Ich hör‘ den Dixie dödeln

Die Dresden Dixie Dödel am Dienstag Abend an der Ecke.

Die Dresden Dixie Dödel am Dienstag Abend an der Ecke.

Gestern Abend an der Ecke, die für manche die Welt bedeutet. Drei Herren, mit weißen Hemden, Fliege und seltsamen Instrumenten marschieren zielstrebig zur „Peccato-Ecke“ der Kreuzung, stellen sich auf, schieben zwei, drei Probetöne in die Welt und los geht’s. „Probiers mal mit Gemütlichkeit“, es folgen weitere Dixie- und Bluegrass-Stücke.

Die herumsitzende Menge wird vom Darsteller zum Publikum degradiert. Nimmt es aber nicht übel, applaudiert. Mitten drin ein paar Herren, die schon so alt sind, dass sie beige-farbene Westen tragen müssen. Sie zücken ihre Mobiltelefone, knippsen, schmunzeln und erleben ein Dresden, das sie so wohl nicht erwartet hätten.

Nach einer knappen halben Stunde haben die Burschen ihr Repertoire abgespult. Vorbeirauschende Automobile störten sie nicht und die Verkehrsbetriebe haben die Kreuzung ja zwischenzeitlich verlassen. Auch die Ordnungsmacht sah sich nicht gezwungen einzuschreiten, obwohl doch die nächtliche Ruhestunde schon längst angebrochen war.

Ich eile den Burschen hinterher. Sie sind die „Dresden Dixie Dödel“, erklären sie mir, und es sei schon ihr dritter Auftritt hier in der Neustadt. Nachdem sie vor einiger Zeit das Dixieland-Festival erlebt haben, hätte ihnen gedämmert, dass solche Musik doch auch etwas unverstaubter daherkommen könne. Dann wird mir noch etwas von den Wurzeln und New Orleans erzählt, doch mich interessiert viel mehr der große dreieckige Klangkörper. Das sei eine Bass-Balalaika wird mir erklärt und die stamme aus Leningrad. Nun der Resonanzköper hat jedenfalls ausgereicht, die Ecke gut zu beschallen.

Wie das Trio ohne nächtliche Begleitkulisse klingt, lässt sich hier gut nachhören.

  • Weitere Infos zu den Dresden Dixie Dödel auf ihrer Facebook-Site.

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6 Kommentare zu “Ich hör‘ den Dixie dödeln

  1. Alauner
    23. Juli 2014 at 12:51

    Ich habe beim Video auf den Preibisch gewartet, der ins Bild wandert und anfängt zu singen ;)

  2. Oskar
    23. Juli 2014 at 21:50

    Wir wohnen am Bischofsplatz. Und haben durch den Späti so schon Probleme unseren Kleinsten zum schlafen zu kriegen. Gegen halb eins wurden die Instrumente noch mal an der „grünen Ecke“ ausgepackt. Wir hatten die Zugabe im Schlafzimmer. :(

  3. krankes Volk!
    24. Juli 2014 at 15:07

    @Oskar: Rücksichtnahme ist in der Neustadt leider für viele ein Fremdwort. Hier herrscht der pure Egoismus.

  4. Fritz
    24. Juli 2014 at 19:25

    Zugabe, Zugabe, Zugabe … ich höre immer nur mimimimi

  5. Fire
    24. Juli 2014 at 23:45

    @Oskar
    Sorry, aber warum ziehst du dann an den Bischofsplatz wen dich nachtleben stört?
    Mir gefällts jedenfalls dort!

  6. Oskar
    25. Juli 2014 at 20:59

    @Fire: Das glaub ich dir. Leider verschieben sich die Interessen im Laufe der Zeit. Wir wohnen noch nicht immer in Familie hier…und wenn die Mieten nicht so explodieren würden, würden wir lieber heute als morgen in „Deckung“ ziehen. Nichts desto trotz, vor 3Jahren hab ich auch noch mit nem grinsen im Bett gelegen, und den Diskussionen wer jetzt wessen Bier runtergehauen hat gelauscht. Heute spiele ich mit dem Gedanken eine Hand voll Kies aus dem Fenster zu werfen, wenn das Skateboard (gefühlt) durch’s Schlafzimmer fährt. Und das hier alles ni mehr is wie es mal war, muß wohl jeder zugeben der auf die letzten 20 Jahre zurückblicken kann.

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