Neuer Masterplan für Leipziger Vorstadt

Der Neustädter Hafen, es geht um das Gelände zwischen Elbe und Leipziger Straße

Der neue Masterplan umreißt das Gelände nördlich des Neustädter Hafens

Für mehrere in den letzten Monaten und Jahren heftig umstrittene Bauvorhaben in der Leipziger Vorstadt wurden heute Nachmittag im Stadtrat die Weichen neu gestellt werden – das betrifft die Projekte Hafencity und Marina Garden an der Elbe, sowie Globus und Wohnungsbauvorhaben zwischen Gothaer Straße und Eisenbahnstraße. Linke, SPD, Grüne und Piraten haben sich auf die Eckpunkte für die Weiterentwicklung des Masterplangebietes Leipziger Vorstadt geeinigt und diese als Ersetzungsantrag beim Thema Hafencity eingebracht. Dieser wurde mit 34 zu 26 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.

Die wichtigsten Festlegungen aus dem Beschluss mit dem Titel „Fortsetzung der Arbeiten am Masterplan Leipziger Vorstadt/Neustädter Hafen“.

Hochwasserschutz für gesamte Leipziger Vorstadt
Die Stadtverwaltung soll im ersten Quartal 2016 eine geeignete Linie für die Errichtung einer Hochwasserschutzanlage zur Beschlussfassung vorschlagen, heißt es in dem Antrag der drei Fraktionen. Christian Korndörfer, Leiter des Umweltamtes, verwies gestern auf einer Pressekonferenz darauf, dass das Schadenspotenzial durch ein Hochwasser in der Leipziger Vorstadt auf rund 53 Millionen Euro geschätzt wird. Dies habe eine neue Begutachtung von Bausubstanz und Inventar in dem Gebiet ergeben. 2003 habe man nur die Infrastruktur bewertet und das Schadenspotential deutlich geringer eingeordnet. Bei dem jetzt ermittelten Schadenspotenzial sei eine Investition von etwa 8 Millionen Euro in die Hochwasserschutzanlage „durchaus gerechtfertigt“, erklärte Korndörfer.

Was darf wo überhaupt gebaut werden
Mit der Vorlage wird die Stadtverwaltung aufgefordert, für das gesamte 57 Hektar große Gelände zu klären, was unter welchen Bedingungen überhaupt gebaut werden darf. In der Vergangenheit seien wegen Lärmbelästigung durch die Nähe zur Gleisanlage oder zur Leipziger Straße, durch Lärm vom Eventbereich Schlachthof und durch Lieferverkehr beim Arzneimittelhersteller Menarini bereits der Bau einer Kita, einer Schule und von Wohnungen verwehrt worden. „Hier brauchen wir endlich Klarheit“, sagte Tilo Wirtz (Linke). Bis zum September 2015 soll auch klar sein, ob es durch mögliche Altlasten eine Beschränkung für die künftige Wohnbebauung gebe.

Mit dem neuen Masterplan wird es schwierig für die Globus-Pläne

Mit dem neuen Masterplan wird es schwierig für die Globus-Pläne

Aus für Globus am Leipziger Bahnhof – Alternativstandort möglich
Ein großflächiger Globus SB-Markt wird von der rot-grün-roten Stadtratskooperation abgelehnt. „Großflächiger Einzelhandel (über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche oder 1.200 Quadratmeter Geschossfläche) ist im Masterplangebiet ausgeschlossen“, heißt es in der Vorlage. Ziel sei es, Globus als Investor in Dresden zu halten, um ein Gegengewicht zur Dominanz von Edeka/Netto, Rewe/Penny und Lidl/Kaufland in Dresden zu schaffen. „Im schnell wachsenden Dresden sollte gemeinsam ein alternativer Standort gefunden werden“, sagte Wirtz. Teile seiner Fraktion hatten sich im März 2014 bei der Abstimmung über den Bebauungsplan im Stadtrat der Stimme enthalten und damit den Weg frei gemacht für die öffentliche Anhörung zum Bebauungsplan. „Wir haben das Vorhaben von Globus damals kritisch gesehen, inzwischen lehnen wir es ab“, stellte Wirtz klar. Globus plant auf dem Gelände am alten Leipziger Bahnhof einen Markt mit 8.800 Quadratmetern Verkaufsfläche plus einer 2.200 Quadratmeter großen Shopzone mit weiteren Anbietern.

So war das Gelände mal geplant. Neustädter Hafen Visualisierung Entwurf: © Machleidt + Partner, Büro für Städtebau / sinai, Faust. Schroll. Schwarz., Freiraumplanung + Projektsteuerung GmbH / Matthias Grobe, Visualisierungen

So war das Gelände mal geplant. Neustädter Hafen Visualisierung Entwurf: © Machleidt + Partner, Büro für Städtebau / sinai, Faust. Schroll. Schwarz., Freiraumplanung + Projektsteuerung GmbH / Matthias Grobe, Visualisierungen

Hafencity bis September verschoben
Zu dem unter dem Namen Hafencity bekannten Wohnungsbauvorhaben an der Elbe soll bis September 2015 Klarheit herrschen. Einen entsprechenden Bebauungsplan hatte der Stadtrat bereits im Juli 2014 beschlossen. Weil zwei Linke-Stadträte erfolgreich wegen nicht ordnungsgemäßer Ladung geklagt hatten, muss unter anderem dieser Beschluss erneut gefasst werden. Seit der Konstituierung des neuen Stadtrates im September 2014 ist der Tagesordnungspunkt bereits mehrfach vertagt worden. Begründung: Erst müsse Klarheit zum Masterplan Leipziger Vorstadt herrschen. Das soll mit dem jetzigen Antrag erledigt werden. Stefan Szuggat, Chef des Stadtplanungsamtes, sagte gestern, dass mit dem Investor USD Immobilien „hier im Konsensverfahren bereits viele gemeinsame Lösungen gefunden wurden“.

Der Septembertermin gilt im Prinzip auch für das benachbarte Bauvorhaben Marina Garden. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit hat einen Planungsrahmen festgelegt. Grundstückeigentümerin Regine Töberich will mit ihrer DresdenBau aber deutlich mehr Wohnungen bauen, als der Planungsrahmen gestattet. Beide Seiten sind derzeit noch weit von einem Konsens entfernt. Mit ganz knapper Mehrheit von 34 zu 32 Stimmen hat sich der Stadtrat heute für das Bebauungsplan-Verfahren und damit gegen die Töberich-Pläne entschieden.

Wohnen, Gewerbe und Park
Beim Wohnungsbau soll im Masterplangebiet auf einen „hohen Anteil rechtlich dauerhaft gesicherter preisgünstiger und familienfreundlicher Wohnungen“ geachtet werden. Entlang der Leipziger Straße dürften die Gebäude nicht mehr als sechs Geschosse haben, in Elbnähe nicht mehr als vier Geschosse.

Gewerbebetriebe sollen das Kritierium „nicht erheblich störend“ erfüllen. Das können zum Beispiel Bäcker, Fleischer aber auch kleine Werkstätten, Softwarefirmen oder Callcenter sein.

Die Beschlussvorlage legt neben einer sogenannten Kulturspange zwischen Elbe und dem Alten Schlachthof eine Grünachse mit Boulevardcharakter von der Alten Orangerie bis zum Hafengelände vor. Beide „Spangen“ sollen mit der Grünachse entlang der Elbe verbunden sein.

Alter Leipziger Bahnhof
Ein wichtiges Lockmittel von Globus war die Sanierung des verfallenen Alten Leipziger Bahnhofes und die Öffnung der Bahnbögen, um ein das Gelände zum Bahnhof Neustadt hin zu öffnen. Da Globus hier nicht bauen soll, müssen andere Wege für den Erhalt des alten Gebäude gefunden werden. Die rot-grün-rote Vorlage fordert von der Stadtverwaltung zu beiden Themen einen alternativen Lösungsvorschlag.

Ein Gastbeitrag von Winfried Schenk – www.menschen-in-dresden.de

linie

11 Kommentare für “Neuer Masterplan für Leipziger Vorstadt

  1. Neustädter
    17. April 2015 um 10:01

    Es ist schon echt schade, wenn man ließt dass der Stadtrat es einfach nicht schafft für unsere stadt an einem Strang zu ziehen.
    34 zu 26 und34 zu 32 Stimmen, dass ist doch echt Mieß. So geht unsere schöne Stadt bestimmt den Bach runter, dabei geht es nur um irgendwelche veretzten Egos und die typischen politik spielchen ohne auch nur im geringsten mal auf das Wohl der Bürger zu schauen. Eigentlich dachte ich, dass es nach der Wahl und dem neuen Stadtrat besser und menschlicher wird, aber es ging nur vom Regen in die Traufe. Man muss sich schon langsam schämen als Dresdner

    • 17. April 2015 um 10:03

      @Neustädter: Ehrlich gesagt, wäre mir ein einheitlich abstimmender Stadtrat eher unheimlich.

  2. auch ein Stefan
    17. April 2015 um 10:45

    Schön auch mal zu erfahren, was dies denn alles für unsere über alles geliebte Firma USD und ihr Hafenquartier bedeutet. In den letztem Visus, die ich sah, waren da immer noch recht große (4- bis 6-Geschosser) und vor allem reichlich triviale Baukörper, sowie drumherum Unmengen „Versiegelungsbeton“ zu sehen. in letzter Zeit ging das im Geschrei um Marina Garden bissl unter.

  3. Neustädter
    17. April 2015 um 10:51

    @Anton: Ja, da hast du vollkommen recht, nur durch unterschiedliche Meinungen und Reibungspunkte kann auch was erreicht werden. Aber ich empfinde es so, dass RGR irgendwo auf dem Mars sitzt, die Opposition sitzt auf dem Saturn und der Rest ist ganz raus. Aber keiner sitzt wirklich in Dresden.

  4. karl
    17. April 2015 um 11:32

    Globus hätte von mir aus gerne einen Baumarkt+Einkaufsmarkt+“Shopzone“ dort hinbauen dürfen. Vor allem einen Baumarkt, das fehlt hier einfach in der Nähe. Das Gelände hätte ich gerne mit Parkhaus statt riesigem platzverschwendenen Parkplatz gesehen.
    Erschließt sich mir nicht so richtig warum das Globus-Projekt komplett gestoppt wurde, statt eine gemeinsame Lösung zu finden. An Lärmbelästigung kann es nun nicht liegen, die schmieden dort ja keinen Stahl.
    Die Bauherrren von MarinaGardens und HafenCity, dürfen ja auch weiterhin bauen. Die Projekte müssen nur hinter das Hochwassergebiet wandern, dann dürfen die auch loslegen…

    • 17. April 2015 um 14:26

      @karl: Ein Baumarkt war an dieser Stelle nie geplant. Und ob das nun ein endgültigen Stopp für „Globus“ bedeutet, weiß ich auch noch nicht sicher.

  5. anni
    17. April 2015 um 12:21

    mal zum Nachdenken:

    die Hamburger sind mit ihren Elbbauten – Elbzubebauung auch eher sehr unzufrieden und sagen immer zu den Dresdnern- wenn sie von Bauplänen hören: ,,macht nicht die gleichen Fehler wie wir!“ … die Elbe soll doch in ihrem natürlichen Naturbild erhalten bleiben.

    Die Elbe hat übrigens eigentlich fast als einzigster europäischer Fluss noch sein natürliches Erscheinungsbild- mit Flußauenund ohne Kanalisierung/Betonnierung…
    So soll es auch bleiben.

  6. UK
    17. April 2015 um 13:29

    Globus testet gerade ein Kleinflächenkonzept, das sehr viel sympathischer klingt und deutlich besser in die Gegend passen würde: http://www.fruchtportal.de/news/artikel/014254/globus-mit-neues-konzept-fridel-stellt-sich-vor
    Vielleicht kann Globus ja dazu bewogen werden, so etwas statt diesem Riesenmarkt zu bauen.

  7. E-Haller
    17. April 2015 um 15:48

    @ anni: Nimms nicht persönlich, aber ich muss mal wieder intervenieren – so sah das „natürliche Naturbild“ in Hamburg vor der Hafencity aus:

    http://www.hafencity.com/upload/images/artikel/z_artikel_de_49_2_Sommer_1997_1200x800.jpg

    In Hamburg stört man sich meiner Wahrnehmung nach viel mehr daran, dass ein „totes Viertel“ entstanden ist. Außer ein paar Touris treibt sich da nämlich niemand auf den Straßen rum…

  8. karl
    17. April 2015 um 16:32

    @UK:

    Fridel Markt….klingt ein bisschen wie Frida Markt von Konsum…

  9. ein anderer Stefan
    17. April 2015 um 23:38

    karl: nee, Stahl schmieden die da nicht. Aber 1000 Parkplätze + Lieferverkehr für den Riesenladen heißen effektiv, dass es nicht weniger Lärmbelastung wird als früher. Und die Staus ringsum werden sicher auch nicht besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

linie