Kirchturm: fast fertig saniert

Der größte Teil der Gerüste ist abgebaut.

Der größte Teil der Gerüste ist abgebaut.

Die Sanierung des Turms der Martin-Luther-Kirche ist fast abgeschlossen. Am 19. Mai gibt es ein Festkonzert zu Wiedereinweihung und bis 23 Uhr kann der Turm bestiegen und besichtigt werden. Pfarrer Eckehard Möller ist froh, dass die Baustelle nun bald beendet werden kann und die übrigen Gerüste abgebaut werden.

Denn eigentlich sollte der Turm schon zum dritten Advent 2016 fertig werden. Aber die Sanierung gestaltete sich als kompliziert. „Es gibt in ganz Deutschland nur fünf Gerüstbaufirmen, die in der Lage waren, das Projekt auszuführen“, erklärt Möller die erste Verzögerung. Und dann wurden plötzlich die Steinmetze knapp, wie zu DDR-Zeiten saugte mal wieder Berlin die besten Handwerker ab. Der Neubau des dortigen Stadtschlosses führte dazu, dass hier in Dresden nur drei statt der geplanten acht Handwerker an den Fugen und Sandsteinen arbeiteten.

Baukosten: 1,7 Millionen Euro

Im Ergebnis ist die Sanierung auch erheblich teurer geworden. Wurde anfangs noch mit einer Million Euro geplant, belaufen sich die Baukosten nun auf 1,7 Millionen Euro. Ein großer Teil davon wird von Bund und Land und der Landeskirche bezuschusst.

Auf das Ergebnis schaut der Pfarrer aber stolz: „Turmfalke und Mauersegler sind schon wieder da, der Aufgang wurde gesichert und die verwitterten Fugen ausgebessert.“ Außerdem wird künftig die Turmuhr wieder schlagen. Künftig ein bisschen öfter. „Es wird wieder einen Viertelstundenschlag geben, aber nur zwischen 7 und 22 Uhr“, verrät er. Am meisten freut er sich aber, dass die Gläubigen nun wieder durch die Vordertür zu den Gottesdiensten kommen können.

Kann jeden Tag aus seinem Fenster auf den Baufortschritt an der Kirch gucken: Pfarrer Eckehard Möller

Kann jeden Tag aus seinem Fenster auf den Baufortschritt an der Kirch gucken: Pfarrer Eckehard Möller

Bereits seit Herbst 2016 wurde das Gerüst am Turm der Martin-Luther-Kirche etappenweise zurückgebaut.

Die Arbeiten im Detail

  • Ausbesserung beschädigter Fugen, fehlende oder zerstörte Sandsteinbauteile wurden neu angefertigt, Fehlstellen repariert
  • das Geläut wurde saniert, ein neues Joch für die große Glocke gefertigt und der Geläutantrieb auf Linearantrieb umgestellt (Magnetfeld)
  • Glockenebene und Fenster bekamen Stahlnetze als Vogel- und Steinwurfschutz
  • Holzböden in Haupt- und Nebentürmen sowie Dach unterm Glockenstuhl saniert
  • Verblechungen am Kirchturm, Stehfalzdeckung aus Kupfer für das Dach unter dem Glockenstuhl angebracht
  • Blitzschutz- und Elektroarbeiten in den Kirchtürmen
  • Turmuhr saniert und Viertelstundenschlag wieder eingerichtet
  • Bleiglasfenster aufgearbeitet
  • Tischlerarbeiten und Malerarbeiten
  • Innenausbau der Notenbibliothek

Die ersten Arbeiten rund um den Turm begannen bereits im Herbst 2015: Zuerst wurden die Rankpflanzen abgeschnitten, dann flogen Drohnen um den Kirchturm, um Fotos zu liefern, auf deren Grundlage genaue Aufmaßpläne des Kirchturmes bis in den letzten Winkel hinein erstellt werden konnten. Von April bis Juli 2016 entstand rund um den Turm ein 80 Meter hohes Gerüst.

Gerüst mit Dynamo-Werbung

Gerüst mit Dynamo-Werbung –
Foto: Archiv

5.000 Quadratmeter Gerüst

Damit konnten an bereits eingerüsteten Teilen Voruntersuchungen und Natursteinarbeiten stattfinden. Das Gerüst beinhaltete über 5.000 Quadratmeter Fassadengerüst, ca. einen Kilometer (!) Stahl- Gitterträger und über 60 Tonnen Profilstahlträger. Ein Lastaufzug mit einer Nutzlast von 1,5 Tonnen fuhr bis in 44 Meter Höhe und ein kleinerer Aufzug mit 300 Kilogramm Tragfähigkeit weiter bis in die Höhe von 70 Meter. (Video der Turmfahrt)

Im Juli 2016 fanden Arbeiter eine verlötete Zeitkapsel in der Kirchturmspitze. Diese wurde am 8. August feierlich geöffnet. Darin fanden sich Dokumente zum Bau der Martin-Luther-Kirche aus dem Jahr 1886. Im Zusammenhang mit der aktuellen Kirchturmsanierung wurde im September eine neue Zeitkapsel unter der Turmhaube eingebracht: Sie enthält einen Münzsatz von 2016, einen Gemeindebrief sowie aktuelle Bauunterlagen.

Sanierung der Notenbibliothek

Parallel zur Kirchturmsanierung außen wurde von Juli bis September 2016 die Notenbibliothek im 1. Obergeschoss des Hauptturms saniert. Hier wurden der Dielenboden aufgearbeitet, die Wände neu gestrichen und die gesamte Notenbibliothek neu möbliert.

Wiedereinweihung am 19. Mai, 20 Uhr

Das Kirchspiel Dresden-Neustadt lädt am Freitag zum Konzert und zur Turmbesichtigung. Unter dem Motto „500 Jahre Reformation“ erklingt Johann Sebastian Bachs Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ und Felix Mendelssohn Bartholdys Reformationsymphonie. Ausführende sind Barbara Christina Steude (Sopran), Cornelia Butz (Alt), Michael Schaffrath (Tenor), Clemens Heidrich (Bass), die Kantorei Dresden-Neustadt und ein Projekt-Jugendchor sowie Sinfonietta Dresden.

Von 18.30 Uhr bis 23 Uhr wird der Turm geöffnet sein. Es gibt ein Imbissangebot vor der Kirche, die Besichtigung der Notenbibliothek ist ab 21.30 Uhr möglich.

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10 Kommentare zu “Kirchturm: fast fertig saniert

  1. Ecki
    16. Mai 2017 at 22:02

    und unser direktes Gegenüber, die Bar Holda, hat uns in ihrer Adler-Brauerei ein spezielles Lößnitz-Pils als Luther-Bier gebraut. Vielleicht nicht ganz so wie zu Katharina Luthers Zeiten, aber doch unfiltiert süffig, und speziell zu erhalten an diesem Freitag und ausgewählten weiteren Terminen im Reformationsjubiläumsjahr 2017 vor der Martin-Luther-Kirche.
    Weitere Einblicke ins Baugeschehen gibt es unter http://www.kirchspiel-dresden-neustadt.de/renovierung.html

  2. nepumuk
    17. Mai 2017 at 00:08

    Zunächst Glückwunsch zur fertigen Turmsanierung.

    Ich habe aber 3 Fragen dazu:
    – Gab es seit dem Kirchbau schonmal eine Turmsanierung (wann)?
    – Wieviel Kostenanteil hat das komplexe Baugerüst am jetzigen Ganzen?
    – Wurde eine Sandsteinaufhellung diskutiert und ggf. vom Denkmalschutz abgelehnt?

    Danke für Auskünfte.

  3. Ecki
    17. Mai 2017 at 00:20

    Das ist die erste Sanierung seit 1886 (Kirchweihe war 1887).
    Das Gerüst hat ca. 30 % der Gesamtkosten ausgemacht, war aber auch eines der besten, das ich jemals erlebt habe (ich bin selber Gerüstbauer von Beruf).
    Eine Sandsteinaufhellung in der Fläche wäre kontraproduktiv, da die dunkle (schwarze) Einfärbung eine Patina (Schutzschicht) ist. Ausgebesserte Stellen wurden nach Forderung des Denkmalschutzes dunkel eingefärbt. Markante Stellen haben wir aber hell belassen, damit man den Unterschied sieht. Schließlich wurde ja etwas ausgebessert. Aber auch das wird über die Jahr(zehnt)e nachdunkeln (Patina).

  4. Mirko
    17. Mai 2017 at 07:58

    Nu dann Prost Ecki! Freu mich besonders über die Falken, die bis zu mir übers „schwalbennest“ (vögeltechnisch falsch, gemeint waren wohl die mauersegler“…) segeln und mit ihrer flugkunst mein flugzeugbauerherz erfreuen…
    Auf bald!!!

  5. Marcus
    17. Mai 2017 at 16:54

    Die „düstere“ Patina und die Wasserspeier haben mich heute angenehm an Gothic Novels erinnert. Stoker und Shelley hätten bestimmt Freude gehabt! :o)

    Ich habe schon ein paar mal versucht, mir das Gemäuer von innen anzuschauen. Leider gab es keinen Zutritt, obwohl ich gelesen hatte, dass zu verschiedenen Zeiten ehrenamtlich Menschen vor Ort sind, die aufpassen.
    Wann hat man neben der „Party“ zur Wiedereinweihung dazu Gelegenheit?

  6. nepumuk
    17. Mai 2017 at 21:05

    Vielen Dank für die gute Antwort, Ecki. Möge die 1. Turmsanierung lange halten, man weiß ja nie so genau. Das mit der Patina ist schon klar, ich höre aber raus, daß da der dresdner Denkmalschutz nicht so begeistert wäre. Die Sandsteinsache ist komplex, ich bin da allg. anderer Auffassung – aber das sei hier egal. An der Lutherkirche geht Gotik in Gothic schon ok.
    Zum Gerüst: das heißt nun also etwa die halben Baukosten nach ursprünglicher Planung – damit rechnete ich auch. Ich fragte mich schon länger, ob es nicht auch anders gehen kann. Man muß zwar überall rankommen, aber so wahnsinnig viel wurde ja nun auch nicht ausgetauscht bzw. repariert. Industriekletterer und Hebebühne ging sicher nicht, das hatte die Planung vermutlich auch so feststellen müssen. Vielleicht wäre ein Kran denkbar – lediglich als Halter einer Arbeitsbühne? Im Übrigen: an der Herz-Jesu-Kirche schien das Ganze wesentlich unkomplizierter über die Bühne zu gehen…

  7. Ecki
    18. Mai 2017 at 09:25

    @nepumuk: der Herz-Jesu-Turm ist auch um einiges niedriger – was schon mal einfachere Gerüstvorschriften mit sich bringt. Und dann ist dort der Turmhelm in Kupfer gedeckt. Man kann Äpfel schwer mit Birmen vergleichen.

  8. Ecki
    18. Mai 2017 at 09:36

    @Marcus: freitags abends müsste eigentlich geöffnet sein – wenn wir genügend Helfer haben. Das kann gleich mal eine öffentliche Nachfrage sein: Hat jemand Lust, unser Team für den Offenen Turm an Freitag-Abenden zu unterstützen?
    Sonst ist die Kirche meistens montags bis freitags von 13 bis 17 Uhr offen.
    Und wenn auch das nicht hilft: melde dich einfach bei mir (Klingel, Telefon, E-Mail), und wir finden eine Gelegenheit.

  9. nepumuk
    18. Mai 2017 at 23:14

    @Ecki: Naaja, hi Appel gut 80m, da Birne knapp 70m. Das ist, mit Verlaub, nun nicht meiner Welten Unterschied. Bei beiden Höhen würde mir schwindelig – zunächst. Und Höhenklasse ist also sowas wie Steuerklasse – knapp daneben: Arschkarte. Herz-Jesu war nicht als Vorwurf benannt. Aber, es ist doch wohl dem Gerüst egal, welches Material es dann am höhenerschlossenen Orte zu verbauen gilt. Steh ich sodann – dem Himmel ein Stück näher – als Bauleut da droben, ist es gerüstlich also Appel, sofern ich Sandsteinfugen kitte; und Birne, wenn ich Bleche verlege. Hmmm, ob das so vor Gott richtig ist? Ich vertraue dir – unserem obersten Gerüstbauer der Spielgemeinde. Möge der Kitt die Turmburg auch die nächsten 100 Jahre zusammenhalten. Gleiches wünschte man sich auch für den gesellschaftlichen Kitt, der die Lämmchen zusammen und am Boden hält, für dessen gelegentlich notwendige Erneuerung die Bautechnologien zusehens abtrünnig zu werden scheinen.

  10. Ecki
    18. Mai 2017 at 23:45

    @nepumuk: Eben das bewirkt die Unterschiede: Bei den „paar Metern mehr“ an Höhe gilt eine ganz andere Vorschrift; und die Belastung durch Sandsteinblöcke auf einem Gerüst ergibt eine ganz andere Gerüstklasse als bei Kupferblechen – weil die wohl doch geringfügig leichter sind.

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