Die „schräge Mischung“ macht’s

Seit 2012 führt Sandra Schulz die „Dresdner TeeZeit“ auf der Louisenstraße. Die leidenschaftliche Teetrinkerin tingelt zwischen Neustadt und Schloss Pillnitz hin- und her. Sie liebt die Abwechslung.

Eine „schräge Mischung“ ist es, empfohlen von Sandra Schulz, die in der schlanken weißen Kanne auf dem Küchentisch vor sich hinzieht. Heute habe ich viel gelernt. Mit Tee und über Tee. Ich denke, man sollte seine Probleme wie Tee behandeln. Heiß überbrühen, lang ziehen lassen und in kleinen Schlucken mit Honig zu sich nehmen. Vielleicht sind sie dann sogar bekömmlich.

Zuhause wagt Sandra Schulz Experimente und kippt Teereste zusammen - Hauptsache überraschend!

Zuhause wagt Sandra Schulz Experimente und kippt Teereste zusammen – Hauptsache überraschend!

Zum Gespräch im Teekontor darf ich mir einen Tee wählen. Endlos lang die Reihe mit den schwarzen Blechdosen und ein Gefühl wie Sterntaler mit fünfzig Cent Taschengeld im Krämersladen. Ich entscheide mich für weißen Tee, „Tempel der Götter“. Während ich in Ermangelung einer Uhr immer wieder hektisch auf das leere Handgelenk schaue, lässt Sandra Schulz ihren Sud tiefenentspannt ziehen. „Nach innerer Uhr“, sagt sie. Und ich lerne: Guter Tee wird nicht bitter.  Aber, räumt Sandra ein, vielleicht ist sie, was das betrifft, auch schon zu abgebrüht. Schließlich ist sie langjährige Teetrinkern.

Anzüglicher Baldrian

Die Faszination liegt in der Vielfalt. „Morgens grün, mittags schwarz, abends Kräuter“, nennt sie die großen Kategorien des Tees. Sandra Schulz liebt die feinen Japaner, die malzigen Assams und die „schrägen Mischungen“. Rosmarin-Kamille-Damiana-Baldrian-Melisse-Orange zum Beispiel. Was klingt wie die Packungsbeilage für einen Saunaaufguss, entpuppt sich als gustatorische Harmonie. Der anzügliche Baldrian wird elegant mit Orange abgewiegelt, Melisse und Kamille drücken sanft auf die gereizt schwingenden Nerven, Rosmarin würzt das Ganze angenehm nadelig und Damiana habe ich wahrscheinlich das leichte Glücksgefühl zu verdanken. Aber ganz so genau kann das nicht zergliedert werden – die Mischung macht’s. Auch bei Sandras Laden.

Sandra Schulz ist hauptberuflich Teetrinkerin

Sandra Schulz ist hauptberuflich Teetrinkerin

Sie führt ein „klassisches Teegeschäft.“ Von allem etwas – in allen Farben und Formen. Seit 1994 ist Sandra Schulz im Einzelhandel tätig. Viele Jahre betrieb sie Geschäfte gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und probierte aus: Naturkosmetk, Düfte, Liköre und Brände, Glas und Keramik. „Wir waren unserer Zeit immer voraus“, sagt Sandra. Das war nicht immer zuträglich, denn die Dresdner sind nicht schnell von etwas Neuem zu überzeugen. Beispielsweise boten Sandra & ihr frankophiler Partner sehr früh die französische Kosmetik-Linie L’Occitane en Provence an.

Samt und Seide

Sandra Schulz führt neben dem Teekontor in der Neustadt das „Asiatica & Tee“ und die  Porzellanmalstube auf Schloss Pillnitz. Ebenfalls eine „schräge Mischung“, die sehr gut harmoniert. Beides zusammen, die Abwechslung des Klientels, macht Sandra Freude. Im Sommer trägt das Pillnitzer Schlossgeschäft, im Winter wärmt die Teezeit in der Neustadt. Hier suchen sich die Kinder ihre Favoriten heraus und üben sich im eigenen Geschmack. Wie kleine Profis geben sie ihre Bestellungen auf und erfragen neue Angebote, erzählt Sandra.

In der Dresdner TeeZeit gibt es auch Tee- und Kaffeezubehör zu kaufen

In der Dresdner TeeZeit gibt es auch Tee- und Kaffeezubehör zu kaufen

Sich zum Tee-isten entwickeln berauscht. Der Gedanke ist verlockend, an einer großen Auswahl von Sorten mit dem Finger entlang zu fahren und sich je nach Tageslicht, Gedankenblitz und Appetit für einen Aufguss zu entscheiden, als zöge man ein gutes Buch aus der hauseigenen Bibliothek. Hinzu kommt noch der Hokuspokus des Zubereitens. Tee sperrt sich gegen die To-go-Kultur. Er möchte in Beutelchen und Siebchen portioniert, mit der richtigen Temperatur behandelt und dann eine Weile in Ruhe gelassen werden. In Fachsimpelei stehen sich Tee- und KaffeetrinkerInnen wohl aber in nichts nach.

Kaffee – klein und fair

Vor einigen Jahren kam es zum großen „Tee-Knick“. Plötzlich kam Sandra Tee fade vor, geschmacklos sogar. Eine schwerwiegende „Tee-Krise“. Hier bekam der Kaffee seine Chance, sich ins geschmackliche Bewusstsein zu rufen. Nach einem halben Jahr wurde Sandra dem Tee allerdings wieder treu. Im neuen Jahr möchte sie das Kaffeeangebot für das anspruchsvolle Neustädter Publikum ausbauen. Klein und fair soll es sein. Auf dem Weg dahin werden wohl viele Liter Tee fließen.

Dresdner TeeZeit (Teekontor)

  • Louisenstraße 4, 01099 Dresden
  • Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Sonnabend bis 14 Uhr (Mai bis August) bzw. 16 Uhr (September bis April)
Sandra schulz setzt in ihrem Teekontor auf Vielfalt

Sandra Schulz setzt in ihrem Teekontor auf Vielfalt

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