‚Haut‘-Couture und Lederlappen

Die Croupon-Ledermanufaktur auf der Louisenstraße 19

Die Croupon-Ledermanufaktur auf der Louisenstraße 19

In der Louisenstraße, Nummer 19, bearbeitet Roland Schulze in seiner Werkstatt „Croupon“ mit geschickter Hand Leder.

Draußen wärmt die Sommersonne die steinernen Gehwegplatten der Louisenstraße. Drinnen, in der Lederwerkstatt, leuchtet kühles Neonröhrenlicht. Es riecht herb nach etwas Altbekanntem, das ich mit Hitze und Sommerferien verbinde… Natürlich! Es riecht nach Stall. Riemen, Sättel, Lederfett, Stiefel. An den Wänden und der Decke hängen Lederstücken verschiedenster Form und Größe – innerlich leiste ich Abbitte bei meinen vegetarischen und veganen Freunden. Spätestens, als ich von einem bodenlangen Mantel aus rotem Rindsleder fantasiere.

Der Inhaber, Roland Schulze, braucht noch einige Minütchen. Die nutze ich zur Inspektion. Es gibt Ballonmützen aus Leder und orientalisch geschnittene Kappen, einen sexy Polizeihut in rot-schwarz mit Kettchen über der Blende, Kinderschuhe in Blumenwiesenfarben, Gürtel und Hundehalsbänder, einen ledernen Wikingerhelm mit Hörnern. Im Schaufenster liegen in einem Aluminiumkoffer, aufgebockt auf einer leeren Dose Tulip Frühstücksfleisch, silberne Schnallen. Dazwischen Taschen über Taschen. Matt glänzend, in Rubinrot und Sandfarben. Ich denke an Wüste, an Marokko. Stühle stehen herum und warten auf einen neuen Bezug, große Rollen dicken Leders drängeln sich aus den Ecken in die Raummitte.

Lederschuhe für die Kleinsten

Lederschuhe für die Kleinsten

Roland Schulze selbst trägt keine Lederkleidung mehr, die Zeiten, sagt er, seien vorbei. Aber seine Liebe zum Material ist nicht geschwunden, auch nach 20 Jahren nicht. Der gelernte Sattler arbeitete in einem großen Betrieb, bevor er sich selbstständig machte und in die Neustadt kam. Im Jahr 2000 wurde das verfallene Haus, in dem er jetzt seine Werkstatt hat, renoviert und er zog von nebenan in die Nummer 19 ein. „Leder“, sagt er und sein Blick bekommt etwas Zärtliches, „ist unerschöpflich.“ Er reibt eine glatte Haut zwischen den Fingern, lobt die Haptik und schwärmt vom Duft der Tierhäute. Zu Kleidung kann es verarbeitet werden, zu Schmuck, Behältern, Möbeln, es hält als Band den Schuh zusammen und die Uhr am Handgelenk. Behutsam hebt Roland eine venezianische Maske aus dem Regal. Ein Mann verkaufte sie ihm einst, weil er Geld brauchte. Das falsche Gesicht sieht täuschend echt aus – ein Stück Kunsthandwerk, immer wieder mit Wasser erweicht und in Form getrieben.

Lederhandel Croupon: Roland Schulze bei der Arbeit

Roland Schulze bei der Arbeit

„Leder ist ein Abfallprodukt“, sagt Roland Schulze. Das Stück „Krokodil“ an der Wand ist eigentlich Rind und die Eidechse daneben ein uraltes Mitbringsel von einem Antik-Markt. Roland bearbeitet in seiner Manufaktur ausschließlich Aufträge, darunter Reparaturen und Restaurationen. Er spricht mit Bewunderung von den Werken der Mittelalter-Fans, die sich selbst Köcher und Taschen in mühseliger Handarbeit nähen. „Ihr Vorteil ist eben die Zeit“, sagt Roland bedauernd. Seine Aufträge müssen schnell fertig werden. Seit 1958 gibt es den Lederhandel Croupon, Roland Schulze führt ihn in zweiter Generation. Croupon ist die Bezeichnung für das Kernstück der Tierhaut, von dem Hals und Flanken abgetrennt wurden, erklärt er den Namen des Geschäftes.

Mit Leder arbeiten, das sieht man, geht flüssiger als über die Arbeit sprechen. Flink eilt er zwischen Lager und Arbeitsplatte hin und her, bändigt mit Tacker und Seil die widerspenstigen Federn eines alten Stuhlpolsters. Schon muss er sich wieder loseisen, ein Kunde steht am Tresen. Viel Leder, wenig Zeit.

Lederhandel Croupon

  • Louisenstraße 19, 01099 Dresden
  • Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag 11 bis 18.30 Uhr, Telefon 0351 3247956 oder 0177 1969068
  • www.croupon-lederhandel.de
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