Trauriges Denkmal

Das alte Empfangsgebäude gibt ein trostloses Bild ab.
Das alte Empfangsgebäude gibt ein trostloses Bild ab.
Der Alte Leipziger Bahnhof zwischen Leipziger und Großenhainer Straße steht unter Denkmalschutz. Ebenso ein paar Nebengebäude. Große Teile der Gebäude sind in einem erbärmlichen Zustand.

Seit einigen Jahren möchte das Unternehmen „Globus“ auf diesem Gelände ein Warenhaus errichten. Die Pläne liegen derzeit auf Eis. Im aktuellen Masterplan für das Gebiet ist großflächiger Einzelhandel (über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche oder 1.200 Quadratmeter Geschossfläche) ausgeschlossen. Das Handelsunternehmen plant dort einen Markt mit 8.800 Quadratmetern Verkaufsfläche plus einer 2.200 Quadratmeter großen Shopzone mit weiteren Anbietern. Außerdem ist ein Parkplatz mit rund 1.000 Stellplätzen geplant.

Warenhaus geplant

Mit der Errichtung des Warenhauses ist auch die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gebiet, darunter der Alte Leipziger Bahnhof, dem ersten Bahnhof Dresdens. Die Bahnhofsanlage wurde noch bis 2005 als Containerbahnhof betrieben. Seitdem liegen große Teile des Geländes brach. Im grünen Haus neben dem Bahnhof hat sich die Kulturstätte „Blaue Fabrik“ angesiedelt auf dem Bahnhofsvorplatz steht eine Wagenburg und in den Nebengebäuden befinden sich Handel, Lager und Werkstätten.

Große Teile des Daches sind schon eingestürzt.
Große Teile des Daches sind schon eingestürzt.

Kritik von der Allianz für Dresden

Das Hauptgebäude des ehemaligen Bahnhofes gibt ein trauriges Bild ab. Die Grundmauern stehen noch, das Dach ist an vielen Stellen durchgebrochen. Bäume wachsen zwischen den Mauern. Gegen das „Globus“-Projekt hatte sich 2014 die „Allianz für Dresden“ gegründet. Darin vereint sind kleine Händler aus Pieschen, aber auch größere Unternehmen wie die Konsum Dresden eG oder die Dürröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH, oder Verbände wie die Fleischerinnung oder der Handelsverband Sachsen e.V. Ziel der Allianz ist es, dass auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs eine Mischung aus kultureller Nutzung, Geschäften, Büros und Wohnungen verwirklicht wird.


Anzeige

Literatur Jetzt

Eines der Mitglieder der Allianz, der Architekt Jens Zander hat nun seine Sorge um die Denkmalsicherung für die Bahnhofsruine geäußert. „Ganz unabhängig von der Diskussion über ihr riesiges Warenhaus-Projekt muss die Globus Holding endlich die Gebäude des Alten Leipziger Bahnhofes wirksamer vor Wind und Wetter schützen“, fordert der Architekt. „Die Gebäude benötigen dringend eine komplette Einhausung, wenigstens aber Notdächer.“

Seiner Ansicht nach ist das Unternehmen Globus als Eigentümer laut Sächsischem Denkmalschutzgesetz verpflichtet, dieses Kulturdenkmal pfleglich zu behandeln, im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefahren zu schützen.

Rathaussprecherin Anke Hoffmann gibt auf Nachfrage von Winfried Schenk von Pieschen Aktuell den Standtpunkt des Denkmalschutzamtes wie folgt wieder: „Es gab eine Sicherungsmaßnahme an dem Gebäudeteil, der unmittelbar an die sog. „Grüne Villa“ (Eisenbahnstraße 1, jetzt Domizil des Kulturvereins Blaue Fabrik) angrenzt. Diese Sicherungsmaßnahme wurde umgesetzt. Sie dient dazu, das unkontrollierte Eindringen von Regenwasser in das Gebäude Eisenbahnstraße 1 abzustellen.“ Weitere Sicherungsmaßnahmen sind derzeit nach Kenntnis des Amtes nicht geplant.

Die Globus-Holding wurde bereits am Dienstag um eine Stellungnahme gebeten. Auch eine erneute Nachfrage blieb ohne Ergebnis.

Laut Denkmalschutzamt hatte schon der vorherige Eigentümer dem Verfall über einen langen Zeitraum nicht entgegengewirkt, so dass bereits vor den Erwerb durch den jetzigen Eigentümer der heutige, in Teilen ruinöse Zustand schon weitgehend bestanden habe.

Rathaussprecherin Hoffmann erklärt weiter: „Eine Sicherung ist erfahrungsgemäß nur dann zweckmäßig, wenn eine konkrete Nutzung­sperspektive vorhanden ist, da ein Denkmal sich nur mit einer angemessenen, auch wirtschaftlich tragfähigen, Nutzung erhalten bzw. hier wiederherstellen lässt.“ Eine solche Nutzungs­perspektive liegt aber derzeit nicht vor, da die Umsetzung des Globus-Projektes derzeit nicht absehbar ist.


Der Artikel ist in Zusammenarbeit mit Winfried Schenk (www.pieschen-aktuell.de) entstanden.

13 Kommentare zu “Trauriges Denkmal

  1. also Pupsi, das vertauschst du doch nicht etwa mit dem Bahngelände an der Gehestraße? Ansonsten ist m.W. auch vorn am Alex-Puschkin-Platz eine Grundschule in Diskussion, was aber mit dem Globusareal nix zu tun hat.

    Danke für die genauere Beschau der Baulichkeiten als… ja, als das, was sie sind: totalverlustige Vollruinen. Es zeigt gut den Lockvogel-Hinterhalt der Globus-Leute auf, wenn von „dringender Rettung“ oder „schneller Sanierung“ die Rede ist. Hier ist am eigentlichen Bahnhofsgebäude sowie dahinter schlicht nichts zu retten – es ist ein vollständiger Neuaufbau als Wiederaufbau nötig, auch wenn paar Restwände vielleicht integrierbar sind. Dieser Aufbauerfordernis würden sich auch alle anderen Großinvestoren stellen müssen, welche hier einen Mix aus Wohnen und Gewerbe anordnen würden.

  2. @1.
    Da hast du dich verhört. Auf dem ehemaligen Bahngelände entlang der Gehestraße entsteht bis 2019 ein großer Schulcampus mit Oberschule und Gymnasium.

    Auf dem alten Leipziger Bahnhof kann erst etwas anderes entstehen, wenn die LINKE sich endlich durchringt den Bebauungsplan für Globus aufzuheben oder wenn eine Alternativstandort gefunden ist. (Woran Globus natürlich wenig Interesse hat.)

  3. Ich frage mich manchmal, wozu die Stadt Dresden einen Denkmalschutz hat, wenn dieser nichts tut. Würde eine Privatpersonen eine denkmalgeschützte Ruine erwerben, würde dem Erwerber aber Feuer unter dem Hintern gemacht, dass er die Auflagen und Bestimmungen erfüllt, aber einem Handelsunternehmen ist dies wohl nicht zuzumuten.
    Wahrscheinlich hat die Stadt Dresden das Gelände und die Gebäude nur deshalb veräußert, um selbst aus dem Schneider zu sein.

  4. … und warum eine Stadt, die sich als Kulturhauptstadt 2025 bewirbt, einem der besten ansässigen Orchester der Welt (Dresdner Philharmonie) einfach mal 500 000 Euro für den Spielplan 2017/18 kürzt? Ein Antwort auf zwei Fragen: Einfach völlig überbezahlte und unfähige Leute im Amt.
    Machtloses Fremdschämen und Warten auf die nächste Wahl.

  5. Der Dresdner Denkmalschutz ist dazu da, bizarre Doppelgeländer zu fordern, Pflasterpisten (Körnerweg) zu erhalten und dem „kleinen Mann“ absurde Forderungen aufzubürden. Potemkinsches Plätze wie der Neumarkt mit sandsteinverblendeten Betonprofanbauten sind dann die Erfolge.

  6. noch ein paar Jahre stehen lassen, dann ist da nichts mehr zu retten und es kann kostengünstig neu bebaut werden, warum sollte es in Dresden anders sein?

  7. Die bizarren Doppelgeländer fordert der Denkmalschutz sicher nicht, das kommt vom Unfallschutz, Berufsgenossenschaften etc.

    Was genau hat der Denkmalschutz mit dem Neumarkt zu tun? Neubauten sind keine Denkmale.

    Wer war denn der „vorherige Eigentümer über einen langen Zeitraum“? Das dürfte ja wohl die Bahn gewesen sein (und eher nicht die Stadt). Der Zustand oben entsteht ja nicht in fünf Jahren, eher in 50. Der Bahnhof gammelt doch schon seit Jahrzehnten vor sich hin, wenn mich nicht alles täuscht, und die Bahn hats nicht interessiert, egal obs die Reichsbahn oder die Bundesbahn war. Und auch sonst hat sich kein Schwein dafür interessiert, das der Bahnhof vor sich hin gammelt.
    Aber jetzt ist natürlich wahlweise der pöhse Investor oder die lahmarschigen Beamten schuld. Läßt sich wunderbar als zusätzliche Munition gegen den Investor verwenden, was ja auch das Ziel der Allianz für Dresden ist.

    Herr Zander zitiert hier aus dem Denkmalschutzgesetz: „ist im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten“ – ist hier der Erhalt noch zumutbar? War er es, als Globus das Areal erworben hat?

  8. @ Stefan
    Beim Doppelgeländer hat ja der eine das eine Geländer gefordert und der andere das andere Geländer, so gab es letztlich diese bizarren Doppelgeländer. Und da der Denkmalschutz eben „sein“ historisches Geländer wollte und kein den heutigen Normen angepasstes (Wie sinnvoll diese sind? Anderes Thema…), hat der Denkmalschutz durchaus diese Doppelgeländer zu verantworten. Er hat nämlich einen Ermessensspielraum, die anderen Beteiligten nicht.
    Ansonsten hast Du aber voll und ganz recht.

  9. Hab doch bereits gesagt, da ist nix mehr zu retten. Zanders Idee einer Ersatzvornahme plus Inrechnungstellung bei Klobus ist toll, vermutlich… ach was.. mit Sicherheit begäbe die Stadt sich aber hier – abseits eines Affronts mit bauwilligem Investor – in juristische Grau- und Nebelzone, denn selbst bei Zumutbarkeit gemäß der Baulichkeiten (was wohl schonmal nicht mehr vorliegt) kommt auch eine Zumutbarkeit gemäß nicht absehbarer Baugenehmigung hinzu. Warum soll Klopus etwas „rettend schützen müssen“, wenn unklar bleibt, was hier jemals kommen wird, und was ja über erst folglich kalkulierbare „Wirtschaftlichkeit“ in die juristische Zumutbarkeit mündete.
    Nee, eine Prüfung der Auflagen kann sich die Stadt wohl sparen. Nix zu machen. Lediglich Klobimklobus könnte seinen eigenen großspurigen Versprechnungen mal endlich Folge leisten und gemäß Minimallösung einen Schutz der Denkmalbereiche anordnen. Daß Klobumbus das bis heute NICHT tat, deutet wohl auf meine Feststellung hin, daß – sollte es dazu kommen – sowieso von Grund auf NEU rekonstruierend wiederaufgebaut werden muß. Schaut euch doch das Gekrümel dort an, die paar versifft-duchnässten Restmäuerchen kannste nur noch abtragen, katalogisieren und a la FrauKi denkmalpflegerisch wieder einbauen.
    Es sollte mit dem Teufel zugehen, wären die Herren Klopussen nicht schon zu Anbeginn mit Sachverständigen durchs Ruinendickicht gerobbt. Folgendes PR-Geschwurbel von „Wir retten euch den Bahnhof“ (harr harr) war Lockvogel – immerhin ein flugfähiger Lockvogel. In Wahrheit wars nur ein flugunfähiger Rohrspatz. Na egal. Das Jelände ist auch so wie es ist viel interessanter, als stünde dieser Klobus-Klops dort drauf.

  10. @toralf: „und warum eine Stadt, die sich als Kulturhauptstadt 2025 bewirbt, einem der besten ansässigen Orchester der Welt (Dresdner Philharmonie) einfach mal 500 000 Euro für den Spielplan 2017/18 kürzt? Ein Antwort auf zwei Fragen: Einfach völlig überbezahlte und unfähige Leute im Amt.“

    Dass der Etat der Philharmonie gekürzt wurde, ist eine Falschmeldung/dumme Formulierung. Der Etat wurde im Vergleich zum Vorjahr stark erhöht, sollte allerdings ursprünglich noch stärker erhöht werden – die erste Erhöhung wurde also quasi zu einer kleineren Erhöhung „gekürzt“. Das ganze als „Kürzung des Etats“ zu bezeichnen, ist schon ein starkes Stück journalistischen Versagens.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.