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Tauschschrank überlastet

Seit Januar 2019 steht der Tauschschrank neben der Martin-Luther-Kirche. Grundsätzlich funktioniert das Prinzip, schätzt Christopher Colditz ein. Der Linken-Stadtrat betreut seitdem den Schrank ehrenamtlich.

Zwei- bis dreimal die Woche räumt Colditz vor Ort auf.
Zwei- bis dreimal die Woche räumt Colditz vor Ort auf.
Allerdings wird das Konzept in letzter Zeit auf eine harte Probe gestellt. Offenbar haben die Neustädter*innen die Ausgangsbeschränkungen genutzt, um mal gründlich auszumisten. Nicht nur am Tauschschrank, sondern auf vielen Fußwegen stehen derzeit besonders viele Pappkartons mit Verschenk-Angeboten. Leider ist da häufig auch ziemlicher Müll dabei.

Zwei bis dreimal pro Woche kommt Colditz vor Ort und schaut nach. „Manchmal ist alles perfekt in Ordnung, dann hat vor mir wohl gerade jemand anders aufgeräumt“, sagt er. Aber manchmal sehe es eben leider auch aus wie eine wilde Müllkippe. So auch beim Vor-Ort-Termin. Daneben steht eine Kiste mit zerbrochenen Porzellan. Auf dem Schrank liegt ein paar Turnschuhe, die sind nicht nur völlig durchnässt, auch die Sohle ist durchgebrochen, ein großer Teil der Textilien ist vom Regen der vergangenen Tage komplett durchnässt und riecht schon etwas.

Colditz würde sich wünschen, dass die Leute gezielt Sachen vorbei bringen, die tatsächlich noch jemand gebrauchen kann. Oft sortiert er große Mengen aus und schmeißt sie dann weg. Vor allem, wenn die Klamotten nach einem Regen komplett nass sind, lässt sich damit nichts mehr anfangen. „Es wäre auch gut, wenn die Leute nichts daneben stellen – wenn der Schrank voll ist, ist er eben voll.“

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Wenn die Müllmenge seine persönlichen Entsorgungsmöglichkeiten übersteigt, informiert er das Stadtbezirksamt Neustadt. „Die räumen dann ziemlich zügig auf“, so Colditz. Für die Zukunft würde er sich mehr Unterstützung wünschen. „Es machen ja schon einige Leute mit“, sagt er. So wurde kürzlich der gesamte Schrank sortiert, nach Jacken, Hosen, Pullovern – mit Beschriftung an den Regalfächern. „Vielleicht können wir uns diesbezüglich ja abstimmen“, überlegt Colditz, der verhindern möchte, dass die Anwohner den Schrank als Schandfleck wahrnehmen.

Eine Passantin, die in dem Moment vorbei kommt, bestärkt ihn. „Danke, dass Sie das machen“, sagt sie und berichtet, dass sie selbst immer auch mal aufräumt und Ordnung schafft.

Kontakt zum Tauschschrank-Betreuer

Tauschschrank oder Müllkippe - an manchen Tagen sieht es schlimm aus.
Tauschschrank oder Müllkippe – an manchen Tagen sieht es schlimm aus.
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14 Ergänzungen

  1. „Vor allem, wenn die Klamotten nach einem Regen komplett nass sind, lässt sich damit nichts mehr anfangen.“
    Richtig. Nasse Klamotten werden weggeworfen und komplett nasse sowieso.

  2. Dieser Schrank ist mittlerweile eine echte Müllhalde. Letztens hat jemand bestimmt 20 Kisten mit Mist abgeladen. Ich hatte Ihn angesprochen, was das soll. Leider kam kein Gespräch zu Stande. Menschen mit Dauerlächeln im Gesicht wollten mir dann das leben erklären. Waren ca Anfang 20:-). Die Stadtreinigung ist da sehr schnell und entsorgte den ganzen Müll. Ich finde , das dieser Schrank verschwinden muss. Es ist mittlerweile eine Zumutung. Er hat den Zweck, den er erfüllen soll, völlig verfehlt.

  3. Der Schrank ist Zeichen einer teilweise verfehlten Amts- und Politarbeit auf Stadtbezirksebene. Die Dauermüllhalde wäre unter „normalen Umständen“ umgehend zu entfernen, da denke man nur an die Sondernutzungsquerelen mit der Verwaltung um einzelne Blumentöppe.

    Auch unter Gesichtspunkten der Brandlast, hier direkt am Denkmalmauerwerk anliegend, ist sowas undenkbar, man erinnere ans abgefackelte Rad-Sack&Pack vom Flaschen-Messie.
    Analog zur Virenlast, ist hiesige Brandlast innert reichlich Zunderpappe sicherlich bauwerksschädigend kritisch. Da hilft der Kirchtruppe gegenüber als Hausherr bisher wohl nur der Allerwerteste von ganz Oben, daß es nach der preisgünstigen Turmsanierung nicht schon zu weiteren Renovationsdringlichkeiten kam. Außerdem ist es sicherlich eine nicht nur optische Zumutung an die Anwohner und sonstigen Passanten.

    Tausch-Müllhalden im ‚Schräänk‘-ElTauscho-Prinzip wirken angesichts zahlloser Müllkisten vor fast jedem Haus auch irgendwie überlebt, und sorgen eben so gar nicht für eine Bindung dieser Müllwirtschaft, eher für einen Entsorgungsanreiz.
    Hinzu kommt die Ursachenforschung fürs „Zerwühlen“: die Neustadt ist Dank Vagabundenattraktivität und anderer Problemkundschft nunmal eher ungeeignet für offene Mikrosozialismusexperimente. Da torpedien immer Wenige die ganze Sache.

    Pflanzt mal lieber neue Bäume am Lutherplatz. Und „Rettet Lutherkirche“ vor der thermischen Müllverwertung. Amen.

  4. Müllhalde trifft es sehr passend. Warum wird das Ding nicht für gescheitert erklärt? Von der Lärmbelästigung des nachts mal abgesehen. Das interessiert natürlich niemanden der dort nicht wohnt. Das ist nicht besonders sozial Herr Colditz. Sie geben sich Mühe und der Grund ist ein guter, aber Sie sollten einsehen das dieser Schrank vorallem für die Anwohner ein Zumutung ist.

  5. Es ist bezeichnend, dass einige wenige Menschen ihr Gutmenschentum durch und mit diesem Tauschschrank ausleben (wollen), aber alle anderen die „Zeche“ zahlen:

    So viel ich weiß, zahlt die Martin-Luther-Gemeinde die Sondernutzungsgebühren für die dauerhafte Nutzung des öffentlichen Raums.

    Ein Stadtbezirksbeirat aus der Altstadt und inzwischen auch Stadtrat übernimmt – zumindest theoretisch – die Verantwortung.

    Und die Stadtreinigung entfernt regelmäßig auf Steuerzahlerkosten den „Überschuss“.

    Auf meinem heutigen Weg zum Bäcker – das waren rund 300 Meter – fanden sich 8 – mehr oder minder kleine – Müllansammlungen, die entweder artig im Karton im Hauseingang drapiert, oder wild in die Gegend gestellt waren: https://photos.app.goo.gl/9Kpz9QicsGc8srff6

    Ich könnte auf diese „Geschenke“ im öffentlichen Raum gut und gerne verzichten.

    Souverän ist, wer seinen Müll selbst entsorgt!

  6. Diese Tauschschränke sind i.d.R. Müllhalden, dass stimmt schon. Das liegt aber an der Faulheit weniger, die die Schränke zur wahllosen Entsorgung nutzen. Das ist wie in der Bücherzelle im Hechtviertel – da sind oft gute Bücher drin, manchmal aber auch alte Duden mit nicht mehr gültiger Rechtschreibung, nicht mehr gültige Gesetzesbücher, handschriftliche Vorlesungsmitschreibungen, veraltete Bedienungsanleitungen von Office XP, Werbebroschüren usw. – wahrscheinlich war da der Altpapiercontainer weiter weg als die Bücherzelle.

    Die Kisten vor den Haustüren finde ich o.k., da sich dann meistens auch irgendeiner aus dem Haus drum kümmert. Aus den Kisten haben wir auch schon öfters was mitgenommen – teilweise noch neuwertige Dinge.

  7. @Fidel: Sondernutzungsgebühren? Da weißt du wohl etwas Falsches. Der Schrank steht auf dem Grundstück der Martin-Luther-Kirchgemeinde.

  8. Ich kann mich erinnern, dass es hier mal einen Artikel von einer Gastreporterin oder so gab, deren erster Eindruck von der Neustadt auch positiv geprägt war, von dem Angebot brauchbarer Sachen, die zur Mitnahme vor die Häuser gestellt wurden.

    Mir geht es seit vier Jahren ähnlich, und ich habe auch schon viel mitgenommen.

    Natürlich lädt das auch zum Missbrauch ein. Bei einem Bekannten beim Umzug erlebt. Eher unschön. Könnte man ja auch das kleine Geld für den Sperrmüll bezahlen oder den Kram zum Wertstoffhof bringen.

    Und natürlich funktioniert das nicht ohne die Aufräumtruppe von der Stadt.

    Ein eigenartiges Gemisch.
    Ich mag es nicht missen!

  9. Danke Marcus für einen differenzierten Blick auf dieses Thema!
    Wenn ich eine Liste anfangen würde, was ich schon tolles und brauchbares auf der Straße gefunden habe, würde dies die Kommentarspalte sprengen. Von zig Klamotten, über Haushaltsutensilien, guten Büchern, die mir selbst nie aufgefallen wären, bis hin zu Möbeln. Hat mir schon viel Geld gespart und mein Leben definitiv bunter gemacht. An dieser Stelle auch Mal Danke an alle! Ich bleibe optimistisch, dass die Vorteile dieses Tausch- und Geschenksystems überwiegen.

  10. Bei einigen Kommentaren habe ich den Verdacht, dass schon die Idee des Gabenschrankes auf Widerstand stößt, und mensch noch vor der Umsetzung mit Gründen Gewehr bei Fuß steht, um diesem Vorhaben entgegenzuwirken.
    Schließlich geht es bei diesem Schrank mehr als um Gaben, sondern eine gesellschaftliche Grundhaltung. Wenngleich hier genannte Gefahren freilich theoretisch nicht auszuschließen sind, deute ich hier eher Stimmungsmache hinein und erinnere mich an ähnliche Vorwürfe bezüglich „rumlungernden Jugendlichen“, als „Zigeuner“ diffamierten Menschengruppen oder bettelnde Menschen. Ist bereits vorher das Urteil gefällt, stößt die Gefahrenprognose freilich auf fruchtbaren Boden. In einem ähnlichen Fall wurde die Gefahr eines umfallenden Schrankes prognostiziert, welcher Kinderleben gefährden würde. Schlussfolgerung war dann die Abschaffung, statt Abänderung des Konzeptes oder des Angebotes, Unterstützung zu leisten.

    Der Ärger einiger Kommentierenden ist sicher berechtigt, nur ärgert es mich, wenn sich dabei hinter der Schutzbehauptung der „Zumutung für die Anwohner“ versteckt und statt nur für sich zu sprechen, gleich einer ganzen Einwohnerschaft die eigene Meinung in den Mund gelegt wird, um dem eigenen Standpunkt mehr Legitimität zu verleihen.

    Ich wage auch zu behaupten, dass es nicht die „ein paar Wenigen“ sind, welche das Konzept scheitern lassen, sondern die Mehrheit, die das Scheitern zulässt und keine Verantwortung übernimmt.

  11. Jette schrieb: „Wenngleich hier genannte Gefahren freilich theoretisch nicht auszuschließen sind“
    Dann fahr doch mal an einem x-beliebigen Tag durch die Neustadt. Das hat nix mit theoretischen Gefahren zu tun, es steht einfach überall und allen erdenklichen Variante Müll herum. Durchnässte Kartons mit kleiner, alte Schuhe, kaputte Küchengeräste, zerschlagene Möbel, oft und gerne auch mit Essensresten garniert etc.

    Jette schrieb:“Ich wage auch zu behaupten, dass es nicht die „ein paar Wenigen“ sind, welche das Konzept scheitern lassen, sondern die Mehrheit, die das Scheitern zulässt und keine Verantwortung übernimmt.“
    So ein Quark darf nun wirklich nicht unkommentiert bleiben. Ich übernehme Verantwortung für die Entsorgung meines Mülls, indem ich diesen in den Mülleimer oder auf den Wertstoffhof bringe. Warum soll ich als Anwohner auch noch Verantwortung für den Müll anderer übernehmen, weil es eben gerade in der Neustadt so viele Müllecken gibt und einige Einwohner (und sicherlich auch einige Gäste) sich eben nicht an die Regel des Gutenzusammenlebens halten. Denn etwas anders ist es schlicht und ergreifend nicht. Kaum sind die einschlägigen Ecken geräumt, steht ein paar Tage später schon wieder irgendwelcher Mist rum. Fakt ist, wenn nur ansatzweise die Wahrscheinlich bestünde, dabei erwischt zu werden und wegen illegaler Müllentsorgung zu einer saftigen Geldstrafe zu kassieren, würde hier sicherlich auch ein Umdenken stattfinden. Komischerweise sind es ja gerade auch Küchengroßgeräte und Möbel, die in den Nachstunden entsorgt werden, offensichtlich scheint den Leuten ja schon bewußt zu sein, dass es eben nicht ok ist, was sie da machen.

  12. Wird in der Debatte nicht etwas durcheinandergebracht? Was haben (gut gemeinte) Angebote zur weiteren Verwendung noch brauchbarer Gegenstände mit Sperrmüll zu tun?

    Dieser Missbrauch wird nicht durch das beseitigen des Tauschschrankes beendet.

  13. Ich frage mich seit über einem Jahr in dem der Tauschschrank besteht: ist es die Mühe wert?
    Gestern Abend wurde der Schrank aufgeräumt und strahlte in seiner bunten Schönheit, da die Türen geschlossen waren. Doch bereits heute bei meiner Morgenrunde war der Schrank völlig zerwühlt und an der Seite wurden unbrauchbare Dinge abgestellt. Leider keine Seltenheit sonder immer wiederkehrendes Schauspiel. Hut ab, dass den Verantwortlichen noch nicht die Puste ausgegangen ist.
    So kommt stets in mir der Gedanke hoch, dass der Mensch wohl in erster Linie ein Egoist ist und sich asozial verhält. Zumindest immer dann, wenn er nicht unter Kontrolle ist.
    Ich plädiere weiterhin für die Kisten an den Haustüren, damit der Tauschgedanke gelebt werden kann. Denn dort ist „der Müll“ noch einem Verantwortungsbereich zuzuordnen und es besteht ein überschaubares Maß an Kontrolle. Spinne ich den Gedanken weiter, sollte sich zukünftig die Kirchgemeinde um die Ordnung und Müllentsorgung kümmern, denn der Schrank steht an der Kirche. Und das täglich, wie oben beschrieben! Kommt da göttliche Freude auf? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dem „Hauseigentümer“ die Schlamperei gefällt.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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