Die Gedenkstätte Bautzner Straße hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Bei der Mitgliederversammlung des Trägervereins Erkenntnis durch Erinnerung e.V. wurde am 29. Juni Heiko Neumann einstimmig gewählt. Er tritt die Nachfolge von Henry Krause an, der dem Verein weiterhin als Stellvertreter erhalten bleibt.

Der Trägerverein der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden begleitet und unterstützt seit 1997 die Arbeit des Gedenkstättenteams unter Leiterin Uljana Sieber. Ziel ist es, die Arbeitsweisen und Verflechtungen der sowjetischen Geheimdienste sowie des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit am historischen Ort aufzuarbeiten und zu vermitteln. Kernstück der Gedenkstätte sind die beiden ehemaligen Untersuchungsgefängnisse sowie eine 2024 umfassend modernisierte Dauerausstellung.
Der neunköpfige, ehrenamtlich tätige Vorstand bringt Fachleute aus unterschiedlichsten beruflichen und gesellschaftlichen Kontexten zusammen. Für den langjährigen Vorsitzenden Henry Krause gab es bei der Versammlung einen herzlichen Dank – nicht zuletzt für die von ihm initiierte Veranstaltungsreihe zur Menschenrechtslage weltweit, die er gemeinsam mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ins Leben gerufen hatte. In diesem Jahr stehen dazu noch zwei weitere Termine zu Iran und Venezuela an.
Brücke zwischen Aufarbeitung und Gegenwart
Neumann, 41-jähriger Geschichtslehrer und Lehrbeauftragter an der TU Dresden, ist dem Haus seit 2011 in verschiedenen Rollen verbunden – als Forscher, Vermittler und bereits früher als Vorstandsmitglied. Ihm liegt daran, das bürgerschaftliche Engagement, das im Wagnis der Revolution von 1989/90 seinen Ursprung hat, behutsam an die nächste Generation weiterzugeben. Dabei betont er die Bedeutung derjenigen im Verein, die selbst vom MfS verfolgt, inhaftiert oder unterdrückt wurden: Die Erinnerung an das Leid, das Diktaturen Menschen zufügen, bleibe zentraler Auftrag von Gedenkstätte und Verein.
Gleichzeitig sollen die Perspektiven jüngerer Mitglieder im Vorstand stärkeres Gewicht bekommen. Der Verein wolle nicht nur historische Diktaturmechanismen verständlich machen, sondern auch dazu beitragen, Menschen zu befähigen, sich neuen autoritären Verlockungen entgegenzustellen – gerade an einem Ort, der einst für einen ideologisch verengten Denkraum stand, gehe es darum, für Meinungs- und Entfaltungsfreiheit zu werben. Fundierte Forschung, zeitgemäße Vermittlungsangebote und hochwertige Veranstaltungen könnten einer wachsenden Verklärung des DDR-Alltags entgegenwirken, so Neumann.

Sieben Tage geöffnet
Die Gedenkstätte ist an sieben Tagen der Woche zugänglich. Wer die historischen Räume und die Ausstellung besucht, kann sich mit individuellen Schicksalen auseinandersetzen und bekommt einen Eindruck von den lokalen wie internationalen Kooperationen des Hauses zur Erforschung und Vermittlung europäischer Diktaturerfahrungen.
Wer den neuen Vorsitzenden persönlich kennenlernen möchte, hat dazu am 29. August um 10 Uhr Gelegenheit: Gemeinsam mit dem Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv Standort Dresden führt Neumann durch die Topographie der Sicherheit, einen Rundgang durch das ehemalige Areal der Staatssicherheit am Dresdner Elbhang.
Der neue Vorstand im Überblick
- Vorsitzender: Dr. Heiko Neumann
- 1. Stellvertreter: Oliver Frh. von Gregory
- Stellvertreter: Ulrike Gärtner, Henry Krause
- Schatzmeister: Arnold Wiersbinski
- Beisitzer: Dr. Joachim Hannemann, Franz-Joseph Hille, Dr. Peter Keup, Katrin Rudolph
- Gedenkstättenleiterin: Uljana Sieber
- Ehrenvorsitzender: Dr. Herbert Wagner
Weitere Informationen zur Gedenkstätte: Bautzner Straße Dresden





















