Königsbrücker: Varianten 8.3 und 8.4

Seit 22 Jahren keine Sanierung: die Königsbrücker Straße
Seit 22 Jahren keine Sanierung: die Königsbrücker Straße
Grüne, SPD und Linke haben heute kurzfristig zu einem Pressegespräch eingeladen, Thema: Ausbau der Königsbrücker Straße. Anlass war ein Artikel in der heutigen Ausgabe der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN). Darin erklärte der Amtsleiter des Straßen- und Tiefbauamtes Reinhard Koettnitz, dass mit dem Baubeginn frühestens Ende 2018 zu rechnen sei. Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi ist ob der Zeitungsmeldung empört: „Das Amt hat mit dem geforderten Variantenvergleich noch gar nicht begonnen.“

Hintergrund: Im April vergangenen Jahres hatte der Stadtrat die bis zu 17 Meter breite Ausbauvariante 7 beschlossen (Neustadt-Geflüster stellte die Details vor). Dann wechselte dank Wahl die Mehrheit im Stadtrat und Rot-Grün-Rot-Orange, die im Wahlkampf auch massiv mit einem schmaleren Ausbau geworben haben, präsentierten die Varianten 8.1 und 8.2 (Vergleiche Neustadt-Geflüster vom 24. Oktober).

Vincent Drews (SPD), Johannes Lichdi (Grüne), Tilo Wirtz (Linke)
Vincent Drews (SPD), Johannes Lichdi (Grüne), Tilo Wirtz (Linke)
Diese neuen Varianten sollten nun vom Amt geprüft und mit der Variante 7 verglichen werden. Gegenüber den DNN erklärte Köttnitz, dass diese Varianten allerdings nicht regelkonform waren, das Amt habe die jetzt gemäß den geltenden Richtlinien angepasst und könnte nun mit einem Varianten-Vergleich starten. Die Kosten dafür schätzen Baubürgermeister Jörn Marx und Amtsleiter Reinhard Koettnitz den DNN zufolge auf etwa 250 000 Euro. Bevor Köttnitz so viel Geld ausgeben will, möchte er sich die Bestätigung durch den Stadtrat einholen. Dagegen Johannes Lichdi: „Die von uns eingereichte Variante ist regelkonform.“ Von den 250.000 Euro haben die Räte in der gestrigen Bauausschuss-Sitzung nichts erfahren. Man müsse nun die von Koettnitz vorgelegten Varianten 8.3 und 8.4 einsehen und prüfen, möglicherweise wird noch eine Sondersitzung des Bauausschusses einberufen, denn die nächste planmäßige Sitzung ist erst Mitte August. Thilo Wirtz (Linke): „Das ist eine Verzögerungstaktik, wir erhalten keine Informationen und die Planung wird nicht erstellt, das verstößt unserer Ansicht nach gegen die Gemeindeordnung.“ Besonders empört sind die Räte, dass dieser Planungsstand schon Ende April vorlag und dem Bauausschuss nicht vorgestellt wurde.

Unterdessen sammelt die Initiative Bürgerstimme Dresden weiter Unterschriften für ein Bürgerbegehren zur Königsbrücker Straße. Knapp 13.000 Unterschriften hat die Initiative eingesammelt, benötigt werden jedoch rund 22.000 gültige Unterschriften. Die von FDP und Union unterstützte Initiative will mit einem Bürgerentscheid erreichen, dass die Variante 7 direkt gebaut wird und nicht erst mit verschiedenen Varianten der Nummer 8 verglichen werden.

Königsbrücker Straße am Vormittag.
Königsbrücker Straße am Vormittag.


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19 Kommentare zu “Königsbrücker: Varianten 8.3 und 8.4

  1. Das war doch von Anfang an absehbar, dass dieser Variantenvergleich nicht von heute auf morgen realisierbar sein wird. Die Varianten 8.1 und 8.2 müssen ja sinnvollerweise erstmal den Planungsstand der Variante 7 erreichen, um überhaupt miteinander verglichen werden zu können.

  2. Dafür! Für Variante 7. Die varianten 8.x sind doch nur Zeitschinderei und verlangsamt und verteuert den Bau.

  3. Seufz. Ja, natürlich hat das Amt noch nicht mit dem Vergleich begonnen. Wenn der Vergleich so viel Geld kostet, würde ich mir das an des Professors Stelle auch vom Stadtrat absegnen lassen. Sich jetzt darüber zu empören, ist irgendwie seltsam.

    Ich denke, man darf den Fachleuten schon vertrauen, dass sie die Zeitschiene eines solchen Projektes bzw. dessen zeitlichen Vorlauf schon realistisch einschätzen können. Es las sich jedenfalls plausibel.

    Der einzige echte Kritikpunkt ist meines Erachtens der, dass die Kosten für den Vergleich anscheinend zuerst in der Zeitung standen. Das ist allerdings ganz schlechter Stil. Die Tatsache, dass das Geld kostet, sollte allerdings niemanden überraschen. Ich vermute, dass das an externe Büros vergeben wird, und die machen das nun mal nicht für lau.

  4. Jede Variante, in der die Straßenbahn durch eine gemeinsame Spur mit Autos benachteiligt/behindert wird ist inakzeptabel.

  5. Zackbäm: Es ist ja nicht so, dass nur Straßenbahn und Autos (LKW etc.) dort unterwegs wären. Da kommen noch Radfahrer und Fußgänger dazu, die auch noch Platz haben wollen. Und wenn alle eine eigene Spur haben sollen, wird es meist irgendwo eng. Dann sollen Straßenbahnhaltestellen barrierefrei sein, das braucht auch noch mal Platz.
    Und von Bäumen war dabei noch nicht mal die Rede…
    Kurz gesagt: So einfach ist das alles nicht.

  6. Einfach noch mal 10 Jahre warten, dann will eh keiner mehr nach Dresden und dann hat sich das Thema erledigt.

  7. Wenn ich das ganze Geld, welches für die Planung und Streiterein verschwendet wurde, auf meinem Konte hätte, dann wäre mir der Ausgang der ganzen Streiterein egal. Dafür bekomme ich bestimmt 5 Helikopter und 1 Passagierflugzeug. Es gibt 3 Vorschläge, diese 3 kommen für alle Bürger der Stadt Dresden zur wahl, die Variante die am meisten Stimmen hat wird gebaut und auch wenn es nicht die Meinung aller trifft (wie z.B. die Brücke), wird es vermutlich am Ende dennoch besser sein als die jetzige Situation.

  8. Ich kann es nur immer wieder sagen: Baut doch bitte IRGENDWAS, aber baut doch endlich was!

    Zweimal Schiene, zweimal eine Fahrspur und für links und rechts daneben wird sich auch noch was finden.

    ALLES ist besser als das was wir jetzt haben.

  9. @Philipp: Bei der geballten Kompetenz an den verantwortlichen Stellen wäre ich sehr vorsichtig mit „IRGENDWAS“ ist alles besser als der jetzige Zustand. Die würden es sicher schaffen, es noch schlimmer zu machen. Wenn man es nicht mal schafft, 3 Varianten miteinander zu vergleichen ohne davor erst einmal 2 Varianten davon wieder nach den eigenen Bedürfnissen umzuplanen. Es kotzt einen wirklich an. Kein Wunder, dass seit Jahren da nichts passiert und nur Geld zum Fenster rausgeschmissen wird.

  10. Erst 13.000 Unterschriften? Wie lange dürfen die denn noch sammeln? Gefühlt läuft das doch schon ewig… Ich hör schon die Beschwerden, dass der Stadtrat viel zu kleinlich ist, was die erforderliche Anzahl angeht. Die Hälfte würde ja auch reichen – bla. bla.

    Ansonsten volle Zustimmung dem anderen Stefan! Zwei bunte Querschnitte hinlegen und behaupten, dass damit etwas brauch- und vergleichbares da ist??? RRG tut sich mit dem Gebaren keinen Gefallen: der Teufel steckt eben doch im Detail.

  11. Yay! Damit besteht die Chance, dass es vor Baubeginn wieder eine neue Stadtratsmehrheit gibt, die wiederum eine neue Planung beschließen kann. Ich denke zweistellige Anzahl von Planungsvarianten sollte drin sein. 10x ist Dresdner Recht. Wenn Dresden dann 2025 Kulturhauptstadt ist, dann braucht’s auch keine Sanierung mehr sondern ’ne archäologische Ausgrabung. Irgendwas mit „Köni bleibt dreckig“.

  12. @googlehupf: Wenn die mit den Unternummern 8.1 8.2 etc so weiter machen, sehe ich schwarz mit zweistelligen Planungsvarianten. Ich fürchte, wenn wir bei 9.5 sind, kommt jemand auf die Idee, Buchstaben hinzuzuziehen. Dann gibt es Variante 9.5 a)

    ;-)

  13. Das mit dem „Müllauto“ ist natürlich Quatsch. Das andere zeigt erneut, daß es in dieser Stadt an klaren Entscheidungsstrukturen fehlt. Die Stadt wird schlecht gemanagt und Ratsbeschlüsse können sanktionslos in der Versenkung landen. Warum sollen denn Marx und Szuggat irgendwas beauftragen? Die haben mit Koetti vermutlich abgesprochen, ruhig zu halten. Zwischendrin keine Informationen – das Übliche – und eigentlich widerrechtlich. Die wahren Gründe werden ebenso nicht genannt: die Landesdirektion ist von autogeilen Betonköppen besetzt – da sind nur 3 oder 4 Leute – die keine Angebotsplanung für Dresden zulassen. Die kennen nur „Durchflusserwägungen“, das wars. Das ist auch nur in Dresden so und nur bei der LD Dresden. Die Chemnitzer und besonders die Leipziger haben solche Probleme nicht. Die Aufsichtsbehörde verhindert durch Starrsinn einzelner eine zeitgemäße Stadtentwicklung – damit steckt Dresden seit Langem in einem Dilemma. Die Ämter wissen das und man kennt sich ja auch. Was die LD nicht durchgehen lässt wissen die ganz genau. Genau deswegen wurden in der Vergangenheit ALLE Straßen idR sehr breit. Am Personal der LD müsste gerüttelt werden – das ist nicht abzusehen, da die CDU das Zepter führt. Natürlich sind die RGR-Vorlagen „richtlinienkonform“, aber man wills eben nicht. In der Stadtverwaltung weiß man, daß diese Planungen später ohnehin keine Chance haben. Also wird derjenige vorgeschickt, der hier gar nichts zu melden hat: Herr Koettnitz, der dann was von Müllautos oder sinnfreien Prognosen faseln kann. Ablenkung und Volksverblödung in gewohnter Manier. Das alles ist nur ein Aspekt einer hier anliegenden typisch-dresdnerischen „Gemengelage“, die auch schon lange vor Rot-Grün zu Stillstand und Mißmanagement geführt hat. Ich gehe davon aus, daß diese Straße noch lange so bleiben wird. Und allmählich denke ich: dat is auch juut so!

  14. gibt es nicht einen örtlichen Buchmacher, bei dem man darauf setzten kann, dass erst ab der Variant 10.0 gebaut wird, also ein 10er wäre mir das wert…..

  15. Anders als in den Lokalblättern suggeriert, hat die Verwaltung durchaus etwas gemacht, denn sie haben die Varianten 8.1 und 8.2 zumindest gezeichnet. Jeder der will, kann sich das beim wieder stattfindenden Freitagsstand der „BI Königsbrücker“ (ab 17uhr) vor der Schauburg anschauen. Man hat die 8.1 und 8.2 über den Bestandsplan gezeichnet (andersfarbig) und ebenso die (angeblich durchs Müllauto verursachte) leichte Verbreiterung von je ca. 1m nochmals andersfarbig drübergezeichnet. Aus der Variante 8.1 wurde die korrigierte 8.3 und aus 8.2 die korrigierte 8.4. Das Korrigieren hält die Verwaltung nunmal für erforderlich und möchte sich eine Weiterbeschäftigung mit diesen Varianten vom Rat bestätigen lassen, damits nicht nochmal Erstaunen und Ärger gibt. Soweit, sogut.

    Seit April liegen diese Zeichnungen vor. Marx wollte schon im April diese Vorlage zur Absegnung in den Gremienumlauf bringen. Doch was passierte? Hilbert stoppte die Vorlage und wies sie zurück in die Verwaltung. Das ist schon des Öfteren seine Masche gewesen, schließlich saß er zu Orosz‘ Zeiten häufig auf ihrem OB-Sessel – vertretend, auch als Orosz nach Krankheit offiziell „wieder da“ war. So wurden von Hilbert Vorlagen zur Förderung des Radverkehrs in die Ämterrotation zurückgewiesen und damit auf einen St. Nimmerleinstag verschoben. Das kam häufig vor und ist eiskalte Hinterzimmer-Machart. Die Medien oder die Öffentlichkeit erfahren davon nichts.
    Warum er es nun hier erneut tat, bringt für Aussenstehende Raum für Spekulationen. Eine doofe Vermutung wäre, daß er selbst nur seine „Hilbert-Variante“, die einzige die es zu einer Namensgebung schaffte, für umsetzbar hält und ansonsten in seiner Ehre gekränkt wäre. Wer weiß.
    In paar Monaten ist die Karli in Leipzig fertig – eine hervorragende Vergleichsstraße. Da kann man sich dann angucken, wie sowas gemacht wird. Die Beteiligten sollten sich alle in einen Bus setzen und gemeinsam dorthin fahren, sonst wird das hier nie was. Das ist wie Schulunterricht. Klassenkasper mit Müllautos gibts dann aber nicht mehr.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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