Petition gegen Nummer des Ordnungsamtes

Seit einer Weile hängen überall in der Stadt Plakate mit der Aufschrift „Lärm? 4886333 Ordnungsamt“. Damit will das Dresdner Ordnungsamt seine Service-Nummer bekannter machen. Unter dieser Nummer können die Bürger*innen Verstöße gegen Ordnung und Sicherheit melden. Neustadt-Geflüster vom 26. Januar.

Wie der Sender „Radio Dresden“ berichtet, gibt es nun offenbar eine Petition dagegen. In der von Ilona Sommer eingereichten e-Petition wird die Beendigung der Plakataktion gefordert. Weiter heißt es unter anderem: „Mit dieser Aktion werden Bürger zum Denunzieren aufgefordert. Eine Praxis, die für die Zeit von 1933 bis 1945 parteiübergreifend an den Pranger gestellt wird – zu Recht. In der DDR wurde diese Praxis seitens des MfS gefordert und gefördert.“

Mit dem Auffordern zur Denunziation nehme, so die Petenten, die Stadtverwaltung Dresden nicht nur eine weitere Spaltung der Gesellschaft billigend in Kauf nimmt, sondern überführe darüber hinaus Praktiken der überwundenen Diktaturen in das heutige Handeln.

Polizeibehörde im Einsatz auf der Alaunstraße
Polizeibehörde im Einsatz auf der Alaunstraße

Zastrow: Anstiftung zum Denunzieren

Bereits kurz nach dem Erscheinen der ersten Plakate hatte sich auch der Dresdner Stadtbezirksbeirat Holger Zastrow (FDP) zu der Ordnungsamt-Hotline geäußert, die schieße vollkommen über das Ziel hinaus und sei eine Anstiftung zum Denunzieren. „Mit großem Befremden nehme ich eine solche Aktion der Stadtverwaltung zu Kenntnis. Mitten im Lockdown, mitten in der großen Stille, mitten in der Ausgangssperre und mitten in einer Zeit, in der das gesellschaftliche und kulturelle Lebens völlig darniederliegt, startet die Stadt eine Kampagne gegen Lärmbelästigung“, so Zastrow.

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Mitten in einer Zeit, wo Hoffnungen und Existenzen vernichtet würden, Zukunftsängste und Unsicherheit dominierten und allerorts von Zusammenhalt und Solidarität gesprochen werde, fordere der Ordnungsbürgermeister die Dresdner auf, sich gegenseitig auf die Finger zu schauen und vermeintliche Vergehen zu melden. „Unsensibler und unpassender kann man nicht agieren“, so der FDP-Politiker. Zastrow kündigte an, die Kampagne zum Thema im Stadtrat zu machen sowie Sinn, Motivation und Kosten zu hinterfragen.

Die e-Petition ist auf dresden.de einsehbar. Aktuell haben etwas mehr als 1.000 Personen diese Petition unterzeichnet.

Das umstrittene Plakat der Stadtverwaltung.
Das umstrittene Plakat der Stadtverwaltung.
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27 Ergänzungen zu “Petition gegen Nummer des Ordnungsamtes

  1. Man könnte auch drauf kommen, dass gerade derzeit die Menschen sehr empfindlich auf störende Einflüsse reagieren, weil wir alle in einer Lage sind, in der wir lieber nicht wären. Aber lieber irgendwas mit Nazi- und Stasi-Vergleichen, weil das ja immer angemessen ist. Ich glaub, mein Schwein pfeift. Wer solche Vergleiche zieht, hat in Geschichte offenbar gefehlt. Unglaublich.

  2. Ja, zu wissen wo ich mich beschweren kann, wenn jemand seine Nachbarn belästigt (z.B. für schlafende Kinder, Einhaltung der Maßnahmen gegen eine Pandemie, die gerade hundertausende Leben bedroht) – und vlt. nebenbei gar die Notrufnummern entlasten…

    …ja, das ist genau das selbe wie jemanden als Juden im NS-Regime zu melden um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

    Wenn die Leute, die „Das ist ja wie Früher!“ rufen wenigstens ab und zu mal wüssten wie „Früher“ wirklich aussah…

  3. Dito! Viele schlafen pandemiebedingt sowieso schlecht und haben tagsüber keine Verschnaufpausen mehr. Wenn dann jemand der Meinung ist, man müsse nachts lärmen, habe ich früher ein Auge zugedrückt. Bei manchem Nachbarn auch zwei, drei, vier, fünf Augen. Jetzt nicht mehr. Ich brauche meinen Schlaf mehr als irgendwer nachts laute Musik braucht.
    Gut zu wissen, dass die 110 dann nicht der Ansprechpartner der Wahl ist.

    Denunzieren bedeutet übrigens „aus persönlichen niedrigen Beweggründen anzeigen“. Das trifft auf Lärmmeldungen beim Ordnungsamt nicht zu.

  4. Hier wäre es meiner Meinung nach angebracht, pragmatisch zu denken, als eine „Spaltung der Gesellschaft“ vorzuwerfen. Wer wird denn da gespalten, die lauten von den leisen Nachbarn? Hier schwingt für meine Begriffe die Abneigung einer staatlichen Hilfsmöglichkeit mit. Würde auf den Plaketten eine Telefonnummer für ein „Frauen in Not Telefon“ abgedruckt, würde daran sicher niemand Anstoß nehmen. Es ist sehr leicht zu durchschauen, dass in diesem Aufruf die Ablehnung staatlicher Interventionsmöglichkeiten die Triebfeder ist. Lieber wird das Graffiti mit den vier Buchstaben an jeder zweiten Hauswand gelesen, als dass Menschen, die sich vom rücksichtlosen Verhalten anderer gestört fühlen, darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie nicht alles hinnehmen müssen.
    Die gezogene Parallele zur NS- und Stasizeit sind geschmacklos und verharmlosen diese. Die Stimme erheben, sich gegen das rücksichtlose Verhalten anderer zur Wehr setzen, auf die Missstände aufmerksam machen, sind alles Parolen unserer Zeit. Aber wehe der Staat mischt sich da ein!

  5. Manchen ist auch wirklich nichts zu blöde, oder sie halten sich für Kana aus Kassel und ihre Kinder fühlen sich wie Anne Frank

    Es hat auch nicht das geringste mit Denunziationen zu tun. Wer sich an die Regeln hält, hat nichts zu befürchten und wer das nicht kann, soll wenigstens Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen.

    Vergleiche mit dem 3. Reich oder der Stasi sind hier m.E. vollkommen unangebracht.

  6. Lärm ist eine Form der Umweltverschmutzung und gesundheitschädlich für Mensch und Tier. Wenn ich jemand wegen Lärmbelästigung anzeige, dann zahlt er im schlimmsten Fall eine Geldstrafe (wenn überhaupt). Das mit einem KZ oder einem Stasigefängnis gleich zu setzen zeugt von Dummheit oder Böswilligkeit. Diese Diskussion hatten wir schon mal in Hinblick auf die Zustände am Assi-Eck … ein rücksichtsvoller Umgang miteinander und die Einhaltung von Gesetzen zum Schutz der Gesundheit scheinen auch für Frau Sommer kaum vorstellbar zu sein.

  7. Der Zastrow bringt’s auf den Punkt, danke fürs Mitteilen. Lärm ist eventuell gerade das geringste Problem (laute Partys, ohne Gäste?), und ganz offensichtlich nur ein vorgeschobener Grund, die Petznummer überall zu propagieren.

  8. Es ist ein Jammer.
    Bei Facebook werden natürlich umgehend Vergleiche zu „1984“ gezogen und hier freut sich der hypersensible Neusespießer, daß ihm (oder auch ihr) das blättern im Telefonbuch erspart bleibt.

    Wer gern meldet hat doch die Nummer so wie so im Kopf und wer nicht: Ist es denn so schwer einen informellen Service der Stadtverwaltung einfach zu ignorieren?

  9. Das hat doch mit „früher“ nix zu schaffen. Nur wer denunzieren will wird es so nutzen. Ging aber auch vorher denn das Ordnungsamt hat schon länger Telefon…

    Stasi und NS-Gedöns bitte in diesem Zusammenhang unterlassen!

    Ist eine Alternative zur 110 für die, die z.B. zugeparkt wurden, oder wo z.B. der Nachbar (laute Party) auf freundliche Ansprache nicht reagiert (hat auch mit Corona nix zu tun), oder wegen sonstigem, wo die Polizei nicht gleich nötig ist…. (Ordnungswidrigkeiten)

    …die Aufregung nicht wert, braucht auch keine Petition.
    Jetzt kommt mal wieder aus dem Kampfmodus raus…!!!

    Hier wird die Telefonnummer des Ordnungsamtes bekannt gemacht, ist das `
    ne Sache fürs „Verfassungsgericht“ oder die „UNO“ ?

  10. Die Nummer des Ordnungsamtes – die wird man doch wohl noch plakatieren dürfen? Und zwar ohne dass gleich jemand mit dem Stasi Hammer kommt. Oder doch nicht? Und wenn ich es doch mache – werde ich dann denunziert und bestraft? Ist das nicht eine Praxis, die für die Zeit von 1933 bis 1945 parteiübergreifend an den Pranger gestellt wird – zu Recht. In der DDR wurde diese Praxis seitens des MfS gefordert und gefördert.

  11. Klar, dass Zastrow wieder mal nach Zensur ruft. Macht der eigentlich auch mal was Eigenes oder schwingt er sich zum größten Verhinderer aller Zeiten (GröVehiZ) auf? Mit dem Verhindern ist er ja längst an den Grünen vorbeigezogen. Früher wurde übrigens auch immer Alles verhindert.

  12. Alle nutzen das Ordnungsamt so, wie sie es brauchen:

    Woche des (vermeintlich) „guten“ Lebens:

    .da wird z.B. das Ordnungsamt vom BUND e.V. missbraucht, um die Neustadt „Auto-Frei“ zu melden…. (ohne schlechtes Gewissen). Ist ja auch einfacher, als Überzeugungsarbeit zu leisten, oder evtl. sogar die Nachbarn zur Teilnahme zu befragen…

    Aber das Ordnungsamt darf seine Nummer nicht plakatieren?

  13. Welcher Lärm? Seit Monaten ist es so still, dass es weh tut. Eine Party wäre genau das Richtige, um mal auf andere Gedanken zu kommen.
    Die Denunzianten, die da anrufen, haben einfach nichts zu tun und keine Freude im Leben.

  14. Die Nummer können sich ja alle schon mal einspeichern, die ein Böllerverbot zu Sylvester wollten, grossflächige Parkverbote einrichten wollen oder in anderer Weise Ihren Mitmenschen die eigene Gesinnung aufdrücken wollen…

    Wer diverse Verbote fordert, fordert auch deren Umsetzung und Einhaltung…. Zuständig ist dann das Ortnungsamt

    Wer Gesetz Xy zur Umsetzung fordert muss sich an die anderen Gesetze halten, auch wenn diese mal nicht ins eigene Konzept passen, oder einfach:

    Die Freiheit des einzelnen endet, wo die Freiheit des anderen eingeschränkt wird.

  15. Telefonnummer… der Antrag wurde aus dem Archiv gestampft, oder?

    An eine App oder ein online Formular und entsprechende effiziente Prozesse dahinter und die Sache wäre einfacher!
    Denn auch der Mißbrauch muss geahndet werden und dann haben wir auch kein Denunziantenproblem – dank Gewaltenteilung und Prozessdokumentation.

  16. Die Nummer kann doch bleiben wo und wie sie ist. Wer das gleich wieder mit petzen in Verbindung bringt, der hat echt ein schlechtes Karma. Sinnlos…Kann ich mich dagegen eigentlich beschweren? Also FÜR die Nummer, das die so ist wie sie ist?

  17. Weder hat das Dritte Reich mit Auschwitz, noch hat die DDR mit Bautzen begonnen. Es ging Schritt für Schritt, bis der Abgrund erreicht gewesen ist…
    Jahrelange wurde vor allem von den Linken immer gewarnt „Wehret den Anfängen“. Nun wird genau das getan und auf einmal verbietet man sich das hier. Was ist das für eine Doppelmoral?

  18. Radio Dresden schreibt (Link im Artikel): „Deshalb wurde jetzt auch eine Online Petition gestartet – die verlangt die Abschaltung der Service-Nummer.“
    Das ist eine glatte Lüge, gefordert wird lediglich das Ende der Plakataktion zur „Bewerbung“ der Nummer.

    Auch die Überschrift ist schon Framing vom Feinsten:
    „Petition gegen Meldehotline der Stadt gestartet“.

    Soviel zu unseren etablierten „Qualitätsmedien“.

  19. Hätte mich eher gefreut, wenn mal aufgerufen wäre, die Kümmerin mal anzurufen. Weniger zur Vorbringung von Anliegen, einfach um mal Guten Tag zu sagen.
    Bezüglich Amt für Unordnung und Dreckigkeit wunderts mich, da ohnehin kaum personelle „Kapazität“ für „noch mehr Anliegen“ besteht. Aber gut, die Nummer bzw. Aktion war ja auch nicht von der Behörde, sondern wohl nur eine Idee des Saubermanns und Hutbürgers Detlef. Vielleicht wars ne Idee aus einer der letzten OB-Dienstberatungen, wo eigentlich alles wirklich Relevante zur Stadt entschieden bzw. eingeleitet wird – ganz demo und kratisch abseits ALLER anderen Gremien oder dergleichen Quasselrunden bzw. sonstewelcher Amtswegeriche.

  20. @Linie3
    Das „dritte Reich“ – diese Bezeichnung – ist zu Recht sehr umstritten…um es vorsichtig auszudrücken also besagte Zeit hat im Grunde sehr wohl mit Auschwitz begonnen – und zwar mit dem Gedanken daran! Antisemitismus als fester Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie bedingt Vernichtungswillen.

    Was auch immer von der Plakataktion zu halten ist , ein NS Vergleich ist eine üble Reaktivierung selbiger Zeit.

  21. „An eine App oder ein online Formular und entsprechende effiziente Prozesse dahinter und die Sache wäre einfacher!“

    Nunu. Da tippt man das dann stundenlang sinnlos in ne Handytastatur. Eine Minute später lies es jemand und tippt es in seine Software um. (Die aus Sicherheitsgründen nicht mit der App verbunden ist.) Hat der Diensthabende noch Rückfragen oder es fehlen noch Angaben, wird’s ein richtig lustiger Chat. Oder, völlig irre Idee, er ruft einfach zurück.
    Von dem irren Aufwand und Kosten, Software, APPs und IT zu betreiben, mal ganz zu schweigen…

    Aber zurück zur völlig irrwitzigen Realität. Manche Leute haben es wohl noch nie erlebt, aber tatsächlich können Menschen miteinander reden. Damit das auch ohne körperliche Nähe geht, erfand ein gewisser Herr Reis gegen 1863 einen Zauberapparillo („Telephon (von altgriechisch τῆλε tēle „fern“ und φωνή phōnē „Laut, Ton, Stimme, Sprache““).
    Und es gibt bis heute Menschen, die das Zauberkästchen (fast) nur zu diesem Zwecke in die Hand nehmen. Häufig sind das auch die, die obenrum am besten orientiert sind.
    „Effizientente Prozesse“. Na gut, es gibt zu jeder Zeit zeitgeistlich hippe Schlagworte, mit deren stetiger Verwendung man versucht, sich weiter voran und höher zu bringen, als man tatsächlich ist. Es schadet nie, es bleiben zu lassen.
    „Denn auch der Mißbrauch muss geahndet werden…“ Nicht nur geahndet, sondern am besten von vorn herein vermieden. Nun hat schon wirklich jeder schon mal irgendwelchen Müll in den Cyberraum abgesondert. Persönlich anzurufen und es mit Stimme zu erzählen, ist da noch mal ne andere Hürde und Herausforderung.

    Vielleicht hätte ich die Nummer nicht so intensiv beworben. Aber vielleicht war „Bürgernähe“ die Intension. Letztlich aber dürfte es völlig Rille sein. Wer sich darüber aufregt, weiß warum. Nämlich, weil niemand sojemanden als Nachbar haben will.

    Und Online-Petitionen sind häufig das Gleiche wie Twitter. Portale für geistigen Dünnpfiff und Selbstüberhöhung. Zumindest nach meiner Meinung.

  22. Andreas sagt:
    Danke „Linie 3“. Das trifft es zu 100 %.
    Wer es noch genauer wissen will sollte einfach mal die Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung zur Denunziation in der NS Zeit lesen. Hier wird eindeutig darauf hingewiesen, dass es auch zu dieser Zeit keine gesetzliche Pflicht zur Denunziation gab, sondern an das Gewissen und Pflichtbewusstsein der Bürger appelliert wurde. Genau wie Heute!
    Aktuell bleibt doch immer noch der gute alte Spruch:
    „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“.

  23. Wieso wird eigentlich ständig und überall der Zastrow zitiert? Wir haben doch auch ernstzunehmende Politiker im Stadtrat und nicht nur diesen inhaltsleeren Dauerwahlkämpfer.

  24. @Horst

    „Aber vielleicht war „Bürgernähe“ die Intension.“

    Bürgernähe? Nee viel profaner – die Werbefläche war halt frei und musste gefüllt werden. Wichtigeres gab es gerade nicht…

    Ein gewisser Detlef S. begründet:

    „Den Zeitpunkt habe man gewählt, da man momentan keine Veranstaltungen und Sportevents bewerben könne und die Flächen die Plakatflächen damit frei wären.“

    Quelle: https://www.radiodresden.de/beitrag/petition-gegen-meldehotline-der-stadt-gestartet-678079/

  25. @ ronnecker: „Wieso wird eigentlich ständig und überall der Zastrow zitiert?“

    Zastrow hat einfach das größte Interesse an und das meiste Geld für Meinungsmanagement. Die Leute fallen gut drauf rein (siehe hier) – gute Investition also.

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