Meine Odyssee

Was Corona mit mir macht (Folge 3) – subjektiv, kritisch, widersprüchlich und optimistisch –

Meine Freunde und Bekannten sind zum Humor zurückgekehrt. Oder er zu Ihnen? Wie dem auch sei, noch nie erhielt ich so viele kleine Videoschnipsel mit irgendwelchen lustigen oder nur scheinbar humorvollen Geschichtchen. Noch vor ein paar Wochen gingen mir diese Pseudowitzchen noch auf den Docht. Die meisten löschte ich sofort. Sie belegten nur unnütz meinen Speicher. Jetzt hat sich deren Zahl explosionsartig vermehrt. Und die ursprünglichen Gestalter sind kreativer geworden. Die Leute haben halt Zeit. Zeit zum Chatten, Zeit zum Anschauen, Zeit für Kommentare. Humor ist immer noch die beste Methode, unwegsame Realitäten zu beherrschen.

Knospen explodieren

Noch etwas ist mir in dieser Woche aufgefallen: Seit der Frühling mit voller Wucht durch die Straßen und Hinterhöfe der Neustadt, von Trachau, Pieschen und dem Hechtviertel braust, explodieren die Knospen an Bäumen und Sträuchern, breiten sich Blütenteppiche aus und lassen sich die Menschen ihre Hormone von Sex bis Glück entfalten. Und das bemerke ich auch im Netz. Da werden kleine Tierbabys geteilt („Oh wie niedlich“).

Ein begeisterter Vater postet: „Wenn dein Sohn dich morgens um 7 Uhr weckt, weil er Apfelkuchen backen möchte, dann backst du einen Apfelkuchen mit ihm.“ Der Maler Gregor Kunz, der mit den Brot- und Spiele-Montagen, begeisterte sich am recht nahen Vollmond in der Früh des Mittwoches (musste dafür zeitig aufstehen oder der Vollmond ließ ihn nicht schlafen). Und Nachtklubkönig Wolle Förster ging aus Langeweile in sein Gerümpellager und träumte inmitten alter Requisiten von der Wiedereröffnung des „Banana“. Begeisterte Kommentare auf Facebook waren das Ergebnis.

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Erfindungen sprießen

Der Frühling macht auch erfinderisch. Um die Abstandsbestimmungen einzuhalten, hat ein Freund der Biergärten, Straßencafés, Kneipen und privaten Gartenfeste einen auslegbaren Schwenkarm von fast zwei Meter Länge zum Zuprosten hergestellt (ausreichend für einen Maßkrug). René Seim vom Windlustverlag erinnert fröhlich an seine Leserinnen und Leser: „Kauft Kunst und Kultur, denn das erhält nicht nur gesellschaftsrelevante (Liebhaber)-Läden, sondern den Menschen selbst“ und veröffentlicht täglich ein Plattencover zum Training für grauen Zellen. Der Leib- und Magendichter der Neustadt, Jens Uwe Sommerschuh (ja der mit den Geschichten vom Kater Vivaldi), lässt dessen Kumpel, der seiner Nachbarin zugehörig ist, seinen Balkon bewachen, während er an der Elbe auf dem Treidelpfad einen Titanenohrring entdeckt.

Aus purer Lust machen Leute Dinge und Taten, auf die sie in Vor-Corona-Zeiten nie gekommen wären. Thomas Jurisch, das ist der vom Comedy-Slam, tat freudig kund, dass er seinen zweiten Kuchen, Kirschkuchen mit Streusel, gebacken hat (wo hat der bloß die Hefe her?). Und ein Cartoon-Zeichner darf natürlich nicht fehlen.

Lutz Richter (nein, der wohnt leider nicht in der Neustadt, sondern in Radebeul), veröffentlichte eine herrliche Zeichnung von einem Mann an einer Tankstelle: „Na super, da darf man Ostern nicht rumreisen und dann ist auch noch das Benzin saubillig.“

Der Salomo-Verlag bringt den zunehmend eifrigen Leserinnen und Lesern entsprechende Lektüre ins Haus. Andere wiederum machen es sich in selbigem gemütlich. Sich triebhaft blätternde Birken- und Kirschzweige werden mit bunt bemalten Eiern geschmückt und das Werk wird dann stolz per FB in die Welt geschickt.

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Und ich? Ich lasse mir die laue Frühlingsluft am Elbufer um die Nase wehen, nehme die Düfte der ersten Blüten auf, weite meinen Blick und genieße mein Dasein. Corona ist gedanklich weit weg.
Schöne Ostern und bleiben Sie gesund.
Heinz Kulb

4 Kommentare zu “Meine Odyssee

  1. Lieber oder liebe „qwertz“,
    danke für Ihr Urteil. Hier meine Erwiderung:
    1. Der Artikel von mir ist eine Kolumne. Was das ist? Nachzulesen in jedem analogen und digitalen Wörterbuch.
    2. Der Artikel von mir erhebt deshalb keinen wissenschaftlichen Anspruch. Sonst müsste ich einen Essay schreiben. Was das ist? Nachzulesen in jedem analogen und digitalen Wörterbuch.
    3. Ich setze mich gern inhaltlich mit Meinungen und Thesen auseinander. Aber bitte mit offenem Visier, ohne allgemeine Platituden und persönlichen Beleidigungen. Dies „nervt“ nämlich und ist zudem feige.

  2. oh, welch schöngeistige kolumne, die mir in dieser tristen zeit den langen tag versüßt. keineswegs wollte ich den geneigten schöpfer dieses werkes durch kundgabe meiner bescheidenen meinung verdrießlich stimmen. hiermit bitte ich sie eindringlich mir gegenüber milde walten zu lassen.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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