem dominierenden Niveau der BRN angepasst. Niederschwellig werden die Leute dort abgeholt, wo die meistens BesucherInnen auch vor dem Genuss von einigen Bieren nun mal stehen. Eins muss mensch aber konsternieren, „Gewicht zeigen gegen Rechts“ ist wohl die politischste Aktion dieser BRN. Das ist das eigentlich Fragwürdige in meinen Augen.

  5. Ich würde Franz und Horst zustimmen. Abgesehen davon: Wer sich schonmal damit befasst hat, was „Bürger.Courage“ sonst für Aktionen macht (http://www.buerger-courage.de), der oder die wüsste, dass die Aktion nicht nur Selbstzweck ist und der Verein alles andere als einen platten Anspruch hat.

  6. ich weiß nicht, ob es so super passend ist, hier mein kommentar abzugeben, da ich diese aktion mitorganisiere. ich will trotzdem kurz loswerden, wie man meiner meinung nach diese (satire)aktion sehen könnte – so zumindest sehe ich sie:

    erstens als niederschwellige aktion, in der jede und jeder deutlich machen kann, dass die neustadt keinen bock auf nazis hat. die \“besuchen\“ uns ja seit geraumer zeit leider immer häufiger. und wie man so hört und sieht, auch und gerade zur brn.

    zweitens als satireaktion, die irgendwie zur brn passt: spaßig, fröhlich, aber doch irgendwie mit einer pseudo-botschaftsschwangeren atmosphäre versehen. man gaukelt sich vor, dass die brn ein \“buntes\“ fest sei, das sich von anderen fressmeilen in deutschland himmelweit unterscheide. zumindest entlang der radeberger-bierwagen in der louisenstraße/ alaunstraße trieft der kommerz der neustadt aber aus allen poren. das \“alternative\“, das brn-feeling erschließt sich erst in den seitenstraßen.

    so ist es letzlich auch mit \“gewicht zeigen\“ – eine feelgood-aktion, die freilich spaß machen soll, aber so oberflächlich daherkommt, dass man dann doch ins grübeln geraten kann, ob solcher aktionismus irgendwas an dem zustand der ausweitung rechtsextremer strukturen und denkmuster ändert bzw. ob demokratisierung nicht doch ein bisschen mehr ausdauer und engagement braucht, als mal eben \“gewicht zu zeigen\“. ob man sich nicht vielleicht doch in seinem umfeld mehr engagieren sollte (siehe bürger.courage mit mittlerweile nahezu 40 info- und kunstprojekten)…

    drittens sehe ich die aktion deswegen auch als kritischen kommentar zu einer bundesdeutschen betroffenheitspraxis, die uns immer dann begegnet, wenn die rechtsextreme bedrohung tatsächlich öffentlich thematisiert wird. siehe 13.februar in dresden: wenn frau orosz auf dem heidefriedhof \“gesicht zeigt\“ und eine rede hält, wie schlimm es ist, dass nazis das gedenken missbrauchen, sie, ihre berater und ihre partei aber eigentlich alles daran setzen, zivilgesellschaftlichen protest gegen naziaufmärsche zu behindern und madig zu machen, werden in den lokalen leitmedien dennoch jubelarien auf das \“deutliche zeichen gegen rechts der oberbürgermeisterin\“ gehalten. lächerlich! es reicht eben nicht, eine rede zu halten, wenn man die manifest rechte bedrohung in dresden an den anderen 364 tagen im jahr herunterspielt oder weitgehend ignoriert. genauso die aussage der aktion meiner meinung nach: gesicht zeigen ist gut, wenn es nicht zum medialen oder politischen selbstzweck verkommt.

    kann natürlich auch sein, dass meine mitstreiter und die leser hier das ganz anders sehen…

  7. Lieber Couragino,

    euer Engagement gegen rechts in allen Ehren, aber, glaubst du wirklich, dass der durchschnittliche BRN-Besucher, der seinen Bauch schon gut mit Bowle und Bier gefüllt hat, noch in der Lage oder gewillt ist, über Fact und Fiction des Zustandes der Demokratie in diesem Lande nachzudenken?
    Als witzige Aktion zur BRN find ich das ja voll lustig – aber ein Bezug zu anti-rechts-Aktionismus wirkt da imho ziemlich konstruiert und zieht diesen meines Erachtens nach auch etwas ins Lächerliche. Wenn zu inflationär mit politischen Schlagworten umgegangen wird, kann dadurch nämlich unter Umständen auch das Gegenteil erreicht werden – eine Verwässerung des Bewusstseins hinsichtlich der rechten Problematik bei einem Großteil der politisch weniger interessierten Bürger.

  8. liebe jane, das sind berechtigte bedenken und deswegen ist es auch nur meine interpretation zu der veranstaltung, die nicht der intention von bürger.courage entsprechen muss. auf dem flyer und in unserer ankündigung ist von meinem gedankenmüll;) daher auch nix zu lesen. ich habe das projekt nicht initiiert, sondern bin einer von vielen.

    ich rechne übrigens schon damit, dass die/der ein oder andere auch am samstag oder sonntag kritisch nachfragt (trotz alkoholkonsum), was das ganze eigentlich für einen sinn macht. und dann werde ich antworten, dass es in erster linie eine witzige, symbolische aktion gegen nazis in dresden sein soll und wenn man lust hat sich in dresden gerne auch „ernsthaft“ und dauerhaft mit kreativen projekten gegen nazistrukturen auseinandersetzen will, auch gerne mal bei einer sitzung bei bürger.courage vorbeischauen kann. da machen wir auch symbolisches und bürgertaugliches, haben aber schon das gefühl dort einigen mitunter „echte“ denkanstösse zu geben, auch wenn es zu unseren aktionen auch häufig die kritik gibt, sie wären zu weichgespült, eben zu „bürgertauglich“.

  9. Couragino:

    Genau das ist meines Erachtens das Problem von zu viel bloßer Symbolik: Es nimmt den Leuten das eigenständige Nachdenken über die Thematik ab, da sie sich in dem angenehmen Gefühl wähnen, sich wirklich gegen Rechts engagiert zu haben, schon indem sie sich zum Beispiel eben mit „nackter Plautze“ zu einem Stadtteilfest produzieren. Nichts gegen die Idee, dort passt sowas ja auch irgendwie hin.
    Dass damit aber natürlich rein effektiv null Resultat im Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut herauskommt, interessiert da oft wenig.
    Mir fehlt da manchmal so ein wenig die Ernsthaftigkeit, die Tiefe und auch die Struktur. Es gibt zu viele Wischi-Waschi-Aktionen und viel zu wenig sinnvolles Engagement, dass die Ursachen und Wurzeln der Problematik benennt – von der Historie bis zu zeitnahen gesellschaftlichen Problemen.
    Ein einfaches „wir wollen in der Neustadt keine Rechten“ ändert überhaupts nichts daran, dass es Rechtsextremismus gibt und auch weiterhin geben wird. Es verschiebt die Problematik bestenfalls aus dem eigenen Gesichtsfeld hinaus.
    Beste antirechte Grüße!

  10. @jane: du hast wirklich gute argumente und ich kann diese eigentlich auch zu 100% unterschreiben, aber „politisches“ auf der brn zu machen, geht irgendwie nur mit lockerheit und augenzwinkern. da brauchen wir keine infotafeln über rechte strukturen aufstellen oder mit ernster miene dreinschauen. das interessiert doch bei der brn keine sau – außer halt die eh schon überzeugten!
    wir werden bei unserem „gewicht zeigen“-projekt allerdings einen kleinen bürger.courage-stand haben (vermute ich zumindets mal:), wo man sich über unsere sonstige arbeit informieren kann und ich denke, da wird der ein oder andere, der vielleicht nicht aus der neustadt kommt oder sowieso nicht so im thema steht, sehen, dass wir in unser sonstigen arbeit eben gerade jener forderung versuchen nachzugehen, die du aufgestellt hast – nämlich zum eigenständigen, ernsthaften nachdenken über die thematik anzuregen. das versuchen wir mit unseren projekten. ob es uns immer gelingt, ist eine andere frage. fakt ist, dass wir wohldosierte provokationen im öffentlichen raum als geeignete methode verstehen, sich mit einem thema auseinanderzusetzen, das so gar nicht ins bild der selbsterklärten „weltoffenen stadt“ passen will.

    „gewicht zeigen gegen rechts“ ist meiner meinung nach irgendwie beides: angepasste typische brn-gaga-spaßaktion für viele, die vielleicht so mit dem thema zum ersten mal in berührung kommen und ironisch-satirischer beitrag zur (nicht immer gewesenen) unpolitischen brn…politische statements auf der brn müssen vielleicht auch ein bisschen brn-charakter haben.

    falls es dich interessiert, hier unsere bisherigen projekte:
    http://buerger-courage.de/data/m_text.php?id=17

  11. Spricht es für einen Slogan, wenn man dafür so lange Erklärungen finden muss?

    Ich weiß nicht, ob es in der Neustadt oder unter den Besuchern der BRN noch Menschen gibt, denen die Gefahren des Rechtextremismus unbekannt sind. Muss man auf diesem Fest jemanden überzeugen?

    »Gesicht zeigen« kann man zu vielen Anlässen: gegen Online-Überwachung oder Rechtsextreme, gegen die erzwungene Verschleierung muslimischer Frauen oder auf einem Wahlplakat. Das Gesicht zu zeigen hat eine lange Tradition.

    »Gewicht« zu zeigen und sich öffentlich wiegen zu lassen — das könnte für einen Teil der Besucher kein angenehmes Gefühl sein. Und der andere Teil bringt wohl eher wenig Masse auf die Waage. Da sehe ich einen Zielkonflikt: wenn ich gegen Rechtsextreme bin, soll ich mich doch öffentlich wiegen lassen? Wollt Ihr gleich noch die Konfektionsgrößen der Leute mit ansagen?

  12. Couragino:
    Meine Frage: *Muss* man auf der BRN Politisches machen? Ich wäre eher dafür, wenn man das Politische in einen entsprechend ernsthaften Rahmen bettet und das Stadtfest das sein lässt, als das es eigentlich gedacht ist: ein feucht-fröhliches Stadtteilfest, bei dem ausgelassen gefeiert wird und die Menschen zusammenkommen, um die vielseitigen Facetten des Viertels kennenzulernen.
    Und wie gesagt, sorry, aber ich bin nicht der Meinung, dass man „Politisches macht“, sobald man eine bestimmte, an sich völlig unpolitische Aktivität (hier: Plautze zeigen) unter ein politisch konnotiertes Motto stellt ;)
    Ich bin überzeugt, ihr macht sonst sehr sinnvolle Sachen, das will ich hier nochmal unterstreichen. Aber diese Sache unter ein abstraktes politisches Motto zu stellen, finde ich etwas unglücklich.
    Aber egal, ich bin sicher, die Leute werden ihren Spaß haben.

  13. Moment mal Jane, Du wohnst doch schon ne Weile hier. Die BRN ist doch kein Stadtteilfest, das behaupten nur die anderen die ganze Zeit. Wir feiern hier das 19. Jahr des bestehens der wohl besten Republik der Welt, die eben leider niemand anerkennt, aber was solls.
    Und wenn man Politik nur den ernsthaften Rahmen überlässt, interessiert sie bald gar keinen mehr.

  14. Na ja: Die BRN der ersten Jahre war spaßpolitisch (und auch geldpolitisch) doch noch etwas anders verfasst;-)

    Letztlich muss sich ja niemand wiegen lassen und das Endergebnis ist auch nur eine Zahl unter vielen. Ich sehe es nach dem Überschlafen viel gelassener. Man darf nur nicht zu logisch darüber nachdenken.

  15. Ich finde die Aktionen mit den Tüchern „Bunte Nachbarschaft“ auf der brn immer gut und wichtig, weil auch ich beobachte, dass sich langsam ein seltsames Publikum unter die feiernden Nachbarn mischt. Und ich bin nicht dafür, gerade deswegen, dass so ein Fest unpolitisch sein und bleiben muss. Die obige Aktion kann man sicher kritisieren, aber dann sollte man vielleicht einen überzeugenden Gegenentwurf anbieten, oder? (Meckern kann ja jeder ;-)).

  16. Gegenentwurf klingt gleich so undiplomatisch. Ich würde eine Aktion unter das Motto stellen: »Bewegung gegen Rechts«. Die Teilnehmer könnten sich in irgendeiner Form bewegen (wie z.B. Laufen, Joggen, Gehen, Walken, Spazieren, Radeln, Klimmzüge machen) und es würden nach einem bestimmten Schlüssel Punkte vergeben. Im Rahmen der BRN könnte man z.B. an jeder Ecke des Gebiets und an anderen Stationen jeweils eine Stempelstelle einrichten und wer diese Stellen erreicht hat, muss sich ja auf jeden Fall bewegt haben. Wer morgens sowieso joggen geht oder Rad fährt, könnte die Kilometer unbürokratisch anmelden. So eine Aktion würde relativ viele Leute einbeziehen und der Aufwand wäre trotzdem im Rahmen zu halten. Auf die Richtigkeit der Angaben und die Ehrlichkeit der Leute kann man sich nach meiner Erfahrung unter Läufern eigentlich verlassen, außerdem sieht man es den Leuten ja an.

    Soweit meine Alternative, aber ich will mir da keine Stimme anmaßen, schließlich bin ich ja nicht aus der Neustadt;-)

  17. Naja, Gegenentwurf meinte nur, dass ich es immer nicht so haben kann, wenn Mitmenschen tausend kritische Einwürfe haben, und viele Hinweise, was besser wäre, aber am Ende keine bessere Aktion steht. Am Ende macht dann wieder keiner was. Und die, die immer aktiv sind, hören irgendwann damit auf, weil alle immer nur meinen, man hätte es aber besser machen können.

  18. Ich will es jetzt auch nicht zerreden, aber mein Vorschlag wäre realisierbar und ist ausbaufähig, die Aktion würde viele Leute einbeziehen und man könnte auch dieses Ergebnis nach der BRN in die Zeitung bringen.

  19. Anton:

    Ich denke, wir kennen beide den Unterschied zwischen Spaß und Wirklichkeit. Will ich nun reell etwas Politisches machen, dann sollte das auch so stattfinden, dass es Sinn macht. Die 1. BRN spiegelte sicherlich die Zeichen der Zeit damals wider und parodierte das aktuelle politische Geschehen, aber der „Akt der Republikgründung“ war ja nun wirklich kein realer politischer Akt, sondern Satire.
    Und ich glaube nicht, dass ein Plautzen-Wettstreit Leute anzieht, die sich ernsthaft für Politik interessieren, noch, dass dieser in der Lage ist, irgendjemanden dahingehend nennenswert zu motivieren (ist meine persönliche Meinung).

    Auch, geschätzter Anton, finde ich, dass der Charakter des Stadteilfestes seinerzeit noch weitaus eher einen Rahmen für politischen Aktivismus bot, als das heute der Fall ist. Das ist ja genau das, was ich hier schon des Öfteren beklagt habe.
    Übrigens basiert die BRN auf damals längst vorhandenen Wurzeln eben eines Stadtteilfestes, die bis in die 80er-Jahre zurückgehen. Ich erinnere mich, dass bereits Mitte der 80er in der Zeit um Mitte Juni die Leute mit kleinen Aktionen im Rahmen der Kinder- und Lehrerfeste diese kurzerhand zu Straßenfesten ausweiteten, Selbstgebackenes anboten, Tombolas und Spiele veranstalteten.

    Anne:

    Warum soll ich einen Gegenentwurf anbieten, wenn ich generell der Meinung bin, dass reelle politische Aktionen auf alkoholschwangeren Volksfesten nicht wirklich eine Chance haben und deshalb eher nicht da hingehören? Man muss außerdem unterscheiden zwischen einzelnen Aktionen, die eher Symbol- und Informationscharakter haben, und echtem politischem Aktivismus – und eine Aktion, die unter dem Motto „gegen rechts“ läuft, unterstellt meiner Meinung nach Aktivismus, denn es deutet ein konkretes Ziel an: Rechtsextremismus einzudämmen bzw. zu beseitigen.

    Ich habe nichts gegen Parodien oder Symbolik (wie z.B. die Sache mit den bunten Tüchern, die ich auch ganz toll finde), die ja eher das Vertreten einer bestimmten Haltung darstellen, als dass man sie unter politischem *Aktionismus* verbuchen könnte.

  20. Nö. Du kannst doch nicht hier am Donnerstag mit Realitäten ankommen. Abgelehnt! ;-)
    Kurz: Ich bin für „fast“ alle Aktionen gegen „Rechts“, ob die nun gewichtig oder sichtig sind, ob die zur BratwurstRepublik oder bei ner „ernsthaften“ Demo stattfinden, ist für mich dabei zweitrangig.
    Und das mit den Wurzeln der BRN in irgendwelchen Lehrer- und Kinderveranstaltungen streite ich mal rundweg ab. Denn die BRN war (zumindest für mich und bis 1996) immer mehr als Selbstgebackenes und Tombolas (das gibts vielleicht im Hecht oder auf der Ottostraße). Und ich hab immerhin einen Pass der Republik, bin also unordentlicher Bürger.

  21. also ich habe es gestern mal ein paar unbeteiligten in einer gemütlichen grillrunde erzählt und die fanden es irgendwie alle witzig. in die aktion wurde jetzt kein tieferer sinn hineininterpretiert – man fand die idee einfach abgefahren. ich halte es wirklich für leicht übertrieben in diese aktion eine verharmlosung des rechtsextremismus reinzuinterpretieren. „Gesicht zeigen“ ist auch keine verharmlosung, die frage ist nur, ob es effektiv ist. wenn die neustädter so überzeugte antifaschisten sind, wie du glaubst, jane, dann werden sie durch unsere aktion sicherlich nicht anfangen, rechtsextremismus fortan als huihui-fun-und-sauf-thema anzusehen, sondern einfach mitmachen oder an uns vorbeigehen. wir zerren niemand zum wiegen! :)

  22. couragino:

    Na damit bestätigst du doch meine Vermutungen auf ganzer Linie ;) (keiner würde tieferes reininterpretieren – und damit auch nie darauf kommen, das mit einer Aktion gegen rechts in Verbindung zu bringen).
    Von Verharmlosung war übrigens nie die Rede. Ich erinnere mich auch nicht, dass ich schrieb, die Neustädter wären alle (oder mehrheitlich) überzeugte Antifaschisten. Das weiß ich schlicht nicht und würde es daher auch nie behaupten.

    Wie ich schon sagte, eine solche Spaßaktion passt bestimmt zur BRN – ich hätte sie lediglich nicht um den Zusatz “ gegen rechts “ erweitert – aufgrund der von dir ja selbst eingeräumten Sinnfrage gründend auf mangelnder Effektivität.

    Anton:

    Jaja, nennt mich ruhig verspießert oder so, aber da schlägt eben das PoWi-Herz in mir – Politik ist viel zu wichtig, alsdass sich die Reflexion und die daraus entstehenden Aktivitäten im Volk allein auf Symbolik beschränken sollten, rums, aus, basta ;D

  23. Anton:

    Ich hab doch gar net geschrieben, dass die BRN aus den Lehrer- und Kinderfesten heraus entstanden ist, sondern dass die vielen Feste im Juni (Kindertag, Lehrertag usw.) um die Idee des Straßenfestes erweitert wurden – wohl aus der allgemeinen Feierlaune heraus. Und AUS DER entstand die Idee, sich im Juni mit Selbstgebackenem auf der Straße zu treffen und für die Kinder was zu organisieren.

  24. mein abschliessender kommentar:

    @jane: stimmt, die aussage über die ach so gelehrten neustädter und die besucher der brn stammt von stefanolix. sorry!

    ich glaube schon, dass die meisten – wie du schon sagst – nichts tiefer hineininterpretieren und es eben witzig oder unwitzig finden. vielleicht auch ein paar, die darin einen ironischen bezug entdecken. und dann gibt es bestimmt auch noch viele leute, die die gewählte methode und inhaltliche oberflächlichkeit anprangern, aber da wäre ich gar nicht beleidigt, sondern will es einfach so im raum stehen lassen, denn es stimmt ja auch. aber mein gott: das ist echt ein mini-spontan-projekt, das nicht dazu gedacht ist, irgendjemand für politik zu begeistern, sondern
    – ein bisschen provozieren soll,
    – ein witziges mini-statement der brn gegen nazis darstellt (die mopo hat ja wohl schon darüber berichtet)
    – und vielleicht einige leute, die eh was gegen nazis haben, anstachelt, sich für nächste jahr selbst gedanken machen, was geeignete(re) formen sind, um sich zu rechtsextremismus in sachsen zu positionieren > gerne auch auf der brn – siehe anne!

    ich stimme deinem (schwachen) argument nicht zu, dass (politische) statements nichts auf der brn zu suchen haben. denn „bunte republik“ (res publica) impliziert nun mal, dass wir die sache des „neustädter volkes“, das bunte und tolerante dieses viertels öffentlich zeigen wollen. und deswegen ist die brn immer politisch – ob mit saufen oder nicht: gemeinsam auf den straßen frühstücken, selbstgemachtes brot und marmelade verkaufen, klapprige kettenkarusselle aufbauen u.s.w. ist ausdruck, wie wir uns das gemeinleben vorstellen können. diesen teil wird sich die brn hoffentlich auch weiterhin bewahren. und wenn dazu gehört, dass wir auch zur brn deutlich machen: übrigens, auf nazis haben wir nach wie vor keinen bock, auch wenn sie uns seit neuestem wieder öfter „besuchen“ kommen (em 2008, sachsenfest 2008), und dazu stehen wir mit jedem kilo neustadt, dann ist das doch o.k. diese botschat trägt das die neustatd nämlich viel zu selten nach außen!!!

    klar, mit „gewicht zeigen gegen rechts“ verändern wir nix, aber es gibt ja nun wirklich genügend möglichkeiten sich außerhalb der brn ernsthaft und dauerhaft zu engagieren. das wird doch durch diese aktion nicht im geringsten in frage gestellt. wenn die dresdner cdu so eine aktion gemacht hätte, wäre ich auch nicht begeisert, denn zwischen ihrer attitüde (heidefriedhof) und ihrem tun (anti-nazi-proteste behindern) klafft eine riesige lücke. aber ich bin mal so fech und behaupte: bürger.courage darf das machen. wir sind teil der neustadt und an die augenzwinkernde/satirische gründungsgeschichte der brn schleißen wir doch nur an. deswegen wird von dem projekt meinerseits wirklich nicht erwartet, dass sich dadurch jemand anfängt für politik zu interessieren oder die politisch interessierten total drauf abgehen und uns zujubeln. das ist nun wirklich nicht das ziel!

  25. couragino:

    Muss dich nochmals korrigieren: Ich habe nichts gegen politische Statements auf der BRN – wieso auch? Beinahe jedes bunte Tuch ist doch ein politisches Statement. Ich hatte geschrieben, dass ich die BRN für den falschen Ort für politischen Aktivismus halte, das ist ein ziemlicher Unterschied. Und selbst DAS heißt nicht, dass der dort „nichts zu suchen“ hätte, sondern, dass ich es für vergeudete Liebesmüh halte, da die meisten Besucher wohl eher zum Feiern herkommen, statt zur politischen Bildung oder um sich politisch zu engagieren.
    Ich glaube fast, du hast dich zu sehr in eine Abwehrposition dem gegenüber zurückgezogen, was ich zu eurer Aktion schrieb. Dabei hab ich gegen die als solche gar nichts, ich schrieb schon zig Mal, dass ich sie als BRN-Gag lustig finde. Mich stört lediglich der Bezug zu anti-rechtem Aktivismus etwas, der bei dieser Aktion für meine Begriffe einfach fehl am Platze ist, weil das Motto keinen Bezug zum tatsächlichen Inhalt hat, zumindest auf den ersten Blick.
    Huh, nunja. Ich glaube, man kann hier schnell auch mal aneinander vorbeischreiben, wie man sieht.

  26. Liebe Freunde aus dem schönen Dresden! Seid lieber froh, dass eure schöne Stadt noch als deutsch bezeichnet werden kann, ihr scheint keine Ahnung von den Zuständen im multikulturellen Westen zu haben, sonst würdet ihr nicht dauernd von der „Rechten Gefahr“ reden!

  27. Und so Aktionen wie „Wiegen gegen Rechts“ sind ja echt lächerlich seid doch ehrlich:
    GEGEN RECHTS=GEGEN DEUTSCHLAND

  28. Mathias, bist Du ein instinktsicherer Troll, daß Du dir ein Forum über den buntesten Stadtteil der Welt aussuchst, um Deinen braunen Dünnpfiff loszuwerden, oder einfach ein ganz gewöhnlicher dumpfbackig-deutscher Depp?

  29. Was ist denn hier los? Einsickern rechter Parolen in Antons Neustadt-Blog?

    Lieber Matthias, steck doch deine Nase einfach mal in ein gutes Buch über die Zeit zwischen 1918 und 1945.

  30. Und überhaupt – „Gegen rechts = gegen Deutschland“? Teile meiner Familie wurden wegen „rechts“ gefoltert, inhaftiert, zum Dienst an der Front gezwungen oder kamen im Bombenhagel um, den wir ja letzten Endes auch rechtem Größenwahn zu verdanken hatten! Eine Schande für jeden Bürger dieses Landes, was du hier vom Stapel lässt.

  31. „…kamen im Bombenhagel um, den wir ja letzten Endes auch rechtem Größenwahn zu verdanken hatten!…)

    Wie letzten Endes auch? Den haben wir NUR dem rechtem Größenwahn (wenn man es so nennen will) zu verdanken.

  32. rudi:

    „auch“ war hier im Sinne von Addition gemeint zu all dem anderen, was wir NOCH rechten Ideen zu verdanken hatten – u.a. eben auch die Inhaftierung von Oppositionellen.

  33. Mach ich schon. Wollte nur mal einen durchlassen, damit die Kerle sehen, dass es da ein paar Leutchen gibt, die solche Kommentare nicht unkommentiert lassen. Seit kürzlich dieser Artikel auf ner ziemlich üblen Seite verlinkt wurde, krieg ich hier ziemlich üble Kommentare, die glücklicherweise gleich in den Spam-Filter fallen.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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