Halbzeit auf der Halloweenstraße: Der große Begrünungstest auf der Louisenstraße läuft seit reichlich elf Wochen. Noch bis Ende Oktober wird getestet, geduldet und ausgewertet. Ein Vor-Ort-Termin mit den zuständigen Stadtplaner*innen zeigt: Die Kübel stehen noch, das Unkraut wächst schon, und beim Parken hapert’s weiterhin.

Die Bilanz nach der Hälfte der Testphase fällt aus Sicht der Stadt positiv aus. Stephanie Mau (Stadtplanerin) und André Zschoge (Verkehrsplaner) trafen sich mit dem Neustadt-Geflüster direkt vor Ort, zwischen Holzkisten, Betonkübeln und frisch besprühten Metallgestellen. Ihr Fazit: Sämtliche Elemente sind noch intakt, wenn auch inzwischen mit einer gewissen Portion Streetart verziert. „Elemente stehen noch“, bringt es Zschoge knapp auf den Punkt.
Bäume: noch nicht, aber demnächst
Was fehlt, sind die Bäume. Die flachen Holzkisten sollen deren künftige Standorte markieren. Aus Kostengründen wurde dort bislang aber nur ausgesät statt gepflanzt – mit dem Ergebnis, dass es in den Kisten derzeit eher nach Wildwuchs als nach Stadtgrün aussieht. Eines der Beete hat sich der Kürbisgärtner von der Louisenstraße angeeignet, über den das Neustadt-Geflüster bereits im August berichtete.

Die eigentlichen Bäume sollen erst nächstes Jahr kommen: fünf Stück an Stelle der vier Beete zwischen Rothenburger und Alaunstraße, vier weitere folgen im Ostteil der Straße zwischen Martin-Luther- und Prießnitzstraße. Wer schon jetzt etwas beitragen will, kann über den städtischen Fonds Stadtgrün direkt für die Louisenbäume spenden.
Reinigung: die Möbel sind sauberer als die Beete
Ein kaputter Gießbehälter ist der bislang einzige nennenswerte Schaden – laut Zschoge aber keine Vandalismusfolge, sondern schlicht Verschleiß. Ums Gießen kümmern sich neben dem Amt für Stadtgrün (einmal wöchentlich) auch die Beet-Patinnen und -Paten: Für die Metall- und Holzgestelle ist die Stadt zuständig, die Betonkübel haben private Unterstützung.
Auch beim Reinigungsthema zeigt sich während des Gesprächs, wo der Schuh drückt. Ein Team der Stadtreinigung liest im Vorbeigehen den groben Dreck aus den Sitzmöbeln – Kippen, Taschentücher, Pappbecher –, in den Beeten selbst bleibt dagegen einiges liegen. „Das Reinigungsthema muss beachtet werden“, räumt Zschoge ein und verweist zugleich auf die Pat*innen, die ebenfalls regelmäßig sauber machen.
Mit den Elementen selbst habe die Stadt bereits gute Erfahrungen gemacht. Unter anderem stehen baugleiche Möbel an der Gehestraße in Pieschen, vor dem dortigen Gymnasium. Weniger Ritzen könnten den Reinigungsaufwand reduzieren, räumt Zschoge ein. Ob die Möbel dann noch genauso bequem wären, sei allerdings Ansichtssache.
Dem Vorwurf, die Elemente seien überteuert, hält er ihre Stabilität entgegen: Bislang sei noch keines kaputtgegangen, zudem verfügten die Pflanzkübel über eine innenliegende Wasserspeicherwanne. Solche Stadtmöbel, so die knappe Zusammenfassung, hätten eben ihren Preis.
Drei Müllcontainer, ein Nachbar, viel Zustimmung
Auch die drei neu aufgestellten großen Müllcontainer bekommen positives Feedback – von der Stadtreinigung selbst. Sie vermeldet, dass die Container tatsächlich genutzt werden. Der reguläre Reinigungszyklus musste in dem Straßenabschnitt nicht intensiviert werden.

Dass das Interesse an dem Projekt groß ist, zeigt sich auch spontan: „Ich find das total geil“, mischt sich ein Nachbar von der Alaunstraße ungefragt ins Gespräch. An der Umfrage habe er noch nicht teilgenommen, wolle das aber jetzt nachholen. Zschoge verweist auf den QR-Code, der entlang der gesamten Strecke angebracht ist.
Die Umfrage: rund 500 Stimmen, IP-Filter inklusive
Apropos Umfrage: Die ist für die Stadtplaner das eigentliche Kernstück des Tests. „Das Ergebnis der Umfrage ist unser wichtigstes Feedback“, so Zschoge. Rund 500 Menschen haben bislang teilgenommen. Ein IP-Filter soll einschränken, dass Einzelne mehrfach abstimmen.
Zu den konkreten Ergebnissen will der Verkehrsplaner noch nichts sagen, außer so viel: Rund vier Fünftel der Teilnehmenden stimmen den Stadtmöbeln und Grünkästen bisher grundsätzlich zu. Am Anfang habe es Beschwerden gegeben, die Rettungsdienste würden behindert. Eine Rücksprache mit der Rettungswache habe jedoch ergeben, dass für sie kein Problem mit der Stadtmöblierung bestehe.
Die Umfrage habe man inzwischen nachgeschärft und am Ende um eine offene Frage ergänzt. Kritisches Feedback sei ausdrücklich erwünscht. Neu hinzugekommen ist außerdem eine Frage zur Diagonalampel an der Schiefen Ecke.

Die Ampel: warten aufs Grün, diagonal geht kaum wer
Bei der testweise eingerichteten Diagonalquerung zeigt der Vor-Ort-Augenschein: Diagonal quert kaum jemand, und die Wartezeit auf Grün empfinden viele offenbar als lang – nach der Straßenbahn dürfen zunächst die Autos, erst danach die Fußgänger*innen. Auch hier wünschen sich die Stadtplaner Rückmeldung über die Umfrage. Verkehrsplaner Zschoge weiß, dass es lange dauert, Gewohnheiten im Straßenverkehr aufzubrechen. Vielleicht würden bei deutlicherer Straßenmarkierung mehr Leute die diagonale Abkürzung wählen.
Parken: Verbot ja, Kontrolle eher nein
Beim Parken zeigt sich dagegen ein bekanntes Neustadt-Bild. Trotz eingeschränktem Halteverbot wird weiterhin munter geparkt. „Wir hätten uns gewünscht, dass hier weniger geparkt wird und dass mehr kontrolliert wird“, so Zschoge. Sollte der Test verstetigt werden, könnten künftig mehr Elemente aufgestellt werden, die das illegale Parken baulich verhindern. Von Polizei und Ordnungsamt gibt es zur veränderten Situation auf der Louisenstraße bislang kein negatives Feedback.

Wie geht’s weiter?
Insgesamt waren acht städtische Ämter sowie mehrere Initiativen an dem Projekt beteiligt. Ob Kübel, Möbel und Ampel dauerhaft bleiben, entscheidet am Ende der Stadtbezirksbeirat, voraussichtlich in seiner Dezembersitzung. Fällt die Entscheidung positiv aus, bleiben die Möbel ohne zusätzliche Kosten stehen. Bis dahin gilt: Die Testphase läuft bis zum 31. Oktober – da kann sich der Kürbisgärtner freuen, denn Halloween ist gesichert.
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