Neustadt-Urinal eingeweiht

Graffiti-Künstler Christian Höhn gestaltet das Urinal
Graffiti-Künstler Christian Höhn gestaltet das Urinal
Um die Mittagsstunde gab es heute an der „Bunten Ecke“ einen kleineren Menschenauflauf. Der Grund: das erste Neustädter Urinal wurde eingeweiht. Mit stolz geschwellter Brust hielt Ortsamtsleiter André Barth eine kleine Ansprache. Immerhin hat er nun innerhalb von einer Woche zwei Punkte des Konzeptes „Szene-Viertel ja, Dreckecken nein“ umsetzen können. Zur Einweihung wurde ganz klassisch ein Band durchgeschnitten, dass allerdings thematisch etwas unpassend aus Klopapier bestand. Selbiges wird nämlich bei dem Urinal nicht zum Einsatz kommen, da in dem Urinal nur zwei Pinkelbecken installiert sind. Hintergrund ist, dass es aus praktischen Gründen vor allem Männer sind, die wild in die Gegend pinkeln. Diese können nun hier hinter einem Sichtschutz ganz ungestört Wasser lassen. Für Damen mit Notdurft verwies Ortsamtsleiter Barth auf die sogenannten „Netten Toiletten“, derart sind gastronomische Einrichtungen gekennzeichnet, in denen man auch ohne etwas zu konsumieren das stille Örtchen aufsuchen kann. Eine Übersicht der „Netten Toiletten“ gibt es auf dem Themenstadtplan der Stadt Dresden.

Das Toi-Toi-Häuschen war nur für die Bauarbeiter
Das Toi-Toi-Häuschen war nur für die Bauarbeiter
Das massive Urinal wurde seit gestern vom Künstler Christian Höhn mit Graffiti farbig gestaltet. Noch heute soll das Kunstwerk vollendet werden. Die Kosten für das Urinal: 53.000 Euro. Übrigens: Wildpinkeln ist strafbar. Das ist in der Polizeiverordnung der Stadt Dresden unter § 12 „Stadtstreicherei sowie öffentliche Belästigungen und Störungen“ geregelt: „Das Verrichten der Notdurft auf öffentlichen Flächen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit bis zu 1 000 Euro geahndet werden.“

Dem neuen Urinal wünscht man eine etwas längere Lebensdauer als dem benachbarten Trinkwasserbrunnen, der schon nach kurzer Zeit derart beschädigt wurde, dass er seitdem außer Betrieb ist. (Neustadt-Geflüster vom 6. Juni 2009)

Großer Andrang zur offiziellen Eröffnung des Urinals
Großer Andrang zur offiziellen Eröffnung des Urinals


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36 Kommentare zu “Neustadt-Urinal eingeweiht

  1. Die Platzierung ist strategisch mehr als ungünstig… :-( Hätte man das nicht etwas weiter in eine Ecke bauen können?

  2. Bei den entstandenen Kosten sollte das Pinkelbecken schon eine Weile halten! Ob das wirklich Not tut und die Neustadt damit sauberer wird?

  3. 53 Tausend Euro für nen Blecheimer an einer Betonwand zum Reinpinkeln, was ist das? Zivilisation des 21. Jh., Stadtkultur Dresden, Geldvernichtung, Subvention des Handwerks, Wahnwitz der Stadtverwaltung, … ich kann es nicht einordnen.

  4. @Lutz: Damit haste sogar recht: offiziell soll es nämlich frühestens am Montag benutzbar sein – wenn das Wetter mitmacht (farbliche Gestaltung läuft noch…)

  5. Für jeden Benutzer, der wieder hinter dieser Wand hervor kommt, erwarte ich spontanen Beifall aller Passanten!

    Rundum wo die Schüssel nun steht, wächst offensichtlich schon jetzt kein Gras mehr.

  6. Super Idee, das Urinal MITTEN auf dem Platz zu platzieren. So kann man schön verdeutlichen, dass das ursprüngliche Konzept der bunten Ecke endültig gescheitert ist:

    Ich meine, empfindet irgendjemand diese Ecke als städtebaulich ansprechenden Platz? Nutzer des Platzes sind – wie eh und je – Punks und Spritis. So weit so gut, aber gedacht war ja, dass die Ecke atraktiv für eine breitere Bevölkerungsgruppe ist. Und mit breit meine ich keinen Geisteszustand.

    Dieser Springbrunnen? Trinkbrunnen? war kaum 24 Stunden funktionsfähig und dient jetzt als prima Mülleimer und Aschenbecher. Auch kleben dort Sticker wunderbar.

    Diese Ecke ist das beste Beispiel, wie unasgegorene städtebauliche Ideen mit sehr viel (öffentlichem) Geld wahnsinnig schlecht umgesetzt werden können.

    Diese Ecke wäre ein besserer Platz, hätte man dort gar nichts gepflastert und gebaut.

  7. Ich frag mich grad warum hier erstmal (fast) alles
    schlecht geredet werden muß.
    Nach 1.Betrachtung finde ich das „stille Örtchen“ gar
    nicht so übel – und alle Male besser als „vollgepinkelte“
    Straßenecken.

  8. Ich kann zwanzigtausend da nur zustimmen. Anscheinend musste Geld weg oder die Baufirma hatte gute Bekanntschaften im Rathaus… Absolut unverständlich.

  9. @Anton: Warum startest du hier nicht eine „Nette-Toilette“-Privatinitiative: Jeder Bewohner, der mitmachen möchte, hinterlässt Straße, Hausnummer und Kontaktdaten. Wenn z.B. jemand in der Sebnitzer Straße XY auf’s 00 muss, kann er sich dann einfach bei mir melden. Danach gibt’s noch ’nen Kaffee…

  10. Der Sichtschutz is ja aber auch nen Witz…wir sind mit dem Rad Richtung Albertplatz gefahren und man hatte freien Blick auf das Urinal! Ich denke man hätte das ganze einfach besser umsetzen können und für das Geld auch wesentlich schöner.

  11. Ich habs noch nicht live gesehen, aber vielleicht ist der fehlende oder mangelhafte Sichtschutz auch Absicht. Gäbe es einen kompletten Sichtschutz wie bei alten öffentlichen Pissoirs, könnte man vermutlich drauf warten, dass jemand diesen Sichtschutz nutzt, um das Urinal zu zerstören. Und wer so zu ist, dass er in die Ecke oder den nächsten Hauseingang pinkelt, dem ist der Sichtschutz sowieso egal.

  12. Ich kenn‘ solche Urinals aus Amsterdam und da werden sie gut angenommen. Der mangelnde Sichtschutz ist auch Absicht. So kommt zumindest keiner auf die Idee größere Geschäfte zu hinterlassen, zu verdrecken gibt es auch weniger… Eben nicht für längeres Verweilen gedacht. Optisch finde ich es sogar recht hübsch – obwohl ich ja nicht zu den Benutzern zählen werde;-)

  13. Wildpinkeln ist strafbar und eklig.
    Halb-öffentliches Pinkeln empfinde ich als Passantin ekelhaft!
    Zudem ist der Standort völlig deplatziert und die gute Absicht hätte diskreter ausgeführt werden können.
    Auch für die Bedürftigen.
    Wenigstens stehen Warte-Bänke daneben…
    Eine typische Dresden-Satire mehr.

  14. Ich hab das Teil Sonnabend morgens eingeweit und muss sagen, das es wunderbar funktioniert.
    Der Sichtschutz ist völlig ausreichend.
    Ich hoffe das Teil bleibt noch eine Weile in Funktion.

  15. hummmmhh, nine …dann könntest du doch bei S.Ebnitzer klingeln.. – er hat es ja angeboten..mit Kaffee sogar s.o.

  16. also wenns nen kaffee dazu gibt, würd ich sogar noch über nen kleinen obolus für den putzmann nachdenken :D

  17. ich find das ding vom grundprinzip her super.. wer auf der alaunstrasse oder in der ecke wohnt, isses sicher auch leid früh aus dem vollgepissten eingang rauszukommen…

    warum hier so viele schlecht über ne pissoption die umsonst ist reden, versteh ich nicht.

  18. Bei mir gibt’s kein Urinal – aber die Latte danach!
    Das ist ein alter Hut, aber ich find’s lustig…

  19. Als ob jemand wenn er sturzbesoffen ist noch extra die Schritte zum Urinal macht. Wer vorher so asozial war und in Hauseingänge gepisst hat wird das auch weiterhin tun. Ein freundliches Wort in der nächsten Kneipe ist genauso eine kostenlose „Pissoption“.

  20. Hier fehlt eine Sichtschutzwand. Hier kann man direkt in die Kabine reinschauen. Damit ist das Teil nicht unisextauglich.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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