Mit Beginn der Freiluftsaison sind in der Äußeren Neustadt wieder Dialogteams unterwegs. Sie treten nun unter dem Namen „Kiezlichter“ auf, zuvor hießen sie „Nacht(sch)lichter“. Gemeinsam mit Polizei und Ordnungsamt stellte Stadtbezirksamtsleiter André Barth das Konzept für die neue Saison vor.

Mit steigenden Temperaturen zieht es wieder mehr Menschen in den Alaunpark und auf die Straßen des Viertels – entsprechend wächst auch der Bedarf an Präsenz vor Ort. Die Kiezlichter sind Teil eines Ansatzes, der auf Prävention, konkrete Hilfe und Zusammenarbeit setzt. Neben Behörden sind auch Gastronomie und Clubs eingebunden.
Im vergangenen Jahr führten die Teams mehr als 1.200 Gespräche im öffentlichen Raum und nahmen zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung auf. In über 60 Fällen unterstützten sie Betroffene von Gewalt. Zudem halfen sie mehrfach in akuten Notsituationen und alarmierten Rettungsdienste.

Das Team umfasst aktuell 22 Personen. Viele sind im Viertel verwurzelt, einige bereits seit mehreren Jahren dabei. Sechs Neue sind in dieser Saison dazugekommen. Regelmäßige Schulungen – etwa zu Deeskalation, Awareness und Erster Hilfe – gehören fest dazu, ebenso der Umgang mit Drogennotfällen.
Lastenrad als mobile Anlaufstelle
Neu ist in diesem Jahr ein rotes Lastenrad, das freitags und sonnabends mit im Einsatz ist. Es dient als mobile Anlaufstelle und ist unter anderem mit Infomaterial, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Wasser und Snacks ausgestattet. Finanziert wurde die Aufarbeitung mit Mitteln aus dem Stadtbezirksbudget, bereitgestellt von der Wir-AG.
Die Zentrale befindet sich inzwischen am Martin-Luther-Platz, nachdem das Blechschloss vor der Scheune abgebaut wurde. Von hier aus starten die Teams in ihre Einsätze. Gleichzeitig bietet der Standort einen Rückzugsort – besonders für Menschen, die von Gewalt betroffen sind. Erreichbar sind die Kiezlichter auch per WhatsApp unter 0152 09089395.

Das Projekt ist für 2026 im städtischen Haushalt eingeplant, perspektivisch soll es weitergeführt werden. Stadtbezirksamtsleiter André Barth sieht darin eine sinnvolle Investition: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Angebot wirkt. Es trägt zu einem respektvollen Miteinander bei und hilft, Konflikte frühzeitig zu entschärfen.“
Resonanz auch über Dresden hinaus
Das Konzept stößt inzwischen auch überregional auf Interesse. Vertreter der Kiezlichter waren unter anderem beim Landespräventionstag und bei der Fachkonferenz „Stadt nach 8“ dabei. Koordinator Alessandro Finke beschreibt den Ansatz so: „Wir sind nah dran am Geschehen im Viertel. Durch Präsenz und direkte Ansprache lassen sich viele Situationen früh entschärfen.“
Auch die Umbenennung erklärt er: Man sehe sich nicht als klassische Streitschlichter, die in akute Konflikte hineingehen, sondern arbeite vor allem vorbeugend. Der alte Name habe das nicht gut abgebildet. „Viele im Team konnten sich damit nicht mehr identifizieren. Deshalb haben wir gemeinsam einen neuen Namen gesucht.“
Zum Saisonstart äußern sich auch die Landtagsabgeordnete Sophie Koch und Stadträtin Julia Hartl (beide SPD). Koch betont die Bedeutung für die Neustadt: „Die Teams tragen spürbar dazu bei, Konflikte zu entschärfen – etwa rund um die Schiefe Ecke.“ Besonders die neue Zentrale sei ein Gewinn.
Hartl sieht in dem Projekt mehr als ein Zusatzangebot: „Das ist kein ‚nice to have‘, sondern ein wichtiger Baustein für das Viertel.“ Wer wissen wolle, wie Prävention konkret aussieht, müsse nur einen Blick in die Neustadt werfen.
Finanzierung gesichert – mit Abstrichen
Erstmals wird das Projekt vollständig aus dem städtischen Haushalt finanziert. Mittel des Freistaats Sachsen in Höhe von rund 8.000 Euro entfallen. Gleichzeitig wurde das Budget gekürzt: Nun steht eine Summe von 170.000 Euro für Personal- und Sachkosten zur Verfügung. Laut Barth sollte das für die kommende Saison ausreichen.





















Vorschlag fürs nächste mal: Armleuchten…;-)
170.000€ für so ein Blödsinn.