Von hektischen Passagieren und lässigen Polizisten

Es ist Samstag und Nacht und verdammt kalt. Eigentlich wollte ich nur schnell ein paar Videos aus dem Oscar, der Filmkneipe, holen. Doch ein kleiner Snack ist ja auch nicht schlecht, also auf in den Kiosk auf der Rothenburger Straße.

Da leuchtet es blau und blinkend, ein Streifenwagen. Meine Neugier ist geweckt. Die Straßenbahn steht still, laut schimpfend stehen Passanten am Straßenrand. Empörte Rufe dringen an mein Ohr: „eine Sauerei ist das“ und „sieht der Idiot nicht, dass hier Schienen sind“. Ein ziemlich beleibter Herr fuchtelt hektisch mir den Armen: „Ich will jetzt weiter, haut diese Karre endlich um.“ Die Zornesröte steigt ihm ins Gesicht.

Ursache des ganzen Auflaufs ist ein roter Golf. Die Polizei hat schon den Abschleppdienst gerufen und versucht jetzt, die Passagiere zu beruhigen. Das gelingt nur mäßig. Der beleibte Herr läuft immer noch auf und ab, vielleicht auch wegen der Kälte. Neugierig geworden, frage ich einen Polizisten: „Wo wird der eigentlich hingeschleppt?“ Der junge Wachtmeister erklärt lässig: „Ach, den stellen wir einfach in irgendeiner Nebenstraße ab.“ Das hört der Herr mit den fuchtelnden Armen und ruft empört: „Auf den Schrottplatz gehört der, ab in die Presse.“

Ein Jugendlicher, ebenfalls Bahn-Passagier, kommt zu unserer kleinen Wartegemeinschaft. Er schlägt vor, doch einfach den Kleinwagen beiseite zu heben. Doch der lässige Wachtmeister wird noch ein bisschen lässiger und winkt ab. Jetzt sei schon alles in die Wege geleitet. Schließlich muss doch alles seine Ordnung haben. Das glaube ich auch, zumal mir die nächtliche Straßenblockade nicht so nahe geht. Bin ich doch zu Fuß unterwegs. Um der Vollständigkeit willen inspiziere ich noch des Golfes Nummerntafel. Bestimmt wieder einer aus dem Umland, die parken hier immer so verrückt.

Irrtum, feinstes Dresdner Kennzeichen, der müsste sich doch eigentlich auskennen. Und der hintere Reifen hängt mitten in der Schiene. Davor steht ein zweiter Streifenwagen, als ob er eine plötzliche Golf-Flucht befürchtet. Die Straße ist dicht, die Passagiere schimpfen und der durch die Neustadt kreisende Kneipen-Such-Verkehr dreht noch ein paar extra Runden. Mir wird es zu kalt, die Minusgrade siegen über die Neugier und ich werde keine spektakuläre Abschlepp-Aktion mehr erleben.


Anmerkung 2006: Neuerdings soll eine Ampel die Kreuzung bereichern. Siehe hier.

Anmerkung 2012: Aus dem Oscar ist inzwischen das Stilbruch geworden.

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