Der Papagei ist fertig

Dreharbeiten zum Film "Der Papagei"

Dreharbeiten zum Film „Der Papagei“

„Der Papagei“ – so heißt der acht Minuten kurze Film von Regisseur Andreas Rajchert und Kameramann Andrej Bavtschenkov. Ein Film über Krieg oder wie nah der Krieg uns ist. Gedreht wurde an vielen Schauplätzen in der Neustadt. Unter anderem vor der Martin-Luther-Kirche, auf der Böhmischen Straße und auf der Görlitzer Straße.

Der Hauptdarsteller in dem Streifen ist der Dresdner-Schauspieler Christian Clauß. Regisseur Andreas Rajchert berichtet, dass ihn der Maidan-Aufstand in Kiew und die spätere Besetzung der Krim und der Krieg in der Ostukraine animiert haben, etwas zum Thema zu tun. „Ich habe Freunde in der Ukraine und auch in Russland“, erzählt Rajchert, der früher als Militärjournalist in der Russischen Armee gearbeitet hat.

Szene aus "Der Papagei"

Szene aus „Der Papagei“

Über den ersten Drehbuchentwurf diskutierte er mit Anna Mateur, die redete ihm erfolgreich seine ursprüngliche Idee aus, zu plakativ. Von ihr kam die Idee, dass der Vogel einer Hausfrau aus dem Fernseher heraus erschossen wird. Das Konzept wandelte sich dann, aus der Hausfrau wurde ein Mann, Farben und Kleider liebt. Plakativ ist der Streifen immer noch, aber eher als Gedankenspiel. Rund zwei Jahre hat die Now-Budget-Produktion gedauert. „Ohne Andrej Bavtschenkov hätte das alles nicht funktioniert, der war nicht nur Kameramann und Cutter, er hat auch den Sound gestaltet und mir bei der Regie geholfen“, berichtet Rajchert.

Vom Dresdner Kulturamt gab es eine kleine Finanzspritze, ansonsten funktioniert ganz viel über Ehrenamt. „Unser Hauptdarsteller, Christian Clauß, sorgte nicht nur für Requisiten, er war auch der Chauffeur“, schmunzelt Rajchert rückblickend. Um dann gleich umfangreich zu berichten, wer alles beim Dreh geholfen hat: Das Militärhistorische Museum, der Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanal, der Zoo-Shop, ein Tattoo-Laden, das Staatsschauspiel, das Café Combo und natürlich die „Banda Internationale“.

Jetzt hofft er, dass sein Film vielleicht noch eine Chance beim Dresdner Kurzfilmfestival hat. Der Streifen ist extra mit russischen Untertiteln produziert worden, um auch in Rajcherts Heimat gezeigt zu werden. Erst Kontakte diesbezüglich hat er schon aufgenommen.

Interview mit Hauptdarsteller Christian Clauß

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Andreas Rajchert?
Die kam recht amüsant zustande. Mitten in der Sauna fragte mich ein halbnackter Mann, nur mit einem kleinen Handtuch bekleidet, ob er mir mal ein Drehbuch zuschicken darf. Er hatte mich in dem Theaterstück „Amerika“ gesehen und sei der Meinung, dass das passen könnte. Meine Mailadresse musste er sich merken – wir hatten keine Hosentaschen, in denen sich Zettel und Stift finden ließen.

Warst Du von dem Script gleich überzeugt oder hat sich das entwickelt?
Die erste Version des Drehbuchs hat mich sehr überzeugt. Das hatte etwas angenehm Verschrobenes, Komisches. Mit dem Dreh hat es sich dann aber doch etwas in eine ernstere Richtung verschoben.

Hauptdarsteller Christian Clauß

Hauptdarsteller Christian Clauß

Ihr habt ja überwiegend an Drehorten in der Dresdner Neustadt gearbeitet, ist die Neustadt ein gutes Pflaster für einen Filmdreh?
Ich finde schon. Es gibt sehr schöne Straßenzüge, versteckte Hinterhöfe. Und eine Vielzahl verschiedener Cafés und Lokalitäten, in denen sich garantiert interessante Innenaufnahmen machen lassen. Die Betreiber stehen solchen Projekten auch ziemlich offen gegenüber. Jedenfalls ist das die Erfahrung, die wir gemacht haben.

Wenn man Dich am Theater sehen will, in welchem Stück spielst Du zurzeit und welche Rolle?
Momentan stehe ich als Jum Jum in „Mio, mein Mio“ und als Horatio in „Hamlet“ im Großen Haus auf der Bühne. Ab dem 18. Februar wird die Rolle des Schermajah in „Hiob“ hinzukommen. Und ab April gibt es auch noch die Möglichkeit mich auf der Leinwand in dem Film „Paradies“ von A. S. Konchalovsky zu sehen. (Anmerkung der Redaktion: Der Streifen wurde mit dem Silbernen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet und stand für die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film auf der Shortlist)

Vielen Dank für das Gespräch.

Der Papagei

Derzeit ist der Film ausschließlich auf Youtube zu sehen. Thalia-Chef Stephan Raack plant aber in der nächsten Zeit eine Vorführung.

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3 Kommentare zu “Der Papagei ist fertig

  1. Oblomow
    9. Februar 2017 at 11:36

    Kleine Anmerkung: Paradies stand auf der Oscar-shortlist für den besten fremdsprachigen Film, wurde letztlich aber nicht nominiert.

  2. 9. Februar 2017 at 11:50

    Oh. Danke. Habe es korrigiert.

  3. Marcus
    9. Februar 2017 at 17:42

    Einen Oscar für Teddy und einen Dank an alle Mitwirkenden! Einfach nur großartig!

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