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Die Praxis ‚Meinhardt Lange‘ begleitet Heroinabhängige – oft ein Leben lang

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Seit 35 Jahren betreut die Gemeinschaftspraxis Meinhardt Lange heroinabhängige Menschen. Fast die ganze Zeit war sie die einzige Praxis in Dresden, die Substitutionstherapien anbot. Die Behandlung gibt den Betroffenen Stabilität, bindet sie aber über Jahre hinweg an Medikamente und feste Abläufe.

Die Praxis in der Neustadt hilft Langzeitkonsument*innen von Heroin. Der Bedarf übersteigt die Kapazitäten der Einrichtung deutlich.
Die Praxis in der Neustadt hilft Langzeitkonsument*innen von Heroin. Der Bedarf übersteigt die Kapazitäten der Einrichtung deutlich.

Bei der Substitutionstherapie ersetzen legale Medikamente die illegale Droge. In der Gemeinschaftspraxis Meinhardt Lange kommen dafür Methadon, L-Polamidon und Buprenorphin zum Einsatz. Marie Lange erklärt: „Diese können das Verlangen nach Heroin ‚abdecken‘ – körperlich wie seelisch.“

Die Ärztin wählt ihre Worte bedacht und präzise. Oft hat sie die Ziele und die Wirkungsweise der Substitutionstherapie in den vergangenen Jahren schon erklärt. Bereits 1991 begann der damalige Praxisinhaber, Heroinabhängige zu behandeln. „Ich habe mir die Praxis nicht danach ausgesucht, aber die Notwendigkeit sofort erkannt“, sagt Lange über ihren Einstieg.

Der Bedarf ist so groß, dass die Praxis täglich ein bis zwei Personen absagen muss. Neue Patient*innen kann sie zurzeit nicht aufnehmen. Erst seit Kurzem gibt es eine zweite Praxis. „In Leipzig gibt es fünf Praxen und wir sind schon froh, dass wir nicht mehr die einzigen in Dresden sind, die das anbieten.“

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Langfristige Behandlung

Marie Lange betreut etwa hundert Patient*innen. Nach ihrer Einschätzung gelingt es meist nur einer Person pro Jahr, das Medikament abzusetzen. Doch auch danach bleiben manche abhängig: Einige steigen nach ihrer Erfahrung auf Benzodiazepine um, die ebenfalls stark abhängig machen.

Für die Langzeitkonsument*innen, die zu ihr kommen, bleibt die Anfälligkeit für Opiate bestehen. Der Umgang damit bleibt harte Arbeit. Viele begleitet die Ärztin ein Leben lang. Sie zieht einen Vergleich zu Diabetespatient*innen, die bis zu ihrem Tod von Insulin ‚abhängig‘ sind.

Auch die Konsument*innen wissen um diesen lebenslangen Kampf. Deshalb schrecken viele vor der Behandlung zurück. Mit der Substitutionstherapie binden sie sich an ein Medikament, an die Praxis und an feste Strukturen. Diese Bindung unterscheidet sich von ihrer bisherigen Abhängigkeit, greift aber ebenfalls in ihre Autonomie ein.

Von den hundert Patient*innen, die Marie Lange betreut, gelingt es den allerwenigsten, endgültig von Drogen und Ersatzmedikamenten wegzukommen.
Von den hundert Patient*innen, die Marie Lange betreut, gelingt es den allerwenigsten, endgültig von Drogen und Ersatzmedikamenten wegzukommen.

Zwischen Stabilität und festen Abläufen

Buprenorphin gibt es mittlerweile auch als Depotpräparat mit einer Wirkungsdauer von einer Woche oder einem Monat. Etwa 30 Prozent der Patient*innen kommen jedoch täglich in die Praxis und holen sich ihre Dosis für den jeweiligen Tag ab. Schaffen sie das nicht, drohen Entzugssymptome.

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Auch während der Substitution bleiben die Patient*innen suchtkrank. Nach Langes Erfahrung greifen viele zu Drogen, wenn sie mit belastenden Gefühlen konfrontiert sind. Die Medikamente sollten dann nicht unkontrolliert verfügbar sein.

Einige konsumieren parallel weitere Drogen. Um Überdosierungen zu vermeiden, muss bei ihnen täglich der Gesundheitszustand kontrolliert werden. „Ob ich als Ärztin wirklich helfen kann, sei dahingestellt“, sagt Marie Lange, „aber schaden will ich auf gar keinen Fall.“

Betroffenen, denen sie vertraut, verschreibt Lange dennoch Medikamente für bis zu einer Woche. Das Gesundheitssystem fördert das nicht. Im Gegenteil: Die Krankenkassen vergüten die tägliche Abgabe deutlich besser. Für Praxen besteht damit ein finanzieller Anreiz zur täglichen Abgabe.

Die Ausgabestelle der Praxis sehen viele Patient*innen täglich – über viele Jahre hinweg.
Die Ausgabestelle der Praxis sehen viele Patient*innen täglich – über viele Jahre hinweg.

Mitten im Leben

„Suchtkranke Menschen haben keine Lobby“, kritisiert Marie Lange. Stattdessen würden sie stigmatisiert und ausgegrenzt.

Sie zeichnet ein anderes Bild ihrer Patient*innen. Ein Großteil ist im mittleren Lebensalter, insgesamt behandelt sie Menschen zwischen 18 und 80. Sie beschreibt sie als „freundliche, unauffällige Menschen, die Sie auf der Straße nicht als drogenabhängig einordnen würden“.

Vom Psychologen über die IT-Mitarbeiterin bis hin zum Verkäufer sind unterschiedliche Berufsgruppen vertreten. Darunter sind Familienväter, die wissen, dass es sich für ihr Leben zu kämpfen lohnt. Manche haben eine Fluchtgeschichte oder kommen aus zerrütteten Verhältnissen. Viele wuchsen aber in stabilen, wohlsituierten Familien auf, ohne deshalb zwangsläufig eine behütete Kindheit erlebt zu haben. Was diese Menschen verbindet, ist kein Milieu, sondern eine Abhängigkeit, die sie oft ein Leben lang begleitet. Und Marie Lange, die das ebenfalls tut.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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